Prometheus – Dunkle Zeichen

Originaltitel: Prometheus (USA 2012)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Jon Spaihts u. Damon Lindelof (nach Motiven von Dan O’Bannon u. Ronald Shusett)
Kamera: Dariusz Wolski
Schnitt: Pietro Scalia
Musik: Marc Streitenfeld
Darsteller: Noomi Rapace (Elizabeth Shaw), Michael Fassbender (David), Charlize Theron (Meredith Vickers), Logan Marshall-Green (Charlie Holloway), Guy Pearce (Peter Weyland), Idris Elba (Janek), Sean Harris (Fifield), Rafe Spall (Millburn), Emun Elliott (Chance), Benedict Wong (Ravel), Kate Dickie (Ford), Ian Whyte (Konstrukteur),  Daniel James (Prometheus-Konstrukteur) uva.
Label/Vertrieb: 20th Century Fox Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 07.12.2012
EAN: 4010232057716 (DVD)/4010232057723 (Blu-ray)/4010232058072 (Blu-ray 3D)/8712626043645 (Blu-ray 3D/DVD Collector’s Edition)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 119 min. (Blu-ray: 124 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Die Archäologen Elizabeth Shaw und Charlie Holloway entdecken im Jahre 2089 Indizien dafür, dass die menschliche Zivilisation und womöglich der Mensch selbst von Außerirdischen – den „Konstrukteuren“ – geschaffen wurden. Die Auswertung ihrer Funde ergibt eine Sternenkarte, die den 35 Lichtjahre von der Erde entfernten Mond LV-223 im Sonnensystem Zeta Reticuli als Heimat der Konstrukteure ausweist. Finanziert vom mächtigen Weyland-Konzern, erreicht zwei Jahre später das Forschungsraumschiff „Prometheus“ diesen Mond.

Wiederum unter der wissenschaftlichen Leitung von Shaw und Holloway wird eine Expeditionsmannschaft ausgeschickt, die ein riesenhaftes Kuppelbauwerk entdeckt. In seinem Inneren stößt man auf die Leichen von Konstrukteuren, die einer unbekannten Attacke zum Opfer fielen. Darüber hinaus findet man unzählige Behälter mit einer Substanz, die DNS jeglicher Herkunft zu grotesken Mutationen zwingt. Schnell haben sich einige unvorsichtige Forscher infiziert. Sie verwandeln sich in überstarke, bizarr verformte Mordmaschinen, die nur unter großen Schwierigkeiten ausgeschaltet werden können. Auch Holloway stirbt, und Shaw ist ‚schwanger‘ mit einer krakenähnlichen Kreatur, deren ‚Geburt‘ sie nicht überleben wird.

Der Android David entdeckt unter der Kuppel ein Raumschiff und darin den letzten noch lebenden, im Kälteschlaf konservierten Konstrukteur. David erweist sich als Instrument von Firmenchef Peter Weyland, der sich von den überlegenen Fremden das ewige Leben erhofft. Forscher und Crew der „Prometheus“ sind ihm gleichgültig.

Weylands Rechnung geht nicht auf. Die Konstrukteure sind alles andere als Freunde ‚ihrer‘ Menschen, die sie nunmehr vernichten wollen. Ein erbitterter Kampf bricht aus, um den Start des Alien-Schiffes gen Erde zu verhindern, wo die Konstrukteure dieses Mal den Tod zu säen gedenken …

Parallelstrang einer zukünftigen Geschichte

„Prometheus“ gehört zu jenen Filmen, deren Entstehungsgeschichte mindestens so interessant ist wie das Ergebnis. Ursprünglich hatte Regisseur Ridley Scott ein Prequel zu seinem frühen Meisterwerk „Alien“ von 1979 geplant. An der Vorproduktion beteiligt war auch James Cameron ein, dem 1986 mit „Aliens“ eine kongeniale Fortsetzung gelungen war. Doch als 2004 das Studio „20th Century Fox“ mit „Alien vs. Predator“ ein obskures, vor allem lukratives Crossover mit dem „Predator“-Franchise favorisierte, sprang Cameron ab, während Scott der Story eine Neuausrichtung gab: Zwar spielt „Prometheus“ in der Welt der xenomorphen Aliens, doch wurden diese aus der Geschichte gestrichen. Ins Zentrum rückte stattdessen der „Space Jockey“, den die Mannschaft der „Nostromo“ 2122 in einem ebenfalls abgestürzten Schiff auf dem Planeten LV-426 gefunden hatte.

