Resurrection – Die Auferstehung

Originaltitel: Resurrection (USA 1999)
Regie: Russell Mulcahy
Drehbuch: Brad Mirman u. Christopher Lambert
Kamera: Jonathan Freeman
Schnitt: Gordon McClellan
Musik: Jim McGrath
Darsteller: Christopher Lambert (Det. John Prudhomme), Leland Orser (Det. Andrew Hollinsworth), Robert Joy (Gerald Demus), Barbara Tyson (Sara Prudhomme), Rick Fox (Scholfield), David Cronenberg (Pater Rousell), Jonathan Potts (Det. Moltz), Peter MacNeill (Captain Whippley), Philip Williams (Det. Rousch), Barbara Gordon (Richterin Seers) uva.
Label u. Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment (www.kinowelt.de)
Erscheinungsdatum: 17.10.2000 (Kauf-DVD)
EAN: 4006680018515 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 (Deutsch) u. Dolby Digital 5.1 (Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 103 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Detective John Prudhomme ist seit dem tragischen Unfalltod seines Sohnes ein verbitterter Mann. Er hadert mit Gott und der Welt, verschließt sich vor seiner Frau; die Ehe steht vor dem Scheitern. Deshalb flüchtet sich der Polizist förmlich in die Arbeit, als ihm und seinem Partner Andy Hollinsworth ein bizarrer Mordfall übertragen wird: Ein Mann wurde nicht einfach ermordet – ihm wurde lebendigen Leibes ein Arm abgeschnitten. Prudhomme ist sicher, dass hier ein Serienkiller seinen Einstand gegeben hat. Während Captain Whippley, sein Vorgesetzter, noch zweifelt, wird eine zweite Leiche gefunden; ihr fehlt ebenfalls ein Arm. Wenig später entdeckt man einen Toten ohne Kopf.

Jetzt findet Prudhomme Gehör, zumal er die in die Haut der Leichen eingeritzten römischen Ziffern entschlüsseln kann: Sie geben Bibelstellen des Neuen Testaments an. Offensichtlich sammelt ein religiöser Fanatiker im Wahn Leichenteile, um sie zu einem ’neuen‘ Christus zusammenzufügen, der am nahen Osterfest zum Leben erweckt werden soll.

Dass Prudhomme das Muster hinter den Bluttaten erkennt, hilft ihm nicht, dem Killer einen Strich durch die Rechnung zu machen. Der ist inzwischen aufmerksam auf seinen Verfolger geworden und hinterlässt ihm kunstvoll verrätselte Hinweise auf seine Identität. Doch Prudhomme findet lange den Schlüssel zur Psyche des Täters nicht. Stattdessen setzt er darauf, dass dieser einen Fehler begeht. Als es soweit zu sein scheint, endet die Hetzjagd auf den Mörder in einer Katastrophe: Das nächste Opfer kann nicht gerettet werden, Detective Hollinsworth wird schwer verletzt. Zornig kündet der Killer Prudhomme Vergeltung an, weil er die Regeln des ‚Spiels‘ verletzt hat: Außer der Reihe der üblichen Körperteil-‚Spender‘ wird er die Ehefrau des Polizisten heimsuchen …

Man muss nur dreist genug sein!

Wer jemals korrekt die Frage beantworten kann, was einen Film zum Erfolg werden lässt, wird ein gemachter Mann (oder eine gemachte Frau) sein. Bisher misslingen entsprechende Prognosen jedenfalls regelmäßig. Auch in unserem Fall würde wohl niemand einen Pfifferling für das Gelingen eines Filmchens geben, dass nicht nur mit einem Mini-Budget von 10 Mio. Dollar realisiert werden musste, sondern auch inhaltlich und formal ziemlich dreist den 1995 entstandenen Thriller „Se7en“ (dt. „Sieben“) abkupfert.

Doch irgendwie fügt sich die Kopie zu einem zwar nie eigenständigen aber dennoch gelungenen weil unterhaltsamen Film; zu einem Original reicht es nicht, aber ein billiger Rip-off ist „Resurrection“ auch nicht geworden. Offenbar trägt die Story vom übergeschnappten Serienkiller, der so aufwändig und kompliziert seine grotesken Mord-Visionen verwirklicht, dass er nur im Kino der Polizei länger als ein, zwei Tage entwischen kann, mehr als einen Film.

