Nach ruhigen Jahren rührt sich das böse Geistermädchen Sadako in ihrem Brunnen. Neuerdings im Internet sucht sie nach einem Menschenkörper und wählt den der Lehrerin Akane, die naturgemäß wenig erfreut auf die nun einsetzenden Attacken aus dem Jenseits reagiert … – Was einst unheimlich war, gerinnt in der (lockeren) Fortsetzung zum trashigen Spektakel, für das Sadako als Allerwelts-Dämon verheizt wird: Buh!

Das geschieht:

Der geistig schwer aus dem Lot geratene Internet-Künstler Kiyoshi Kashiwada will sich mit Hilfe aus dem Jenseits an seinen verhassten Kritikern oder noch besser: an allen Menschen rächen. Positiv wirkt sich für ihn der Fund jenes Brunnens aus, in den einst die von übernatürlichen Kräften besessene Sadako Yamamura geworfen wurde. Auch sie will die Menschheit ausrotten, wünscht sich aber vorher einen menschlichen Körper. Fleißig hat Kiyoshi junge Frauen entführt und hinab in den Brunnen geworfen, doch die Richtige war nie darunter. Nun ist Sadako der Geduldsfaden gerissen. Sie mobilisiert ihre Fähigkeit, durch den Äther zu reisen und aus Bildschirmen aller Art zu steigen. Da wir uns in der Gegenwart befinden, produziert Sadako kein verfluchtes Videoband mehr, sondern stellt sich als Clip ins Internet und wartet auf die dumme Jugend, die da kommen und sie finden wird.

Die Lehrerin Akane Ayukawa hält diesen Clip, der sein Publikum in den Selbstmord treiben soll, für einen Mythos. Der bizarre Tod ihrer Schülerin Noriko belehrt sie eines Schlechteren, zumal die übrige Klasse nun noch intensiver nach dem gefährlichen Filmchen fahndet. Auch Detective Koiso kommt die Flut seltsamer Selbstmorde allmählich verdächtig vor. Allerdings verdächtigt er Akane, die sich in der Tat merkwürdig verhält: Sadako persönlich hat ihr zwischenzeitlich mitgeteilt, dass sie in Akanes Körper fahren wird. Seither kriecht sie aus Monitoren, digitalen Werbetafeln und sogar Mobiltelefonen, um ihres Opfers habhaft zu werden.

Allmählich erlahmt Akanes Widerstand, doch dann begeht Sadako einen Fehler: Sie entführt Akanes Freund, den dummen aber netten Takanori, und verschleppt ihn in ihr Geisterreich. Nun geht Akane zum Gegenangriff über. Unterstützung findet sie im inzwischen bekehrten Koiso, der mit Hintergrundinformationen dienen kann. So ist es möglich, den Brunnen – Sadakos Schlupfwinkel – zu lokalisieren. Zudem erinnert sich Akane einer speziellen, seit vielen Jahren verdrängten Fähigkeit, die es ihr ermöglichen könnte, sogar einem Geist Paroli zu bieten …

Zwar neu aber trotzdem ein alter Hut

Als 1998 der Horrorfilm „Ringu“ in die Kinos kam, ahnte niemand, dass hier einer der größten Erfolge der japanischen Filmgeschichte geglückt war. Kritiker und Publikum waren sich einig: „Ringu“ ging wirklich unter die Haut!

Die Produzenten waren glücklich; sie spritzten dem goldenen Kalb Stereotypide, dann klonten sie es. So halten es Produzenten – nicht nur in Japan – stets mit Blockbustern, während Originalität und Mut fest verschlossen im Medizinschrank bleiben. Die forcierte Aufzucht glückte, „Ringu“ brachte ein eigenes Franchise mit Fortsetzungen, einem Prequel und Separat-Verfilmungen in Südkorea und den USA hervor. Hinzu kamen Fernsehserien, Videospiele, Mangas u. a. Ableger.

