Eine Hochzeitsfeier wird von Zombies gesprengt. Braut und Bräutigam versuchen die Flucht, während überall hungrige Untote lauern und die Seuche sich ausbreitet … – Keine Fortsetzung, sondern nur eine Variation der ersten [Rec]-Folge mit langweiliger Handlung, talentarmen Darstellern, aufgesetztem Humor und einem grässlichen Musik-Score: geglückt nur als Enttäuschung, ansonsten Zeitvergeudung.

Das geschieht:

Clara und Koldo heiraten. Sie haben viele Freunde eingeladen, und da die Brauteltern gut bei Kasse sind, konnten sie einen Festsaal in einem prächtigen, landhausähnlichen Lokal außerhalb der Stadt (Barcelona) mieten. Unter den Gästen ist auch Onkel Víctor, der aufgeregt davon erzählt, dass er in seiner Praxis von einem Hund gebissen wurde, der eigentlich mausetot war. Die Wunde hat sich entzündet, aber Víctor will unbedingt an der Hochzeit seines Neffen teilnehmen.

Allerdings geht es ihm nicht gut. Irgendwann fällt Víctor zum Entsetzen der Gäste von der Galerie des Festsaals. Er bleibt erstaunlicherweise unverletzt – und beißt seiner Gattin die Kehle durch: Onkel Víctor hat sich in einen menschenfressenden Zombie verwandelt! Panik bricht aus, die Víctor für weitere Attacken nutzen kann. Wer gebissen wurde, verwandelt sich ebenfalls in einen Zombie und schließt sich der mordenden Horde an.

Durch die Ereignisse werden Clara und Koldo getrennt. Verzweifelt versuchen die Brautleute einander zu finden. Das Gelände ist weitläufig und unübersichtlich, und überall lauern die Untoten. Flucht nach draußen ist unmöglich, denn plötzlich erscheinen Männer in Schutzanzügen, die mit Schutzwänden die gesamte Anlage abriegeln: Aus dem Fernsehen erfahren wir, dass der Zombie-Virus in einem Mietshaus der Stadt ausgebrochen ist und sich rasant zu verbreiten beginnt. Die Verwaltung geht kein Risiko ein und isoliert Kranke und (noch) Gesunde notfalls unter Einsatz von Waffengewalt.

Der Festsaal hat sich längst in ein Schlachtfeld verwandelt. Die Zombies haben zu allem Überfluss grotesk verzerrte Spiegelbilder. Der Pfarrer, der Clara und Koldo vermählt hat, erkennt darin die Vorzeichen des in der biblischen Genesis vorausgesagten Weltuntergangs. Dafür spricht auch, dass die Zombies einerseits von einem unsichtbar bleibenden Anführer gelenkt werden, während sie sich anderseits durch Bibelsprüche in Schach halten lassen …

Aller guten Dinge sind manchmal keineswegs drei

Obwohl es der Filmfreund wieder und wieder erleben muss, ist es stets traurig, wenn eine gute und gern gesehene Filmreihe Schiffbruch erleidet. Dieses Mal steigert sich dieses Gefühl zum Ärger, weil „[REC]3“ wahrlich auf allen Ebenen scheitert. Die Story lahmt, die Umsetzung ist ideenschwach, die Schauspieler sollten sich für das Dargebotene schämen, und nach dem roten Faden, der dieses Filmchen mit der Plotline aus „[REC]“ und „[REC]2“ verbindet, muss man suchen, weil sich Drehbuchautor und Regisseur selbst nur vage daran zu erinnern scheinen, dass sie eine auf vier Teile geplante Geschichte fortsetzen.

Grundsätzlich ist ein neuer Ansatz begrüßenswert. Es wäre ohnehin schwierig geworden, „[REC]3“ abermals in Barcelona sowie dort in dem von Zombies heimgesuchten Mietshaus spielen zu lassen. Leider ist die Alternative in jeder Hinsicht kontraproduktiv: Helles Licht und großzügige Räumlichkeiten taugen wenig für einen Horrorfilm. Sie lassen den Opfern mehr als genug Sicht und Platz, sich vor ihren Häschern zu verstecken. Kein Wunder also, dass Regisseur Plaza rasch die Nacht hereinbrechen und die Flüchtigen in unterirdische Gänge, dunkle Keller oder Luftschächte geraten lässt.

