Sacred – Die Prophezeiung

Originaltitel: The Sacred (USA 2009)
Regie, Kamera u. Schnitt: Jose Zambrano Cassella
Drehbuch: Sharon Reed u. Jose Zambrano Cassella
Musik: Stefan Galaboff
Darsteller: Jessica Blackmore (Miranda), Lauren Brown (Jackie), David Mackey (Pete), Ryan Marsico (Zach), Jordan Wall (Jared), John Kyle (Bill), John Archer Lundgren (Sergio), Leander Suleiman (Schamanin), Michael Ray Davis (Bartender) u. a.
Label: MIG Filmgroup
Vertrieb: EuroVideo
Erscheinungsdatum: 14.06.2012
EAN: 4009750210598
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Fünf bei der Verteilung von Intelligenz jedes Mal sträflich übergangene ‚Archäologen‘ wollen das in den Sümpfen von Florida gelegene Lager eines untergegangenen Indianerstammes untersuchen. Dass es dort seit 200 Jahren umgeht, ein vor Ort errichtetes Feriencamp nach einer grausamen Mordserie aufgegeben werden musste und kein Führer bereit ist, mit ihnen dorthin zu gehen, hält die wackeren Forscher nicht lange auf: Zachs Hirn mag mikroskopisch klein sein, doch er verfügt über viel Bargeld, dem der finstere Sumpfbold Bill nicht widerstehen kann. Mit seinem Boot fährt er die Gruppe in die Nähe des Lagers; die restliche Strecke müssen sie in wackligen Kanus zurücklegen. Bill warnt noch davor, am Zielort ein Lager aufzuschlagen; ein Rat, der natürlich voller Hochmut und Hohn zurückgewiesen wird.

Endlich angekommen stürzt sich zumindest Nerd Jared sofort in die Arbeit, während die ernste Miranda sowie die Turteltauben Jackie und Pete die Ruinen des alten Camps untersuchen, denn hier will man übernachten. Ausgerechnet der dauernörgelnde Zach stolpert über einen alten Lederbeutel. Jared erkennt den Inhalt: schamanische Zauberstöckchen, die man in bestimmter Reihenfolge in den Boden stecken muss. Der Legende nach wird die Erde daraufhin ‚lebendig‘ und spuckt die Geister jener aus, denen die gerade im Lager anwesenden Personen Unrecht getan haben.

Dass hier kein Märchen erzählt wurde, erfahren unsere Forscher – die jeweils selbstverständlich viel Dreck am Stecken haben – in der folgenden Nacht. Die Geister ergreifen erfreut die Chance sich zu rächen und zahlen doppelt & dreifach zurück, was sie im Leben erleiden mussten. Obwohl mit Terror und Mord stark beschäftigt, finden sie nebenbei die Zeit, die Kanus ihrer Opfer zu versenken. Das Quintett ist damit tief im Sumpf gestrandet. Auf Rettung dürfen sie nicht hoffen, sondern höchstens darauf, das nächste Morgengrauen zu erleben. Dies erweist sich als echte Herausforderung, der sich die Anwesenden in keiner Weise gewachsen zeigen …

Blinder Eifer schadet nur – manchmal doppelt

„Low Budget“ allein ist kein Grund, einen Film als unterhaltungsarm auszugrenzen. Manchmal gedeihen die guten, frischen, originellen Ideen gerade dort, wo es kein Geld gibt, das sie ersetzen konnte. Auch „total film maker“ Jose Zambrano Cassella, der sich seine Brötchen normalerweise als Kameramann verdient, verließ sich auf diese Karte – und verlor das Spiel: Er setzte nicht nur seine Geschichte in den Sumpf, sondern reizt dabei auch sein Publikum bis zur Weißglut, sollte es nicht nach einer halben Stunde „Sacred“ in rettenden Schlaf gefallen sein.

