plane-deadSchurkische US-Wissenschaftler schmuggeln per Flugzeug einen Zombie außer Landes, der sich aus seinem Container befreien kann und die meisten Passagiere infiziert; eine Restgruppe kämpft hoch in der Luft um ihr Leben, während der Abschuss des Jets bereits beschlossene Sache ist … – Horror-Trash der ganz groben Art; mieses Drehbuch, von allen Geistern verlassene Darsteller, schauerlich schludrige Trickeffekte: Mumpitz für ganz hart gesottene (bzw. weichbirnige) Zuschauer.

Das geschieht:

Dr. Bennett und seine Kollegen sind auf der Flucht: In ihrem US-Labor haben sie an einer biologischen Waffe gearbeitet und stattdessen ein Mittel gefunden, mit dem sich Leichen wiederbeleben lassen! Leider gibt es hässliche Nebenwirkungen, die den Auferstehungskandidaten in einen hirnarmen aber nach Menschenfleisch hungernden Zombie verwandeln.

Mit an Bord des Verkehrsflugzeugs, das Bennett nach Europa bringt, ist das aktuelle Versuchsobjekt. Als der Jet in einen Gewittersturm gerät, kann sich dieses aus seinem Transportcontainer befreien. Hungrig fällt der Zombie über diverse Pechvögel her, die den Gepäckraum auf Schäden untersuchen. Die angefressenen Leichname stehen sofort wieder auf und dringen auf die übrigen Passagiere ein.

Nackter Terror breitet sich aus, als diese begreifen was vor sich geht. Als ob die Attacken der lebenden Leichen nicht schlimm genug wären, ist man just im US-Verteidigungsministerium Bennetts Machenschaften auf die Spur gekommen. Da der Funkkontakt zum Jet inzwischen abgebrochen ist, gehen Colonel Wolff und seine Spezialisten sehr richtig davon aus, dass an Bord die Zombieseuche tobt. Der Präsident befiehlt deshalb den Abschuss des Flugzeugs.

Dort hat sich eine kleine Schar Überlebender verzweifelt in der Küche verbarrikadiert. Sie müssen sich ins Cockpit vorkämpfen, um per Funk zu melden, dass nicht alle Passagiere tot sind, doch der Weg dorthin wird zum Spießrutenlauf, denn auf allen Ebenen des Jets toben die gefräßigen Zombies …

Höhenflug bei tief gelegter Handlung

Trash-Horror hat sich im Horrorfilm eine eigene Nische erobert. Ursprünglich waren es die unfreiwilligen Dämlichkeiten, über die sich ein entsprechend geneigtes Publikum lustig machte: Schwachstrom-Storys, die mit der Logik nicht nur spielen sondern sie brutal vergewaltigten, dilettierende Darsteller, die den kärglichen Rest ihrer Würde beim Aufsagen kreischblöder Dialoge einbüßen, Billig-Kulissen, die sich als solche auf den ersten Blick identifizieren lassen und ‚Spezialeffekte‘, die nur dafür geschaffen zu sein scheinen die Illusion zu töten.

Natürlich wurden bald skrupelfreie Filmemacher und Produzenten auf diese eigenartige aber tatsächlich durchaus reizvolle Liebe zum Unvollkommenen aufmerksam. Das „Trash“-Prädikat eignet sich hervorragend, eigenes Unvermögen sowie Geldmangel als Stilmittel zu tarnen. Sich selbst wie ein lieber Hund auf den Bauch rollend, sich dadurch der Kritik förmlich ausliefernd und dabei auf die Hemmung des Beißreflexes hoffend, streichen sie ihre Gewinne ein, weil die Rechnung viel zu oft aufgeht. (Gern bedient man sich auch des billigen Tricks, durch die Titelwahl Qualität zu suggerieren. Hier werden „Night of the Living Dead“ [1968] und „Outbreak“ [1995] – Filme, die diese Bezeichnung wirklich verdienen – angeblich zitiert aber eigentlich massakriert.)

Doch unfreiwilliger Humor ist ein flüchtiges Gut, das sich selten absichtlich erzeugen lässt; „Plane Dead“ ist der deutliche Beweis. Die Kritik – die den besagten Hund durchschaut und ihm hier tüchtig ins Gemächt treten wird – entzündet sich nicht am Plot, obwohl der wahrlich HIrnkrampf ist. Damit lässt sich leben, denn es gilt das Flugzeug in die Luft und den ersten Zombie an Bord zu bekommen, damit das eigentliche Splatter-Geschehen einsetzen kann.