Wie es üblich ist, gab die von tausend gierigen Händen gemolkene Kuh irgendwann keine Milch mehr: Die zahlende Kundschaft hatte genug von immer neuen aber halbgaren „Ring“-Ablegern. Das Franchise war jedoch zu wertvoll, um es aufzugeben. Es wurde einige Zeit auf Eis gelegt, bis eine neue Publikums-Generation herangewachsen war, um wieder hervorgeholt, abgestaubt und zurück auf den Markt geworfen zu werfen.

Also erzählt man abermals die alte Geschichte. Formal wird renoviert, indem man die Grusel-Atmosphäre fallen lässt und durch Horror-Effekte ersetzt. Zusätzlich wird die „Ring“-Mär als gerade aktueller 3D-Film realisiert. Inhaltlich gibt es dafür zwar keinerlei Anlass aber sicherlich genug schlichte Gemüter, die in ihren Kinosesseln quieken, wenn eine Geisterhand aus der Leinwand nach ihnen greift! (Kein Wunder, dass dieser Effekt mehrfach wiederholt wird.)

Sadako: ein gezähmter Geist

Ansonsten wird höchstens das Medium gewechselt: Sadako spukt jetzt im Internet! Dass dies ihre Präsenz in der multimedial globalisierten Jetzt-Welt enorm steigert, gehört zu den wenigen Einfällen, die in „Sadako 3D“ einflossen sowie glaubhaft visualisiert wurden.

Dies führt freilich direkt zu einer Frage, um deren Antwort sich Regisseur und Drehbuch-Mitautor Tsutomu Hanabusa unklug drückt: Wieso sollte ein Geist, der nunmehr weltweit vernetzt ist, nach einem Menschenkörper gieren? Sadako hat selbst erfahren, dass es von Nachteil ist, angreifbar zu sein; so ist sie schließlich einst in ihrem Brunnen gelandet.

Logik ist freilich keine Tugend, die Hanabusa für filmnotwendig hält. Die Story ist zwar ein roter Faden, der aber keineswegs straff gespannt oder geradlinig verlaufen muss. Stattdessen verknüpft Hanabusa damit locker diverse Action-Szenen, die den Zuschauer etwa alle zehn Minuten aus dem Halbschlaf reißen.

Dazwischen geht es gemächlich sowie asiatisch emotional zu. Der dem Asia-Kino geneigte Zuschauer weiß, was das bedeutet: Gefühle werden zelebriert, bis die Seelenschwarte kracht! Während Sadako durch Abwesenheit glänzt, leidet Akana gar schrecklich unter der Last ihres Wissens, was Darstellerin Satomi Ishihara ausdrückt, indem sie mit stets halb geschlossenen Augenlidern und auch sonst somnambul durch ihre Szenen stolpert sowie stottert oder schweigt, wo ein klares Wort für Hilfe in der Konfusion sorgen könnte.

Geist und Spektakel

Die schwer erträglichen, aus westlicher Sicht schamlos überzogenen Liebesschwüre, Angstattacken oder jene Geister-Ungläubigkeit, die Ryosei Tayama als Detective Koiso wie in Zeitlupe zelebriert, damit noch der letzte Zuschauer begreift, was er begreifen soll, werden durch sicherlich gruselig gemeinten aber missratenen Dämonen-Spuk nicht ausgeglichen. Für das Finale entsteigen Sadakos Brunnen die Zombies ihrer abgelehnten Gastkörper. Rätselhafterweise haben sich ihre Beine in gigantische Heuschrecken-Stelzen verwandelt – keine kluge Entscheidung, da dies für eine glaubhafte Umsetzung Spezialeffekte einer Qualität erfordert hätte, die im Budget sichtlich nicht vorgesehen waren.

Immerhin ist es Akane, die in diesem Finale ihren Freund Takanori retten muss. Üblicherweise wäre es umgekehrt, aber die (Film-) Welt kommt wieder in Ordnung, wenn letztlich doch Takanori dafür sorgt, dass Sadako zurück in ihren Brunnen muss.

