Paranormal Haunting at Silver Falls

Originaltitel: A Haunting at Silver Falls (USA 2013)
Regie: Brett Donowho
Drehbuch: Cam Cannon, Rachel Long u. Brian Pittman
Kamera: Edd Lukas
Schnitt: Ryan Eaton u. Tim Mirkovich
Musik: Nathan Vann Walton
Darsteller: Alix Elizabeth Gitter (Jordan), Tara Westwood (Anne Sanders), Steve Bacic (Kevin Sanders), James Cavlo (Larry), Tadhg Kelly (Robbie), Erick Avari (Dr. Parrish), James Ralph (Sheriff O’Leary), Jade Ramsey (Heather Dahl), Nikita Ramsey (Holly Dahl), James C. Burns (Wyatt Dahl) u. a.
Label/Vertrieb: Edel Germany GmbH
Erscheinungsdatum: 27.11.2015
EAN: 4036382504023 (DVD)/4036382504016 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 96 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Nachdem ihre Mutter vor Jahren Selbstmord beging, starb nun auch Jordans Vater. Das noch unmündige Teenager-Mädchen wird von ihrer Tante Anne aufgenommen, die sich ebenso hilfsbereit und ratlos wie ihr Gatte in die Elternrolle einzufinden versucht. Dass die Schwestern Zwillinge waren, ist keine Hilfe, da sich Jordan so erst recht an die verlorene Mutter erinnert fühlt. Trotzdem ist sie bestrebt, sich in Silver Falls, einer kleinen Stadt im US-Staat Oregon, einzuleben.

Jordan hat sogar bereits einen Freund gefunden. Nerd Larry ist begeistert, dass er die hübsche Neubürgerin für sich entflammen konnte. Er weiht Jordan in das ansonsten sorgfältig vertuschte Ortsgeheimnis ein: Vor einigen Jahren verschwanden mehrere Teenager aus Silver Falls. Nicht alle wurden gefunden. Zu den tot geborgenen Mordopfern gehörten die Zwillingsschwestern Heather und Holly Dahl. Als Täter wurde ihr Vater verhaftet, der nun seine Hinrichtung erwartet.

Im Wald findet Jordan einen Ring, der einst Heather und zu einem Dreier-Set gehörte. Die beiden anderen Ringe trugen Holly und Vater Wyatt. Unklugerweise steckt sich Jordan den Ring an, der sich fortan nicht mehr abnehmen lässt. Dadurch weckt sie die Geister der toten Schwestern, die unerlöst im Jenseits schmoren und auf Vergeltung warten. Nun hat Jordan ihnen unbeabsichtigt ein Portal geöffnet. Vor allem Heather setzt ihr spukhaft zu, frisst des Nachts Jordans geliebte Ferrero-Rocher-Schokokugeln und versucht ihr den Ring vom Finger zu beißen.

Als ihr die Grusel-Schwestern offen und auch tagsüber erscheinen, beginnt sich Jordan verständlicherweise seltsam zu verhalten. Tante Anne und Onkel Kevin schicken sie zu Larrys Vater, der zufällig Psychiater ist. Da dieser Spuk echt ist, kann Dr. Parrish nicht helfen. Jordan begreift, dass die Dahl-Schwestern ihr die Identität ihres wahren Mörders mitteilen wollen, der nicht erfreut ist, als er davon Wind bekommt …

Halbe Kraft trotz doppelter Geister-Power

Man muss schon recht abgebrüht sein, um sich heutzutage mit einer Allerweltgeschichte wie dieser vor ein Filmpublikum zu trauen. Gibt es ein schlimmeres Grusel-Klischee als den Teenager, der von einem Schrecken verfolgt wird, den nur er bzw. vor allem sie sehen kann? Dazu gesellen sich die ‚typischen‘ Pubertier-Problemchen, mit denen Hollywood-Teenies malträtiert werden, denen offenbar sämtlich liebende aber notorisch unverständige Eltern, der US-allgegenwärtige Psychiater – eher Drogendealer als Helfer – oder der misstrauische Sheriff im Nacken sitzen.