Ausgerechnet Paläo-Märchenonkel Erich von Däniken kam zu neuen Ehren, als Scott die „Jockeys“ als „Konstrukteure“ neu interpretierte und sie DNS über eine urzeitliche, noch lebensfeindliche Erde verstreuen ließ, wodurch sie – wie der Titan Prometheus der antiken griechischen Mythologie – zum Schöpfer der Tiere und Menschen wurden. In der Handlungsgegenwart bricht eine Abordnung dieser Menschen auf, um den Schöpfer kennenzulernen und nach dem Grund ihrer Entstehung zu befragen.

In Interviews wurde Scott nie müde zu betonen, dass „Prometheus“ mit der „Alien“-Saga nur „einige DNS-Stränge teile“ aber ansonsten eine völlig andere Geschichte erzähle. Damit hat er sich und seinem Film keinen guten Dienst erwiesen, denn der erwartungsfrohe Filmfreund erkennt schon früh, dass es sehr wohl zahlreiche und tiefgreifende Parallelen gibt, die nicht nur Scotts Behauptung konterkarieren, sondern vor allem Kritik an einem wenig originellen Drehbuch aufkommen lassen.

Alles anders und doch viel zu vertraut

Den meisten Zuschauern ist beispielsweise nicht einmal aufgefallen, dass die „Prometheus“ nicht auf dem Planeten LV-426, sondern auf dem Mond LV-223 landet. Der Irrtum liegt nahe, denn sowohl hier als auch dort stößt man auf ein abgestürztes Hufeisen-Raumschiff der Konstrukteure, die von den Geschöpfen aus ihrer eigenen Bio-Suppe massakriert wurden.

Einige Ähnlichkeiten darf man als gewollt voraussetzen. So endet „Prometheus“ mit einem Funkspruch von Elizabeth Shaw, der wörtlich Ellen Ripleys letzte Meldung von der „Nostromo“ aufnimmt. Auch die allerletzte Szene, in der Scott den „Alien“-Fans einen Knochen hinwirft und eine Urform des berühmten Xenomorphen auftauchen lässt, ist eine nette Hommage. (Allerdings könnte man auch unterstellen, dass Scott auf Nummer Sicher gehen und dem Publikum wenigstens einmal geben wollte, was es eigentlich möchte: eine ‚richtige‘ Rückkehr ins „Alien“-Universum sowie keine Franchise-Schnellschüsse mehr.)

Die Freude über solche Hommagen schützt keineswegs vor der Erkenntnis, dass „Prometheus“ über weite Strecken wie ein Remake von „Alien“ ohne Aliens daherkommt. Rechtfertigt dies den unerhörten Aufwand, der für diesen neuen Film getrieben wurde? Dies muss verneint werden, weil die Ähnlichkeiten bis in Details gehen. So ist Michael Fassbender sicherlich ein wunderbarer Android Daniel, doch sein Auftritt wiederholt nur, was Ian Holm 1979 als Ash präsentierte; sogar die „Kopf-ab“-Szene wird aufgegriffen.

Große, leere Fragen

Die Aufzählung durchaus elementarer Ähnlichkeiten könnte problemlos fortgesetzt werden; es soll an dieser Stelle unterbleiben, zumal andere Kritiker dies detailliert getan haben und die Ergebnisse im Internet kundtun. Wenden wir uns stattdessen einem anderen „Prometheus“-Problem zu: Viel Wind machten die Medien schon vorab um die Frage nach dem von Scott vorausgesetzten Schöpfungs-Mythos. Man konnte meinen, es ginge hier um sensationelle wissenschaftliche Realitäten, die kulturelle und religiöse Grundfesten ins Wanken bringen könnten. Dabei ist die Suche nach den „Konstrukteuren“ nur Kino in seiner reinsten Form: die möglichst überzeugende Erzählung einer spannenden Geschichte, die nicht auf Fakten beruhen muss, sondern banalen aber blühenden Blödsinn verbreiten darf.