Optisch weiß „Sadako 3D“ jenseits der Spezialeffekte durchaus Schauwerte zu bilden. Kamera: Nobushige Fujimoto arbeitet gern und gut mit Farben und Schatten. Mehrfach fallen erstaunlich sorgfältig konzipierte Kulissen auf, die der Grundstimmung der hier spielenden Szenen Rechnung tragen. So wird Akanes Isolation dadurch unterstrichen, dass Hanabusa sie in große, menschenleere Räume stellt, die normalerweise vor Menschen wimmeln.

Erfolg ist, wenn es trotzdem klappt

„Sadako 3D“ ist trotz aller künstlich verbreiteten Hektik ein monotoner Film. Die Darsteller bleiben farblos bzw. gehen in ihren Rollen auf, bis sie in ihnen verschwinden und – s. o. – zu lächerlichen Stereotypen degenerieren. Darüber hinaus wird die Auflösung dem zuvor getriebenen Aufwand in keiner Weise gerecht. Die allgegenwärtige, übermächtige Sadako kann vertrieben werden, indem Takanori Akanes Handy zertrümmert. Da zuvor Monitore aller Arten und Größen ohne diese Folge zerschlagen wurden, fragt sich der Zuschauer, worin die Macht dieses Mobiltelefon begründet sein mag.

Dass Akane selbst über außergewöhnliche Kräfte verfügt, spielt im Duell gegen Sadako keine Rolle: Gerade noch hat sie ihre ‚böse Stimme‘ erschallen und die Heuschrecken-Zombies zu digitalem Staub zerfallen lassen, da zappelt sie hilflos in Sadakos Griff und hält den Mund, da dieser Kampf sonst schnell zu Ende wäre. Doch der Held oder die Heldin muss im Asia-Kino erst kräftig einstecken und sich am besten blutspuckend auf dem Boden wälzen, bevor sie sich aufrappelt und dem Gegner wider alle Logik das Fell gerbt. Faktisch endet die Handlung ohnehin offen bzw. mit einer den Endtiteln eingeschnittenen Sequenz, die unmissverständlich ankündigt, was  bereits 2013 Realität wurde: „Sadako 3D 2“. Film ist halt wie Quark: Er lässt sich problemlos breittreten.

Anmerkung

Erstaunlicherweise basiert „Sadako 3D“ auf einem Roman des Schriftstellers Kôji Suzuki, der 1991 den „Ring“-Horror literarisch ins Leben rief. Er hatte ihn mehrfach fortgesetzt und kehrte 2012 mit „S“ zu ihm zurück. Dieser Roman wurde zur Vorlage für „Sadako 3D“. Er ist bisher nicht aus dem Japanischen übersetzt worden, sodass schwer nachzuprüfen ist, inwieweit Suzuki selbst für die stimmungstötenden Bocksprünge der Handlung verantwortlich ist. Ebenfalls offen bleibt die Frage, ob und wo „Sadako“ im Gesamt-Mythos verankert ist, der seit „Rupu“ (1998; ‚dt.‘ „Loop“) und der Aufdeckung einer digitalen Parallelwelt zumindest buchstäblich eine neue Dimension erreicht hat und entsprechende Anknüpfungsmöglichkeiten bieten könnte.

DVD-Features

Wo sich der Zuschauer Aufklärung über die nicht unkomplizierte „Ring“-Vorgeschichte wünschen würde, wird er mit dem Filmtrailer abgespeist.

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Sadako – Ring Originals
Originaltitel: Ring Originals – Sadako 3D (Japan 2012)
Regie: Tsutomu Hanabusa
Drehbuch: Yoshinobu Fujioka u. Tsutomu Hanabusa (nach einem Roman von Kôji Suzuki)
Kamera: Nobushige Fujimoto
Musik: Kenji Kawai
Darsteller: Satomi Ishihara (Akane Ayukawa), Koji Seto (Takanori Ando), Yusuke Yamamoto (Seiji Kashiwada), Ryosei Tayama (Detective Yugo Koiso), Ai Hashimoto (Sadako Yamamura) uva.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 27.08.2013
EAN: 4048317344543 (DVD)/4048317544547 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Japanisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 96 min.)
FSK: 16

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The Victim – Ins Dunkel des Jenseits

The Forest – Verlass nie den Weg

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