Resolution – Cabin of Death

Originaltitel: Resolution (USA 2012)
Regie u. Schnitt: Justin Benson u. Aaron Moorhead
Drehbuch: Justin Benson
Kamera: Justin Benson u. Aaron Moorhead
Darsteller: Peter Cilella (Michael Danube), Vinny Curran (Chris Daniels), Zahn McClarnon (Charles), Bill Oberst Jr. (Byron),  Kurt David Anderson (Billy), Skyler Meacham (Micah), Emily Montague (Jennifer) u. a.
Label: Maritim Pictures
Vertrieb: Alive AG
Erscheinungsdatum: 25.04.2014
EAN: 4042564150360 (DVD)/4042564150377 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min. (Blu-ray: 93 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Obwohl Michael Danube den gemeinsamen kleinen Heimatort schon vor vielen Jahren verlassen hat, blieb er in Kontakt mit Chris Daniels, seinem besten Freund seit der Schule. Während Michael leidlich erfolgreich als Designer wurde, versank Chris immer tiefer im Drogensumpf. Seine letzten Botschaften klangen so wirr, dass Michael ihn besorgt besucht.

Er findet Chris in einer abbruchreifen Hütte, die irgendwo am Dorfrand schon halbwegs in der südkalifornischen Wildnis steht. Chris ist völlig zugedröhnt und schießt auf ominöse ‚Vögel‘, von denen er sich bedroht fühlt. Michael beschließt, den Freund auf kalten Entzug zu setzen. Er kettet den überraschten Chris mit einer Stahlkette an eine Wand und nimmt ihm die Drogen weg: Binnen einer Woche soll Chris auf diese Weise clean werden.

Dank darf Michael nicht erwarten, denn Chris ist ein überzeugter Junkie. Mehrfach versucht er die Flucht und hält Michael auch sonst auf Trab. Zudem gibt es Ärger mit den Dealern Billy und Micah, denen Chris Geld schuldet. Der finstere Charles, dem die Hütte gehört, fordert nachdrücklich den baldigen Auszug, da das Grundstück zum Territorium eines Indianerreservates gehört.

Zunächst spannend findet Chris dagegen die seltsamen Fotos, Bücher oder Videokassetten, die an verschiedenen Orten und offenbar speziell für ihn ausgelegt werden. Sie zeigen markante Punkte der Gegend oder Filmszenen mit Chris, an die der sich nicht erinnern kann. Fasziniert durchstreift Michael die Wildnis, findet neue Hinweise und den französischen Wissenschaftler Byron, der von einem „Monster“ spricht, das sich angeblich im Wald verbirgt. Neue Botschaften werden zunehmend bedrohlicher: Sie zeigen eine unmittelbare Zukunft, in der Michael und Chris auf unschöne Weisen zu Tode kommen …

Die sinnlose Jagd nach dem eigenen Schwanz

Der Film ist die Verkörperung der unterhaltsamen Illusion. Mal mehr, meist weniger perfekt lassen wir, die Zuschauer, uns aufs Glatteis führen. Das Auge ist darauf ausgelegt, uns die Welt so realistisch wie möglich nahezubringen. Gleichzeitig lässt sich das dem Sehnerv angeschlossene Hirn, das für die Interpretation zuständig ist, erstaunlich einfach täuschen.

Wenn wir uns auf unserem Kinosessel oder daheim vor dem Monitor sicher fühlen, lassen wir genau das mit uns geschehen. Dabei ist zweitrangig, dass wir im Grunde jede Geschichte, die man uns erzählen möchte, längst kennen; das Repertoire ist begrenzt. Die Variation des Bewährten ist uns mehrheitlich ohnehin lieber, denn es schließt ein Risiko aus, dass uns die Sichtung von „Resolution“ zuverlässig ins Gedächtnis zurückruft: Wir hassen es, am Ende mit einem Rätsel aber ohne Lösung aus dem Film entlassen zu werden! Das ist sogar noch schlimmer als ein langweiliges Rätsel, das wir lange vor dem Finale selbst gelüftet haben.