Immerhin bürstet Regisseur Brett Donowho – der sich gleich von drei Drehbuchautoren unterstützen ließ – einige Dümmlichkeiten gegen den Strich. So gehört Jordan zur raren Jungmädchen-Spezies, die sich nicht davon abbringen lässt, in einen Nerd mit Idioten-Frisur und wagenradgroßen Brillengläsern – auch der dümmste Zuschauer soll ihn als solchen identifizieren können – verliebt zu sein, während der lokale High-School-Hengst in die Röhre schaut.

Außerdem geht die Story in eine zumindest für den deutschen Zuschauer unerwartete Richtung. Dies ist der vorsätzlich dämlichen ‚Werbung‘ zu verdanken, die einen gänzlich anderen Film erwarten lässt. Schon das Erscheinen in einer Reihe, die marktschreierisch den Titel „Horror Extreme Collection“ trägt, lockt ein falsches und  vermutlich rasch enttäuschtes Publikum: Hier wird kein Teenie-Geisterfutter wie am Fließband in Stücke gerissen. Stattdessen erzählt Donowho manchmal grobschlächtig aber hin und wieder gelungen eine Geistergeschichte, die sich klassisch um Vergeltung nach dem Tod und Erlösung dreht.

Der deutsche Filmtitel ist ein zusätzlicher Tiefschlag: Was im Original schlicht und zutreffend „A Haunting at Silver Falls“ heißt, wird hierzulande mit dem Rosstäuscher-Zusatz „Paranormal Haunting“ ‚aufgewertet‘: Geistesschlichte aber geldbeutelschwere Tröpfe sollen auf die Idee gebracht werden, es hier mit einem weiteren Teil der episoden- und weiterhin erfolgreichen Horrorfilm-Serie „Paranormal Activity“ zu tun zu haben.

Spukgrusel bzw. der Versuch zu überraschen

„Haunting at Silver Falls“ – wie wir den Film hier unter Ignorierung des Dummdeutschtitels nennen wollen – nimmt durch sein spürbar ehrliches Bemühen ein, einem alten, mürben Garn Stärke zu verleihen. Dem dient ein wahres Feuerwerk verdächtiger Spuren („red herrings“), die nach und nach alle (lebenden) Figuren in Jordans Umfeld in den Fall der letztlich nicht wirklich geklärten Morde von Silver Falls verwickeln. Der Sheriff, sein Sohn, der Psychiater, dessen Sohn, die Adoptiveltern: Sie alle verbergen etwas, benehmen sich sonderbar.

Nachträglich gibt es für dieses Verhalten jeweils Erklärungen, wobei die drei Drehbuch-Autoren sich die Sache gern einfach machen. Nichtsdestotrotz tappt der Zuschauer überraschend lange im Dunkeln, was die wahren Tatumstände betrifft. Die Aufklärung funktioniert, doch das Finale setzt Donowho in den Sand. Was durchaus traditionell als Kampf auf Leben und Tod zwischen Jordan und dem endlich demaskierten Strolch endet, wird wenig aufregend inszeniert und endet nach enttäuschend kurzer Zeit mit dem Triumph der Gerechtigkeit. Nie bangt man wirklich um die gefangene, einsame, bedrängte Heldin, der zudem viel zu unmotiviert ihr Nerd-Lover zur Seite eilt, während die toten Dahl-Schwestern genau in dieser kritischen Phase erstmals durch Abwesenheit glänzen, wo übernatürliche Unterstützung ungemein nützlich wäre.

Doch wer weiß schon, wie Geister ticken? Diese Frage sollte man sich stellen, da man Regie und Drehbuch sonst hässliche Fehler und Versäumnisse unterstellen müsste. Wieso teilen die Spuk-Schwestern Jordan nicht einfach mit, was sie von ihr wollen? Irgendwann stellt sich heraus, dass sie durchaus sprechen können. Dass sie es nicht tun, liegt einzig daran, dass dieser Film sonst deutlich rascher zu Ende ginge – eine Erklärung, die den Zuschauer, der sich auf den Arm genommen fühlt, natürlich wenig tröstet.

Grusel-Theater statt Stimmung

Ebenfalls ratlos nimmt der Zuschauer eine Szene zur Kenntnis, in der die Dahl-Schwestern Jordan nachts in ein entlegenes Waldstück locken; sie lassen dafür sogar einen von unsichtbarer Geisterhand gelenkten Schulbus auffahren! Die aufwändig eingefädelte Fahrt endet abrupt mit dieser Warnung: „Du bist die nächste!“ Selbst Jordan reagiert darauf kaum überrascht. (Wohl nicht grundlos verkneift sie sich ebenso die Frage, wieso von den vielen Mordopfern aus Silver Falls nur Heather und Holly aus ihren Gräbern zurückkehren.)

