Paranormal ResurrectionDer Geist einer mysteriös verschwundenen Architektin fährt in den Körper einer jungen Frau, um fortan den Ex-Gatten und seine Neu-Gefährtin rachsüchtig heimzusuchen; dabei erfährt das Opfer hässliche Details, woraufhin ihr nicht nur das Jenseits im Nacken sitzt … – Kammerspiel in stimmungsvoller Wüstenkulisse; die klassische „ghost story“ wird stringent und ohne Klamauk aber leider auch überraschungsarm erzählt: es gibt deutlich schlechtere Filme, doch ist das ein Grund, Zeit für diesen Spuk zu opfern?

Das geschieht:

Anna Parker schreibt einen leidlich erfolgreichen Blog und arbeitet an einem Drehbuch, das ihr den ersehnten Durchbruch bringen soll. Doch die Arbeit geht nur schleppend voran, denn Anna leidet unter massiven Schlafstörungen. Immer wieder quälen sie Albträume; schlimmer ist eine Lähmung, die sie zwar ‚erwachen‘ lässt, ihr jedoch die Kontrolle über ihren Körper entzieht. Dagegen nimmt Anna Medikamente, die ihr nicht immer zuverlässig helfen, wenn Einbildung und Realität sich mischen.

Privat ist Anna derzeit mit Paul Wagner zusammen. Der erfolgreiche Geschäftsmann sorgt sich um die Gefährtin und lädt zu einem ruhigen Wochenende ein. Paul besitzt ein einsam aber idyllisch in der kalifornischen Wüste gelegenes Haus, dessen gläserne Wände die eindrucksvolle Landschaft buchstäblich hautnah spürbar werden lassen.

Was Anna tagsüber begeistert, wird ihr nachts zum Schrecken, denn in der Dunkelheit scheint es umzugehen. Dennoch beschließt sie zu bleiben, als Paul unerwartet in sein Büro zurückgerufen wird; sie möchte an ihrem Drehbuch feilen. Die Einsamkeit soll Anna vor Ablenkung schützen. Stattdessen verschärft sich ihre Schreibblockade. Außerdem glaubt Anna nun auch tagsüber ein Phantom zu erblicken, das selbst auf weite Entfernung hässlich anzuschauen ist.

Auf der Flucht vor dem Gespenst/Hirngespinst verirrt sich Anna und gerät an den Einsiedler Jeremy, der ihr ebenfalls kein Vertrauen einflößen kann. Zudem entdeckt Anna im Haus ein Foto, das Paul sorgfältig vor ihr versteckt hat. Es zeigt ihn mit einer Frau, die Anna unerfreulich bekannt vorkommt. Ihr Verdacht bestätigt sich, als sie in der folgenden Nacht von einer neuerlichen Schlaflähmung und einem mumienhaften Geist heimgesucht wird. Am nächsten Morgen bedecken Schriftzüge die Glaswände; sie nennen ein bestimmtes Datum, das zu kennen der inzwischen zurückgekehrte Paul allzu offensichtlich leugnet. Anna stellt weitere Nachforschungen an – und spielt einem zu Recht rachsüchtigen Geist dadurch in die Lakenhände …

Die Vergangenheit will einfach nicht ruhen

Wer allzu abrupt und womöglich gewaltsam aus dem Leben gerissen wird, hinterlässt offene Fragen und ungelöste Probleme. So könnte jedenfalls ein Geist empfinden, während die im Diesseits zurückgebliebenen Familien & Freunde womöglich ganz froh sind, dass der Tod einen Streit beendet hat, der übel für sie hätte ausgehen können. Sollte dann ein Mord für diesen Frieden gesorgt haben, fällt die Vorstellung leicht, dass der oder die vorzeitig unter die Erde Gebrachte recht sauer im seinem oder ihrem Grab erwacht, den weißen Lichttunnel (mitsamt winkender Oma am oberen Ende) ins gelobte Jenseits verschmäht und stattdessen rachsüchtig den Sterbefallverursacher piesackt.

