Paranormal Activity Ghost DimensionFamilie Fleege gerät in die Falle eines Hexenkultes, der Töchterlein Leila dazu missbrauchen will, den Dämon „Toby“ auf Erden wandeln zu lassen … – Mehrere Jahrzehnte und sechs (!) „Paranormal-Activity“-Filme hat es gedauert, Tobys ebenso komplizierten sowie dämlichen Plan endlich umzusetzen; das Ergebnis ist optisch erträglich aber inhaltlich völlig zerfahren und ideenlos: trauriger ‚Höhepunkt‘ und Ende eines zu Tode gerittenen Franchises!

Das geschieht:

Klein-Familie Fleege – Vater Ryan, Mutter Emily und Töchterlein Leila – freuen sich über das neue, große und überaus günstige Haus, das sie vor nicht langer Zeit im kalifornischen Palo Alto beziehen konnten. Aktuell steht das Weihnachtsfest vor der Tür, zu dem sich ein unerwarteter Gast eingeladen hat: Ryans Bruder Mike wurde von seiner Freundin verlassen und will sich – nicht unbedingt zur Freude der Schwägerin – für drei Wochen einnisten. Ebenso hauspräsent ist die hübsche Skyler, die sich als freischaffende Esoterikerin betätigt.

Vorweihnachtsfreude und Familienfriede sind dahin, als Ryan bei Aufräumarbeiten auf eine uralte Videokamera und einen Stapel bespielter Kassetten stößt. Sie zeigen zwei junge Mädchen namens Katie und Kristi, die 25 Jahre zuvor offenbar einem modernen Hexenkult in die Fänge gerieten, der von ihrer Großmutter geleitet wurde. Ein ‚Ausbilder‘ schulte sie, denn sie spielen entscheidende Rollen in einem komplizierten Plan, den ein „Toby“ genannter Höllendämon geschmiedet hat, um sich einen menschlichen Körper zu verschaffen.

Zu ihrem Schrecken müssen Ryan und Mike entdecken, dass der Kult sie nicht nur aus der Vergangenheit beobachtet, sondern es auch auf Leilah abgesehen hat. Als körperloser Geist macht sich Toby in der Gegenwart an sie heran und kann ihr Vertrauen gewinnen. Eltern, Onkel und Skyler bemühen sich, einen Keil zwischen Dämon und Opfer zu treiben. Von Ryan im Haus aufgestellte Kameras belegen Tobys Aktivitäten, die an Intensität ständig zunehmen.

In ihrer Not rufen die Fleeges den Priester Todd zur Hilfe. Dieser erkennt buchstäblich die Zeichen an der Wand und setzt einen Notfall-Exorzismus an. Doch auch Tobys Vorbereitungen sind abgeschlossen. Er hat längst so viel Substanz gewonnen, dass er seine Gegner körperlich attackieren kann – eine Option, die er weidlich umsetzt …

Das dümmliche (halbe) Dutzend

Soll es das wirklich gewesen sein? Nach fünf paranormalen Belästigungs- und Mordattacken offenbart sich in „The Ghost Dimension“ der große Plan, der diesen Heimsuchungen zugrunde liegt. Vier Drehbuchautoren haben ihre Köpfe rauchen lassen, um alle losen Enden der Teile 1 bis 5 zusammenzuraffen und zu einem Finalknoten zu schnüren. Entweder haben sie es nicht besser gewusst, oder sie mussten feststellen, dass es Herausforderungen gibt, die sich nicht bewältigen lassen. Immerhin eines ist gelungen: Von allen möglichen Auflösungen hat man die dämlichste gefunden und sie kompromisslos umgesetzt.

Natürlich blieb unserem Autoren-Quartett und dem Debüt-Regisseur Gregory Plotkin, der zuvor die „Paranormal-Activity“-Teile 2 bis 5 geschnitten hatte und jetzt hinter die Kamera wechseln durfte, eine denkbar undankbare Aufgabe: Ihre Vorgänger hatten sich wenig um die großen Zusammenhänge gekümmert, die ohnehin einer Story aufgepfropft wurden, welche als einmalige Gruselgeschichte geplant war. „Paranormal Activity“ kam 2009 zufriedenstellend auf den Punkt; eine Fortsetzung war weder geplant noch erforderlich. Der Hollywood-Fluch sorgte für den Fortgang der Ereignisse, denn der ungemein kostengünstig gedrehte Film generierte Einkünfte in Millionenhöhe und wurde so zum Traum ökonomisch orientierter Produzenten. Deshalb wurde ein Franchise aus der Taufe gehoben bzw. gerissen, mochte es sich der Logik noch so hartnäckig verweigern. Es wurde noch schlimmer: Auch die inhaltlich schwächer und dümmer werdenden Fortsetzungen spielten stolze Gewinne ein. Selbst „The Ghost Dimension“, mit einem Budget von 10 Mio. Dollar die kostspieligste Episode (und trotzdem ein Schnäppchen) spielte weltweit allein an den Kinokassen mehr als die achtfache Summe ein.

