Terrorist Bin Laden ist zwar tot aber als Zombie erst recht heimtückisch, weshalb ihn ein NATO-Geheimkommando in Afghanistan aufspüren und endgültig ausschalten soll … – Der gewollt groteske Plot ist nur Aufhänger für die übliche Horror-Hatz, die nicht ganz so trashig ausfällt wie erwartet (oder befürchtet), sondern immerhin solide in Szene gesetzt wurde; originell ist dennoch nur der Titel.

Das geschieht:

Zwar konnte eine US-Einsatztruppe Osama bin Laden, den Anführer der Terror-Organisation Al-Kaida, im November 2011 stellen und erschießen, aber der tückische Schurke konnte sich zuvor ein bizarres Mittel in die Blutbahn injizieren. Es lässt ihn von den Toten auferstehen. Zu Osombie mutiert, kann er den Amerikanern entwischen und in ein neues Versteck und zu seinen Leuten zurückkehren.

Die USA halten diese Schlappe streng geheim. Im Bund mit der NATO unterdrücken sie auch diese beunruhigende Neuigkeit: Überall in Afghanistan fallen untote Al-Kaida-Rebellen sowie zunehmend zombifizierte Zivilisten über die Friedenstruppen her, die sich deshalb aus der Region zurückziehen.

Gleichzeitig wird ein Sonderkommando aufgestellt. Es soll heimlich dorthin schleichen, wo man das Versteck Osombies vermutet. Dort werden außerdem die Zombie-Horden ‚hergestellt‘, die von den Terroristen in den Kampf geschickt werden. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wird man das Lager mit einem Luftangriff vernichten.

Doch die Mission steht unter einem Unstern. Schon früh wird die Gruppe von Zombies dezimiert, die außerdem die Funkanlage zerstören. Die Männer (plus eine Frau) müssen sich zum nächsten Treffpunkt durchschlagen, wo man sie in frühestens zwei Tagen abholen wird. Dennoch wird die Mission fortgesetzt. Dabei stößt die Gruppe auf die Geschwister Dusty und Derek. Er, ein ehemaliger Feuerwehrmann, der den Anschlag vom 11. September 2001 überlebte und seither an einem Trauma leidet, will sich im Alleingang an Bin Laden rächen, während sie ihn von diesem irrwitzigen Vorhaben abbringen will.

Man tut sich zusammen, denn nicht nur die überall lauernden Zombies setzen der Gruppe zu. Es gibt auch mehr als genug lebende Terroristen, die den verhassten Amerikanern den Garaus machen wollen …

Kein Drehbuch aber eine bizarre Idee

In der Welt des B- und C-Films gibt es bekanntlich nichts, das es nicht gibt – und sollte dem einmal trotzdem so sein, wird es garantiert nach kurzer Zeit verwirklicht. Das eigentlich Interessante an einem Film wie „Osombie“ ist daher nicht sein Zustandekommen oder gar sein Inhalt, sondern der Geist, in dem er entstand: Seit 2001 ringen die USA mit einem Trauma. Die Anschläge auf New York und Washington haben ihre Spuren selbst in der Unterhaltungsindustrie hinterlassen. Der Hass auf den Mann, der dem Terror sein Gesicht gab, ist so groß, dass ein Tod nicht reicht, um den Drang nach Gerechtigkeit bzw. Rache zufriedenzustellen.

Bin Laden ist keineswegs der erste Staatsfeind, der im Unterhaltungsfilm lächerlich gemacht und dadurch entmystifiziert oder besser: entdämonisiert wird. Kaiser Wilhelm II. oder Adolf Hitler traf es noch zu Lebzeiten mehrfach, später war es u. a. Saddam Hussein („Hot Shots!“ 1 u. 2), den man auf diese eigentlich kindische aber heilsame Weise veralberte. Im Falle Bin Ladens kommt hinzu, dass (bisher) kein Bild von seiner Leiche veröffentlicht wurde, was selbstverständlich Verschwörungsszenarien bedingt. Ist er wirklich tot, oder hat er seine Gegner so gründlich getäuscht, dass sie dies glauben, während er weiterhin an den Strippen seines weltweiten Terrornetzes zieht?

