Kurz vor Ende des II. Weltkriegs basteln Nazis an einer neuen Wunderwaffe: Kugelfeste Zombie-Soldaten sollen die Feinde vernichten! Eine sowjetische Elite-Einheit soll die Möchtegern-Frankensteine ausschalten, gerät aber in deren Gewalt … – Es bedarf einer endlosen Kette gewaltreicher Schießereien und Prügeleien, um das Nazi-Pack endgültig zur Hölle zu schicken; begleitet werden sie von der Logik, und angeführt werden sollten sie vom „Outpost-III“-Filmteam: Mega-Mumpitz!

Das geschieht:

Obwohl das „Dritte Reich“ im Frühjahr 1945 in den letzten Zügen liegt, arbeiten vom Endsieg überzeugte SS-„Wissenschaftler“ irgendwo in Südosteuropa an einer Wunderwaffe, die das Kriegsglück wieder zugunsten Nazi-Deutschlands wenden soll. Hinter den Linien der Ostfront sucht eine sowjetische Elite-Einheit nach dieser Anlage. Anführer Dolokhov und seine Männer sollen sie ausspionieren und nach Möglichkeit ausschalten.

Stattdessen gehen sie den Nazis in die Falle. SS-Oberst Strasser ist hocherfreut über die Gefangenen, denn ihm gehen die Versuchskaninchen aus: Tief unter der Erde versucht er sich fieberhaft als moderner Frankenstein. Mit Hilfe einer mysteriösen Strahlenmaschine und eines höllischen ‚Serums‘ will er Männer in untote und deshalb unverwundbare Kampfmaschinen verwandeln. Diese Nazi-Zombies sollen Tod und Verderben über ihre Gegner bringen.

Allerdings gibt es technische Probleme, weshalb nur wenige ‚Objekte‘ die Verwandlung überstehen. Wer erfolgreich mutiert, legt zudem oft nicht die erhoffte Kampfstärke an den Tag. Um dies zu testen, hetzt Strasser einerseits immer neue Zombies auf Dolokhov und seine Gefährten, deren Zahl rapide abnimmt, während er andererseits die Spritze zückt: Die Überlebenden sollen zu besonders schlagkräftigen Zombies umgekrempelt werden!

Allerdings hat Strasser die Rechnung ohne den unbeugsamen Dolokhov gemacht. Diesem gelingt zwischen zwei Arena-Kämpfen die Flucht. Da seine Zelle ganz besonders tief in der Bunkeranlage liegt, muss er sich Stockwerk für Stockwerk der Freiheit entgegen kämpfen. Lebende und untote Nazis stürmen auf ihn ein, und oben im Wald freut sich schon SS-Scherge Klotz auf die Gelegenheit, einen seiner ganz besonderen ‚Hunde‘ auf den Flüchtling zu hetzen …

Vorwärts in die Vergangenheit!

„Outpost: Operation Spetsnaz“ gehört zu jenen Filmen, die dem Zuschauer begreifen machen, dass sich die Begriffe „Franchise“ und „Idee“ je grundsätzlicher ausschließen, desto höher die Serienziffer hinter einem Fortsetzungsfilm wird. Schon „Outpost: Black Sun“ hatte die Logik mit Füßen bzw. in den Hintern getreten. Immerhin setzte die unentschlossen zwischen Splatter und Komödie mäandrierende Geschichte fort, was 2007 mit „Outpost: Zum Kämpfen geboren“ begonnen hatte. „Black Sun“ endete zudem offen, was der Hoffnung Nahrung bot, man werde die vielen Fragen im bereits angekündigten dritten Teil beantworten.

„Outpost“-Schöpfer Rae Brunton schlug jedoch einen gänzlich anderen Weg ein: Er verließ die Gegenwart und sprang zurück ins Jahr 1945. Was damals unter der Erde geschehen war, hatte man uns im ersten Teil in alten Schmalfilmen gezeigt. Dass „Projekt Unbesiegbar“ für die Nazis erfolgreicher als der II. Weltkrieg geendet hatte, wussten wir ebenfalls, waren doch die nicht nur untoten, sondern auch in einer Dimensionsfalte versteckten Zombies materialisiert, um ein Dreivierteljahrhundert nach ihrem Tod wieder in den Krieg zu ziehen. Dies verdankten sie dem Altnazi Klausener, der die Versuchsstation einst geleitet hatte. Er glänzt in „Operation Spetsnaz“ übrigens durch völlige Abwesenheit, obwohl er 1945 sehr präsent sein müsste. Stattdessen hat jetzt ein Oberst Strasser das Sagen – eine der zahlreichen Inkonsistenzen, an denen dieser Film krankt.

