Paranormal Experience 3D

Originaltitel: Paranormal Xperience 3D (Spanien 2011)
Regie: Sergi Vizcaino
Drehbuch: Daniel Padró
Kamera: Sergi Bartrolí
Schnitt: Joan Manel Vilaseca
Musik: Marc Vaíllo
Darsteller: Amaia Salamanca (Ángela), Maxi Iglesias (José), Luis Fernández (Carlos), Úrsula Corberó (Belén), Alba Ribas (Diana), Oscar Sinela (Toni), Miguel de Blas (Dr. Matarga), Pequeña Miguel Ángel Jenner (Professor Fuentes), Eduard Farelo (Vater), Miriam Planas (Ángela als Kind), Aina Planas (Diana als Kind)
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 17.05.2013
EAN: 0887654172297 (DVD)/0887654172396 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Spanisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 90 min.)
FSK: 16

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Ángela, José, Carlos, Belén und Toni, fünf lernfaule Medizinstudenten aus dem spanischen Barcelona, handeln einen Deal mit ihrem Dozenten aus: Sie sollen eine ehemalige Salzmine im katalonischen Nordosten ihres Heimatlandes untersuchen. Dort trieb in den 1960er Jahren ein irrsinnig gewordener Arzt namens Matarga sein Unwesen. Er entführte, folterte und tötete zahlreiche Bewohner des unweit der Mine liegenden Dorfes Susurro, bis man ihm auf die Schliche kam und lebendig tief unter der Erde ankettete, wo er elend verschmachtete. Matargas Leiche wurde jedoch von der irgendwann aufmerksam gewordenen Polizei nie gefunden. Sein Geist soll seitdem rachsüchtig umgehen, weshalb die Einwohner Susurro schließlich verließen.

Das Quintett wird begleitet von Diana, Ángelas jüngere und psychisch labile Schwester, die sich sehr für das Übernatürliche interessiert und folgerichtig sofort Stimmen zu hören beginnt, als man den inzwischen zur Geisterstadt verfallenen Zielort erreicht. Nerd Toni kann dies sogar aufzeichnen. Anschließend hypnotisiert er ausgerechnet Diana, die daraufhin den bösen Dr. Matarga auftauchen sieht. Dieser kündigt Seelenpein und Körperschmerzen an; zuvor hat er bereits den alten VW-Bus lahmgelegt, mit dem seine Opfer angereist waren, weshalb man nun unter sich ist.

Dummfilmüblich schenkt niemand Dianas Warnungen Notiz, weshalb sie alternativ in wilder Panik davonrennt und von ihren Begleitern in den Ruinen des Ortes gesucht werden muss. Auf diese Weise getrennt, kann Matarga damit beginnen, seinen Worten Taten folgen zu lassen, wobei Stacheldraht, Fleischerhaken, Glasscherben u. a. Bauschutt zum Einsatz kommen.

Die Überlebenden schwärmen natürlich unverdrossen weiter aus, was Materga das mörderische Tun erleichtert. Allerdings stellt sich zumindest Ángela irgendwann die Frage, wer tatsächlich ihre Gefährten metzelt: Sie kennt die Wahrheit über eine Familientragödie, die der jüngeren Schwester stets sorgfältig verschwiegen wurde …

Herber Rückschlag für den Euro-Horror

„Von den Produzenten von ‚Das Waisenhaus‘“ prunkt grammatikalisch krude aber deutlich sichtbar über einem Titel, der im durch allzu viele Grütz-Filme hirnwunden Horror-Freund Verdacht aufkeimen lässt. Dazu noch der Titel selbst: „Paranormal Experience“! Klingt das nicht wie „Paranormal Activity“? SOLL das etwa so klingen bzw. das Werk mit „Paranormal Activity“ verwechselt werden?

Selbstverständlich ist dem so, aber zur seltenen Abwechslung kann man für diese plumpe Rosstäuschung nicht das deutsche Label verantwortlich machen. Ursprünglich sollte dieser Film „Xperimenta el miedo“ – „Experiment des Grauens“ – heißen. Dies wurde in „Paranormal Xperience“ geändert – halt: in „Paranormal Xperience 3D“, denn dieser Horror kommt uns plastisch, aber gemeint ist damit nicht, dass er uns so heimtückisch wie ein Faustschlag in den Unterleib trifft!

