Als in einem Flugzeug eine hochansteckende Tollwut-Seuche ausbricht, werden die Passagiere nach der Landung in einem Gepäck-Terminal festgehalten, wo sie zwischen dem scharfschießenden Militär und zombieähnlichen Kranken aufgerieben werden … – Die Fortsetzung spielt die Handlung des Vorgängers einfach an anderem Ort wieder durch. Auch formal gibt es keine Abweichungen, doch das Ergebnis ist routiniert genug in Szene gesetzt, um anderthalb Stunden unterhaltsam zu killen.

Das geschieht:

Die Stewardessen Jenny und Paula freuen sich auf einen ruhigen Nachtflug, denn die Zahl der Passagiere, um die sie nach dem Start vom Flughafen Los Angeles kümmern müssen, ist erfreulich klein. Jenny bleibt sogar die Zeit, ein wenig mit dem charmanten Lehrer Henry zu flirten, als im Flieger ein Tumult ausbricht: Der schwer übergewichtige Ralph fällt erst ins Koma und erwacht kurz darauf zu gewalttätigem Leben. Völlig außer sich verbeißt er sich in Paulas Gesicht und versucht dann, das Cockpit zu stürmen, in dem Kapitän und Co-Pilot eine Notlandung auf dem Las Vegas Airport ankündigen.

Zwar kann Ralph gebändigt werden, doch nach der Landung wird den erst irritierten, dann zornigen und schließlich verängstigten Passagieren und Besatzungsmitgliedern das Aussteigen verwehrt. Eigenmächtig steuert Kapitän Forrest einen leer stehenden Flugsteig an. Mit Hilfe des zufällig anwesenden Gepäckmanns Ed kann die Gruppe die Maschine verlassen, nur um sich in der hermetisch abgeriegelten Gepäckverlade-Station des Terminals eingesperrt zu finden. Militär und Seuchenschutz rücken an und umstellen das Gebäude. Für den Fall eines Ausbruchs wird mit gezielten Schüssen gedroht.

Im Inneren bricht Panik aus, zumal weitere Personen infiziert sind und sich in tollwütige, zombieähnliche Killer verwandeln. Ihr Biss infiziert die Betroffenen, weshalb eine wilde Flucht vor den an Zahl stetig zunehmenden Kranken beginnt, die in der riesigen und unübersichtlichen Verladestation in jedem Winkel lauern.

Bald müssen die Eingeschlossenen feststellen, dass man ihnen von außen nicht helfen, sondern sie isolieren will. Ed erinnert sich an einen vergessenen Gepäcktunnel, durch den eine Flucht möglich sein könnte. Der Weg dorthin wird Spießrutenlaufen inmitten hungriger Zombies, die sich plötzlich als Projekt eines Bio-Terroristen entpuppen, der sich in der Gruppe verbirgt und nicht nur flüchten, sondern auch ohne Zeugen entkommen will …

Tollwut-Franchise mit zwei Köpfen

Die Ideenarmut im aktuellen (Horror-) Film treibt seltsame Blüten: Bisher wurde jedes halbwegs erfolgreiche Filmchen Start eines nie originellen aber hoffentlich einträglichen Franchises. „Quarantäne 2“ markiert die nächste Stufe der Evolution: das Doppel-Franchise.

2007 entstand in Spanien der Film „[REC]“, der den Ausbruch einer Tollwut-Seuche im Inneren eines großen Mietshauses zeigte und die Regisseure und Drehbuchautoren Jaume Balagueró und  Paco Plaza als „Mockumentary“ inszenierten: ‚Zufällige‘ Zeugen des Dramas ist ein Journalistenteam, die Ereignisse in dem von der Außenwelt isolierten Gebäude werden scheinbar zeitgleich und ausschließlich durch deren Kamera festgehalten.

Das Ergebnis war ein kleiner, schlauer, spannender Horrorfilm, der bei geringen Kosten großen Anklang fand: dies nicht nur in Europa, wo 2009 „[REC 2]“ entstand, sondern auch in den USA. Dort schätzt man allerdings keine synchronisierten Filme und sieht lieber einheimische Schauspieler, weshalb auch Werke, die im Original ausgezeichnet funktionieren, einfach nachgedreht werden.

Das Ergebnis hieß „Quarantäne“ und wurde 2008 von den Regie-Brüdern Dowdle realisiert. Dieser Film pauste das spanische Vorbild quasi durch und zeichnete sich höchstens durch ein Plus an handwerklicher Fertigungsqualität nach. Unterhaltsam war „Quarantäne“ freilich ebenfalls – und dies auch auf dem US-Markt.

