Outpost: Black Sun

Originaltitel: Outpost II – Black Sun (GB 2012)
Regie: Steve Barker
Drehbuch: Steve Barker u. Rae Brunton
Kamera: Darran Tiernan
Schnitt: Bill Gill u. Chris Gill
Musik: Theo Green
Darsteller: Catherine Steadman (Lena Jonas), Richard Coyle (Wallace), Ali Craig (Hall), Nick Nevern (Carlisle), Daniel Caltagirone (Macavoy), Gary McDonald (Abbot), David Gant (Klausener), Domenic Pontone (Josef), Martin Bell (Neurath), Paul Birchard (Cains) Carter Ferguson (Jem), Philip Rosch (Harper), Clive Russell (Marius) uva.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Erscheinungsdatum: 27.04.2012
EAN: 4013549025591 (DVD) bzw. 4013549036283 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min. (Blu-ray: 101 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Nazi-Jägerin Lena Jonas setzt das Werk ihrer verstorbenen Eltern und die Jagd auf den untergetauchten Altnazi Klausener fort. Dieser hatte in der Endphase des II. Weltkriegs in einer militärischen Geheimstation irgendwo in Jugoslawien grässliche Menschenversuche befohlen, die der Züchtung unverwundbarer und bedingungslos gehorsamer Soldaten dienten. Die dafür entwickelte Maschine wurde allerdings zu spät fertiggestellt; der Krieg ging für das „Dritte Reich“ verloren. Klausener konnte den Prototyp verstecken. Jahrzehnte später will er nun seine Soldaten, die in einer Art Dimensionsspalte auf ihren Einsatz warten, zur Rückeroberung Europas aussenden. Kürzlich gelang es ihm, den Physiker Hunt nach Osteuropa zu schicken, der die Maschine wieder in Betrieb nahm. Seither erhebt sich über dieser Region eine Art Energieglocke, die sich ständig ausbreitet und in deren Schutz die zu Zombies mutierten Nazi-Soldaten unaufhaltsam vorrücken.

Die Nato hält diesen Schrecken geheim und schickt Truppen in das Kampfgebiet, die jedoch nichts ausrichten. Das Chaos gestattet Lena, sich ebenfalls in die Sperrzone zu schleichen. Dort stößt sie auf den Abenteurer Wallace, einen alten Freund, der nicht Klausener, sondern dessen Maschine sucht. Man tut sich zusammen und schließt sich den Überlebenden eines Kampftrupps an, der gezielt jene Bunkeranlage zerstören soll, in dem die Maschine vermutet wird.

Eile ist geboten, denn ist dieser Auftrag nicht binnen einer kurzen Frist erfüllt, wird die Nato eine Atombombe über der Sperrzone abwerfen. Obwohl überall die Zombie-Nazis lauern und die kleine Gruppe schreckliche Verluste erleidet, erreicht sie den Bunker – und muss feststellen, dass die Maschine verschwunden ist. Wallace gelingt es, die Aufzeichnungen des verschwundenen Hunt zu entziffern. Sie weisen auf ein Versteck tief unter der Erde hin. Dort steht allerdings nicht nur die Maschine: Sie wird von einigen besonders üblen Zombies bewacht, denen bald dämmert, dass sie ungebetenen Besuch bekommen haben …

Blühender Blödsinn mit ungutem Beigeschmack?

Welchen unglaublichen Schwachsinn hat Regisseur und Drehbuch-Mitautor Steve Barker hier bloß verzapft – und das nicht zum ersten Mal, hat er doch 2007 mit „Outpost“ (dt. „Outpost – Zum Kämpfen geboren“) erstmals Söldner, Soldaten und Zombies aufeinandertreffen lassen. Tatsächlich ist „Outpost: Black Sun“ der Mittelteil einer Trilogie, die mit „Outpost: Rise of the Spetsnaz“ (voraussichtlich) ihren Abschluss finden wird. Wie man sich denken kann, sind diese Geschichten und ihre Umsetzung politisch unbedingt unkorrekt, weshalb vor allem das deutsche Publikum sich tüchtig schämen sollte, diesen Unfug anzuschauen und ihn womöglich vergnüglich zu finden.

Nachdem dies pflichtschuldig gesagt ist, wenden wir uns nun dem Film selbst zu. Der ist – seines Pseudo-Nazi-Brimboriums entkleidet – eine simple Hit-&-Run-Story, die im Grunde nur eine anderthalbstündige Verfolgungsjagd bietet, die von Schießereien, Hinterhalten, Zweikämpfen u. a. genretypischen Elementen flott am Laufen gehalten wird.