Spiel auf Zeit, denn das spart Geld

Bis das soweit ist, ist allerdings die Hälfte der Laufzeit schon verstrichen. Filmtricks und Zombie-Make-up kosten Geld, das man nicht hatte oder sparen wollte. Deshalb wird gefühlt unendlich viel Zeit darauf verschwendet, uns in (gar nicht) guter, alter „Airport“-Manier Besatzung und Passagiere des verhängnisvollen Flugs vorzustellen. (Sogar die obligatorische Nonne glänzt durch Anwesenheit.) Das soll sie uns näher bringen, damit wir später um sie bangen, wenn Gevatter Tod die Sense schwingt.

Nur: Was nützt der ganze Aufwand, wenn es die die auf diese Weise vorgestellten Figuren dann im Sekundentakt dahinrafft? Von Nachteil ist zudem, wenn diese Figuren in ihrer Mehrzahl nicht nur langweilig, sondern auch noch echte Unsympathen sind. Hart erwischt das Drehbuch einmal mehr die Vertreter der Jugend: Die Männchen sind manisch sportbesessene, neandertalerhafte Hohlköpfe, die Weibchen ähnlich schädelleere Zicken; die einende Klammer bildet der Sex, dem besagte Jugend bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf dem „ten-mile-high“-Lokus frönt.

Fürs Herz gibt es die platt gemimte Lovestory zwischen einem reizvoll vom Leben zerbeulten Cop und einer hübschen Stewardess. Dritter im Bund ist ein großmäuliger aber herzensguter Kleinkrimineller, der gerade ausgeliefert wird und den der Cop überführen soll. Überrascht es übrigens, dass genau diese Witzfigur sich im Finale als einziger Passagier entpuppt, der einen Riesenjet steuern kann?

Endlich: Die Zombies kommen!

Irgendwann ist es dann soweit: Die Zombies greifen an! Sie gehören zur „Next Generation“ ihrer fauligen Art und haben das Schlurfen an den Nagel gehängt. Mit blitzartiger Geschwindigkeit springen sie aus dem Off und verbeißen sich unter knochenmarkerschütterndem Knirschen in ihre Opfer: In dieser Beziehung geht es im „Plane Dead“ wirklich horrorfilmmäßig zu.

Diverse Bildsprünge lassen indes vermuten, dass es nach Ansicht deutscher Zensoren zeitweilig des blutigen Guten etwas zu viel und deshalb die Schere angesetzt wurde. Zwar besteht für „Plane Dead“ keine Jugendfreigabe, aber das bedeutet hierzulande keineswegs, dass mündige Erwachsene frei darüber entscheiden dürfen, was sie sich anschauen möchten! (Noch drastischer gerupft wurde die später nachgeschobene Blu-ray-Ausgabe, vor der man sich deshalb erst recht hüten sollte. Abhilfe bietet der Umweg-Erwerb über Österreich.)

Es bleibt die Möglichkeit, sich am Anblick einer eindrucksvoll großen Zahl hübsch grässlicher Zombie-Visagen zu weiden. Die bekamen zwar aus schwer nachvollziehbarem Grund alle wolfspupillengelbe Kontaktlinsen verpasst, lassen jedoch ansonsten an untoter Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, zumal sie gern aus vollem Halse Blut & Galle spotzen.

Offenbar herrschte im Drehbuchautoren-Trio Uneinigkeit in der Frage, wie man sie außer Gefecht setzen kann. Manchmal hilft der klassische Kopfschuss, dann aber auch nicht; hin und wieder genügen simple Körpertreffer. (Andererseits stürzt der Dr.-Bennett-Zombie in eine laufende Flügelturbine und anschließend mit der Maschine ab, um im Finale wieder kräftig mitzumischen.)

Das Flugzeug als Gruselfilm-Kulisse

Schon der normale Fluggast denkt ungern über die Tatsache nach, dass er in einer dünnwandigen Aluminiumröhre und in zehn Kilometern Höhe durch schrecklich leere und balkenlose Luft katapultiert wird. Das Wissen, was dabei alles schiefgehen kann, speist seit Jahrzehnten einschlägige Thriller, in denen Bomben, Terroristen, Spinner, Blitze oder Maschinenschäden für Spannung sorgen. In einem Flugzeug sind die Fluchtmöglichkeiten bekanntlich eingeschränkt, was den Stressfaktor erhöht. Niemand kann wirklich entkommen, sodass die den Absturz implizierende Herausforderung letztlich angenommen werden muss.