Schon der Vorspann schwelgt in altbekannter 3D-Seligkeit: Die Titel tanzen und drängen aus dem Bild, auch wenn sie dort nichts zu suchen haben. Generell gelingt diesem Film ein Paradoxon: Die dreidimensional realisierte Handlung ist sogar noch flacher als das Geschehen manches ähnlich ordinären aber nur zweidimensionalen Gruselstreifens. Von jenen Qualitäten, mit denen „Das Waisenhaus“ 2007 aufwartete, ist in „PX 3D“ – so die hippe Abkürzung – selbstverständlich ebenfalls nichts zu sehen.

Überhaupt: Seit wann gelten Produzenten als Qualitäts-Garanten? Sie sorgen für die Finanzierung eines Films und stehen den eigentlichen Filmschaffenden hoffentlich nicht im Weg. Oder müssen sie hier die Köpfe hinhalten, weil die Leistungen von Regisseur Sergi Vizcaino oder Drehbuchautor Daniel Padró mit Begriffen wie „Qualität“ oder Unterhaltung beim besten Willen nicht in Einklang zu bringen sind?

Schlecht kopiert von schlechten Vorlagen

Faktisch ist „PX 3D“ – bleiben wir einfach beim Bombast-Kürzel – die 1-zu-1-Kopie jener Slasher, mit denen wir bereits aus dem USA viel zu oft behelligt werden. Der Trash-Cineast – oh ja, so etwas gibt es – mag einwenden, dass Vizcaino & Padró durchaus auf den Spuren europäischer Horror-Spezialisten wandeln und dabei Bekanntes ehrfurchtsvoll aufgreifen sowie variieren. Diesem Rezensent fällt dazu nur der Name Jess Franco (1930-2013) ein, der ca. 200 Filmchen herunterkurbelte, die zum Bodensatz nicht nur des Horror-Kinos gehören. Der einfach nur lächerliche Dr. Matarga könnte Franco grundsätzlich nicht schlechter eingefallen sein.

„PX 3D“ beginnt ärgerlich weil mit einer überlangen, für das Geschehen absolut unwichtigen Exposition. Sie soll den Zuschauer umständlich darauf einstimmen, dass der menschliche Glaube Berge versetzen bzw. die Einbildung Realität werden kann – jedenfalls für jene Mitmenschen, die ohnehin unter einem Riss in der Hirnwaffel leiden.

Dass Diana diese Bedingung zu 100% erfüllt, machen uns Regie und Drehbuch kurz darauf aufdringlich deutlich. Diana sieht aus wie eine Irre und verliert kaum Zeit, sich als solche aufzuführen. Damit sie dabei ungestört bleibt bzw. ihre unglückseligen Begleiter sie nicht einfach schäumend irgendwo stehenlassen können, spielt unsere Geschichte in einer Geisterstadt, die wir hübsch-hässlicher selbst im Wilden Westen nirgendwo fänden. Möglicherweise gibt es in Spanien tatsächlich verlassene Orte wie Susurro, die von Vandalen und Dieben verschont werden, weil es dort spukt. Nicht einmal die Polizei scheint sich eingehender umgesehen zu haben. Wie sonst hätte Dr. Matargas Folterkeller vollständig eingerichtet und mit Schädeln, in Alkohol eingelegten oder getrockneten Körperteilen dekoriert die Jahrzehnte unbeschadet überdauern können? Oder war der Eingang allzu raffiniert hinter einer im Wind wehenden Schautafel getarnt?

Horror in Fesseln

Dabei sind die Kulissen noch das große (oder einzige) Plus dieses Films. Zur Geisterstadt gesellt sich auch eine tropfsteinreiche Höhle. Die hat zwar keinen Bezug zur Handlung, muss aber trotzdem als ‚Mine‘ herhalten, weil es doch schade wäre, so einen hübschen Ort zum Dreh unbeachtet zu lassen. Zumindest Kameramann Sergi Bartrolí und seine Beleuchter verstehen ihren Job und holen optisch das Optimale aus staubigen, schimmeligen Ruinen heraus.

