projekt-12-bunkerEisenharte Söldner sollen ultra-geheime Waffentechnik aus Sowjet-Zeiten bergen; sie werden nicht nur betrogen, sondern geraten in einem alten Bunker unter unsterbliche Super-Soldaten … – Der simple Plot wird unglaublich kompliziert erzählt bzw. zerdehnt, die ‚Schauspieler‘ kassieren für bloße Anwesenheit, das Finale ist peinlich, die Effekte sind kläglich, nur der Kameramann leistet gute Arbeit: unterirdisch bzw. überflüssig!

Das geschieht:

Was Medizinwissenschaftler Balanowsky während des Kalten Krieges in einem streng geheimen Bunker irgendwo in Tadschikistan ausbrütete, wurde 1973 sogar dem damals herrschenden Sowjet-Regime zu gruselig. Die Anlage wurde stillgelegt, die dort tätigen Forscher exekutierte man, aber Balanowsky gelang mit drei Mitverbrechern die Flucht. Seither verstecken sich die Männer und glauben „Projekt 12“ längst vergessen.

Das ist ein Irrtum, denn in den USA konnte einer der vier unter neuem Namen Karriere als Waffenfabrikant machen. „Henderson“ hat nicht vergessen, was im fernen Zentralasien unter der Erde liegt. Er will „Projekt 12“ an sich bringen und viel Geld damit verdienen. Als Helfer hat er die Söldner Tabeel, Irina, Bruno, Alan und Carl angeheuert. Sie sollen die drei Flüchtlinge und vor allem Balanowsky finden, denn der ist der einzige, der sich in der gewaltigen Bunkeranlage auskennt.

Dieser Teil des Unternehmens gelingt, obwohl sich herausstellt, dass es weitere Interessenten für „Projekt 12“ gibt, die sogar noch rücksichtsloser sind als unsere Söldner. Trotzdem trifft man zuerst in Tadschikistan ein, und Balanowsky kann seine Kidnapper tatsächlich in die Tiefe führen. Dort verschiebt sich das Machtgleichgewicht: Die Söldner sind nun auf ihren Gefangenen angewiesen, um sich nicht zu verirren. Außerdem hat Balanowsky längst nicht alles über „Projekt 12“ erzählt.

Als hünenhafte Soldaten in alten Sowjet-Uniformen aus dem Dunkel auftauchen, sind freilich auch die Unwissenden bald im Bilde: Balanowsky war entscheidend an der Entwicklung von Super-Soldaten beteiligt! Die sind noch immer auf den Kampf gegen den „Kapitalismus“ programmiert und beginnen mit der Jagd auf die Eindringlinge. Dass diese Krieger praktisch unsterblich sind und selbst durch großkalibrige Geschosse nicht aufgehalten werden können, sorgt für zusätzliche Brisanz. In allergrößter Not entpuppt sich einer der Söldner auch noch als Verräter, und zu schlechter Letzt tauchen beutegierige Rivalen im Bunker auf, weshalb bald jeder auf jeden schießt …

Das schwarze Loch der Selbstüberschätzung

Wer genug Horrorfilme gesehen hat, kommt womöglich zu dem Schluss, selbst ebensolchen Schrecken verbreiten zu können. Es scheint ja so einfach zu sein, dem Publikum Angst- und Ekelschreie zu entlocken. In Vergessenheit geraten dabei angebliche Nebensächlichkeiten. Vor allem auf eine wenigstens ansatzwiese plausible Story oder Schauspieler, die diese Bezeichnung verdienen, meint die Mehrheit hoffnungsfroher Nachwuchsfilmer verzichten zu können.

In diese weniger illustre als sinistre Runde steigt nun auch Jaime Falero auf. Er verfolgt den Traum, sich ausgerechnet auf den Kanarischen Inseln als Mini-Mogul zu etablieren. Seinen Enthusiasmus sowie die Fähigkeit, Mitmenschen zu finden, die bereit sind, Geld in Faleros Filmschaffen zu investieren, muss man bewundern, während sich dieses Gefühl partout nicht einstellen will, wenn man mit dem Ergebnis konfrontiert ist.

Wie so oft haben sich jene Filme und TV-Serien, die Falero seit seiner Kindheit konsumiert hat, in seinem Hirn zu einem Brei vermengt, der nun dessen Ideensektor düngt. Gewisse Szenen sind der Auflösung entgangen, weil sie dem Eigentümer besagten Hirns gefallen haben. Er meint sie und ihre Schöpfer offenbar zu ehren, indem er sie in seine eigenen Produktionen einfließen lässt; diese Einschätzung ist jedenfalls positiver als der Verdacht, Falero sei schlicht außerstande, sich Eigenständiges einfallen zu lassen.