Die Story ist dünn, sie könnte aber als Treibriemen für eine spannende Handlung durchaus herhalten. Leider scheint Cassella es ernst mit seinem „Mutter-Erde-rächt-ihre-Kinder“-Garn zu meinen. Damit scheitert er freilich schon in den ersten Filmminuten, wenn seine in einem auf 1709 datierten Prolog auftretenden ‚Indianer‘ auftreten: gutgenährte Statisten spanischer Herkunft, denen eine Kostüm- und Maskenbildner-Truppe, die sonst Kindergeburtstage auszurichten scheint, lachhafte Faschingslumpen überstülpte. Der Illusion von Authentizität wäre eventuell schon geholfen, wenn diese ‚Indianer‘ nicht mit blendendweiß gelaserten Zahnreihen durch den schimmeligen Sumpf springen würden.

Auf diesem Niveau geht es jederzeit weiter. Das Lager schlagen unsere ‚Archäologen‘ deshalb in einem Feriencamp auf, das angeblich 1968 aufgegeben wurde. Seitdem soll niemand mehr hier gewesen sein. Trotzdem stehen die Hütten noch, das Wasser läuft, und ‚Verfall‘ wurde von ebenfalls untalentierten (oder unterbezahlten) Dekorateuren durch das hastige Verspritzen von nasser Blumenerde auf sonst weißen oder anderweitig unbeschädigten Wänden simuliert. Malerisch liegen Äste u. a. ‚Trümmer‘ in den Räumen verteilt, die mit einigen Besenstrichen in vermietungsreifen Zustand versetzt werden könnten.

„Holderdipolter“ ist keine Handlung!

Elend lange dauert es, bis die Story endlich in Fahrt kommt. Schon der erwähnte Prolog ist kontraproduktiv, weil er eine Vorgeschichte auswalzt, die in zwei, drei Sätzen erzählt und abgehakt werden könnte. „Sacred“ wird durch den Prolog keineswegs spannender, zumal  Cassella später in der Handlungsgegenwart wiederholt, was er in der Vergangenheit unklug vorweggenommen hatte.

Ein wenig Abwechslung versucht er in die Abfolge der Heimsuchungen zu bringen. Allerdings verheddert er sich stattdessen endgültig im Lächerlichen. So findet Zach in einem alten Lagerhaus nicht nur Schmalfilmrollen, die 40 Jahre Sumpfklima unbeschadet überstanden, sondern auch einen Projektor, der ebenfalls reibungslos funktioniert. Zach legt den Film ein und sieht die 1968 im Camp gemeuchelte Urlaubergruppe antike Späße treiben, was nahtlos in Aufnahmen übergeht, die ihn und seine Gefährten zeigen, denen in der Gegenwart Unerfreuliches droht. Zach flüchtet verstört – und sagt kein Wort zu den Freunden. Kurz darauf scheint er den Vorfall gänzlich vergessen zu haben und ist das bekannte Arschloch, auf dessen baldigen Abgang der Zuschauer viel zu lange warten muss.

Stumpf und logikarm hoppelt die Handlung weiter. Vorzeichen werden bestaunt aber ignoriert, ständig stapfen die Figuren durch den Sumpfwald. Später sieht man sie auch in der Nacht dort laufen; offenbar hat Cassella viele dieser Szenen gedreht, die er nachträglich nutzen konnte, um sein Werk auf Spielfilmlänge zu bringen. Sinn erkennt man hinter diesen großen und kleinen Fluchten jedenfalls nicht, zumal sie stets dort enden, wo sie begonnen haben.

Wozu hat man Freunde?

Kaum ein Budget, also keine verlockenden Honorare, stattdessen die Sicherheit, in den Sümpfen um Orlando in US-Staat Florida in schweißtreibend-schmutzige Dreharbeiten verwickelt zu werden: Selbstverständlich tritt in „Sacred“ alles andere als die erste Garde amerikanischen Schauspieler auf. Stattdessen sind es wie üblich die Hoffnungsvollen, die Verzweifelten und die Leidensfähigen, die sich vor Cassellas Kamera treiben ließen.