Den Filmproduzenten freut die Überschaubarkeit des Schauplatzes: Ein Flugzeug ist eine kostengünstig zu realisierende Kulisse und die Zahl der Darsteller ist ebenfalls begrenzt. Die gerade skizzierte Klaustrophobie des mitfühlenden Publikums sorgt gratis für eine unbehagliche Grundstimmung. Aber Iwanter, Onspaugh & Thomas trauen ihrer Geschichte nicht. Sie stülpen ihr einen zusätzlichen Handlungsstrang über, der uns aus dem Flugzeug katapultiert, die ohnehin nur mühsam aufgebaute Gruselstimmung zerreißt und uns in einen Betonkeller versetzt, der das Pentagon darstellen soll. Dort gibt ein markiger, mit Fantasie-Orden übersäter Colonel pseudomilitärische Bedeutungslosigkeiten zum Besten, die erneut von der Zeit abgehen, die wir lieber die Zombies toben sehen möchten.

Dann startet ein Jagdflieger (einer!), der die ‚verseuchte‘ Passagiermaschine abschießen soll – Auftakt für eine Flut miserabel getrickster CGI-Effekte, die eine theoretisch spannende Sequenz mit Verfolgung, Raketenbeschuss und Notlandung wie aus einem betagten Videospiel entnommen wirken lassen.

Sie sind jung und brauchen das Geld

Hart ist das Schicksal für Nachwuchsschauspieler. Selten spielen sie Rollen, die sie spielen möchten. Stattdessen müssen sie froh über Angebote sein, so seltsam diese manchmal sein mögen. An Bord des „Plane Dead“ finden wir eine Auswahl von Mimen, die es noch nicht oder nie zum Starruhm ‚geschafft‘ haben. Von der drehbuchbedingten Dümmlichkeit ihrer Darstellungen sollte man sich nicht täuschen lassen: Sie alle sind, obwohl oft noch jung an Jahren, vielbeschäftigte Profis und können Besseres leisten, wenn man sie lässt. Primär arbeiten sie für das Fernsehen, wo sie in durchaus bekannten Serien den ‚Gaststar der Woche‘ geben; in der Regel ist das keine Rolle, die dem Zuschauer ein Schauspielergesicht einprägsam macht.

Was noch an Spielspaß und daraus resultierender Stimmung im „Plane Dead“ überlebt haben mag, wird von der deutschen Synchronisation nicht beeinträchtigt sondern vernichtet. So tot wie die Darsteller, die ihre Texte eintönig und notorisch falsch betont herunterleiern, wirken nicht einmal die Zombies!

DVD-Features

Während die Single-Edition ihr Publikum glücklicherweise mit Feature-Material vollständig verschont, bringt das deutsche Label, dem wir „Plane Dead“ ‚verdanken‘, erstaunlicherweise zusätzlich eine aufwändige Doppel-DVD in repräsentativer Metallbox auf den Markt. Schwer zu sagen, wie man dies deuten soll: als Service für die ganz Unerschrockenen oder als besonders dreiste Bauernfängerei? Schließlich hätte die Single-Scheibe Platz genug für den Trailer, den Blick hinter die Kulissen, das Storybook oder die Bildergalerie geboten – sämtlich Features, auf die man nicht unbedingt weitere Lebenszeit ver(sch)wenden sollte; das ist freilich nur die bescheidene Meinung dieses Rezensenten.

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Plane Dead – Der Flug in den Tod
Originaltitel: Flight of the Living Dead: Outbreak on a Plane (USA 2006)
Regie: Scott Thomas
Drehbuch: Sidney Iwanter, Mark Onspaugh u. Scott Thomas
Kamera: Mark Eberle
Schnitt: Wilton Cruz
Musik: Nathan Wang
Darsteller: David Chisum (Truman), Kristen Kerr (Megan), Kevin J. O’Connor (Frank), Richard Tyson (Paul Judd), Erick Avari (Dr. Bennett), Raymond Barry (Flugkapitän Banyon), Todd Babcock (Copilot Randy), Siena Goines (Anna), Mieko Hillman (Stacy), Sarah Laine (Cara), Brian Ames (Tony), Brian Kolodziej (Peter), Ashley Bashioum (Jackie), Laura Cayouette (Dr. Kelly), Dale Midkiff (Dr. Lucas), Brian Thompson (Kevin), Tucker Smallwood (Colonel Wolff), David Spielberg (Dr. Conroy), Heidi Marnhout (Emily), Cliff Weissman (Dr. Sebastian), Eric Price (Madison), Mike Tomlinson (Ted), Ingrid Raines (Tammy), Claudia Katz (Nonne) uva.
Label u. Vertrieb: MIB – Medienvertrieb in Buchholz (DVD)/Great Movies (Blu-ray)
Erscheinungsdatum: 22.06.2007 (DVD)/30.04.2009 (Blu-ray)
EAN: 4260118672452 (Kauf-DVD)/4260118671684 (Doppel-DVD-Metall-Box)/4260157710061 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1 – anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (DVD)/86 min. (Blu-ray)
FSK: 18 (DVD)/16 (Blu-ray)

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