Gelungen ist der Abschied vom lästig gewordenen „Found-Footage“-Konzept. Es hatte seinen Sinn in „[REC]“, wurde aber bereits in „[REC]2“ unter allzu deutlicher Beugung der Logik überstrapaziert. „[REC]3“ beginnt mit dem Blick durch diverse Kameras, die auf einer modernen Hochzeit in der Tat allgegenwärtig sind. Doch als der Vorspann endet und der Filmtitel eingeblendet wird, sehen wir die zuletzt genutzte Kamera zertreten auf dem Boden: Wer vor diesen Zombies flüchtet, hat keine Film-Hand frei. Von nun an schwebt das elektronische Auge des klassischen Kameramanns über der Handlung.

Allzu deutlich ist auch gefährlich

Mit dem Blickwinkel ändert sich der Anspruch der Zuschauer. Sie haben bisher das Abgehackte, Gestückelte des Geschehens als Stilmittel akzeptiert und sich mit den damit einhergehenden Einschränkungen (und dem von der Wackelkamera verursachten Kopfweh) abgefunden. Nunmehr erwarten sie eine strukturierte, vom Drehbuch vorgegebene und vom Regisseur überwachte Handlung, deren Elemente aufeinander aufbauen und eine Dramaturgie bilden, die nicht mehr im Zuschauerhirn aus Bruchstücken geschaffen werden muss.

(Nicht nur) in diesem Punkt versagt Paco Plaza kläglich. Zwar bieten die nicht mehr ‚zufällig‘ entstandenen Bilder optisch und akustisch solides Film-Handwerk. Inhaltlich ist „[REC]3“ dagegen ein x-beliebiger Horrorfilm der B-Kategorie, der seinem Fortsetzungszweck nur in wenigen Momenten gerecht werden kann. Spannung? Stimmung? Fehlanzeige: Was uns gezeigt wird, haben wir in unzähligen Zombie-Filmen bereits gesehen. Auch Plaza dürfte dieses Dilemma erkannt haben. Er entschloss sich, mit der dokumentarischen Sachlichkeit der beiden Vorgänger-Filme zu brechen. „[REC]3“ ist deshalb auch eine Komödie – oder soll es sein, da die ‚Komik‘ noch kümmerlicher gerät als der Horror.

Der will sich ebenfalls nicht einstellen, obwohl es Plaza an einschlägigen Szenen nicht fehlen lässt. Diese Zombies sind erheblich bissiger als ihre Vorgänger, während es ihren Opfern in den großzügigen Kulissen niemals an Waffen fehlt. Also werden Zombies mit gewaltigen Küchenmessern, einem Mixer, einem mittelalterlichen Morgenstern, einer Kettensäge oder einem Kuchen-Schwert [sic!] zerlegt, was deutlich plakativer als in den ersten beiden „[REC]“-Teilen gezeigt wird.

War da nicht eine Hintergrund-Story?

Gewaltsteigerung ohne dramaturgisches Erfordernis ist stets ein Zeichen für Faulheit oder Ratlosigkeit. Die „[REC]“-Saga wurde nicht als Trilogie, sondern als Vierteiler konzipiert. „[REC]4 – Apokalypse“ wird wieder an die Ereignisse der ersten beiden Filme anschließen. Wieso „[REC]3“ quasi ausgegliedert wurde, bleibt rätselhaft. Für die Saga ist dieser Teil überflüssig. Die wenigen Informationen, die wir über die Zombie-Seuche erfahren, bringen keinen Erkenntniszuwachs, sondern werfen nur neue Fragen auf. Was die Antworten betrifft, werden wir so offensichtlich hingehalten, dass die Reaktion nicht Neugier, sondern Zorn ist.

Ohnehin gerät die „[REC]“-Saga in gefährliches Fahrwasser: Aus den untoten Folgen eines aus dem Ruder gelaufenen medizinischen Experiments werden plötzlich Soldaten des Teufels, der sich anschickt, die biblische Apokalypse einzuleiten. Siehe da, sogleich erscheint ein (katholischer) Priester, der uns die Sache lang & breit erklärt und schließlich eine Lesung aus der Bibel hält, die unsere Zombies in Salzsäulen verwandelt.

Geht es noch naiver? Aber sicher: Die Hauptfiguren sind dieses Mal ein gerade getrautes Paar – er stattlich und im Frack, sie hübsch und im (anfänglich) weißen Brautkleid –, die einander retten, dabei ihre Freunde als Zombiefutter verheizen, sich schließlich, als sie sich endlich gefunden haben, ständig als „Geliebte“ und „Geliebter“ ansprechen sowie ein traurig gemeintes aber kitschig geronnenes Ende erleiden.

