Red Lights

Originaltitel: Red Lights (Spanien/USA 2012)
Regie/Drehbuch/Schnitt: Rodrigo Cortés
Kamera: Xavi Giménez
Musik: Víctor Reyes
Darsteller: Cillian Murphy (Tom Buckley), Sigourney Weaver (Margaret Matheson), Robert De Niro (Simon Silver), Toby Jones (Paul Shackleton), Joely Richardson (Monica Hansen), Elizabeth Olsen (Sally Owen), Craig Roberts (Ben), Leonardo Sbaraglia (Leonard Palladino) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 13.12.2012
EAN: 5050582917093 (DVD)/5050582917116 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 109 min. (Blu-ray: 114 min.)
FSK: 16

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Seit drei Jahrzehnten beschäftigt sich die Psychologin Dr. Margaret Matheson mit dem Übernatürlichen. Nie hat sie einen echten Beweis für die Existenz paranormaler Kräfte entdeckt aber zahlreiche Schwindler entlarvt. Die Aufdeckung von Täuschungen oder Irrtümern ist inzwischen zu ihrer eigentlichen Tätigkeit geworden. Ernüchtert und enttäuscht muss Matheson erkennen, dass ihre Forschungsergebnisse dennoch wenig gelten in einer Welt, die mehrheitlich an UFOs und Geister glauben möchte und Fakten als langweilig ablehnt.

Matheson macht weiter, weil Tom Buckley, ein junger Physiker, der ihr Assistent und ein guter Freund geworden ist, sie ermuntert und unterstützt. Aktuell bläst er zur Jagd auf das legendäre Medium Simon Silver. Vor vielen Jahren hatte dieser sich ins Privatleben zurückgezogen, nachdem bei seinem letzten öffentlichen Auftritt ein Kritiker tot umgefallen war. Stets hat Silver abgestritten, ihn durch Geisterhand zum Schweigen gebracht zu haben, aber sein Ruf ist durch den Vorfall noch gewachsen; Die Medien laufen Amok, und Silvers Vorstellungen sind ausverkauft.

Erst wundert sich Buckley, dass Matheson diese Herausforderung nicht annimmt, schließlich macht er seiner Mentorin Vorwürfe. Sie gibt zu, Silver zu fürchten, denn ihm allein ist es jemals gelungen, Zweifel und Angst in Matheson zu säen. Silver mag ein Betrüger sein, doch auf jeden Fall ist er gefährlich und verfügt über ein Netz gut honorierter ‚Angestellter‘, die es notfalls mit dem Gesetz nicht genau nehmen.

Der Alleingang Buckleys endet im Desaster. Ein mysteriöser Energiestoß zerstört die heimlich nahe Silvers Bühne aufstellten Messgeräte. Im Universitätslabor findet der verstörte Physiker Matheson tot hinter ihrem Schreibtisch; ein Herzinfarkt hat sie dahingerafft. Buckley kann und will dies nicht glauben. In seiner Trauer und Wut beginnt er einen Feldzug gegen Silver, der nun dazu ansetzt, sich seine Kräfte wissenschaftlich absegnen zu lassen …

„Glauben“ heißt nicht „wissen“

Im „Akte-X“-Büro des FBI-Spezialagenten Fox Mulder hing einst ein großes Poster. Es zeigte ein verschwommenes aber als fliegende Untertasse erkennbares Objekt, unter dem dieser Satz zu lesen war: „I Want to Believe“. Dieses Poster hängt auch in Dr. Mathesons Labor. Allerdings lautet der Satz nun: „I Want to Understand“.

Dahinter steckt mehr als ein Insider-Gag. Während Mulder davon überzeugt war, dass übernatürliche Kräfte und Kreaturen tatsächlich existieren, möchte Matheson wissen, was Menschen daran glauben lässt, dass sie ihre Realität mit Geistern, Aliens und ähnlichen Wesen teilen. Sie geht dem Problem an die Wurzel und verkörpert auf diese Weise traditionelle wissenschaftliche Prinzipien, deren strenge Anwendung allein über Sein oder Nichtsein eines Phänomens entscheiden.

Dieses Vorgehen hatte und hat immer starke Gegner, die den oft langen und mühsamen Weg zur Erkenntnis abkürzen woll(t)en. Wissenschaft ist komplex und für Außenstehende vor allem dann unverständlich, wenn ihre Vertreter sich keine Zeit für sie nehmen wollen – und sei es nur für eine Erklärung, was und wie geforscht wird und wieso es in der Regel so lange dauert, bis Ergebnisse vorliegen. Dabei lassen sich diese Fragen durchaus allgemeinverständlich beantworten.

