Outpost – Zum Kämpfen geboren

Originaltitel: Outpost (GB 2007)
Regie: Steve Barker
Drehbuch: Rae Brunton (nach einer Story von Kieran Parker, Steve Barker u. Rae Brunton)
Kamera: Gavin Struthers
Schnitt: Chris Gill u. Alastair Reid
Musik: James Seymour Brett
Darsteller: Ray Stevenson (DC), Julian Wadham (Hunt), Richard Brake (Prior), Paul Blair (Jordan), Brett Fancy (Taktarov), Enoch Frost (Cotter), Julian Rivett (Voyteche), Michael Smiley (McKay), Johnny Meres (SS-Brigadeführer), Mark Smith, Graeme Temple, Charlie Jeffrey, Leo Horsfield, Scott Peden (Zombies) u. a.
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 05.06.2008 (DVD)
EAN: 4030521511965 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Irgendwo im südlichen Osteuropa schlagen sich DC und seine sechs Kameraden – ehemalige Soldaten oder Fremdenlegionäre – als Söldner durch. Die schwache Regierung kämpft gegen starke Rebellenverbände, und planlose UN-Truppen versuchen, ein Aufflammen des Bürgerkriegs sowie „ethnische Säuberungen“ zu verhindern.

Der undurchsichtige ‚Ingenieur‘ Hunt heuert die Söldner für einen 48-Stunden-Job an. Angeblich will er im Rebellenland nach einem Bodenschatz-Lager forschen. Dies glaubt ihm niemand, aber Hunt zahlt gut. Immer auf der Hut vor den Rebellen schleicht die Gruppe in das Zielgebiet. Dort stoßen sie auf eine riesige Bunkeranlage aus dem II. Weltkrieg. Hunt findet in der Tiefe das eigentliche Objekt seiner Suche: eine seltsame Maschine, die von Nazi-Wissenschaftlern gebaut und getestet wurde. Außerdem stoßen die Söldner auf Leichen: Hier wurden offenbar die Opfer eines modernen Gemetzels versteckt. Ein Mann lebt noch, aber der Schock hat ihn gelähmt.

Trotz aller Vorsicht scheinen die Rebellen die Gruppe entdeckt zu haben. In der Nacht werden die Wachposten beschossen. Die Söldner Taktarov und Voyteche werden verschleppt und grausam getötet. Von DC unter Druck gesetzt, enthüllt Hunt endlich die Wahrheit: Er ist selbst ein Söldner, der die Nazi-Maschine für anonym bleibende Auftraggeber bergen soll. In der Endphase des Krieges fanden in dem Bunker Versuche statt, den ultimativen Soldaten zu schaffen – nicht nur unverwundbar, sondern auch in der Lage, in eine fremde Dimension zu schlüpfen, so unsichtbar zu werden und überraschend im Rücken des Feindes aufzutauchen.

Das Experiment wurde 1945 abgebrochen. Aus den damals erschaffenen Nazi-Kriegern wurden Zombies, die stoisch ihrem einprogrammierten Auftrag folgen, den ‚Feind‘ zu vernichten. Die Söldner müssen gegen Killer kämpfen, die auftauchen und verschwinden können – eine Herausforderung, der sie nicht gewachsen sind …

Gar nicht neue aber gut verfilmte Geschichte

Zwischen „Unterhaltung“ und „Originalität“ ist das Band nicht so kurz und fest, wie sich zumindest der Kunstfreund dies vorstellt bzw. wünscht. Im Limbus des B-Films ist es ohnehin die gelungene Variation, die den Zuschauer erfreut und dabei nicht an das Hirn, sondern an den Bauch (sowie tieferliegende Körperteile) appelliert. „Outpost“ konfrontiert uns mit einer seltenen Alternative: Regisseur, Drehbuchautoren und Darsteller variieren überhaupt nichts, sondern bewegen sich auf tief ausgefahrenen Pfaden. Zu den Helden dieses Filmes werden die ungemein geschickten Kulissenbauer sowie Kameramann Gavin Struthers, der mit Licht und Schatten eine Gruselwelt erschafft, die jederzeit ausgleicht, was das schmale Budget nicht leisten kann.

Dabei sieht „Outpost“ zunächst nach einem weiteren Trash-Movie aus, das möglichst billig irgendwo in Osteuropa heruntergekurbelt wurde. Tatsächlich wurde im westlichen Schottland sowie unweit von Glasgow gedreht. Eine alte Munitionsfabrik und einige oberirdisch im Gelände verteilte ‚Bunkerköpfe‘ beherbergen bzw. doubeln die Nazi-Katakomben. Dunkelheit und (künstlicher) Regen vertuschen die Beliebigkeit des Außen-Drehortes, der eigentlich nur eine schlammige Waldlichtung ist. Die Filmbilder wurden nachträglich ‚entfärbt‘. Zurück blieben triste Grau- und Brauntöne, die nicht nur die Unfreundlichkeit der Landschaft, sondern auch die Seelenlage der ausgebrannten Söldner widerspiegeln.

Tief im Bunker munkeln sie …

Die Geschichte ist reiner Nonsens, aber sie funktioniert, weil sie mit gebührendem Respekt vor dem Zuschauer präsentiert wird. Angesichts des Inhalts mag dies merkwürdig klingen, doch wer die norwegische Grusel-Groteske „Død snø“ (2009; dt. „Dead Snow“) gesehen hat, weiß, welche Richtung „Outpost“ hätte einschlagen können. Steve Barker, der auch am Drehbuch mitarbeitete, wollte keine Komödie, sondern einen Mystery-Thriller drehen. Als Vorbilder mögen (gelungene) Filme wie „The Bunker“ (2001), „Dog Soldier“ (2002 ebenfalls in Schottland entstanden) oder der 2004 in Südkorea entstandene Militär-Grusler „Arpointeu“ (‚dt.‘ „R-Point“) gedient haben.