Recht selten versuchen sich Filmemacher an einem originellen oder gar originären Rätsel. Die Chancen auf ein spannendes Gelingen stehen gegen sie. Dass es trotzdem immer wieder jemand probiert, liegt an dem Preis, der dem Erfolgreichen winkt: Ein Film, der ‚anders‘ und (trotzdem) unterhaltsam ist, bleibt dem Publikum im Gedächtnis! Doch auf einen „Cabin in the Woods“ kommen 999 „Resolutions“ – mindestens: Filme, deren durchaus bemühte Schöpfer sich mit ihrem Mysterium erst mächtig verheben und sich anschließend in seinen Fasern verheddern, die sich nicht zu einem tragfähigen Handlungsbogen fügen wollen.

Verheißungsvoller Anfang, dann Ende

Worum geht es in „Resolution“ eigentlich? Diese Frage ist potenziell ketzerisch und zusätzlich riskant: Ist die Mehrheit der Kritiker zu dem Schluss gekommen, ein Film sei hintergründig, vielschichtig, metaphorisch oder anderweitig intellektuell aufgeladen, lassen sie sich höchst ungern eines Schlechteren belehren. Wer dann gegen den Strom springt, muss sich darauf verlassen, dass andere ihm erleichtert beispringen, weil auch sie erkennen: Dieser Kaiser trägt keine neuen, sondern gar keine Kleider!

Dabei ist die Struktur hinter der „Resolution“-Story simpel: Da gibt es einen Ort, der durch naturwissenschaftlich unerklärliche Phänomene wie Zeitsprünge, Aliens oder Geister auffällt. Allzu neugierige Zeitgenossen – meist treten sie zu zweit oder in kleinen Gruppen auf – geraten in seinen Bann und kommen nicht mehr los von dem Mysterium, das sich ihnen wie auf einer Schnitzeljagd nur Stück für Stück und auch nur scheinbar öffnet. Tatsächlich steckt hinter dem Ganzen eine Kraft, die der menschliche Geist nicht erfassen kann. Die finale Konfrontation ist deshalb in der Regel identisch mit dem spurlosen Verschwinden der Suchenden. Im Zeitalter der „Found-Footage“-Als-ob-Dokumentation hinterlassen sie Filmaufnahmen, die in kopfschmerzerzeugendem Bildflimmern und Geschrei aus dem Off enden.

Auch „Resolution“ ist faktisch ein Destillat solcher ‚roher‘ Aufnahmen. Allerdings haben weder Michael noch Chris sie gefilmt. Es ist die sich erst ganz zuletzt offenbarende Kreatur aus dem Wald, die ihre Handlungen (und vor allem ihre Dialoge; dazu unten mehr) festhält; typische Materialfehler erinnern uns zwischenzeitlich daran, dass wir nach dem Willen von Justin Benson und Aaron Moorhead auch nur einen von mehreren Filmen im Film sehen.

Vom großen Fragezeichen zum großen Einerlei

Eine Schnitzeljagd ist immer spannend, wenn man sie entsprechend inszeniert. Schon hier versagen Benson & Moorhead auf ganzer Linie. Was genau Michael und Chris auf den Fotos oder in den Büchern entdecken, teilen sie uns nur selten mit. Gezeigt wird es uns auch nicht. Zu erkennen wäre es aufgrund der fragwürdigen Ausleuchtung ohnehin schwer. Erzählen Michael und Chris es uns? Das ist möglich, aber leider hat ein technischer Analphabet die deutsche Synchronfassung betreut: Sobald sich die Handlung aus der Hütte verlagert, übertönen Wind und Vogelzwitschern die Dialoge. Man ist geneigt, auch dies für Filmkunst oder eine weitere Manifestation des Übernatürlichen zu halten, bis man entdeckt, dass der O-Ton in dieser Hinsicht keine Präferenzen setzt.

Da wir quasi systematisch der Schnitzeljagd ferngehalten werden, verlieren wir rasch das Interesse daran. Mit Chris und Michael geht es uns ähnlich. Um überhaupt einen Grund zu haben, die beiden in ihrer Hütte festzuhalten, ließen sich Benson & Moorhead den Subplot vom improvisierten Drogenentzug einfallen. Was als Katalysator für ein gänzlich anders gelagertes Geschehen gedacht war, drängt sich erst störend in die Handlung ein, um sie schließlich zu stoppen. Wir müssen endlose Diskussionen über Chris‘ Junkie-Vergangenheit über uns ergehen lassen, die Michael mit Klagen über sein leeres Leben zu toppen versucht. Zunächst hört man noch hin, denn es mögen sich Hinweise auf das Schnitzeljagd-Geheimnis in diesen Tiraden verbergen. Dem ist aber nicht so, wie auch Michaels Telefonate mit seiner daheim auf ihn wartenden Gattin ohne jeden Belang bleiben.