Falls sie über darstellerisches Talent verfügen, können sie es in „Sacred“ nicht an den Tag legen. Die eindimensionalen Reißbrett-Zeichnungen der Figuren ersticken jegliche Aktivitäten in dieser Richtung. Schon die Rollen bieten nur Klischees, die zu allem Überfluss auf denkbar plumpe Art der ‚Charakterisierung‘ dienen sollen. Deshalb muss Ryan Marsico als Zach Kette rauchen, damit man ihn als Spielverderber, geilen Bock und Schurken sogleich erkennt. Jordan Wall ist durch Brille und Deppen-Frisur als Nerd gebrandmarkt. Jessica Blackmore muss vorgeben, die Runenzeichen eines vergessenen Indianerstammes auf Anhieb und fließend entziffern zu können. Lauren Brown ist vor allem blond, hübsch und verliebt, David Mackey das Alpha-Männchen und Objekt der weiblichen Begierde.

Ohne Antwort bleibt die Frage, was unsere fünf Hohlköpfe eigentlich in die Sümpfe führt. ‚Archäologen‘ sind sie ganz bestimmt nicht. Zach ist von Beruf reicher Erbe und keines akademischen oder überhaupt eines Gedankens fähig, Jackie und Pete sieht man in einem Rückblick als junge Ärzte oder Krankenpfleger. Höchstens Jared und Miranda scheinen eine Ahnung von dem zu haben, was Archäologen treiben.

Autor ratlos – Ende offen

Ein Unglückrabe ist der Mensch, der Ambitionen hegt, ohne eine Ahnung zu haben, wie er sie umsetzen kann. „Sacred“ sollte ein etwas anderer Film werden – eher Mystery als Horror. Wenn im US-Film Indianer – politisch korrekt nennt man sie übrigens heutzutage „native americans“ – ins Spiel kommen, wird es in der Regel mystisch (und lächerlich). Die Allgegenwart einer ‚belebten‘ Natur versucht uns Cassella mit ständigen Kamerafahrten durch den vor Leben schier berstenden Sumpf vor Augen zu führen. Diesen Job versteht er, doch schöne Bilder ersetzen keine Handlung oder überzeugende Filmtricks.

Auch in dieser Hinsicht darf der Zuschauer rein gar nichts erwarten. Hin und wieder wird das Urwaldlaub digital und unter Einspielung rumpelnder Geräusche digital verfremdet. Wenn die Geister wüten, kommen erneut die weiter oben bereits entlarvten Maskenbildner ins Spiel. Körperfarben und Make-up fließen reichlich in die Schöpfung nichtsdestotrotz kläglich aussehender Spukgestalten. Dass sie tot sind, belegen sie dadurch, dass sie chronisch dickflüssiges Kunstblut aus ihren Mündern sickern lassen.

Zu allem Überfluss hatte Cassella keine Ahnung, wie er sein Miniaturdrama enden lassen sollte. Er hatte die Wahl zwischen zwei schlechten Möglichkeiten: das geträumte Albtraum-Finale oder die (allerdings nur für das Opfer) überraschende Rückkehr des Bösen nach scheinbar geglückter Flucht. Cassella entschied sich für beides. Also träumt Miranda – selbstverständlich ist es die Langeweilerin, die bis zuletzt überlebt, was der Rezensent nicht als Spoiler betrachtet –, wie der böse Bill sie zurück zum Geister-Lager schleift. Wach wird sie kurz darauf von kichernden Gespensterhänden gepackt. Gesündigt hatte sie übrigens nie, weshalb mit der unschuldigen Miranda auch die Handlungslogik endgültig auf der Strecke bleibt. Wenigstens nimmt das Elend dieses Films damit sein abruptes Ende. Der Ärger des Zuschauers schwelt allerdings noch eine ganze Weile weiter.

DVD-Features

Erwartungen scheint man in Deutschland nicht in „Sacred“ zu setzen. Drei Jahre ließ man sich Zeit, ihn aus einem Sonderangebots-Bündel ähnlich missratener Ramschfilme zu ziehen. „Sacred“ erscheint nur als DVD, und Extras gibt es auch nicht. Nicht einmal eine eigene Website existiert; sie wird kümmerlich ‚ersetzt‘ durch einen müden Myspace-Blog.

[md]

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