So war bald klar, dass man aus dieser Grusel-Kuh noch mehr Milch pressen konnte. Während in Spanien die Vorbereitungen zu „[REC 3]“ begannen, entstand in Griffin, eine Kleinstadt im US-Staat Georgia, „Quarantäne 2“ – dies jedoch nicht als abermaliges Remake, sondern als völlig eigenständige Fortsetzung, die inhaltlich in keiner Weise mit „[REC 2]“ zu tun hat.

Neuer Wein im alten Schlauch

„Quarantäne 2“ knüpft nichtsdestotrotz an die Ereignisse des Vorgängerfilms an. Diese nehmen ihren Anfang in jenem Haus, das den Ausbruch der Seuche markierte. Während „[REC 2]“ die weiteren Geschehnisse in dem Haus erzählte, sprengt „Quarantäne 2“ zumindest die räumlichen Grenzen. Einen echten Fortschritt bringt dies nicht, denn ansonsten wird exakt die identische Geschichte in leidlich neuer Umgebung noch einmal abgespult. Verzichtet wird auf die ‚subjektive‘ Kamera. „Quarantäne 2“ ist ein ‚normaler Spielfilm‘, bleibt aber in der Nähe der Dokumentation. Eine musikalische Untermalung unterbleibt beispielsweise komplett, nicht einmal dem Vor- oder Abspann wird ein Soundtrack unterlegt.

Wie es für Fortsetzungen üblich ist, wurde die Kulisse größer und das Budget geringer. Konnten die Dowdle-Brüder für „Quarantäne“ noch 12 Mio. Dollar einsetzen, musste sich John Pogue mit ca. 3,5 Mio. begnügen. Man muss ihm zugutehalten, dass sich dies nie negativ auswirkt; die Schauwerte sind beträchtlich, die ‚großen‘ Spezial- und Splatter-Effekte nicht sehr zahlreich aber klug und überzeugend umgesetzt.

Als Kulisse kann sich das Terminal mit seinem Gewirr neben- und übereinander laufender Fließbänder und Laufgänge sehen lassen. Vor allem im Halbdunkel bietet es unzählige Verstecke, die denn auch für entsprechende Überraschungseffekte sprich hinterhältige Zombie-Attacken und anschließend Verfolgungsjagten über mehrere Ebenen genutzt werden.

Reicht es, das Drehbuch abzustauben?

Im Kern blieb der „[REC]“/„Quarantäne“-Plot indes unberührt. Während „[REC 2]“ den Story-Faden weiterspann, ist „Quarantäne 2“ das Remake des Remakes. Das Mietshaus in Los Angeles wird mit dem Terminal in Las Vegas getauscht. Die Handlung ist ansonsten deckungsgleich. Schlimmer noch: Auf diese Weise lassen sich noch viele, viele Fortsetzungen wie am Fließband produzieren. Der Finaltwist deutet es an: „Quarantäne 3“ wird wahrscheinlich über ein von der Außenwelt isoliertes Spielcasino verhängt.

Schuldvoll muss der Rezensent gestehen, dass er den faulen „Quarantäne“-Fabrikanten trotzdem auf den Leim gegangen ist. John Pogue nutzte die Chance, sein Spielfilm-Debüt zu inszenieren. Er war zuvor Drehbuchautor, auf dessen Konto interessante („Ghost Ship“, 2002) einfach nur routinierte („The Skulls“ I-III) und fürchterliche Streifen („Rollerball“ – das Remake von 2002) gehen. Für „Quarantäne 2“ setzt er zwar vor allem auf Routine, doch auch dies reicht aus, um dem Publikum mit Schatten, Geräuschen und huschenden Zombies manchen wohligen Schrecken einzujagen.

Erst im letzten Drittel beginnt die Story merklich zu hinken. Um sie über die Runden zu bringen, wird plötzlich ein Bio-Terrorist in unserer dahin schmelzenden Gruppe geoutet. Den braucht es nicht, denn er ist als Figur wirklich langweilig und schwätzt folgerichtig viel dummes Zeug, bevor ihm das Schicksal besonders heftig – die Strafe kann für solches Gesindel nach Nine Eleven gar nicht grässlich genug sein – ins Kreuz springt.

Helden aus der dritten Reihe

Eine Jennifer Carpenter konnte sich Pogue bei seinem schmalen Budget nicht leisten. Leider fällt sowohl rasch als auch deutlich auf, dass Mercedes Masöhn weder über Carpenters schauspielerische Fähigkeiten noch über ihr Charisma verfügt. Obwohl Jenny nicht nur mit den Zombies, sondern auch mit ihren inneren Dämonen ringt, neigt sie dazu, in der Gruppe ihrer Leidensgefährten zu verschwinden. Wieso gerade sie immer wieder entwischt, bleibt rätselhaft und ist vor allem dem Willen des Drehbuchautors geschuldet. Vor allem Jennys Schraubenschlüssel-Duell mit Zombie-Paula ist nicht dramatisch, sondern unfreiwillig komisch.

