Red Sands
Mancher Fluch besteht für ewig

Originaltitel: Red Sands (USA 2009)
Regie: Alex Turner
Drehbuch: Simon Barrett
Kamera: Sean O’Dea
Schnitt: Alexis Spraic
Musik: Luke Rothschild, String Theory
Darsteller: Shane West (Specialist Jeff Keller), Leonard Roberts (Staff Sergeant Marcus Howston), Aldis Hodge (Anderson), Callum Blue (Wilcox), Brendan Miller (Davies), Theo Rossi (Hull), Noel Gugliemi (Wardell), Mercedes Masöhn (arabische Frau), J. K. Simmons (Lieutenant Colonel Arson) u. a.
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 23.04.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4030521489349 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch), Dolby Digital 2.0 Stereo (Audiokommentar)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Afghanistan 2002: Auch nach dem Sturz der Taliban nimmt der Terror im Land kein Ende. Nur mit Hilfe des US-Militärs kann sich die neue Regierung halten. Immer wieder greifen Rebellen die „Friedenstruppen“ an. Die Wüste ist ihnen vertraut und bietet ideale Unterschlupfmöglichkeiten. Dorthin folgen die Soldaten ihren Feinden deshalb ungern.

Staff Sergeant Marcus Howston wird die undankbare Aufgabe übertragen, mit sechs Männern irgendwo in der Wüste einen Weg zu überwachen, über den die Taliban angeblich Waffen transportieren. Schon auf dem Weg zum Zielort gerät man in einen Hinterhalt, dem man knapp entkommt. Die Nerven liegen blank, als die Gruppe sich in einem halb zerfallenen Haus postiert. Das Funkgerät fällt aus, die Hitze ist mörderisch, Langeweile kommt auf, die Männer streiten.

Während eines Erkundungsgangs stößt man auf eine alte Kultstätte. Eine alte Statue wird als Zielscheibe missbraucht – eine verhängnisvolle Freveltat, denn in dem Stein war ein Dschinn eingeschlossen. Seinen Befreiern ist der Elementargeist keineswegs dankbar, denn Dschinns sind von Natur aus böse – und schlau: Der Dämon dringt in die Träume der Soldaten ein und erkennt so ihre psychischen Schwachstellen, die er geschickt ausnutzt, wobei ihm zupass kommt, dass er jede Gestalt annehmen kann.

Fortan werden die sieben Männer von dem Dschinn heimgesucht, der die Männer täuscht, sie gegeneinander ausspielt und aufhetzt. Während eines Sandsturms sucht zu allem Überfluss eine arabische Frau in dem einsamen Haus Zuflucht. Sie ist hübsch und hilflos, die Männer jung und geil. Howston versucht, für Ordnung zu sorgen, doch dann nimmt der Dämon den Sergeant ins Visier. In dem kleinen Haus bricht ein Kampf Mann gegen Mann gegen Dämon aus …

Soldaten im Sand

Allmählich glaubt der regelmäßige Zuschauer des phantastischen Films an die Entstehung eines neuen Sub-Genres. „Golfkrieg-Grusel“ könnte man es nennen, denn es zeigt hochgerüstete und kampfstarke Soldaten, die in den Wüsten Nordafrikas und Arabiens ‚Terroristen‘ jagen und dabei auf uralte und in der Regel böse Mächte stoßen. Immer noch aktuell in Verleih und Verkauf sind „The Objective“ (USA 2008; dt. „Operation Desert – Die verschwundene Einheit“) sowie „Djinns“ (Frankreich 2010; dt. „Djinn – Dämonen der Wüste“).

Würde man die Drehbücher dieser beiden Filme zusammenlegen, ließe sich daraus leicht die Story für „Red Sands“ destillieren. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die Limitierung des neuen Sub-Genres, das sich vor allem auf Kriegs- und Horrorfilm-Klischees stützt, ohne der Kombination etwas Überraschendes abzugewinnen. Die bloße Konfrontation zweier eigentlich widersprüchlicher Genres ist interessant aber auf Dauer weder kreativ noch unterhaltsam.