Solche Schlampigkeiten konterkarieren einen ansonsten handwerklich soliden Film. „Haunting …“ ist kein für Münzgeld laienhaft heruntergekurbelter Streifen. Zwar war das Budget klein aber es existierte; „Haunting …“ ist kein Kammerspiel, die Handlung kennt mehrere Orte. Gedreht wurde tatsächlich in Oregon. Vor die Kamera traten zwar wenig bekannte aber erfahrene Schauspieler, die ungeachtet der flachen Figurenprofile gute Arbeit leisten.

Die Spezialeffekte sind weder zahlreich noch aufwändig, doch sie erfüllen ihren Zweck: Es geht weniger darum, das Geistertreiben vor allem unheimlich erschreckend wirken zu lassen, sondern um die Story hinter dem Spuk. Nichtsdestotrotz weckt das Erscheinungsbild der Geisterschwestern Befremden: Wieso sehen sie aus, als sei die Haut mit klarem Zuckerguss glasiert?

Anfänger und Profis tun ihren Job

Mit seiner Hauptdarstellerin gelang Donowho ein Glücksgriff. Alix Elizabeth Gitter ist keiner jener überreifen Als-ob-Teenys, die im US-Gruselfilm Jugendfrische versprühen sollen. Sie war (und ist) tatsächlich jung und wirkt bereits von daher in ihrer Rolle überzeugend. Großartige Schauspielkunst verlangt diese Geschichte ohnehin nicht – weder von ihr noch von den anderen Darstellern, sodass Gitter auch in diesem Punkt kein Ausfall ist. Saubere Arbeit leisten ebenfalls Tara Westwood und Steve Bacic als überforderte Adoptiveltern, die zunehmend zwielichtige Züge offenbaren.

Pech hat dagegen James Cavlo, der Nerd und gleichzeitig liebenswert sein soll – eine Herausforderung, an der Donowho und seine Drehbuchautoren kläglich scheitern: Larry ist eine Witzfigur und bleibt es – in Gestalt, im Reden und im Handeln. Wieder einmal verschwendet wird das Talent des ewigen Nebendarstellers Erick Avari, dessen boshafte Arroganz schon deshalb nicht zünden kann, weil er als ‚Psychiater‘ einen derartigen Schwachsinn verzapfen muss, dass selbst der Laie lachen muss, und irgendwann einfach aus dem Geschehen verschwindet.

So bleibt „Haunting …“ einer dieser Filme, die zwischen Anspruch und Unterhaltung verhungern. Kritiker und Zuschauer waren recht einig in ihrem negativen Urteil, doch sollte man die positiven Stimmen keineswegs gänzlich ignorieren. Donowho bringt seine Geschichte über die Runden, ohne dass bereits die Figuren für Grusel und Ärger sorgen. Bis zum allzu konventionellen Finale stellen sich durchaus hin und wieder Momente linden Schreckens sowie Erstaunens ein. Als Unterhaltung für einen entspannten Filmabend daheim taugt „Haunting …“ allemal.

DVD-Features

Es gibt weder Untertitel noch Extras zum Film, was sich verschmerzen lässt, da das dadurch gesparte Geld an Synchronsprecher ausgezahlt wurde, die diese Bezeichnung tatsächlich verdienen.

Kurzinfo für Ungeduldige: Teen-Waise Jordan muss sich nicht nur bei ihren Verwandten einleben, sondern wird auch von den Geistern ermordeter Zwillingsschwestern heimgesucht, die Rache für ihr Ende fordern und Jordan dadurch in Lebensgefahr bringen … – Was sich wie typischer, d. h. IQ-freier US-Highschool-Horror anlässt, bleibt lange eine ruhige, durchaus interessante „ghost story“ mit vielen falschen Spuren, bevor daraus im Finale das übliche Haudrauf-Spektakel wird: gerade noch gruseliger Durchschnitt mit deutschem Rosstäuscher-Titel.

[md]

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