Dass es Nazi-Zombies sind, gegen die man zu Felde zieht, liegt an einer gewissen Vorliebe, die angelsächsische Zuschauer für diese Bösewichte hegen. Noch während es echte Nazis gab, machte man in England oder in den USA im Kino über sie lustig. Nach 1945 differenzierte man zwischen den historischen Nazis, die sich grausame Verbrechen gegen die Menschlichkeit zuschulden kommen ließen, und den Film-Nazis, die man wie einst „die Indianer“, „die Sowjets“ oder „die Marsmenschen“ als Schurken einsetzen konnte. Hier muss man nicht lange charakterisieren, ein „Sweinhund!“ schnarrender Darsteller in pechschwarzer SS-Uniform vor rot-weißer Hakenkreuz-Flagge genügt, um dem Publikum zu signalisieren, dass dies ein Schuft der ganz üblen Sorte ist. Für angenehme Hintergrund-Schauer sorgen darüber hinaus TV-Sender wie „Discovery“ oder „N24“, die gern sensationslüsterne Dumm-Dumm-‚Dokumentationen‘ ausstrahlen, in denen über unerhörte Geheimnisse bzw. Geheimwaffen der Nazis ‚informiert‘ wird.

Bitterböse Bunker-Spiele

„Outpost: Black Sun“ ist gleichermaßen Spielfilm wie verfilmtes PC-Game, bei dem der Zuschauer leider nicht mitspielen kann. Als Ausgleich ist die Frequenz der missionserschwerenden Zwischenfälle höher. Ist die Handlung erst einmal in Gang gekommen, gönnt sie ihren Figuren nur noch wenige Pausen, die Raum lassen für hastige Lebensbeichten, landsknechtisches Macho-Gehabe oder Klagen über im Gefecht gefallene ‚beste Kumpels‘, die Sekunden später bereits in Vergessenheit geraten sind.

Dringend gewarnt sei vor der Suche nach dem Element Logik! Wer „Outpost: Black Sun“ unterhaltsam finden möchte, schalte den diesen Sektor des Hirns für die Dauer dieses Films ab. Glücklicherweise ist dies möglich, weil Regisseur Barker zwar seine Story (hoffentlich) nie aber sein Publikum stets ernstnimmt. „Outpost: Black Sun“ ist B-Kino reinsten Wassers und somit pure Unterhaltung. Um diesem Zweck zu genügen, wurde jeder Cent aus dem knappen Budget gequetscht. Für 3 Mio. Dollar ist ‚großes‘ Kino natürlich nicht drin. Mit ein wenig Ideenreichtum lässt sich dies zum Teil ausgleichen. So beeindrucken die nächtlichen Gefechte zwischen Zombies und UN-Soldaten, die dank Wackel-Kamera, Stakkato-Schnitten und Leuchtgeschoss-Bahnen sehr gut absolute Unübersichtlichkeit suggerieren.

Die (Halb-) Dunkelheit ist generell und seit jeher wichtigster Verbündeter jedes Horrorfilm-Produzenten. Sie bringt einerseits das zuschauerliche Hirn auf Trab, das sich zusammenreimen muss, was gerade kaum sichtbar geschieht, und es verhüllt andererseits gnädig, was wegen Budget-Knappheit nur ansatzweise verwirklicht werden konnte. Hier sind es – ausgerechnet – die Masken der Nazi-Zombies, die sich aus gutem Grund im Hintergrund halten: So miserable Gummi-Fratzen möchte man gar nicht deutlicher sehen!

Die Kunst der Andeutung

Dass wir uns in ‚Osteuropa‘ aufhalten, obwohl „Outpost: Black Sun“ in der englischen Grafschaft Yorkshire sowie im Südwesten Schottlands entstand, deuten Kulissen und Statisten eher schlecht als recht an. Lena tuckert in einem Automobil der Marke „Trabant“ – in dem sich wohl kein Osteuropäer selbst tot mehr finden ließe – durch das Bild. Wie es sich für Balkan-Partisanen gehört, tragen diese struppige Bärte, fettiges Haupthaar und dicke Rollkragenpullover; so (er-) kennt sie der angelsächsische Zuschauer beispielsweise aus lehrreichen TV-Serien wie „Hogan’s Heroes“ (dt. „Ein Käfig voller Helden“).

Die Nazis sind zwar zu bröckeligen Zombies verrottet, aber ihre Uniformen haben nicht unter dem Zahn der Zeit gelitten. Wie sie ihren Feldzug koordinieren, bleibt ihr Geheimnis, denn sie können nicht sprechen, sondern nur grunzen. Im Bunker brennt auch mehr als 60 Jahre nach Kriegsende noch jede Leuchte, der Aufzug fährt und die Sicherungen der „Doomsday“-Maschine funktionieren reibungslos, was alles für „Made in Germany“ spricht.