Schwierig wird es, wenn Menschen unbedingt glauben wollen. Wer von den Ärzten aufgegeben wurde, weil die Medizin ihm oder ihr keine Hilfe mehr bieten kann, fragt nicht nach wissenschaftlicher Reputation, wenn jemand dank Unterstützung aus dem Geisterreich wundersame Heilung verspricht. Tricks werden ergänzt durch die Täuschungsmöglichkeiten moderner Technik und untermauern zusätzlich die alte Weisheit, dass der Glaube Berge versetzen kann.

„Mission“ beißt sich mit „Unterhaltung“

Rodrigo Cortés möchte uns in „Red Lights“ zeigen, wieso der Aberglaube hoch im 21. Jahrhundert nicht nur stark geblieben ist, sondern an Kraft sogar zunimmt. Dies bedingt eine Handlung, die unerfreulich oft den Charakter einer Vorlesung einnimmt und sich viel zu ernst nimmt. Die Zuspitzung ist ein legitimes filmisches Instrument, da innerhalb einer begrenzten Spielzeit nie die gesamte Palette von Ursachen und Wirkungen aufgefächert werden kann. Daran ist der Zuschauer gewöhnt, und er akzeptiert es. Die stillschweigende Übereinkunft wird gekündigt, wenn Überspitzung aufdringlich in Übertreibung übergeht.

Cortés lässt die Handlung auf einen Höhepunkt zulaufen: Setzt der allzu leichtgläubige Dr. Shackleton seine Unterschrift unter einen Forschungsbericht, der Simon Silver übernatürliche Kräfte zubilligt, gelten diese damit als legitimiert. Cortés lässt die filmdramaturgische Klaviatur kräftig dröhnen, um uns dies begreiflich zu machen. Er ist freilich nicht laut genug, um diese skeptische Frage zu übertönen: Wieso sollte es den Rest der Welt kümmern, was ein einzelnes Forscherteam festzustellen glaubt? Wissenschaftliche Experimente werden an zahlreichen Stellen wiederholt und müssen übereinstimmende Ergebnisse erbringen. Ist dies gewährleistet, wird eine Theorie zur Tatsache. Silver wird kaum jeden Forscher dieser Welt täuschen können.

Um seinem Thema gerecht zu werden, hält Cortés einen ausgeprägten Darstellungsernst für angemessen. Als Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion hat er zwar begriffen, dass eine Lektion im Kino unterhaltsam verpackt werden muss. Entweder war er damit überfordert oder ihn hat seine Mission übermannt. Vor und hinter der Kamera durch gute bis großartige Fachleute – zu nennen ist u. a. Kameramann Xavi Giménez, der meisterhaft für tolle Bilder sorgt – und Schauspieler unterstützt, fuhr er „Red Lights“ dennoch wuchtig gegen die Wand.

Der Schwanz wedelt mit zwei Hunden

„Red Lights“ fehlen ein durchgehender Spannungsbogen und ein zufriedenstellendes Finale. Cortés packt zu viel in seine Geschichte und verzettelt sich dabei. Die erste Hälfte lässt er uns Matheson und Buckley bei ihrer Arbeit beobachten. So interessant dies im Detail ist, es wird zu breit ausgewalzt, und vieles wiederholt sich.

Für seinen Film konnte Cortés zwei Schauspieler-Legenden engagieren. Sigourney Weaver und Robert De Niro haben zwar den Zenit ihres Ruhms deutlich überschritten. Sie spielen nun Hauptrollen in ‚kleinen‘ Filmen oder Nebenrollen in Blockbustern. Dies liegt jedoch keineswegs an einem Nachlassen ihrer darstellerischen Fähigkeiten. In „Red Lights“ glänzen die beiden Mimen durch entsprechende Kabinettstücke.

Allerdings konzentriert sich Drehbuchautor Cortés allzu stark auf die Figur der Margaret Matheson, die Sigourney Weaver sich dank der reichen Charaktervorgaben aneignen kann. Sie dominiert die erste Filmhälfte, was Absicht ist, glaubt Cortés doch, durch Mathesons Tod die Geschichte nicht nur mit Tragik aufzuladen, sondern ihr auch eine neue und überraschende Richtung zu geben. Beides misslingt, da die mathesonfreie zweite Hälfte kein Gegengewicht bietet.