Oder sind es die großzügig ins Geschehen integrierten Gräuel-Szenen, die den Zuschauer bei der Stange halten? In diesem Punkt zeigt „Resurrection“ besonders deutlich seinen Status als B-Movie: Morde, verstümmelte Opfer und faulende Leichen-Gestecke werden unbekümmert und deutlich drastischer ins Bild gebracht als in der bereits sehr offenherzigen Vorlage. Ein kostengünstiger Film wie „Resurrection“ darf sich so etwas trauen, denn seine Produzenten sehen in ihm keinen Blockbuster, sondern ein Nischenprodukt, das angesichts der niedrigen Herstellungskosten auch dann einen Gewinn abwerfen wird, wenn das Massenpublikum ausbleibt.

Edelmetall funkelt im tauben Gestein

Die Nähe zu „Sieben“ und anderen Serienkiller-Thrillern wurde „Resurrection“ von der Filmkritik übel vorgeworfen. Dabei scheinen die empörten und/oder angewiderten Kritiker die zweifellos vorhandenen Qualitäten dieses Films beinahe wissentlich zu übersehen. „Resurrection“ ist kein schlechter i. S. von schlecht gemachter oder gespielter Film. Auf dem Regiestuhl saß mit Russell Mulcahy ein Mann, der sein Handwerk versteht, auch wenn er manchmal zu Eskapaden neigt, die ihn letztlich den A-Status kosteten, der sich für ihn in den 1980er Jahren in Hollywood abzeichnete, als „Highlander“ zu einem weltweiten Erfolg wurde. Schon mit „Highlander 2: The Quickening“ (1991) läutete Mulcahy selbst seinen Untergang ein, von dem er sich nicht wieder erholte. Obwohl er einer der aktivsten Regisseure seiner Generation geblieben ist, gelang ihm nie seine private „Auferstehung“. Statt dessen stagnierte seine Karriere im B-Film und im Fernsehen.

Was wie gesagt nicht zwangsläufig heißt, dass Mulcahy unfähig ist. Wer den alles überragenden „Highlander“ ausklammert und sich z. B. das Frühwerk „Razorback“ (1984; dt. „Razorback – Kampfkoloss der Hölle“) anschaut, wird erstaunt erkennen, dass Mulcahy selbst die Terror-Taten eines mörderischen Riesen-Wildschweins effektvoll in Szene zu setzen vermag.

„Resurrection“ gehört zu den kargen Glanzlichtern in Mulcahys schwankender Karriere. Er treibt die Handlung zügig voran, hat ein gutes Gespür für düstere Stimmungen und liebt Spielereien mit der Kamera. Glücklicherweise schob das Budget dem hier weitgehend einen Riegel vor. Mulcahys Hang zur Übertreibung manifestiert sich vor allem im exzessiven Regen, den er in allen möglichen und auch unmöglichen Situation fallen lässt – manchmal sogar aus blitzblauem (und schlecht kaschierten) Himmel, was eindeutig irritierend ist.

Der Film könnte noch besser gelungen sein, wäre da nicht ein Drehbuch, das dem Geschehen einen psychologischen Wasserkopf aufpfropft: Es genügt nicht, dass Prudhomme einen Serienkiller jagt. Er muss außerdem privat tüchtig (und aufdringlich) leiden, was der Figur freilich nicht wie geplant Profil verleiht – es langweilt. Das merkt man, weil der Film umgehend an Schwung gewinnt, wenn Sara Prudhomme zu ihrer Mutter reist und aus der Handlung verschwindet.

Ratloser Mann auf der Suche nach seiner Karriere

Seine pseudo-relevanten Seelensprünge ‚verdankt‘ der Film wahrscheinlich dem Hauptdarsteller Christopher Lambert, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat. Schauspieler geben sich gern gefühlvoll, weil sie der Meinung sind, dass dies der anspruchsvollere Teil ihres Jobs ist. Filmkritiker denken ähnlich, sodass Lambert zwei Fliegen mit einer Klappe hätte schlagen können, wäre seine Rechnung nur aufgegangen.

