Sanctuary – Wächter der Kreaturen

Staffel 1

Originaltitel: Sanctuary
Kanada (2007/2008)
Originalsprache: Englisch

Episodenlänge: jeweils ca. 42 Minuten
Gesamtspieldauer: 562 Minuten
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 5
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Erscheinungstermin: 4. August 2010
Produktionsjahr: 2009

Erstausstrahlung: 3. Oktober 2008 auf Syfy
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 2. Januar 2010 auf ATV

Regisseur: Martin Wood
Darsteller: Amanda Tapping, Robin Dunne, Emilie Ullerup, Christopher Heyerdahl, Ryan Robbins, Agam Darshi

http://www.sanctuaryforall.com/

Anfangs als Webisodes für das Internet produziert, zog der dortige Erfolg die Serie „Sanctuary“ auf den TV-Bildschirm, um den Erfolg dort zu wiederholen. 2008 mit größerem Budget gedreht, erscheint die erste Staffel von „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ August 2010 endlich auch auf DVD. Dabei basieren der Pilotfilm und die erste Episode der Serie auf einen Zusammenschnitt der kurzen Webisodes, die als Bonusmaterial der Staffel beigefügt wurden.

Bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ dreht sich alles um das sogenannte Sanctuary, einer weltweiten Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die Welt vor Abnormen zu beschützen und die Abnormen vor der Welt. Abnorme, das sind Kreaturen, die von normalen Menschen als Monster bezeichnet würden.

Gründerin des Sanctuary ist Doktor Helen Magnus (Amanda Tapping), die ihrer eigenen Vorgeschichte wegen eine starke Verbindung zu den Abnormen hat. Sie, ihre Tochter Ashley (Emilie Ullerup), Protegé Will Zimmerman (Robin Dunne), Techniker Henry Foss (Ryan Robbins) und der hauseigene Bigfoot-Butler (Christopher Heyerdahl) bilden dabei ein unschlagbares Team im Sanctuary-Stammhaus.

Amanda Tapping ist in „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ vor und hinter der Kamera Dreh- und Angelpunkt der Serie. Sie gehört mit zum Produktionsstab, ist die bekannteste Darstellerin und ihre Figur bildet gleichzeitig auch den Mittelpunkt der Hintergrundgeschichte.

Tapping, vor allen bekannt aus und durch „Stargate SG1“ und sämtlichen bisherigen Ablegern dieser Serie, kommt langsam in die Jahre (geboren 1965). Noch immer attraktiv und nun mit brünetten Haaren, überlässt sie das Feld der jugendlichen Heldin jedoch Emilie Ullerup und widmet sich einer gestandenen Charakterauslegung. Die ernsten Gespräche, philosophische Betrachtungen und alten Freunde fallen nun ihr zu. Sie führt jetzt die Herde der jungen Wilden an. Dank guter Maske, blonder Frisur und jugendlichem Aussehen, kann Tapping innerhalb der Serie sogar Ausflüge in Jugendjahre unternehmen, ohne dabei deplatziert und künstlich verjüngt zu wirken. Dabei ist die Figur der Helen Magnus so angelegt, dass auch Kampfsequenzen und historische Einblendungen nachvollziehbar sind.

Überhaupt spielt die Historie eine Schlüsselrolle in der Serie. In der Vergangenheit liegt die Antwort auf viele der Fragen, die aufgeworfen werden. Dabei wird sehr schnell deutlich, dass alle Bewohner des Sanctuary ihre kleinen Geheimnisse haben. So ist es nur wenig verwunderlich, dass Jack the Ripper und Doctor Watson auftauchen und Helen Magnus (die in der Serie weitgehend nur mit ihrem Nachnamen angesprochen wird) mit einem Vampir gut befreundet ist. Die Handlung bietet einige Überraschungen, hat aber trotz aller Möglichkeiten ihre Längen.

Als Webisodes konnte „Sanctuary“ auf ganzer Linie überzeugen. Auf den Internetbenutzer abgestimmt und zu einem kleinen Preis, war die Qualität der Geschichte hervorragend. Der Sprung zur echten TV-Serie ist leider etwas zu kurz geraten. Die Handlung muss immerhin gestreckt, unterfüttert und angepasst werden. Eine Staffel „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ umfasst ganze dreizehn Episoden – die Webisodes reichten nur für drei Vollepisoden aus.

Somit wurde Helen Magnus‘ Liebhaber John Druitt (Christopher Heyerdahl) viel Platz eingeräumt, eine mysteriöse Organisation namens „Die Verbindung“ eingebaut und gab es einige Änderungen in der übergreifenden Geschichte. Und das ist stellenweise deutlich zu spüren, da Wendungen und Handlungsverläufe manchmal an Schlüssigkeit vermissen lassen. Zum Ende hin (vor allem im Finale) gelingt es Regisseur Martin Wood zwar die Fäden ordentlich zusammenzuführen und die Geschichte in geordnete Bahnen zu bringen, doch bis dahin ist es manchmal nur ein steter Mischmasch aus Charakteranalyse und handlungsgetriebener Story. Während die Webisodes im Gleichgewicht waren, sucht die TV-Serie episodenweise noch ihre Balance.