Diese Vorstellung galt in der Vergangenheit sogar als Realität. Erst die Aufklärung bereitete solchem Aberglauben ein Ende. Als unterhaltsames Spiel mit dem Schrecken blieb die Rache aus dem Reich der Toten allerdings ein Dauerbrenner, was viel über unterbewusste Menschenängste aussagt und damit zu einem zuverlässigen Reservoir für Schauergeschichten avancierte. Sie wurden und werden entweder schriftlich oder filmisch erzählt und speisen ein eigenes Genre – die „ghost story“. Diese kommt entweder brachial über uns, wenn erboste Geister ihrer mörderischen Wut buchstäblich und ohne Scheu vor Sichtbarkeit nachgeben, oder subtil, was vor allem den Filmkritiker erfreut, der „Andeutung“ mit „Qualität“ gleichsetzt.

„Paranormal Resurrection“ sitzt irgendwo zwischen den Stühlen. Das wird in der deutschen Fassung durch einen selten blöden Titel verschärft, mit dem das Label sich dreist an die „Paranormal-Activity“-Serie anhängen will – und sich dadurch, dass diese inzwischen als Synonym für sinnlos wiedergekäuten Routine-Grusel gilt, selbst durchs Knie schießt. Tatsächlich ist „Echoes“, wie dieser Film original etwas farblos aber thematisch zutreffend heißt, eine klassische Geistergeschichte ohne auffällige Paranormalitäten.

Kammerspiel mit Geist

Regisseur und Drehbuchautor Nils Timm reiht sich in die Legionen jener Filmemacher ein, die über eine Idee aber wenig Geld verfügen. „Paranormal Resurrection“ ist ein möglichst kostengünstig produziertes Werk, was zunächst nichts über das Unterhaltungspotenzial aussagt: Wie Hollywoods Blockbuster demonstrieren, kann noch so viel Geld ein gutes Drehbuch nicht ersetzen.

Dumm nur, dass Timm in dieser Hinsicht kein Feuerwerk zündet. Zunächst darf der Zuschauer noch erwartungsvoll sein. „Paranormal Resurrection“ startet ruhig aber stimmungsvoll und mit einer Handlung, die ohne Abschweifungen vorangetrieben wird. Das Figurenpersonal bleibt übersichtlich, mit Vorgeschichten und eingeschleppten Verwicklungen hält sich Timm zurück. Das Geschehen konzentriert sich auf Anna und Paul, die als nicht mehr ganz junge und vom Leben bereits gebeutelte Individuen vorgestellt werden.

„Paranormal Resurrection“ bietet also keinen Teenie-Horror, was Timm Pluspunkte beschert. Anna und Paul müssen sich nicht mit Scherenschnitt-Profilen zufriedengeben, sondern legen eine gewisse Charaktertiefe an den Tag, wobei – erneut erfreulich – beide Figuren sich nicht nach ‚gut‘ und ‚böse‘ differenzieren lassen: Sowohl Paul als auch Anna haben Geheimnisse und dunkle Seiten, die sie voreinander hüten.

Haus als Spiegel der Seele/n

Als zentrale Kulisse dient ein Haus in der Wüste, dessen Wände aus Glas bestehen. Es besitzt Symbolcharakter: Hinter vorgeblicher Durchsichtigkeit kann durchaus das Böse lauern. Außerdem lassen die Wände die Wüste praktisch ins Haus eindringen, das normalerweise ein Hort der Sicherheit sein soll. Gerade die nervöse Anna leidet unter dieser Barrierefreiheit, da die ohnehin bedrohliche Außenwelt sie jederzeit erreichen kann.

Ihre Furcht ist nicht unbegründet – vielleicht, denn lange lässt uns Timm im Unklaren darüber, ob tatsächlich real ist, was Anna ‚sieht‘. Diese Ambivalenz gehört zur „ghost story“; sie lässt den Zuschauer zweifeln und verschärft gleichzeitig die Isolation der vom Spuk betroffenen Hauptfigur, die auf diese Weise dem Schrecken erst recht allein gegenübersteht. Parallel dazu stellt sich heraus, dass es guten Grund gibt, auch die Lebenden zu fürchten, die – s. o. – mit Missfallen feststellen, wie das gespenstische Treiben Ereignisse wiederkehren lässt, die man lieber weiterhin begraben und vergessen sähe.

