Originaltitel: Prom Night – A Night to Die for (USA 2008)
Regie: Nelson McCormick
Drehbuch: J. S. Cardone
Kamera: Checco Varese
Schnitt: Jason Ballantine
Musik: Paul Haslinger
Darsteller: Brittany Snow (Donna Keppel), Scott Porter (Bobby), Dana Davis (Lisa Hines), Collins Pennie (Ronnie Heflin), Jessica Stroup (Claire), Kelly Blatz (Michael), Johnathon Schaech (Richard Fenton), Idris Elba (Detective Winn), James Ransone (Detective Nash), Brianne Davis (Crissy Lynn), Kellan Lutz (Rick Leland), Mary Mara (Ms. Waters), Ming Wen (Dr. Elisha Crowe), Jessalyn Gilsig (Karen Turner), Linden Ashby (Jack Turner), Jana Kramer (April), Rachel Specter (Taylor) uva.
Label u. Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment (www.sphe.de)
Erscheinungsdatum: 23.10.2008 (Leih-DVD) bzw. 28.11.2008 (Kauf-DVD u. Blu-Ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1; anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Länge: 85 min. (Blu-Ray: 89 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Vor drei Jahren hat Richard Fenton, Biologielehrer an der Bridgeport High School, die Eltern und den kleinen Bruder seiner von ihm krankhaften verehrten Schülerin Donna Keppel umgebracht. Der Todeszelle entkam er nur aufgrund offensichtlichen Irrsinns.

Donna wird noch heute von den Erinnerungen an die Blutnacht verfolgt und therapeutisch behandelt. Halbwegs hat sie sich gefangen und möchte unbedingt an der „Prom Night“, dem großen Abschlussball, teilnehmen, der das Ende ihrer Schulzeit markiert. Begleitet wird sie von Bobby, ihrem verständnisvollen Traumprinzen, und an seiner Seite stehen ihr die besten Freunde Lia, Ronnie, Claire und Michael bei.

Gefeiert wird in einem noblen Hotel, in dessen Ballsaal es bald hoch hergeht, während im Polizeirevier der Stadt ein Unheil ankündigender Anruf eingeht: Detective Winn, der Fenton einst festnahm, erfährt, dass dieser bereits vor drei Tagen aus dem Gefängnissanatorium entkommen und spurlos untergetaucht ist. Da Fenton auch in der Haft unbeirrbar an seiner eingebildeten Liebe zu Donna festgehalten hat, ist damit zu rechnen, dass er auf dem Weg nach Bridgeport ist.

Tatsächlich hat Fenton gut getarnt bereits im Hotel eingecheckt. ‚Seine‘ Donna in den Armen des ‚Nebenbuhlers‘ Bobby zu sehen, macht ihn erwartungsgemäß sehr wütend. Die Ahndung dieser Frechheit lässt jedoch auf sich warten, da Fenton ständig die Aufmerksam von Hotelpersonal oder Gästen auf sich zieht, die deshalb umgebracht werden müssen. Nur langsam kann er sich dem Objekt seiner Begierde nähern, während Detective Winn in dem voll besetzten Hotel verzweifelt die Nadel im Heuhaufen sucht …

Ein Film als Anti-Unterhaltung

Beginnen wir damit: „Prom Night“ ist keineswegs das Remake des Splatter-Klassikers von 1980; damals hieß die Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis, die man fast drei Jahrzehnte später schmerzlich vermisst – aber nicht nur sie. Nichts Geringeres als eine vollständige Neuinterpretation schwebte Regisseur Nelson McCormick vor, der vom Original nur den Abschlussball als Zentrum des Geschehens übernahm. Aus einer klassischen Rachegeschichte wurde der Amoklauf eines erotomanischen Stalkers. Das war’s im Grunde in Sachen Modernisierung; dass McCormicks „Prom Night“ Anno 2008 spielt, lässt sich höchstens noch an den Automobilmodellen erkennen.

Selten klafft zwischen den vollmundigen Verlautbarungen der Filmemacher, die sich in den Features zum Hauptfilm ausführlich über ihr Werk auslassen dürfen, und der kläglichen Realität eine solche Kluft. Audiokommentare und Interviews sind zwar auch sonst vor allem zusätzliche Werbung, doch hier kommt dem fassungslosen Zuschauer einfach Unerhörtes zu Ohren. 18 Mio. Dollar standen Regisseur McCormick zur Verfügung, was für einen Film mit recht übersichtlichen Kulissen und fast ohne Spezialeffekte eine ansehnliche Summe ist. Am Geld kann „Prom Night“ also nicht gescheitert sein.