Gemeuchelt wird einmal mehr im Finstern oder knapp außerhalb des Bildrandes, was den Splatter-Freund erzürnen mag. Für ihn wurde „Outpost: Black Sun“ freilich nicht gedreht. Wie schon in Teil 1 realisierte Regisseur Barker Haudrauf-Action, die sich nicht in Blut & Gekröse wälzen, sondern kompromisslos hart wirken soll. Diese Rechnung geht erfreulich glatt auf.

Die „Sperrzone“ besteht aus einigen sumpfigen Waldstücken, in die hier und da Kulissenbauten gestellt wurden. Um das Gelände unwirtlicher erscheinen zu lassen, wurde den Bildern die Farbe entzogen, bis nur mehr Schlamm-, Stein- und Rosttöne blieben. Obwohl die Zombies definitiv nachtsichtig sind, bestehen unsere Helden darauf, in der Dunkelheit gen Bunker vorzurücken, was erneut den stilisierten Kulissen geschuldet ist.

Echte Schauspieler im Kampfeinsatz

„Outpost: Black Sun“ ist eine britische Produktion, wofür man als Zuschauer dankbar sein kann: Dieser Film ist keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für granitkinniges bzw. silikonbusiges Hollywood-Jungvolk der meist talentlosen Art. In England lassen sich auch richtige Schauspieler für Filme wie diesen anheuern. Dennoch erstaunt es, ausgerechnet Catherine Steadman in der weiblichen Hauptrolle zu sehen; sie spielte bisher in feuilletonwürdigen TV-Serien und Spielfilmen sowie in Theaterstücken. Entweder wollte sie hier ihr Repertoire erweitern, einfach ein wenig Arbeitsspaß haben oder zwischen zwei ‚richtigen‘ Engagements Geld verdienen. Auf jeden Fall ist sie alles andere als die typische Action-Frau und geht dennoch – und obwohl sie den schwer bewaffneten Nato-Soldaten kaum bis zur Brust reicht – nie in dem von Männern dominierten Getümmel unter.

Ähnlich wacker hält sich Richard Coyle, der ebenfalls auf bedeutenden englischen Bühnen steht aber auch in Sitcoms („Coupling – Wer mit wem?“) oder markante Nebenrollen in Großproduktionen („Prince of Persia: Der Sand der Zeit“) spielt.

Die Namen der übrigen Darsteller kann und muss man sich nicht merken. Sie sind anwesend und schlagen sich buchstäblich gut, was in der Regel die Aufgabe ist, für die sie engagiert wurden. An Statisten wurde ansonsten nicht gespart, was dem Film bekommt: Hier stolpern nicht einige Soldaten und Zombies verloren durch eine weite Landschaft. Sie raufen im Vorder- und Hintergrund sowie an den Bildrändern und täuschen damit erfolgreich ‚Größe‘ vor.

So rettet sich „Outpost: Black Sun“ nie genial aber redlich über die gesamte Distanz. Es gibt natürlich wieder einen Finaltwist, der jedoch – auch dies angenehm Anti-Hollywood – womöglich gar nicht als Kupplung für Teil 3 dienen wird: Dann dürfen Russen gegen die Nazi-Zombies antreten! Wir können es erwarten, machen uns aber eine Notiz: solide B-Movies der tatsächlich unterhaltsamen Art sind im Zeitalter der Trash-„Mockbuster“ zu selten geworden, als dass man das Risiko eingehen möchte, einen zu übersehen!

DVD-Features

In der Werbebranche ist man stets eifrig auf der Suche nach Methoden, potenzielle Käufer für dumm zu verkaufen. Meist wird dabei nur Bewährtes aufgewärmt, aber hier ist tatsächlich eine neue Unverfrorenheit geglückt: Falls Steve Barker oder einer von denen, die vor und hinter der Kamera zur Entstehung von „Outpost: Black Sun“ beitrugen, etwas zu sagen hatten, musste es unerwähnt bleiben. Die Features berichten stattdessen über einen ganz anderen Film und bieten sechzig informations- und vor allem werbereiche Minuten über „Iron Sky“!

Dieser Film lässt ebenfalls die Nazis zurückkehren. Die kommen allerdings vom Mond und sind ulkig, was sie sogar für misstrauische Kritiker beinahe stubenrein wirken lässt. Während „Outpost: Black Sun“ eher ein Nischenpublikum ansprechen wird, dürfte „Iron Sky“ massentauglicher und damit einträglicher sein. Auch dieser Streifen wird in Deutschland vom Label „Splendid Entertainment“ auf den Markt gebracht und auf jede mögliche – und wie man hier sieht: auch unmögliche – Weise beworben.

Im Internet findet sich eine offizielle Website zum Film.

[md]

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