Unter den übrigen Darstellern fällt höchstens Mattie Liptak als minderjähriger George auf. Er ist kein Hollywood-Wunderkind, dessen geniale Einfälle die Zombies ins Leere greifen lassen, sondern bleibt ein glaubhafter Dreizehnjähriger: aufmerksam und klug aber überfordert und verängstigt dort, wo es ein Kind eindeutig wäre.

Ansonsten sehen wir TV-‚Gaststars‘ und Nebendarsteller, die größere Rollen primär in B- und C-Movies spielen. Sie leisten kompetente Arbeit. Mehr ist ihnen nicht möglich, denn das Drehbuch presst sie in bekannte Schablonen: arrogantes Arschloch, schwangere Frau, Oma mit Katze, schwarzer Nerd, ekliger Fettwanst usw. Ein Kabinettstückchen gelingt immerhin Tom Thon als gelähmter und stummer „Doc“, dem die Infektion in einem denkbar unpassenden Moment zu ungeahnter Beweglichkeit verhilft. Solche simplen aber in der Handlung funktionierenden Einfälle gelingen Pogue erfreulich oft; sie gleichen dabei die Klischees etwa aus.

Tollwütig oder tot?

Während diese Frage in der „[REC]“-Serie unklar bleibt, legt sich Pogue fest: Zwar lässt er seine Darsteller über die „Zombies“ schimpfen, aber werden diese von Kugeln, Metallstangen oder anderen gerade greifbaren Utensilien getroffen – ein untoter Pechvogel wird sogar von einer Hebebühne unter der Decke zerquetscht –, gehen sie zu Boden und bleiben dort; ein Kopfschuss ist nicht notwendig. Also lautet die Diagnose wohl Tollwut. Das daraus resultierende Erscheinungsbild unterscheidet sich kaum von dem eines Zombies der Post-Romero-Ära: Die Tollwut-Kranken haben knallrote Augen, sie spucken Blut u. a. Körperflüssigkeiten, kreischen, beißen und sind wieselflink.

Hier gelingen Pogue einige Überraschungsmomente: Zombie-Doc oder Zombie-Ralph haben nichts mehr mit dem hinfälligen Wrack im Rollstuhl oder dem plumpen Dicken zu tun. Sie sind erschreckend beweglich, schnell und präsent. Zombie-Nicca legt zudem die Gelenkigkeit einer Schlangenfrau an den Tag.

Wird es weitere Seuchenausbrüche und damit „Quarantäne“-Fortsetzungen geben? Das Franchise hofft es und hat sich wie beschrieben darauf vorbereitet. Der Haken für den Zuschauer besteht darin, dass die Originalität des ursprünglichen Einfalls schon mit einen Film – nämlich „[REC]“ – verbraucht war. Mögliche Fortsetzungen werden deshalb mit ziemlicher Sicherheit den bekannten Regeln folgen: Mach es noch billiger, dafür blutiger und vielleicht ein bisschen nackt. Freuen wir uns deshalb an „Quarantäne 2“, der anderthalb Stunden unterhält; es kann nur schlimmer kommen!

DVD-Features

Extras gibt es (wie übrigens auch eine Blu-ray-Version) nicht.

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Quarantäne 2: Terminal
Originaltitel: Quarantine 2 – Terminal (USA 2011)
Regie u. Drehbuch: John Pogue
Kamera: Matthew Irving
Schnitt: William Yeh
Darsteller: Mercedes Masöhn (Jenny), Josh Cooke (Henry), Mattie Liptak (George), Ignacio Serricchio (Ed), Noree Victoria (Shilah), Bre Blair (Paula), Lamar Stewart (Preston), George Back (Ralph), Phillip DeVona (Nial), Julie Gribble (Susan), Erin Smith (Nicca), Lynn Cole (Bev), Tom Thon (Doc), Sandra Lafferty (Louise), Tyler Kunkle (Hvorst), John Curran (Kapitän Forrest), Andrew Benator (Co-Pilot Willsy) u. a.
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 11.08.2011 (DVD)
EAN: 4030521724556 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Hindi, Türkisch, Arabisch, Italienisch, Finnisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Holländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min.
FSK: 16

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Quarantäne

[REC]

[REC]2 – Die nächste Dimension des Grauens

[REC]4 – Apocalypse