Schon von daher kann „The Ghost Dimension“ eigentlich nicht das Ende sein, so sehr es sich das geplagte Publikum wünschen mag. Spätestens als Remake werden wir Toby wiedersehen – und abermals über seine abenteuerlichen Bemühungen lachen, einen Menschenkörper zu kreieren, in dem er – wieso auch immer – fleischlich auf Erden wandeln kann. Genau darum geht es. Man könnte Mitleid mit dem armen Dämon bekommen, der zu diesem Zweck buchstäblich Raum und Zeit aus den Angeln heben muss.

Dämon im Rausch- und Rumpelfilter

Hoffentlich lohnt sich der Aufwand. Toby muss schwer schuften, um sich seinen Traum zu erfüllen. Alle Fakten kennen wir Zuschauer offenbar nicht. Wie sonst könnten wir ketzerische Fragen wie diese stellen: Wozu benötigt ein Dämon, der Wurmlöcher durch die Zeit legen kann, die Unterstützung dauerhaft in knöchellange Nachthemden gewandeter Hexen? Warum müssen jene beiden Menschen, aus deren Blut Tobys Körper sich schließlich formt, über mehrere Generationen herangezüchtet werden? Wenn je ein Tropfen Blut von Hunter Rey und Leila Fleege genügt, wieso piekt Toby sie nicht mit seiner Fingerkralle, statt sechs Filme lang nächtlich durch die Häuser seiner Opfer zu spuken? Welchen Sinn haben überhaupt diese Aktionen? Auch in „Ghost Dimension“ versetzt Toby Kronleuchter ins Schwanken, lässt Spiegel zerspringen oder wirft mit Möbeln. Dafür sollten wir jedoch dankbar sein, denn wenigstens geschieht überhaupt etwas.

Es ist schon dreist genug, sechsmal eine identische Geschichte zu erzählen. Also werden auch dieses Mal Kameras im Fleege-Haus verteilt, die den Nachtspuk aufzeichnen. Der Pseudo-Doku-Charakter der daraus destillierten Aufnahmen wird absurd auf die Spitze getrieben: „Ghost Dimension“ ist ein 3D-Film, obwohl die meisten Sequenzen angeblich mit einer reisekoffergroßen und -schweren Kamera des Baujahrs ca. 1990 gedreht werden. (Nebenbei: Diese Kamera diente dem Kult vermutlich als Arbeitsinstrument, um Toby sichtbar zu machen. Wieso spielt man sie nun den Fleeges zu, statt diese in seliger Ahnungslosigkeit verharren zu lassen? Es gibt nur einen Grund, sie in das Toby-Komplott einzuweihen: Dies ermöglicht diesen Film!)

Wenn sich in sechs Filmteilen etwas an den nächtlichen Aktivitäten verändert hat, so beschränkt es sich auf den tricktechnischen Aufwand, mit dem diese in Szene gesetzt wurden. Obwohl die Effekte dieses Mal von der Firma „Industrial Lights & Magic“ stammen, die von George „Star Wars“ Lucas ins Leben gerufen wurde, darf man nicht darauf hoffen, dass einem zumindest im großen Finale endlich die Augen übergehen: Das Budget ließ echten Effektzauber nicht zu. Stattdessen offenbart sich Toby, der fünf Filme unsichtbar und genau dadurch unheimlich blieb, als konturenschwache CGI-Fratze, die ihn auf das Niveau eines B-Movie-Buhmanns schrumpfen lässt und das grundsätzliche Konzept der Serie verrät.

Gleicher Dämon, neue Familie

Handwerklich sauber aber Inspirations- und erbarmungslos werden weitere, längst ausgelaugte „Paranormal-Activity“-Klischees durchexerziert: Die Handlung beschränkt sich auf das Haus der Fleeges, während die Außenwelt ausgesperrt bleibt. Einziger Gast von ‚draußen‘ bleibt Priester Todd, zu dem unseren Drehbuchautoren nur einfiel, ihn auf die üblichen Zweifel verzichten zu lassen, der im Gruselfilm die handfeste Überzeugung folgt, worauf der Geistliche endlich zum Werkzeugkoffer für Exorzisten greift.