In „Outpost“ dienen „die Nazis“ als Treibriemen der Handlung. Sie werden in Anführungsstriche gesetzt, weil Barker sie nicht als reale Zeitgenossen, sondern als Film-Bösewichter schablonisiert, weshalb sie ausschließlich grobe Fratzen und magere Offiziers-Visagen mit Schmiss zeigen. Hinzu kommt ein Gebräu aus Hightech-Endzeit-Wunderwaffen und Okkultismus, SS-Grauen und Untergangs-Melodrama, das wüst aber nicht ungeschickt mit modernen Mythen wie dem „Philadelphia-Experiment“ von 1943 und Einsteins einheitlicher Feldtheorie verwirbelt wird. Fakten gehen nahtlos in Fiktion über. Das Ergebnis verblüfft: Zombies, die in den Falten von Raum & Zeit lauern, sind neu.

Klaustrophobie: Gefangen mit dem Grauen

Wie jedem Menschen wird es unseren Söldnern unbehaglich, als sie unter die Erde müssen. Ein alter Nazi-Bunker ist auch ohne Zombiespuk ein denkbar unfreundlicher Ort. Hier haben sich begabte Kulissenbauer und Ausstatter mit perverser Freude am Detail und großem Erfolg bemüht. Das böse Tüpfelchen auf diesem I ist ein Licht, das in der Regel indirekt gesetzt wird und gerade außerhalb des Lichtkegels ausspart, was sich in der Dunkelheit zusammenbraut. (Wie kümmerlich die Bunker-Kulissen realiter aussehen, zeigt eine Internet-Featurette zum Film, die hier zu finden ist. Möglicherweise aufschlussreiche Anmerkungen des Regisseurs, des Drehbuchautors oder des Kameramanns erschließen sich nur denen, die dem, was in Schottland als Sprache durchgeht, verständliche Worte entreißen können.)

Natürlich verzichtet Barker nicht auf Details; der erste Zombie trägt – der Grund bleibt sein Geheimnis – eine Gasmaske, in die er gar schrecklich schnauft. Gern übernimmt die Kamera die Rolle des Zombies und rollt hinterrücks an ahnungslose Söldner heran. Diese lassen sich durch mysteriöse Geräusche so zuverlässig allein in düstere Ecken locken, dass die Zombies die vergebliche Liebesmühe irgendwann aufgeben, sich unsichtbar zu machen …

Gemetzelt wird ebenfalls vergleichsweise dezent. Da „Outpost“ kein Slasher ist, vermisst man entsprechende Szenen nicht. Für einen Mystery-Thriller geht es hart genug zur mörderischen Sache. Vielleicht im Drehbuch aber definitiv nicht im Budget vorgesehen waren aufwendige Spezialeffekte, die daher klug auf das Mindestmögliche beschränkt bleiben.

Söldner sind auch nur Menschen

Die Handlung ist eine Queste: Acht Männer suchen den heiligen Gral – Hunt spricht es einmal selbst aus. Hier gibt es ihn, nur dass die Sucher nicht auf dem Weg zu ihm sterben, sondern ihr Ziel erreichen – um dort zu sterben. Der Gral ist in jeder Gestalt ein Schatz, der den Menschen überfordert. Dies mussten die Nazis erfahren, und bald sind auch DC, Hunt und ihre Gefährten im Bilde.

Der Weg in den Tod ist auch ein Weg zur Erkenntnis: Wer sich auf die Seite der Drehbuch-Autoren schlägt, kann so beschreiben, was der weniger freundlich gesonnene Zuschauer das übliche Geschwätz nennt, das die Zeit zwischen teuren Zombie-Attacken füllt. Im Mittelteil des Films sitzen in der Tat unsere Söldner allein, zu zweit oder in der Gruppe zusammen und erinnern sich. Die rauen Jungs entpuppen sich als psychisch angeschlagene Sympathen mit übler Kindheit, Knasterfahrung und irgendwo zurückgelassenen Familien. Man redet, verspottet sich, kommt ins Grübeln und zieht irgendwann Bilanz; die Nazi-Zombies (oder sind es Zombie-Nazis?) warten jeweils, bis es soweit ist. Man wünscht sich oft, sie sprängen früher mit gezückten Dolchen aus dem Hinterhalt …

Die Darsteller lassen sich in Uniform und unter dicken Schmutzkrusten schwierig unterscheiden. Das Drehbuch lässt Raum für Einzelvorstellungen, die anonyme Söldner in Individuen verwandeln. Die acht Männer nutzen ihre Chance, was kaum wundert, da es sich bei ihnen ausnahmslos um erfahrene Schauspieler handelt. Zwar werden nur wenige Zuschauer ihre Namen kennen, doch gesehen haben wir sie oft und in vielen Rollen; so verkörperte Ray Stevenson u. a. 2005 bis 2007 den Haudegen Titus Pollo in der rabiaten aber unterhaltsamen TV-Serie „Rome“.

So kommt „Outpost“ schließlich zu keinem (für die Darsteller) guten aber konsequenten Finale, das in seiner Offenheit durchaus ironisch wirken würde – Geschichte wiederholt sich, der Mensch lernt nie dazu – wäre da nicht der nagende Verdacht, dass sich das „Outpost“-Team das Türchen für eine Fortsetzung und den Start in ein erfolgreiches Franchise öffnen möchte. Tatsächlich: 2011 geht der Nazi-Spuk mit „Outpost: Black Sun“ weiter.

DVD-Features

Sechs entfallene Szenen und eine alternative Anfangssequenz bilden interessante aber zu magere Extras.

[md]

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