De Niro kann dies nicht ausgleichen. Er wurde offensichtlich wieder einmal für seine Paraderolle als äußerlich liebenswerter aber innerlich lebensgefährlicher Psychopath angeheuert, den er seit „Angel Heart“ (1986) immer wieder mimt. Was Silver zu einer diabolischen Gefahr aufwertet, bleibt unklar. Wenn er spricht – und Cortés lässt ihn oft und ausgiebig zu Wort kommen – faselt er abgedroschene Esoteriker-Floskeln. Sollte er tatsächlich über Hilfe aus dem Geisterreich verfügen, setzt er diese denkbar kontraproduktiv ein.

Schwarzes Loch in der Mitte

Schon die beiden Nebenrollen stehen nicht in einem dramaturgischen Gleichgewicht. Sie torkeln umso zielloser durch „Red Lights“, weil ihnen ein Zentrum fehlt, um das sie kreisen könnten. Theoretisch soll Tom Buckley die eigentliche Hauptfigur sein. Cilliam Murphy ist die meiste Zeit im Bild – leider, denn das Drehbuch bietet ihm wenig  Substanz für diese Präsenz. Faktisch behauptet Cortés nur, dass Buckley die Hauptfigur ist.

Zunächst wieselt er hinter Matheson her und macht dabei eine gute (Neben-) Figur. Dann stirbt seine Mentorin, und Buckley mutiert zum Rächer. Dabei bleibt er so farblos wie zuvor. Ohne Plan schnüffelt er Silver hinterher und bekommt prompt eins (bzw. eine Menge) auf die Nase. Während Silvers Schläger seinen akademikertypisch schlampig frisierten Schädel in eine WC-Schüssel tunkt, findet nicht Buckley, sondern Student Ben – eine bisher für das Geschehen absolut unbedeutende Figur – an anderer Stelle heraus, wie Silvers ‚Magie‘ funktioniert. An Bens Seite: Buckleys Lebensgefährtin Sally, mit der Cortés überhaupt nichts anfangen kann. Sie hat keine Aufgabe in diesem Film, sie gerät nie in Gefahr, die Bösen wissen womöglich nicht einmal von ihr. (Eine weitere Sünde begeht Cortés, indem er eine nicht nur gute, sondern auch prominente Schauspielerin wie Joely Richardson in einer sinnfreien Statistenrolle verheizt.)

Was den langweiligen Buckley angeblich für seine Hauptrolle prädestiniert, enthüllt uns Cortés in einem großen Finale, das er allerdings ebenfalls vergurkt. Scheinwerfer platzen, Funken sprühen, und Geisterstimmen rufen „Buh“! aus dem Off – was vermutlich als Werturteil aus dem Jenseits zu verstehen ist –, während Buckley einem stocksteif dastehenden, Unfug quasselnden Silver die Maske vom Gesicht reißt.

Das alberne Geisterbahn-Spektakel läutet einen Last-Minute-Twist ein, der an dieser Stelle nicht verraten werden soll, weil sich vielleicht doch jemand trotz dieser Zeilen den Film anschauen möchte. Gesagt werden muss, dass Cortés, der sich offenbar bemüßigt sah, zum Thema „Übersinnliches“ irgendeine Farbe zu bekennen, eine Auflösung aus dem Hut zieht, die nur aus seiner Sicht nachträglich erklärt, was in den vergangenen 100 Minuten ‚echter‘ Spuk war. Der Zuschauer stolpert dagegen über weitere Logiklöcher frustriert dem Ausgang entgegen.

DVD-Features

Die Extras wurden wie üblich in Häppchen zerlegt, um Informationsfülle vorzutäuschen. Zu einem zehnminütigen „Making of” addieren sich Interviews mit Cast und Crew. Fünfeinhalb Minuten kommt außerdem Rodrigo Cortés allein zu Wort. Das „Making of“ zeigt vor allem Ausschnitte aus dem Film und bietet kaum Hintergrundmaterial, und die ‚Interviews‘ vergeuden mit der üblichen Mischung aus Werbung und unverbindlichen Schmeicheleien nur Zeit. Zu schlechter Letzt gibt es den Trailer, der ein Filmereignis suggeriert, auf das der Zuschauer vergeblich hoffen wird.

[md]

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)