Erschreckend weit, erschreckend feindlich

Der Faktor Unterhaltung lässt sich trotz solcher Einwände nicht prinzipiell leugnen. Sean O’Dea gelingen mit einem überschaubaren Budget und angesichts einer Handlung, die fast ausschließlich an einen einzigen Ort gebunden bleibt, großartige Bilder. Die Wüste muss für einen Kameramann eine unwiderstehliche Herausforderung darstellen. Licht und Landschaft bilden eine hypnotisierende Einheit. Wie von einem anderen Planeten wirken Szenen, in denen die Kamera sich schwerelos in der Luft hält und die schier unendliche Weite betont, in der die Darsteller klein, unbedeutend und ausgeliefert wie Ameisen wirken – ein Vergleich, den Regisseur Turner in einer kurzen aber symbolträchtigen Einstellung zusätzlich illustriert.

Ein Quäntchen bittere Moral wird zusätzlich aber nicht ungeschickt eingemischt. Gut gelingt die Darstellung des Fremdseins. Es stellt ein wichtiges Element der Handlung dar. Die Soldaten kommen in ein Land, das sie nicht verstehen können oder wollen. Der Kulturschock liegt dabei auf beiden Seiten. Staff Sergeant Howston und seine Männer benehmen sich, als seien sie in einem öden Winkel der heimischen USA stationiert. Echten Kontakt mit den ‚befreiten‘ Afghanen gibt es nicht, Hochmut, Misstrauen und Furcht vor den kaum zu identifizierenden Taliban sorgen für weitere Isolation. Die Landschaft ist grandios aber menschenfeindlich. Sobald die mitgeschleppte Technik versagt, sind die Männer hilflos gestrandet.

Ihre Frustration angesichts eines meist unsichtbar bleibenden Feindes lassen sie an der Bevölkerung und deren Kulturgütern aus. Es ist sinnlos, eine Steinstatue in Stücke zu schießen, aber es gibt endlich etwas Konkretes, auf das sich schießen lässt. Dass auf diese Weise ein Dämon befreit wird, ist ein guter Einfall des Drehbuchautors Simon Barrett; man wünscht sich, er hätte mehr davon gehabt. Dummerweise verliert er nach spätestens einer halben Stunde den Faden seiner Geschichte. Er will sich mit dem Griff in die Klischee-Kiste retten und lässt die Darsteller blind & blöd durch die wenigen Räume eines heimgesuchten Häuschens stolpern.

Geist sorgt für (mäßige) Spannung

Der Dschinn kommt über die Gruppe: Das Geschehen weist Parallelen zur Realität eines ‚Krieges‘ auf, in dem nur die US-Soldaten deutlich erkennbar sind. Die Taliban verschwinden in der Bevölkerung. Sie werden unsichtbar, tragen die Kleidung der Verbündeten und schlagen aus dem Hinterhalt zu. Genauso geht der Dschinn vor. Als Dämon kann er sich zusätzlich die Gedanken seiner Opfer zu Nutze machen. Er verkörpert ihre Ängste und raubt ihnen den kläglichen Rest der eingedrillten Sicherheit.

Barrett gelingt es, die archaische Figur des Dämons stimmig in eine gegenwärtige Handlung einzubetten. Die Hinterlist gehört zum Wesen des Dschinns, dem es grundsätzlich gleichgültig ist, wen er vernichten kann. (Die daraus resultierende Flatterhaftigkeit wäre zumindest eine Erklärung für die umständlichen Tücken des Dämons, denen nie ein Plan oder ein Sinn zugrundeliegt.) Leider opfert Barrett die ‚neutrale‘ Bosheit einem lahmen Schlussgag: Der Dschinn macht sich auf, in die USA zu reisen, wo er sein finsteres Werk fortsetzen wird.