Deshalb vergisst man die ‚Relevanz‘ des Hintergrunds besser, bevor diese weise Erkenntnis auf das Wort „Blödsinn“ zusammenschnurrt. „Prometheus“ wird bei entspannter Betrachtung zu einem Film, der in vielen Aspekten die 1970er und 80er Jahre wieder aufleben lässt. Wo heute Schnitte quasi im Millisekunden-Takt gesetzt werden, nimmt Scott sich sichtlich Zeit. Böse Zungen behaupten sogar, er käme über eine Einleitung insgesamt nicht hinaus. Das ist übertrieben. Scott ist das Bild seit jeher mindestens ebenso wichtig wie die Geschichte; wenn er in Hochform ist, entspringen dem großartige Kinostunden. „Prometheus“ mag keinen besonders innovativen Plot präsentieren. Der Film weist jedoch eine optische Opulenz auf, die mehr als kurze Zuschauerblicke verdient. Glücklicherweise gehört „Prometheus“ auch auf Blu-ray und DVD zu den technisch herausragenden Produktionen des Filmjahres 2012. Bild und Ton weisen bemerkenswerte Qualitäten auf; ein Urteil, das – beileibe keine Selbstverständlichkeit! – die 3D-Fassung ausdrücklich einschließt.

Vor allem die Landschaften von LV-223 sind von atemberaubender Schönheit. Scott missbraucht die 3D-Kamera nicht als Marketing-Instrument, sondern setzt sie planvoll und den Effekt in das Geschehen integrierend ein. Immer wieder spielt das Geschehen im Freien oder in gewaltigen Kavernen und Sälen, die ganz altmodisch als Kulissen in natürlichen Größen errichtet wurden. Die Darsteller bewegen sich glaubwürdig wie Zwerge in einer Welt der Riesen.

Die Zukunft ist … ähnlich

In der „Prometheus“-Welt sind die Menschen Schachfiguren auf einem kosmischen Spielbrett. Die Mischung aus monumentaler Vergangenheit und Mystik lässt sie zusätzlich klein erscheinen. Womöglich ist es also gewollt, dass der Handlung echte darstellerische Präsenzen abgehen. Die Figuren sind im Vergleich zu den „Alien“-Filmen profilschwach. Auf die Spitze treibt dies Charlize Theron, die als große Intrigantin Meredith Vickers so emotionslos wirkt, dass sie in Verdacht gerät, ein Android wie David zu sein. Auch Noomi Rapace ist als Elizabeth Shaw vor allem Forscherin auf der Spur eines wissenschaftlichen Rätsels. Noch am besten fährt Michael Fassbender als David. Sein unterkühltes Spiel passt perfekt zur Rolle, die er außerdem so nuanciert anlegt, dass er in seiner beiläufigen Freundlichkeit gleichermaßen Mitgefühl weckt und bedrohlich wirkt.

Gefühle werden erst im letzten Drittel deutlicher an den Tag gelegt. In erster Linie bricht sich Angst Bahn, als sich unheimliches Leben im Bauch des ET-Wracks rührt, das später auf die menschlichen Besucher überspringt. Vor allem Rapace bleibt als unfreiwillige Leihmutter, die sich von einem störrischen OP-Roboter ‚entbinden‘ lässt, im Gedächtnis. (Freilich wurde auch Ripley in „Alien 3“ von einem Alien ‚schwanger‘.) Für Theron bleibt die Klischee-Rolle der ehrgeizigen Tochter mit unbewältigtem Vater-Komplex, Logan Marshall-Green hält sich in Reserve als tragisches Opfer, dessen Ende freilich im kurz darauf anbrechenden Kampf mit dem letzten Konstrukteur und seinen Geschöpfen rasch in Vergessenheit gerät.