Gewünscht hätte man es ihm. Schon 1999 war Lamberts einst glanzvoll gestartete Karriere wie die seines Regisseurs im steilen Sturzflug. Es fällt schwer zu glauben, dass dieser Mann, der sich sein Brot seit Jahren in billigem Videotheken-Futter wie „Mortal Kombat“, „Fortress II“ oder „Beowulf“ verdient, in den 1980er Jahren ein echter Star gewesen ist, der Filme wie „Greystoke“, „Subway“ oder „To Kill a Priest“ drehte. Auch Lambert traf nach „Highlander“ viele falsche Entscheidungen (u. a. die Rückkehr in „Highlander II“ … und „III“ … und „IV“, bis endlich sein Schädel fiel).

„Resurrection“ war deshalb auch der Versuch zum Neustart seiner Karriere. In diesem Punkt muss sich Lambert keine Vorwürfe machen. Ohne ihn wäre „Resurrection“, obwohl handwerklich gelungen, ein deutlich schlechterer Film. Lassen wir das unnötige Barmen um Kind & Ehefrau beiseite, liefert Lambert eine rundum überzeugende Leistung als Cop in der Krise ab. Prudhomme ist alles andere als ein Knarren schwingender Supermann. Er zeigt Gefühle, ist entsetzt, weint in einer Szene sogar am Krankenbett seines schwer verletzten Partners, ohne dass dies lächerlich wirkt.

Gut gecastete Schauspieler-Routiniers unterstützen ihn. Für große Namen war kein Geld da, was der Story zugute kommt: Hier gibt es außer Lambert kein Ego, das sich inszeniert wissen will. In einer Nebenrolle überrascht Mulcahys Regisseur-Kollege David Cronenberg („Die Fliege“, „A History of Violence“), der ausgerechnet (und durchaus glaubhaft) einen Priester mimt.

Fehler kommen vor …

„Resurrection“ ist ein Low-Budget-Film. Das entschuldigt gewisse handwerkliche Schlampigkeiten. Der Regen ohne Wolken wurde bereits erwähnt. Für Erstaunen sorgen darüber hinaus Hinweisschilder in englischer und französischer Sprache, wie sie z. B. in einer Szene, die im Bahnhof spielt, sehr deutlich ins Bild geraten: „Resurrection“ soll in Chicago spielen, wurde aber im kanadischen Toronto gedreht – der niedrigeren Produktionskosten wegen. (Wer mag, kann nach weiteren Hinweise suchen; es gibt sie!)

Nicht gespart wurde an den Spezialeffekten. Die sind nicht digital, sondern handgemacht, wobei Leichen und Leichenteile in unterschiedlichen Stadien der Verwesung den Großteil ausmachen. Kompromisse wurden hier nicht gemacht, weshalb die deutsche Fassung von „Resurrection“ fünf Minuten kürzer ist als das Original. Angesichts der Szenen, die den Zensur-Angriff überlebten, fragt man sich, wie blutig dieser Film ursprünglich war. Dass er hierzulande ab 16 Jahre freigegeben ist, muss erstaunen, denn mancher Horrorstreifen, der für die Jugend verboten wurde, ist nicht annähernd so rabiat wie „Resurrection“!

Fazit: Viele ‚gute‘ Filme möchte man einige Jahre nach ihrer Entstehung nicht mehr anschauen. „Resurrection“ ist spannend, kompromisslos und politisch gar nicht selten unkorrekt. (Ich erinnere nur an den finalen Kampf um das Baby!) Er soll vor allem unterhalten, und das funktioniert. Mehr braucht es eigentlich nicht zu einem guten Film.

DVD-Features

Als „Resurrection“ 2000 auf den DVD-Markt kam, waren zusätzliche Features vor allem im B-Movie noch nicht so selbstverständlich wie heute. Üblich war (außer der lästigen Werbung) bereits der Trailer zum Hauptfilm. Hinzu kommen hier ‚Starinfos‘ zu Christopher Lambert, Leland Orser, David Cronenberg, Brad Mirman und Russell Mulcahy, die aus dürftigen und inhaltlich längst veralteten Texttafeln bestehen. Außerdem gibt es ein „Interactive Trivia Game”, das dem modernen Gamer vermutlich Lachtränen in die Augen treibt … [Michael Drewniok]

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