Von der Genre-Regel ist es nur ein kleiner Schritt zum Klischee. Abgefedert kann dies durch ein Drehbuch werden, das solche Wendungen zumindest einfallsreich abwandelt. Timm kann in dieser Hinsicht keine Maßstäbe setzen. Auch in der visuellen Umsetzung wandelt er meist auf bekannten Pfaden. Dabei weiß er grundsätzlich offenbar, wie man es besser macht; diverse Visionen spielen in der Wüste und wissen die karge Landschaft gut = unheimlich zu nutzen.

Kleine Geschichte wird in die Länge gezogen

Gravierender ist ein anderes Problem: Timm erzählt eine Geschichte, die eigentlich nur Substanz für die halbe Laufzeit bietet. Er versucht es deshalb doch mit Nebenhandlungen, die jedoch keinen Sinn ergeben und dem Film Schaden zufügen. Hier ist in erster Linie die gänzlich absurde Episode zu nennen, in der Anna den New-Age-Schummel-Schamanen Joe aufsucht, der herausfinden soll, wer ihr im Nacken bzw. im Hirn sitzt. Wie sie – eine angeblich kluge Frau – auf den Gedanken kommt, Joe um Rat zu bitten, bleibt schleierhaft. Es wird noch grotesker: Ausgerechnet dieser scheinheilige Joe ist eigentlich ein ‚echter‘ indianischer Seher und wächst bei einer Geisterbeschwörung à la Hollywood über sich selbst hinaus. Kurz darauf ist er tot und die Besessenheit nicht mehr handlungsrelevant. Ebenso filmzeitschindend ist das Gewese um Einsiedler Jeremy, der aufwändig eingeführt wird und als reines Bauernopfer endet.

Dabei hat Timm die Katze längst aus ihrem Sack gelassen. Wer da durch die Wüste spukt, ist also bekannt. Wie es dazu kam, wird in einer ausführlichen Rückblende banal aufgerollt. Anschließend verließen sämtliche guten Geister oder wenigstens Musen unseren Autor/Regisseur: Anna fällt einen Entschluss, der den Zuschauer primär deshalb überrascht, weil ihm angesichts der Vorgeschichte jeglicher Sinn abgeht. Die Auflösung des Geschehens bleibt deshalb unbefriedigend. Der Geist bekommt zwar seine Rache, macht aber auf halber Strecke Schluss mit der Heimsuchung.

Angesichts der drehbuchbedingten Einschränkungen (oder Beschränktheiten), mit denen Anna und Paul geschlagen werden, muss man den beiden Schauspielern Kate French und Steven Brand Anerkennung zollen. Obwohl ihnen kein Oscar für ihre Mitwirkung an diesem Film winken dürfte, füllen sie ihre Figuren mit dem erforderlichen Leben. Dies ist einer der Belege dafür, dass „Paranormal Resurrection“ kein ‚schlechter‘ Film in dem Sinn ist, dass ausschließlich talent- und skrupellose Trash-Fabrikanten ihren üblen Machenschaften nachgingen. Das Bemühen ist sicht- und spürbar, das Scheitern letztlich aber auch. Für einen anspruchsarmen Filmabend ist „Paranormal Resurrection“ jedoch tauglich.

DVD-Features

Dieser Film erscheint ohne Extras.

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Paranormal Resurrection – Die Schatten der Ex
Originaltitel: Echoes (USA 2014)
Regie u. Drehbuch: Nils Timm
Kamera: Robert Toth
Schnitt: Anthony Rosc
Musik: Dre Nitze
Darsteller: Kate French (Anna Parker), Steven Brand (Paul Wagner), Caroline Whitney Smith (Vera Palm), Billy Wirth (Joe), Steve Hanks (Jeremy), Kevin Brewerton (Cop), Ivory Dortch (Emily), Nicolas Charles (Barkeeper), Tina Huang (schlafgestörte Frau)
Label: Kinokater
Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 22.04.2016
EAN: 4250128416931 (DVD)/4250128416948 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 88 min.)
FSK: 16

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