Die Besatzung der „Nostromo“ bestand aus Individualisten. Der Handlungsspannung tat dies keinen Abbruch. An Bord der „Prometheus“ dominiert charakterliche Stromlinienform. Zwar sind auch kernige Malocher wie Fifield, Milburn oder Chance dabei, doch deren Reden und Handeln wirkt im Vergleich mit der unkonventionellen Crew vom „Nostromo“-Unterdeck belanglos bis lächerlich. Es mag sein, dass entsprechende Szenen der Straffung des Drehbuchs zum Opfer fielen; Janeks übertrieben ausgespielter und emotionsreicher Abschied von seiner Mannschaft weist auf eine Vorgeschichte hin, die wir vielleicht irgendwann in einem drastisch verlängerten „Director’s Cut“ kennenlernen.

Viel Lärm um nichts?

„Prometheus“ endet nicht nur mit einem offenen Ende, sondern auch in einem Schwall heißer Luft: Die neue, kosmische Geschichte der Menschheit hat einen reichlich profanen Verlauf genommen. Nun gilt es herauszufinden, wieso die Konstrukteure ihre Version der Sintflut für die Erde planten. Großartige Weisheiten werden damit schwerlich verbunden sein. Aktuell ärgerlich reagiert der Zuschauer auf das verordnete Warten. Scott verlagert die bisher enttäuschten Erwartungen auf bewusstseinserweiternde Erkenntnisse einfach auf einen zweiten Teil, der hoffentlich tatsächlich gedreht wird.

Auf der Haben-Seite steht die Gediegenheit einer Filmhandlung, die – nicht einmal überraschend – ganz ausgezeichnet dort funktioniert, wo der weihevolle Überbau in den Hintergrund gerät. Film bedeutet Bilder in Bewegung. Muss man diese zusätzlich erklären, liegt etwas im Argen. „Alien“ hatte dieses Problem nie.

Falls Ridley Scott darauf spekuliert hatte, das eigene Meisterwerk zu übertreffen, ist er gescheitert. Das macht „Prometheus“ keineswegs zu einem schlechten Film. Gerade in einer Zeit, da knallbunt verkleidete Superhelden in Rudeln ihre Faxen treiben, wirkt eine ruhig – nicht lahm! – erzählte Geschichte wohltuend. Das begleitende Getöse lässt sich ausblenden. „Prometheus“ bleibt ein guter Film mit Schwächen, die man in Kauf nehmen und sich trotzdem gut unterhalten kann.

DVD-Features

Für einen bereits als Blockbuster geplanten Film wie „Prometheus“ entsteht im Umfeld der Dreharbeiten ein breites Spektrum mehr oder weniger Hintergrund-Features, in bzw. mit denen sich stets eine Menge Werbung unterbringen bzw. tarnen lässt. Wie heutzutage zumindest bei jenen Labeln üblich, die der im Verkauf lukrativeren Blu-ray den Vorzug geben, bleibt auch die „Prometheus“-DVD als ungeliebtes Stiefkind weitgehend außen vor. Die Extras beschränken sich auf immerhin 37 interessante Minuten entfallener und alternativer Szenen, die allerdings den Sinn einer ‚runden‘, offen gebliebener Fragen beantwortenden Langfassung von „Prometheus“ in Frage stellen, da sie ebenfalls keine Antworten bieten.

Die Blu-ray-Kunden kommen in den Genuss weiterer Features. So kommentiert Regisseur Ridley Scott persönlich sein Werk. Ein weiterer Kommentar wird von den Autoren Jon Spaihts Damon Lindelof gesprochen. Reste-Verwertung stellen die „Peter-Weyland-Akten“ dar. Sie waren als virale ‚Anfütterung‘ Teil eines umfangreichen Internet-Marketings. Selbstverständlich wurde auch an die Generation iPad/iPhone gedacht, deren Angehörige mit einem eigenen App parallel zum Film Infos abrufen können, falls sie das Geschehen langweilen sollte.

Wer noch einmal deutlich tiefer in die Geldbörse greift, findet im Rahmen der „Collector’s Edition“ (3 Blu-rays plus eine DVD) eine Blu-ray mit dem 220 minütigen (!) „Making of“. Hinzu kommen 23 „Making-of-Clips“. Weitere Extras – u. a. Galerien, die mehrere hundert Bilder sammeln – enthält das „Produktionsarchiv“. Insgesamt summieren sich diese Hintergrund-Features auf eine Laufzeit von mehr als sieben Stunden. Danach dürften zumindest in Sachen Produktionstechnik keine Fragen mehr offen sein.

[md]

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