Dabei stützt sich die Geschichte stark auf das zuschauerliche Vorwissen. So ist es wichtig, dass die Verwandlung zum Zombie nicht allein durch das ‚Serum‘ vonstattengeht. Auch der Einsatz einer seltsamen Maschine ist erforderlich. Sie spielt in den ersten beiden „Outpost“-Teilen zu Recht eine wichtige Rolle. In „Operation Spetsnaz“ kann man sie nur sekundenkurz sehen. Ignoriert wird weiterhin die Fähigkeit der Zombies, sich wie Gespenster aufzulösen, um im Rücken ihrer Opfer wieder Gestalt anzunehmen.

Hau die Zombies!

Dieses Talent hätte freilich der Magerquark-Story des dritten Teils den Rest gegeben. Der Phantastik-Anteil wurde drastisch heruntergefahren; man darf vermutlich froh sein, dass überhaupt noch Zombies teilnehmen. „Operation Spetsnaz“ ist das Pendant zum Game-Klassiker „Castle of Wolfenstein“: Wie weiland OSA-Agent B. J. Blazkowicz findet sich Hauptfigur Dolokhov in einer Gefängniszelle des Feindes wider. Der Weg zurück in die Freiheit ist lang und gefährlich, denn gegnerische Soldaten und Zombies warten bereits auf ihn.

Weniger mit List und Tücke, sondern unter Einsatz grober Gewalt und schwerer Waffen kämpft sich Dolokhov durch. Das geschieht mit gewaltigem Getöse, wird aber rasch langweilig, weil sich die Abwechslung im Inneren eines engen Bunkers in Grenzen hält. Außerdem ärgert es, wenn die in Teil 1 und 2 so unüberwindlichen Zombies plötzlich reihenweise zusammengehauen werden können.

Realismus fordert man nicht, schaut man sich einen Film wie diesen an. Deshalb stört das Wissen, dass die Spezialnoje Naznatschenje – eine Spezialeinheit im Dienst des russischen Militärnachrichtendienstes – erst 1950 gegründet wurde. Doch auch der Humbug benötigt eine innere Logik.

Sie wird vom Drehbuch einerseits mit unerfreulichen Folgen vernachlässigt, während sich Rae Brunton und Kieran Parker andererseits größte Mühe geben, die Storys der drei Filme zu verknüpfen. Sie verlieren sich dabei in Details: So sehen wir Johnny Meres, der in einem Mini-Auftritt den schon zum „Breather“ mutierten Brigadeführer Götz aus „Outpost: Geboren zum Kämpfen“ mimt. Ebenfalls wieder dabei ist Vivien Taylor, die uns hier als Vollblut-Nazisse präsentiert wird, die dank Dolokhov zu jener Gruselgestalt misslingt, die in „Black Sun“ ihr Unwesen treibt.

Prügeln & böse sein

Schauspieler können ihr Talent schonen, wenn sie für Filme wie diesen engagiert werden. Dies setzt voraus, dass sie über Talent verfügen. In dieser Hinsicht darf nur Michael McKell froh sein: Oberst Strasser ist zwar ein Klischee, doch McKell ergreift dankbar die Gelegenheit, einen erzbösen aber unterhaltsamen Nazi-Unhold zu mimen. Strasser ist wahnsinnig, leutselig und geschwätzig; er ist in der Abgeschiedenheit seines Labors womöglich mehr Frankenstein als Repräsentant der Nazi-„Herrenmenschen“ geworden. Seine Untergebenen fürchten ihn, der freundlich und völlig ungerührt seine Versuchspersonen verheizt.

Bryan Larkin mag als Dolokhov der Held der Handlung sein. Als solcher ist er auf die Funktion der Kampfmaschine limitiert. Brunton & Parker versuchen, ihn zwielichtig und damit interessanter zu gestalten: So ist Dolokhov auch deshalb so erfolgreich als Agent, weil er offensichtlich sein persönliches Vergnügen darin sieht, Nazis abzuschlachten.