Das mag unter anderem auch daran liegen, dass sich „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ an bekannten und erfolgreichen Formaten orientiert. Pate standen hier eindeutig das britische „Torchwood“ und das amerikanische „Supernatural“. Leider mangelt es „Sanctuary“ am Charme der Briten und der Härte der Amerikaner. Um bei bekannten Serien zu bleiben, so sei noch gesagt, das einige der Gastauftritte ebenfalls bekannt sein dürften. Bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ handelt es sich um eine kanadische Produktion und – für TV-Mystery-Serien-Fans sicherlich eine gelungene Sache – somit haben einige Darsteller der Serie „Highlander“ ihren Weg in die Sanctuary-Produktion gefunden. Die Serie „Highlander“ war mit mehr als einhundert Episoden in den Neunzigerjahren ziemlich erfolgreich und eine franko-kanadische Produktion.

Allgemein sind sämtliche Darsteller bekannte Gesichter, meist jedoch aus der Serienlandschaft. Nur wenige haben den Sprung auf die große Leinwand geschafft und meistens nur in billigen Produktionen oder in einer Nebenrolle. Aktuell dürfte vor allem Christopher Heyerdahl bekannt sein, der in der „Twilight Saga“ Marcus Volturi gibt. Er bildet neben Amanda Tapping das zweite Schwergewicht in der Serie und – aufmerksame Leser werden es schon bemerkt haben – spielt in „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ zwei Rollen. Zum Einen ist er der bösartige John, zum Anderen auch der Bigfoot-Butler des Anwesens. Beides sind anspruchsvolle Rollen, sehr unterschiedlich angelegt und jedes Mal bravourös gespielt. Einzig störend ist die plötzliche Wendung im Charakter des John, was aber schlussendlich durch die Umwandlung als TV-Serie bedingt ist.

Zusammengenommen bilden Handlung und Rollen ein rundes Gesamtpaket, in dem auch Darsteller wie Robin Dunne, Emilie Ullerup und Ryan Robbins halbwegs überzeugen. Zwar bekommen die drei des öfteren Zeit zugewiesen um ihre Charaktere auszubauen, aber noch misslingt es ihnen sich gegen die stark agierenden und sehr dominanten Tapping und Heyerdahl durchzusetzen. Ullerup wirkt mit ihren speckigen Hüften, den Pausbäckchen und der langen, dicken Knarre unfreiwillig komisch statt erotisch (wobei die jugendliche Zielgruppe sicherlich gefallen am Teenagerstyle Ashleys findet). Dunnes Zimmerman bekommt erst ab der zweiten Hälfte mehr Kraft und Robbins Waffen- und IT-Experte Henry bleibt – trotz aller offensichtlichen Bemühungen der Macher – blass.

Was bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ besonders auffällt, ist der starke Einsatz von CGI-Effekten. Es gibt kaum eine Szene in der darauf verzichtet wurde. Leider wurde auch auf das nötige Kleingeld verzichtet, um die Effekte glaubhaft darzustellen. Da die ganze Serie mit der neuen RED-Kameratechnik gedreht wurde (ein hervorragendes Verfahren zum digitalen Aufzeichnen), wird das auch sehr deutlich und in brillanter Schärfe gezeigt. So wirken etliche Einstellungen (wie die Außenansicht des Sanctuary) steril und künstlich, viele Animationen billig. Andererseits gibt es auch sehr viele gelungene Animationen, tolle und organisch wirkende Hintergründe und Einstellungen, in denen die CGI-Effekte verborgen bleiben. Dadurch entsteht eine sehr eigenwillige Mischung, die im Endeffekt für eine durchschnittliche Tricktechnik sorgt.

Die Musik ist dagegen sehr gut und stets passend ausgewählt. Sie transportiert schön die düstere und geheimnisvolle Stimmung, zieht bei der Action an und hat auch ihre ruhigen Augenblicke. Das gefällt sehr gut. Gleiches gilt für die Synchronisation der Serie. Auch hier wurde sich viel Mühe gegeben und kommt Amanda Tapping mit ihrer gewohnten deutschen Stimme daher. Großes Lob geht an den Sprecher von Christopher Heyerdahl, der seine Arbeit sehr gut und mit hörbarer Spielfreude macht.

Zusammengenommen handelt es sich bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ um eine Serie mit viel Potenzial nach oben. Die Ursprünge als Webisodes sind offensichtlich und so wirkt die erste Staffel der Serie recht durchwachsen. Das gelungene Finale macht jedoch Lust auf mehr und lässt erahnen, dass die Produktion und Regie die Serie auf eine gute TV-Linie bringen wollen. „Sanctuary – Wächter der Kreaturen – Staffel 1“ gewinnt in den letzten Folgen an Tempo weiß sehr gut zu unterhalten.

Die Präsentation der Box ist gelungen. Düster und mit allen wichtigen Darstellern versehen. Leider wird die schicke Box von einem unschönen FSK-Aufdruck verunstaltet. Bild und Ton sind hervorragend, als Sprachen liegen die deutsche und englische Tonspur vor.

Das Bonusmaterial ist eher dürftig und besteht weitgehend aus kurzen Featurettes, die einfach nur billige Promotion sind und keinen echten Mehrwert besitzen. Einzig die Webisodes wissen zu überzeugen. Alle acht Folgen sind vorhanden, leider nur auf Englisch. Aber das macht der Sache keinen großen Abbruch und vermittelt ein Bild davon, wie die Serie eigentlich aussah und aufgebaut war. Das ist ein spannender Blick hinter die Kulissen

Die Serie hat leider ihre Schwächen, aber auch Stärken. Somit ist die Box zur ersten Staffel von „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ durchaus als gutes Mittelmaß zu bezeichnen.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

DVD erhältlich bei Libri.de