Mit den Fleeges bringt das Franchise Figuren ins Spiel, die viel zu lange mit bekannten Plagen konfrontiert werden, während das Publikum darauf wartet, dass es endlich vorangeht. Dazu kommt es nie wirklich, weil es keine Hintergrundstory gibt. Irgendwann öffnet sich die „Ghost Dimension“, Löwenmutter Emily folgt ihrer Tochter in das Jahr 1988 und begegnet mit üblen Folgen Toby. Dann ist die Geschichte vorbei. Das Ende ist ebenso abrupt und beliebig wie in den Vorgängerepisoden. Schon deshalb wäre eine weitere Fortsetzung problemlos möglich.

Die Schauspieler leisten Dienst nach Vorschrift; das Drehbuch lässt ihnen ohnehin keine Entfaltungsräume. Eine gute Wahl traf Regisseur Plotkin mit Ivy George, die als Leila glaubhaft kindlich und gefährdet wirkt, um beim Zuschauer Sorge und Angst aufkeimen zu lassen. Die übrigen Figuren bleiben uns herzlich gleichgültig; wie sollte man auch um sie bangen, wenn sie vor allem mit der subjektiven Kamera in der Hand durch das Haus hasten und uns dadurch in Seekrankheit stürzen?

Die Probleme dieses Films dürften den Verantwortlichen durchaus deutlich gewesen sein. Nicht nur der Großauftrieb der Drehbuchautoren kündet davon. „Ghost Dimension“ sollte ursprünglich bereits 2014 in die Kinos kommen, was mehrfach verschoben wurde. Offenkundig bastelte man hinter den Kulissen an dem Werk herum. Geholfen hat es nicht. Wenn „Ghost Dimension“ das „Paranormal-Activity“-Franchise beendet, dann primär deshalb, weil dies der mit Abstand schlechteste Teil der Serie ist. Selbst die genügsame oder langmütige Fraktion des Publikums müsste nunmehr genug von Toby haben. Aber da ist die Zahl unter dem Strich auf der Haben-Liste; seien wir deshalb auf der Hut: Es könnte weitergehen!

DVD-Features

Den Versuchen, der Handlung von „Ghost Dimension“ nachträglich Sinn einzuhauchen, verdanken wir zahlreiche Szenen, die es nicht in den Film geschafft haben. Einige fanden für die „Extended Version“ Verwendung, die exklusiv für die Blu-ray-Fassung montiert wurde, während der DVD-Käufer (= fortschrittsfeindlicher Geizhals) sich mit der Kino-Version zufriedengeben muss, die acht Minuten kürzer ist. Im Vergleich zeigt sich, dass er (oder sie) das bessere Los getroffen hat, da die Erweiterungen die Story nicht voranbringen, sondern die qualvolle Ereignisarmut noch verlängern. Immerhin interessant ist ein alternatives aber nicht originelleres Ende.

Weitere entfallene Szenen sowie noch mehr Fake-Footage-Material aus dem Videokassetten-Vorrat der Toby-Hexen gibt es auch auf der DVD zu sehen.

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Paranormal Activity: The Ghost Dimension – Extended Cut
Originaltitel: Paranormal Activity: The Ghost Dimension (USA 2015)
Regie: Gregory Plotkin
Drehbuch: Jason Harry Pagan, Andrew Deutschman, Adam Robitel u. Gavin Heffernan (nach einer Story von Brantley Aufill, Jason Harry Pagan u. Andrew Deutschman sowie nach dem Film „Paranormal Activity“ von Oren Peli)
Kamera: John Rutland
Schnitt: Michel Aller
Darsteller: Chris J. Murray (Ryan Fleege), Brit Shaw (Emily Fleege), Dan Gill (Mike Fleege), Ivy George (Leila Fleege), Olivia Taylor Dudley (Skyler), Michael Krawic (Vater Todd), Chloe Csengery (Katie), Jessica Tyler Brown (Kristi), Don McManus (Kent), Hallie Foote (Grandma Lois), Aiden Lovekamp (Hunter Rey), Cara Pifko (Laura), Mark Steger (Toby) u. a.
Label: Paramount Home Entertainment
Vertrieb: Universal Pictures Germany
Erscheinungsdatum: 03.03.2016
EAN: 4010884503814 (DVD)/4010884253818 (Blu-ray)/4010884254204 (3D-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch, Türkisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min./Blu-ray (= Extended Cut): 96 min.
FSK: 16

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Titel bei Amazon.de (3D-Blu-ray)


Paranormal Activity

Paranormal Activity 2 – Extended Cut

Paranormal Activity 3

Paranormal Activity 4

Paranormal Activity – Die Gezeichneten