Doppelt schade, dass Regie und Drehbuch die Akteure primär in drei Haupt-Kulissen – Kirche, Waschkaue, Folterkeller – zeigen. Allerdings ist aufgrund der Figurenzeichnung davon auszugehen, dass Ángela & Co. mit beiden Händen die eigenen Hinterteile nicht fänden und sich in einer größer angelegten Spielwelt hoffnungslos verlaufen würden.

Jawohl, die Akteure werden an dieser Stelle übel gezaust. Der Zorn des Rezensenten ist aber gerecht, selbst wenn die Darsteller sich darauf berufen könnten, nur den Anweisungen des Regisseurs sowie dem Drehbuch Folge geleistet zu haben. Diese zugegeben schwere Prüfung enthebt sie jedoch nicht der Verantwortung für ein kollektives Rollenverständnis, das dem der Puppen in einem Kasperle-Spiel gleicht.

Also haben wir: die Irre (Diana), ihre schlampige, fremdelnde aber eigentlich doch besorgte Schwester (Ángela), ihren muskelfleischigen, kühn tätowierten und immer geilen aber tumben Beischläfer (Carlos), seinen ähnlich dummen aber unbeweibten Kumpel (José), eine arrogante Zicke (Belén) und einen Nerd als Sandsack für die Muskeltiere (Toni). Nicht ein Jota weichen die Darsteller von diesen Vorgaben ab. Man wünscht ihnen bereits Dr. Matarga, die Pest & den Tod an die Hälse, bevor sie ihr Reiseziel Geisterstadt erreicht haben.

Das ausgebremste Scheusal

Apropos Dr. Matarga: Er trägt aus unerfindlichen Gründen eine Halbmaske aus Menschenhaut und vertut seine Zeit vor der Kamera hauptsächlich mit der Ankündigung von Gräueltaten, die er anschließend eher halbherzig verwirklicht: Schließlich soll „PX 3D“ ein jugendfreier Horrorfilm bleiben. Deshalb sieht man ihn selten frontal meucheln. Die eigentliche Bluttat ereignet sich im Off, gezeigt wird das mausetote Ergebnis, das durch die entsetzten Reaktionen der (vorläufig) Überlebenden für eher billigen Zuschauergrusel sorgen sollen.

Wen kümmert es ob solcher Bockschüsse noch, dass Tag und Nacht wild und keineswegs irdischen Naturgesetzen folgend wechseln; die aufgezeichneten Schreie der ermordeten Dorfbewohner nie wieder erwähnt werden, sobald Matarga erschienen ist; Belèn, die sich bisher nie die Finger schmutzig machen wollte, sich plötzlich als Mitglied einer Familie von Rennfahrern outet und den maroden VW-Bus binnen Minuten wieder ins Rollen bringt; die bisher ausgiebig bedienten und tadellos funktionierenden Handys irgendwann in Vergessenheit geraten, statt zur Alarmierung von Außenhilfe verwendet zu werden.

Selbstverständlich fehlt nicht der ‚schockierende‘ Finaltwist, bei dem sich Dr. Matarga sich von der Projektion einer verrückten Frau in ein ‚reales‘ Phantom verwandelt. Üblicherweise ist dies im Trash-Horror die Anzeige einer Fortsetzung, vor der uns das vermutlich kümmerlichen Einspielergebnis von „PX 3D“ hoffentlich bewahrt!

DVD-Features

Auf der Suche nach einer Erklärung für das durchlittene Fiasko kann der Zuschauer weder auf die (kurze) B-Roll noch auf das „Making of“ setzen, in dem sich sämtliche Beteiligten im Dienste des Erfolges förmlich überschlagen bzw. so verbiegen, dass sich ihre Äußerungen positiv deuten lassen. Als Tüpfelchen auf dem I gibt es den Trailer, der Grusel und Tempo dort suggeriert, wo faktisch Langeweile und Lahmheit dominieren.

Kurzinfo für Ungeduldige: Notorisch begriffsstutzige ‚Studenten‘ geraten in einer Geisterstadt an einen untoten Serienkiller, der freudig die Gelegenheit ergreift, sein Werk fortzusetzen … – Spanische Variante des typischen US-Slashers: gedreht in eindrucksvollen Kulissen aber inhaltlich sogar noch dümmer als die meisten Vorbilder sowie miserabel gespielt: Trash-Horror, der den peinlich berührten Zuschauer zum Lachen reizt oder in Wut aber nie in gruselige Spannung versetzt.

[md]

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)