Drehbuch oder Ideensammlung?

„Projekt 12“ ist jedenfalls eine einzige Ansammlung jederzeit bekannter Szenen, Figuren oder Kulissen. Das wäre kein Problem, denn „bekannt“ ist oft „bewährt“ und kann in geschickter = ideenreicher Umsetzung trotzdem unterhalten. Obwohl sich Falero von Joaquín Sánchez unterstützen ließ, herrscht in dieser Hinsicht Dauer-Ebbe. Stattdessen stopft das Drehbuch-Duo mehrere Storys in einen Film, der bereits unter diesem Übergewicht in die Knie geht.

Es beginnt mit der langatmigen Jagd auf die drei Bunker-Flüchtlinge. Die Handlung springt über Länder und Kontinente, was faktisch einen eigenen Film ergäbe, ist hier nur Exposition. Fast die Hälfte der Laufzeit ist bereits verstrichen, als wir uns endlich dem Bunker des Titels nähern. Nun ändert sich nicht nur die Kulisse, sondern auch die Stimmung. Aus einem Thriller, der von der Vielzahl seiner Ereignisorte lebte und dabei aalglatt in werbespotgrellem Sonnenlicht förmlich badete, wird ein Horrorfilm in weniger klaustrophobischer als unpassend gut und manchmal kunterbunt ausgeleuchteter, wohl ‚schick‘ gemeinter Dunkelheit.

Plötzlich helfen ständige Standortwechsel und Schnitte nicht mehr über die Drehbuchlöcher hinweg. Die Handlung bleibt auf den Bunker beschränkt, der solche Ablenkungen verhindert. Bisher konnte vor allem die Kamera das beschränkte Budget ausgleichen. Nun wird es offenbart. Riesig ist der Bunker angeblich, doch wieso rennen unsere Söldner und ihre Verfolger ständig durch dieselben Räume und Gänge?

Statt sich an einem roten Faden entlang dem Höhepunkt zu nähern, zerfasert die Handlung abermals. Quasi aus dem Nichts und vor allem ohne Grund tauchen Hamilton und seine Schergen auf. Unter den Söldnern enttarnen sich Verräter. Irgendwann tappen Söldner, Schergen, Verräter und Cyborg-Sowjets im Bunker umher, treffen aufeinander, raufen, schießen – und tappen weiter. Zwischen solchen Action-Ausbrüchen wird kostengünstig gestritten und Laufzeit geschunden. Dem schließt sich ein ärmliches Finale an, dem selbstverständlich eine ‚überraschender‘ Epilog folgt: Das Böse überlebt und kündigt Schlimmeres als den verheißenen Weltuntergang an: eine Fortsetzung!

Euro-Pudding mit US-Rosinen

Wenn Film-Söldner gegen Zombie/Cyborg-Soldaten zu Felde ziehen, stehen nicht schauspielerische Talente im Vordergrund. Man trägt Uniform und wälzt sich im Dreck; hinzu kommt eine an Stärke stetig zunehmende Blutschicht. Darüber hinaus beißen um der Dramatik willen immer wieder Söldner ins Gras, sodass es nicht lohnt, sich einzelne Gesichter einzuprägen. Dicke Muckis bzw. pralle Brüste müssen knappe Leibchen dehnen, ansonsten ist eine gewisse Beweglichkeit von Vorteil, damit sich die Stuntmen im Hintergrund halten können.

Wundern wir uns also nicht, dass Falero keineswegs die Crème der internationalen Schauspielerzunft angeheuert hat. Stattdessen übernahm Drehbuchmitautor Sánchez – eine Art Jason-Statham-Klon – eine der Hauptrollen. Er ist keineswegs unbegabter als seine Kollegen (plus Kollegin Natasha Alam), was trotzdem nicht als Kompliment missverstanden werden sollte. Weder Freunde noch Feinde weisen echtes Figurenprofil auf; es regiert das nackte Klischee.

Aus den USA heuerte Falero zwei ‚Stars‘ an. James Cosmo spielte 2011-13 in zwölf Episoden der TV-Serie „Game of Thrones“ mit, bevor ihn der dort typische = brutale Serientod traf. Er ist ein verlässlicher Darsteller, der in unzähligen Kino- und Fernseh-Nebenrollen zu sehen war, wobei der Blick auf diese Liste belegt, dass recht oft der nächste Honorarscheck wichtiger als die Relevanz der Rolle war. „Projekt 12“ dürfte höchstens aufgrund der körperlichen Anstrengungen, denen der schon ältere sowie sehr beleibte Schauspieler nur bedingt gewachsen war, einen gewissen Stellenwert in Cosmos Erinnerung einnehmen; es fällt definitiv auf, dass die Kamera jedes Mal abblendet, wenn Cosmo als Balanowsky in einen Schacht steigen soll.