Dazu dröhnt ein Soundtrack, der nur als Witz gemeint sein kann. Allein für die stetig eingespielte Dudel-Version des ohnehin grenzwertigen Pop-Klassikers „Eloise“ verdienen nicht nur die Teilnehmer der Festgemeinschaft, sondern auch alle hinter der Kamera Mitverantwortlichen den Zombie-Untod. Insgesamt verdeutlicht der Score, was den Zuschauern in „[REC]“ und „[REC]2“ erspart blieb, wo auf jegliche Hintergrundbeschallung verzichtet wurde.

Gefangene eines untoten Drehbuchs

Nicht nur vor der Kamera wurde den Darstellern übel mitgespielt. Wenn man fassungslos das kollektive Chargieren verfolgt, fällt es schwer zu glauben, dass für „[REC]3“ Schauspieler engagiert wurden, die in anderen Rollen durchaus Talent beweisen konnten. Hier bleiben sie ohne Chance und werden erbarmungslos durch die Klischee-Mühle gedreht.

Leticia Dolera wird in die ausgelatschte Rolle des schönen Muttertiers gedrängt, die im gerade erworbenen Wissen um die Schwangerschaft zur Amazone mutiert, in einer (weiteren missratenen) Szene ihr Hochzeitskleid oberschenkelknapp kürzt, sich eine Kettensäge greift und ins Gefecht stürzt. Diego Martín, der in seiner Rolle wie ein Klon des US-Grimassenreißers Jason Segel (der tumbe Marshall in „How I Met Your Mother“) aussieht, soll ebenfalls inbrünstige Liebe im Angesicht der Apokalypse mimen. Stattdessen ist er eine weitere Witzfigur, die allzu perfekt im Reigen seiner übertrieben unkonventionellen Freunde – der intellektfreie Sexprotz, der dicke, laute Witzbold, der schmalzige, wirrhaarige Musikant – aufgeht.

Überhaupt leidet „[REC]3“ daran, dass dem Zuschauer sämtliche Figuren völlig gleichgültig sind. Vergeblich müht sich das Drehbuch, uns den feisten Atún oder die vom Pech verfolgte Natalie ans Herz zu legen. Witzfiguren wie der Billig-Animateur „Sponge-John“ oder die in Dumm-Dumm-Komödien unentbehrliche fette, grell verschminkte Tante ziehen das Geschehen zusätzlich ins Lächerliche.

Die Liste des Missglückten und Enttäuschenden ist an dieser Stelle keineswegs abgeschlossen. Es soll dennoch genug sein, und es reicht zur Verdeutlichung des traurigen Tatsache, dass „[REC]3“ sowohl als Baustein der „[REC]“-Saga als auch als Horrorfilm versagt. Wer die „[REC]“-Serie schätzt, sollte diesen dritten Teil überspringen und auf einen (deutlich) besseren Abschluss hoffen!

DVD-Features

Mager in jeder Beziehung ist nicht nur der Hauptfilm, sondern auch die Ausstatting mit Extras. Es gibt das obligatorische „Making of”, das uns vermutlich im deutschen Privat-Fernsehen wieder begegnen wird, wo es angeblich informieren soll aber vor allem als Verlängerung der Werbung dient. Darüber hinaus aufgebrannt wurden der deutsche Trailer, der Original Trailer und ein Teaser.

Copyright © 2012/2017 by Michael Drewniok, all rights reserved

[REC]3 – Genesis
Originaltitel: [Rec]3 – Génesis (Spanien 2012)
Regie: Paco Plaza
Drehbuch: Luiso Berdejo u. Paco Plaza
Kamera: Pablo Rosso
Schnitt: David Gallart
Musik: Mikel Salas
Darsteller: Leticia Dolera (Clara), Diego Martín (Koldo), Àlex Monner (Adrián), Claire Baschet (Natalie), Ismael Martínez (Rafa), Carla Nieto (Rebeca Viñas), Mireia Ros (Menchu), Ana Isabel Velásquez (Wendy), Emilio Mencheta (Onkel Víctor), Borja González Santaolalla (Atún), Javier Botet (Niña Medeiros), u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 12.10.2012
EAN: 0886919387896 (DVD)/0886919388190 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min. (Blu-ray: 80 min.)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

[Rec]

[Rec]2 – Die nächste Dimension des Grauens

[REC]4 – Apocalypse

Quarantäne