Beide Quellen speisen „Osombie“, den Film, der dies vorgibt bzw. den weniger leichtgläubigen Zuschauern ein politisch absolut unkorrektes und deshalb umso größeres Vergnügen vorgaukelt. Eigentlich ist „Osombie“ kein Filmtitel, sondern die Zusammenfassung einer Geschäftsidee, die schon Phineas Taylor Barnum (1810-1891) zur Vollendung brachte, bevor sich das Billig-Kino sich ihrer bemächtigte. Barnum war kein Trick zu schäbig und keine Lüge zu groß, um Zuschauer in seinen Zirkus oder in sein berühmtes Kuriositätenkabinett in New York zu locken. Sie mochten zwar verärgert wieder herauskommen, doch ihr Eintrittsgeld hatten sie bezahlt.

Osombie light: ein gebremstes Vergnügen

„Humbug“ schimpft Ebenezer Scrooge in Charles Dickens‘ „A Christman Carol“ (1843) ständig. Der Zuschauer möchte es ihm gleichtun, denn schnell wird ihm klar, dass man ihm keine schräge Horror-Komödie, sondern abgestandenen Grusel-Wein in alten, schlappen Schläuchen andrehen will. Der titeldominante Osombie füllt in toto höchstens 45 Sekunden Filmzeit; er wird zum Feigenblatt für den eigenen Film, den er kurz zu Beginn und im Finale besucht, um ansonsten unsichtbar zu bleiben, da er in dieser Geschichte überhaupt keine Rolle spielt oder den Machern der Mumm fehlte, dem Zombie-Osama eine echte Hauptrolle zu geben.

Stattdessen setzen uns Regisseur John Lyde und Drehbuchautor Kurt Hale austauschbare Dutzendware vor. Eine von der Außenwelt isolierte Gruppe irrt durch die Wüste und muss sich dabei in regelmäßigen Abständen feindlicher Attacken erwehren, während es intern zu Krisen und dem ausgiebigen Austausch von Lebensgeschichten kommt. Die ‚Kulissen‘ schuf Mutter Natur, was sich angenehm auf den Kostenrahmen auswirkt, der solchen Produktionen traditionell würgend eng um die Kehle sitzt. Hier sparte man sich die Reise in eines der verdächtigen arabischen Ausländer; die Wüstenwildnis von Afghanistan wird vom US-Staat Utah gedoubelt, was zumindest die Imaginationsbereitschaft älterer Zuschauer auf eine harte Probe stellt, da diese noch wissen, wie viele Western John Ford hier mit seinem Lieblingsdarsteller John Wayne drehte. Man glaube nicht, dass Wüste gleich Wüste ist; die Unterschiede zwischen Utah und dem Nahen Osten sind jedenfalls erstaunlich augenfällig.

Damit passt die Landschaft quasi wieder zur Story, nur dass es dieses Mal keine Indianer sondern Zombies sind, die unseren Helden zu Leibe rücken – Zombies mit Turbanen, was sich in ihrem Verhalten allerdings nicht niederschlägt. Osombies untote Schergen sind ideologisch unbelastet; werden sie unzureichend beaufsichtigt, fallen sie auch über ihre Al-Kaida-Verbündeten her. Schon dieses Detail kündet von der Hirnrissigkeit des Plots: Was nützt eine Terror-Waffe, die auch die Terroristen niedermacht?

Von A nach B – mit tiefer Kluft dazwischen

Die Figuren: die übliche Sammlung cooler Sprücheklopfer, hinter deren aufgesetztem Zynismus stets der Patriot lauert. Harte Jungs mit weichen Herzen, und weil wir das 21. Jahrhundert erreicht haben, ist auch ein besonders hartschaliges (aber trotzdem hübsches) Mädchen dabei. Mit den erwähnten Sprüchen wird das Publikum härter traktiert als unsere Soldaten von den Zombies, denn nachdem „Osombie“ rasant gestartet ist, müssen die knappen finanziellen Ressourcen bis zum wiederum turbulenten Finale über einen schier endlosen Mittelteil gestreckt werden. Das geschieht auf bekannte Weise: Unsere Helden reden über sich und ihre Vergangenheit; man neckt und verträgt sich, Männlein und Weiblein kommen sich näher. Dies will man in einem Horror-Film mit dem Titel „Osombie“ ganz gewiss nicht sehen, aber zur Erinnerung: Wir haben es hier mit einer Jahrmarkts-Mogelpackung zu tun.