Keine gute Idee war es, Julia Roberts älteren Bruder Eric zu engagieren. Falls dieser Mann über eine schauspielerische Gabe verfügen sollte, gibt er ihr keine Chance. Allein für das Jahr 2016 verzeichnet IMDb 40 (!) Filme, in denen Roberts auftritt. Nicht einmal Porno-Darsteller können da mithalten. Welche Dämonen diesen Mann dazu treiben, noch an den obskursten Machwerken mitzuwirken, bleibt rätselhaft. Das Geld kann es nicht sein, denn viel dürfte man auf diesem Produktionsniveau nicht zahlen. Inzwischen ist Roberts – ähnlich wie Lance Henriksen, Gary Busey oder Steven Seagal – ein zuverlässiger Indikator für Filme, die man aufgrund inhaltlicher und formaler Mängel mit Vorsicht zur Sichtung auswählen oder gänzlich meiden sollte.

Rot statt braun aber nicht besser

Auch unter der Erde hat offenkundig eine Wachablösung stattgefunden: Inzwischen ist der Zweite Weltkrieg so lange vorbei, dass Nazis höchstens als Zombies ihr Unwesen treiben können. Da Falero immerhin EIN Klischee vermeiden wollte, wählte er die Sowjetunion als Wurzel des Übels. Die ist erst im Dezember 1991 untergegangen und auch den Jüngeren zumindest vage ein Begriff. Zudem ist gerade so viel Zeit verstrichen, dass „die Sowjets“ als Märchenbuch-Schurken taugen: Man kann ihnen allerlei Gruseltaten anhängen, ohne dabei der Wahrheit allzu verpflichtet zu sein. (Die deutsche Werbung geht natürlich instinktfrei auf Nummer Sicher: „‚Dead Snow‘ trifft auf ‚Iron Sky‘“ lesen wir auf der Rückseite des Covers. Und Balanowsky sieht außerhalb des Bunkers wie ein SS-Unhold im Südamerika-Exil aus.)

Warum die Kommunistenteufel Projekt 12 und seine Insassen gerade dann begruben, als das Experiment eindeutig von Erfolg gekrönt war, bleibt eine Frage, die nur Sánchez und Falero beantworten können. Vielleicht kennen sie auch das Geheimnis einer Bunker-Technik, die auch nach vier wartungsfreien Jahrzehnten tadellos funktioniert. Ob sie auch wissen, wieso die Cyborg-Soldaten einfach in ihrem Bunker hocken, statt irgendwann herauszukriechen? So dick scheint die Erdschicht vor dem Haupteingang nicht zu sein, wenn eine Söldnerrucksackladung Sprengstoff sie wegblasen kann!

Liegt es daran, dass die unterirdische Legion sich als CGI-Gespinst entlarvt, sobald sie sich zum Appell formiert? Die digitalen Spezialeffekte sind erschütternd altmodisch. In den Schatten gestellt wird dies durch die ‚handgearbeiteten‘ Tricks. „Projekt 12“ wurde hierzulande erst ab 18 Jahren freigegeben. Die ‚Gewalt‘ – in diesem Genre ein elementarer Faktor – bleibt aber praktisch ausgespart. Splattrige Bluttaten finden ausschließlich im Kamera-Off statt. Dieser Film könnte – nomen est omen – problemlos ab 12 Jahren freigegeben werden, wobei sich selbst diese Klientel langweilen dürfte.

DVD-Features

Wie so oft, wenn der Zuschauer wenigstens wissen möchte, wie das Tohuwabohu entstand, das den Hauptfilm ersetzt, gibt es keine Hintergrundinfos. Offenbar wollte man „Projekt 12“ ursprünglich sogar ins Kino bringen; jedenfalls wurden echte Synchronsprecher statt der üblichen Ohrenschänder beschäftigt.

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Projekt 12 – Der Bunker
Originaltitel: Project 12 – The Bunker (Spanien 2015)
Regie: Jaime Falero
Drehbuch: Joaquín Sánchez u. Jaime Falero
Kamera: Juanmi Márquez
Schnitt: Vasni Ramos
Musik: Ivan Palomares
Darsteller: Joaquín Sánchez (Tabeel), Natasha Alam (Irina), Timothy Gibbs (Bruno), Tony Corvillo (Alan), James Ferguson (Carl), James Cosmo (Brian Balanowsky), Eric Roberts (Henderson), José Luis de Madariaga (Kentz) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 11.08.2016
EAN: 4041658320245 (DVD)/4041658390248 (Blu-ray)/4041658370240 (3D-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 18

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