Vorteilhaft wäre es zudem gewesen, ein wenig mehr Geld in die Umsetzung derjenigen Filmtricks zu stecken, die den Dschinn in seiner ursprünglichen Gestalt zeigen. Nicht einmal der berüchtigte Sender Syfy schickt seine TV-Horrorfilme mit digitalen Dämonen solch unterirdischen Gütestufe über den Äther. Diese Minderwertigkeit verblüfft, denn „Red Sands“ weist ansonsten vom blutigen Kopfschuss bis zum Sandsturm gelungene Effekte auf.

Männer im Aus

Die Zeichnung der menschlichen Figuren ist das größte Manko dieses Films. Seit Jahrzehnten folgt die innere Dynamik einer militärischen Gruppe in Hollywood festen Regeln. Stets repräsentieren die Mitglieder möglichst das Spektrum der zivilen Gesellschaft. Also ziehen hier Weiße, Schwarze und Latinos ins Feld. Sie schleppen nicht nur ihr Gepäck, sondern auch die Vorurteile und Probleme ihrer fernen Heimat auf den Rücken. Der schwarze Vorgesetzte ist entschlossen aber überfordert, sein Stellvertreter nur bei der Armee, weil es sich gut im Lebenslauf macht. Weiterhin gibt es den Drückeberger, den Rassisten, den Söldner und den geilen Dummkopf. Kurz: Die künstlich geschaffene Inhomogenität der Gruppe verhindert von vornherein den Zusammenhalt, die daraus entstehenden Konflikte sind plump inszeniert.

Selbstverständlich spuken den Männern diverse Kriegstraumata durch die Hirne. Der Dolmetscher hat versehentlich einen Kameraden, der Sergeant ein afghanisches Kind erschossen. Specialist Keller verzehrt sich in Sehnsucht nach seiner Frau. Mit ähnlichen Gefühlen von der Stange langweilen auch die anderen Soldaten. Hinzu kommt der übliche Landser-Humor; es wird geflucht, ‚Gespräche‘ beschränken sich auf gebrüllte Befehle oder Unflätigkeiten oder beides im schnellen Wechsel. Strohdumm und gleichgültig wirken diese Soldaten, die mit der Überwachung einer öden Wüstenpiste überfordert sind. Sympathisch wirkt niemand, der Zuschauer beobachtet ungerührt, wie der Dschinn die Reihen der Einheit lichtet.

Darsteller mit Leidenswillen

Unter solchen Voraussetzungen können keine schauspielerischen Glanzleistungen geleistet bzw. erwartet werden. Die Rollen sind austauschbar; fast jeder Darsteller könnte für den anderen einspringen. Wichtiger war wohl die Fähigkeit, der Wüstenhitze zu trotzen und dabei in Uniform zu laufen, schwere Waffen zu schleppen und martialisch auszusehen.

Zu den Klischees gehört die Entscheidung, eine schöne Frau unter die stieläugigen Kerle zu werfen. Gelangweilt verfolgt der Zuschauer die (nicht nur) hollywoodüblichen Konflikte, die der Handlung keine echten Impulse geben und auch deshalb schwer ernst zu nehmen sind, weil die ‚arabische Frau‘ von einer in Schweden geborenen Darstellerin verkörpert wird.

So folgt auf einen vielversprechenden Auftakt erst die Ernüchterung, dann sachte Langeweile und schließlich Ärger. Eine gute Idee bedarf einer entsprechenden Umsetzung, während „Red Sands“ bald die Puste ausgeht – ein Problem, mit dem Turner und Barrett bereits in ihrem gemeinsamen Spielfilm-Debüt „Dead Birds“ (2005) zu kämpfen hatten – und unterlagen.

DVD-Features

Seltsamerweise erscheint „Red Sands“ nur als DVD, der immerhin elementare Extras aufgespielt wurden. So gibt es einen hintergrundkundigen Audiokommentar von Regisseur Alex Turner und Drehbuchautor Simon Barrett (der sogar deutsch untertitelt ist!), ein 20-minütiges „Making Of“, eine kurze „Red-Sands“-Filmset-Tour mit Darsteller Noel Gugliemi sowie vier entfallene Szenen.

[md]

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