Tauchen endlich einmal Zombies auf, hat Lyde keine dramatische Verwendung für sie. Sie werden als Zielscheiben benutzt, deren Köpfe in heftigen CGI-Explosionen zerstieben. Abwechslung kommt ins Metzel-Spiel, wenn Tomboy ihr Samurai-Schwert kreisen lässt oder die Untoten aus der „Big Mama“ mit Geschossen der Kaliberstärke .50 zu einem Blutnebel zerblasen werden.

Ein wenig Leben ins Geschehen sollen die matschbirnigen Geschwister Derek (traumatisierter Feuerwehrmann) und Dusty (Yoga-Lehrerin!) bringen. Wiederum gilt, dass die Story sie nicht benötigt und nicht von ihnen profitiert. Sie füllen einfach die von Zombies gerissenen Lücken unter den Hauptdarstellern auf. Die wissen sehr gut, in welches Machwerk es sie verschlagen hat, was sich deutlich in ihrem Schauspiel niederschlägt: Falls Talent vorhanden ist, wird es für zukünftige Einsätze geschont.

Film ist harte Arbeit

In zwei Punkten kann „Osombie“ trotz ausgeprägter Schwächen überraschen: Handwerklich wurde der Film solide in Szene gesetzt. Dies ist kein „Syfy“- oder „Asylum“-Müll. Für richtig Großes war natürlich kein Geld da, weshalb manche digital erstellte Kulisse wie einem mittelprächtigen PC-Game entnommen wirkt.

Erstaunlich gut ausgestattet war die Make-up-Abteilung. Zombie-Schwäche kann man „Osombie“ nicht vorwerfen; die Untoten tummeln sich zahlenstark auf der Leinwand. Trotzdem sind ihre Masken richtig gut, d. h. abstoßend hässlich geraten. Osombie selbst ist – wie es sich gebührt – der Schaurigste von allen, was den zuschauenden US-Patrioten auch deshalb freut, weil der echte bin Laden auf diese Weise zusätzlich gedemütigt wird, worüber sich wiederum seine Al-Kaida-Schergen mächtig ärgern werden; weiter oben wurde schon angedeutet, dass der Ruf nach Gerechtigkeit über Schadenfreude nicht erhaben ist.

Während in den USA vermutlich gar nicht genug (Zombie-) Terroristen-Schädel platzen konnten, sah man im angeblich zensurfreien Deutschland die Sachlage nicht so entspannt, weshalb „Osombie“ in zwei Fassungen existiert: Die angeblich für den erwachsenen Staatsbürger „ab 18“ freigegebene Version wurde um vier Minuten ‚entschärft‘. Da es primär jene Szenen traf, auf die der Freund des eher splattrigen Horrors hofft, ist von dieser Version abzuraten.

Glücklicher- und seltsamerweise gibt es eine „Black Edition“, die es ungekappt in dieses unser gewaltbereinigtes Land geschafft hat. Sie bietet – selbstverständlich gegen Aufpreis – die volle Breitseite und erfüllt ihren Unterhaltungsauftrag wenigstens in dieser Hinsicht.

DVD-Features

Nicht einmal das eigene Label mochte auf den Osama/Osombie-Knalleffekt setzen, weshalb der Film ohne Bonusmaterial blieb; schade, denn sicherlich hätte der Zuschauer gern eine gute Dokumentation über Al-Kaida und den Krieg im Nahen Osten angeschaut …

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Osombie – Bin Laden Is Back
Originaltitel: Osombie – The Axis of Evil Dead (USA 2012)
Regie: John Lyde
Drehbuch: Kurt Hale
Kamera: Airk Thaughbaer
Schnitt: Kurt Hale u. Airk Thaughbaer
Musik: Jimmy Schafer
Darsteller: Corey Sevier (Chip), Eve Mauro (Dusty), Jasen Wade (Derek), Danielle Chuchran (Tomboy), William Rubio (Chapo), James Gaisford (Bravo), Paul D. Hunt (Joker), Danny James (Herc), Matthew Reese (DC), Ben Urie (Doc), Kevin Lyde (Thunder), Jeff Kirkham (Whiskey), Mike Black (Aasif), Walter A. Carmona (Osombie) u. a.
Label/Vertrieb: Splendid Entertainment
Erscheinungsdatum: 31.08.2012
EAN: 4013549043892 (DVD/Black Edition) bzw. 4013549043908 (Blu-ray/Black Edition)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (DVD/Black Edition)/95 min. (Blu-ray/Black Edition)
FSK: 18

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