Die übrigen Rollen lassen sich unter dem Begriff „Kanonenfutter“ zusammenfassen. Dolokhovs „Inglorious Basterds“ für Arme müssen natürlich dramatisch sterben, um den Grimm ihres Vorgesetzten – der auch ihr Freund ist – zu schüren. Dies gibt ihm die Kraft, es den Nazis später umso brutaler heimzuzahlen.

Auf die Zensur ist Verlass!

Schon in den ersten beiden Teilen war das Budget schmal. Die Handlung spielte deshalb vor allem im Halbdunkel, was die Dürftigkeit der Masken und Effekte kaschieren half. Für „Operation Spetsnaz“ scheint noch weniger Geld geflossen zu sein. Die Zombies sehen eher aus wie schlampig maskierte Wrestler, was gut zu ihrer Primärfunktion passen würde.

Was an Stimmung fehlt, soll offenbar durch Gewalt ausgeglichen werden. Endlos lange Bajonette werden langsam in Nazi-Wänste geschoben und unter Einspielung schauerlicher Geräusche wieder entfernt. Gleich mehrfach werden Kehlen durchschnitten, ansonsten Augen ausgedrückt oder Hirnschalen zerschossen. Besonders ‚echt‘ sieht das nicht aus. Zumindest deutsche Tugendwächter urteilten jedoch anders: „Operation Spetsnaz“ wurde für die FSK-18-Fassung um sieben Filmminuten erleichtert. Hierzulande haben Filme mit Nazi-Hintergrund nach wie vor einen schweren Stand. Argwöhnisch werden sie auf allzu frivole Unterhaltungseffekte überprüft. Was man FSK-seitig in jedem anderen Zombie-Slasher wohl durchgewinkt hätte, musste deshalb weichen. So etwas ist sinnlos aber interessant, weil es verrät, wie hilflos man in Deutschland weiterhin ist, wenn es um die NS-Thematik geht: Vorsichtshalber verbietet man, was möglicherweise Anstoß erregen könnte, ist sich aber nie wirklich sicher, weshalb ein Film wie „Frankenstein’s Army“ ungeschnitten sein Publikum erreicht, obwohl er wesentlich blutiger zur Sache geht als „Operation Spetsnaz“.

Auf den Kapitalismus kann man sich indes verlassen: War richtig tief in die Tasche greift, kann Dolokhov ungehemmt metzeln sehen. „Operation Spetsnaz“ gibt es auch in einer „Black Edition“. Nur diese Fassung kann empfohlen werden; dies nicht, weil sie ‚besser‘ wäre. Doch weil das Blutvergießen die Handlung dominiert und ersetzt, sollte sie so goutiert werden, wie Regisseur und Drehbuchautoren das vorgesehen haben. Es reißt freilich keine Lücke in ein Horrorfan-Leben, wenn die „„Operation Spetsnaz“ ohne ihn oder sie stattfindet.

DVD-Features

Sollte es ein „Making of“ und ähnliche Extras geben, werden sie dem deutschen Publikum vorenthalten. Nicht einmal die kostspielige „Black Edition“ bietet Features. So lässt sich dieses kümmerliche Filmerlebnis noch rascher abhaken.

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Outpost: Operation Spetsnaz
Originaltitel: Outpost III – Rise of the Spetsnaz (GB 2013)
Regie: Kieran Parker
Drehbuch: Rae Brunton u. Kieran Parker
Kamera: Carlos de Carvalho
Schnitt: Naysun Alae-Carew
Musik: Al Hardiman u. Patrick Jonsson
Darsteller: Bryan Larkin (Dolokhov), Iván Kamarás (Fyodor), Michael McKell (Strasser), Velibor Topic (Arkadi), Laurence Possa (Osakin), Ben Lambert (Rogers), Alec Utgoff (Kostya), Vince Docherty (Klotz), Gareth Morrison (Potrovsky), Johnny Meres (Brigadeführer Götz/Schnaufer), Andrew Reith (Nazi-Doktor) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Erscheinungsdatum: 29.11.2013
EAN: 4013549027410 (DVD)/4013549055963 (DVD Black Edition)/4013549052788 (Blu-ray)/4013549055970 (Blu-ray Black Edition)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min. (gekürzt)/84 min. (Black Edition); Blu-ray: 80 min. (gekürzt)/87 min. (Black Edition)
FSK: 18 (gekürzt)/JK SPIO (Black Edition)

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