Sogar die Phantome flüchten, wenn Chris und Michael sich einander die Herzen ausschütten. Niemand vermisst sie, da sie aufgrund der Budgetbeschränkungen ohnehin ohne jeden unheimlichen Schauwert bleiben. Mal pocht eine wirrhaarige Frau von außen an eine Fensterscheibe, mal rührt sich jemand in einer dunklen Höhle – es könnte auch ein verschlafener Landstreicher gewesen sein. Selbstverständlich finden auch die seltenen Gewalttaten außerhalb des Bildes statt: „Resolution“ ist eigentlich bereits ab 12 Jahren freigegeben, was den deutschen Durchschnitts-Gruselfreund eher abschrecken würde. Also wurden einige höher eingestufte Fremdfilmtrailer aufgespielt, und schon konnte man immerhin mit Horror „ab 16“ dienen. (Hinzu kam hierzulande der für Film-Stinker übliche Untertitel, der die Nähe zu besseren Werken suggeriert.)

Die Farbe an der Wand

Justin Benson und Aaron Moorhead taten sich nicht leicht mit ihrem ersten gemeinsamen Spielfilm, der gleichzeitig Bensons Langfilm-Debüt markiert. Das Geld war knapp, wie nicht nur die rudimentären Kulissen oder die abwesenden Spezialeffekte demonstrieren. Die wichtigsten Szenen mit den beiden Hauptdarstellern entstanden in einer zwölftägigen Drehphase, die durch viele, viele vor und hinter der Kamera verbrachte Wochenend-Stunden ergänzt wurde.

Da ist es verständlich, dass auf die Kontinuität irgendwann nicht mehr genau geachtet wurde. Vielleicht ist es wiederum ein Indiz für das Wirken höherer Mächte, dass die wenigen Einrichtungsgegenstände innerhalb der Hütte von Szene zu Szene zu wandern scheinen; wenigstens bewegt sich auf diese Weise überhaupt etwas in diesem Film!

Von darstellerischen Leistungen möchte – oder kann? – man unter den beschriebenen Umständen nicht sprechen. Benson und Moorhead lockten durchaus keine Amateure vor ihre Linse; die meisten Schauspieler treten regelmäßig vor allem im US-Fernsehen auf. Hier blieb ihnen kein vom Drehbuch gestützter Handlungsraum; man meint vor allem Peter Cilella und Vinny Curran in ihrer Not improvisieren zu hören, bis ihnen partout nichts mehr einfällt, mit dem sie die drückende Stille und Ereignislosigkeit zu füllen versuchen.

Von der Kritik und sogar vom Publikum wurde „Resolution“ seltsamerweise überwiegend positiv beurteilt. Ob hier greift, was weiter oben beschrieben wurde – die Angst des Zuschauers, für dumm gehalten zu werden? Objektiv gibt es jedenfalls keinen echten Grund, sich für diese schwerfällige, aus dem Ruder gelaufene Stilübung zu begeistern. Der angeblichen Auflösung („Resolution“) folgt deshalb Erleichterung: Endlich ist auch diese Prüfung ausgestanden!

DVD-Features

Im Gegensatz zur Blu-ray-Version bleibt die DVD ohne Zusatzmaterial, worüber sich die Trauer dieses Mal in Grenzen hält.

Kurzinfo für Ungeduldige: In einer Waldhütte will Michael seinen Kumpel Chris den Drogen fernhalten. Unfreundliche Nachbarn und seltsame Spinner besuchen sie, dann wird es unheimlich: Offenbar versucht eine fremde Intelligenz sie zu kontaktieren … – Der Versuch eines ‚anderen‘ Rätsel-Thrillers versandet in ziellosen Andeutungen immer neuer Mysterien, die niemals thematisiert werden; stattdessen quälen zwei hölzerne Mimen sich und ihr Publikum mit langweiligen, dummen Dialogen: kein Film, sondern eine Geduldsprobe.

[md]

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