Die Spannung der Thriller-Handlung sollte dieses Mal nicht durch Action oder Splatter herbei gezwungen werden, sondern sich aus dem Plot, seiner Umsetzung und vor allem dem Spiel der Darsteller ergeben. Von der ersten Minute zeigt uns McCormick seine Karten. Überraschungen gibt es nicht. Richard Fenton wird offen eingeführt; nur die chronisch von Dummheit geschlagenen Prom-Teenys (dazu weiter unten mehr) erkennen ihn nicht. Selbstverständlich findet man sie exakt dort, wo niemand ihnen helfen und der Mörder seinem Job ungestört nachgehen kann. Seine Opfer nimmt er sich schön der Reihe nach vor; dank des ihm gewogenen Drehbuchs laufen sie ihm stets einzeln ins Messer. Der unglückliche Detective Winn findet sich dagegen dauernd in Sackgassen wieder, wo er wie ein manischer Trottel nach Verstärkung brüllen muss.

Aus Hollywoods tiefster Mottenkiste

Das schaut man sich eine Weile an und kann es nicht fassen. War nicht die erste halbe Stunde Strafe genug? „Prom Night“ startet als Teeny-Seifenoper auf TV-Niveau: Sechs Freunde – drei stattliche junge Männer, drei hübsche junge Damen, die Rassen bleiben ungemischt – nehmen Abschied von ihrer Jugend. Sie werden sich trennen, sie leiden darunter, sie streiten und versöhnen sich wieder – so geht das ad nauseam. Bloß: Wen interessiert’s in einem Film, der als Thriller angekündigt wurde?

Ohnehin wird niemand Anteil am üblen Schicksal unserer Hauptfiguren nehmen. Sie entsprechen so deckungsgleich den üblen Klischees, mit denen Hollywood seine Jugenddarsteller malträtiert, dass man ihren Tod eher bejubeln möchte, wäre er nicht jedes Mal so entsetzlich stumpfsinnig in Szene gesetzt. Das „Making of“ kündet vom großen Arbeitsspaß der Schauspieler, den man ihnen sogar ansieht. Im Film herrscht dagegen mimischer Totentanz. Man kann – auch zum Vorteil oder zur Entschuldigung der Darsteller – nur annehmen, dass dieser nicht aus Talentlosigkeit geboren, sondern vom unfasslich ideenfreien Drehbuch erzeugt wurde.

Vor allem Brittany Snow wäre dies zu wünschen. Beim besten Willen lässt sich nicht behaupten, dass sich das aus reichen Quellen speisende Entsetzen adäquat in ihren Gesichtsregungen widerspiegelt. Von denen ist ohnehin nur wenig zu sehen, weil das Zeigen besagten Entsetzens für Ms. Snow identisch mit der Aufforderung ist, eine Hand fest vor den Mund zu pressen und diesem erstickte Quiektöne entweichen zu lassen. Ärgerlicherweise ist Mörder Fenton ebenfalls mit Blind- und Blödheit geschlagen, was ärgerlich ist, da Donna schwer verschminkt und in ihr schlappseidenes Babydoll-Hängerchen gezwängt schon aus ästhetischen Gründen einen grässlichen Tod verdient hätte!

Eine andere Art von Grauen

Donna, ihr Bobby und ihre vier Freunde sind brave Jungs und Mädchen. Zwar haben die drei Jungmänner angeberisch eine protzige Suite gemietet, doch falls sie dort dem verbotenen vorehelichen Sex frönen wollten, so verhindert dies nicht nur der mörderische Mr. Fenton, sondern auch das Drehbuch von J. S. Cardone, der sich im Einklang mit seinem Regisseur wusste, als er zusammen mit Spannung & Splatter jeglichen Anflug von Unmoral tilgte. Lisa und Ronnie sind einmal nah dran, doch gerade als er seinen Hosengurt lösen möchte, fällt Lisa auf bzw. ein, dass ihr verrückter Biologielehrer durch die Hotelgänge geistert. Im Sprung verlässt sie das Lotterbett und stöckelt ihrer gerechten Bestrafung entgegen, denn anstatt Ronnie zu informieren oder das Telefon zu benutzen, macht sich Lisa persönlich auf die Suche nach Donna. Für diese Dämlichkeit gehört ihr wahrlich der Hals durchgeschnitten!

Dumme Teenys, taub-blindes Hotelangestellte und ahnungslose Polizisten: Nur vor dieser geistig drastisch abgedimmten Schar kann Killer Fenton jene Genialität entfalten, die ihn nach Auskunft des dreisten Regisseurs an die Seite von Hannibal Lecter stellt. Dabei kommt Fenton nicht aus einem mystischen Dunkel, er hat keine faszinierende Vorgeschichte, er ist nicht raffiniert, sondern einfach nur liebeswahnsinnig. Dafür gebührt ihm höchstens ein Platz unter den langweiligsten Massenmördern der Filmgeschichte – keine bewunderungswürdige Leistung für einen Strolch, der in 85 Minuten immerhin 15 Leichen hinterlässt.

Schon angedeutet wurde, dass uns McCormick das übliche Vergnügen an diesen Übeltaten missgönnt. Fenton tötet mit dem Messer, eine Art des Mordens, bei der normalerweise viel Blut verspritzt wird. In den drögen Gestalten, die seinen „Prom“-Ball bevölkern, kreist offenbar nur wenig von dem roten Saft, denn den versprühen Fentons Opfer nur tröpfchenweise – falls überhaupt: Nicht selten sehen wir niedergemetzelte Pechvögel, deren ‚Wunden‘ sich auf einige Schmierflecken auf der Kleidung beschränken. Das wirkt etwa so realistisch wie das Sterben in alten Filmwestern, wo ein Kugeltreffer durch das Legen der Hand auf die ‚getroffene‘ Stelle markiert wurde.

Wieso „Prom Night“ unter diesen Umständen erst ab 16 Jahren freigegeben wurde, ist rätselhaft bzw. muss auf die Namensgleichheit mit dem ungleich rabiateren Vorgänger von 1980 zurückgehen. Die Version von 2008 ist sogar harmloser als der ebenfalls in diesem Jahr veröffentlichte James-Bond-Thriller „Ein Quantum Trost“, den bekanntlich schon Zwölfjährige besichtigen dürfen. Die DVD/Blu-Ray-Fassung als „unrated“ zu bezeichnen setzt dem die Krone auf – „Prom Night“ wurde in keiner Szene geändert, sondern nur in den Features durch einige Blicke hinter die Kulissen sowie diverse geschnittene Szenen ergänzt. Wo sind denn die „gory scenes not shown in theaters“, von denen die Website schwadroniert? Am rundum negativen Gesamteindruck kann diese Schaumschlägerei indes auch nichts mehr ändern.

DVD-Features

Eindrucksvoll wirkt auf den ersten Blick die lange Liste der Features, die der „Prom Night“-Scheibe aufgespielt wurden. Bei näherer Betrachtung muss auch hier relativiert werden: Was sich gut zu einem einzigen „Making of“ hätte zusammenfassen lassen, wird in minutenkurze Häppchen gehackt, um eine Fülle von Extras vorzutäuschen, die so nicht existiert.

Immerhin gibt es einen Audiokommentar. Regisseur Nelson McCormick sowie die Darsteller Brittany Snow und Jonathon Schaech äußern sich allerdings über einen ganz anderen Film; ihre Äußerungen lassen sich jedenfalls selten mit dem filmischen Elend namens „Prom Night“ in Einklang bringen. Interessant und lehrreich ist dieser Kommentar aber als Lektion über das Scheitern ehrgeiziger Ansprüche, die einen Tornado des Terrors zu einem Sturm im Wasserglas degenerieren lassen.

Fünf entfallene Szenen werden vom Regisseur und den genannten Darstellern ebenfalls kommentiert und für überflüssig erklärt. Dem kann man nur zustimmen – und die Frage anschließen, wieso es bei diesen fünf Szenen geblieben ist: „Prom Night“ hätten weitere Kürzungen nur gut getan. Allein: Es hätte schlimmer kommen können. Als bedrohliche Möglichkeit balancierte Regisseur McCormick einige Zeit mit einem alternativen Ende, von dem sogar Brittany Snow sagt, sie habe dafür gebetet, dass dieses es nicht in die finale Version schafft. Wenn man es sieht, versteht man sie sofort.

Ein „Making of“ gibt es auch. Es dauert keine Viertelstunde und zieht sich trotzdem so elend wie der Hauptfilm in die Länge. Freche Lügen ergießen sich über den Zuschauer, dem ein Film suggeriert wird, den er nie zu sehen bekommt. Eigens ausgekoppelt wurden – wieso, bleibt unklar – Featurettes mit den Titeln „Profil eines Killers“ und „Schaurige Plätze – Die perfekte Location“. (Die Außen- bzw. Innenaufnahmen entstanden übrigens im Millennium Biltmore Hotel in Los Angeles.)

Wesentlich unterhaltsamer als diese ‚Extras‘ sind eine kleine Sammlung sog. „Bloopers“ („- Die besten Versprecher“), das fiktive „Bridgeport High Vikings-Video Jahrbuch“ sowie einige private Abschlussball-Geschichten der Schauspieler geraten.

Wer noch mehr Zeit vergeuden möchte, findet im Internet eine offizielle „Prom Night“-Website: www.sonypictures.com/homevideo/promnight

Doch Vorsicht: Eine ‚echte‘, d. h. nicht nur Werbung verbreitende Website liegt woanders: www.prom-night-film.de

(c) 2009 by Dr. Michael Drewniok

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