Savaged

Originaltitel: Savaged (USA 2013)
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt: Michael S. Ojeda
Musik: César Benito
Darsteller: Amanda Adrienne (Zoe), Marc Anthony Samuel (Dane), Tom Ardavany (West), Ronnie Gene Blevins (Jed), Brionne Davis (Cody), Ed Fletcher (Roddy), Jason Gurvitz (Will), Dan Kiefer (Goat), Daniel Knight (Sheriff Holt), John Charles Meyer (Creed), Kyle Morris (Skeeter), Joseph Runningfox (Grauer Wolf), Rodney Rowland (Trey), Joshua Wright (Barkeeper) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 15.04.2014
EAN: 7613059804869 (DVD/gekürzt)/7613059704862 (DVD/uncut)/7613059404861 (Blu-ray-/gekürzt)/7613059504868 (Blu-ray/uncut)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min. (DVD/gekürzt); 91 min. (DVD/uncut)/(Blu-ray/gekürzt; 94 min./Blu-ray/uncut: 95 min.)
FSK: 18 (gekürzte Fassung) bzw. SPIO/JK (uncut)

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Das geschieht:

Zoe ist jung, hübsch und taubstumm. Gerade hat sie beschlossen, mit ihrem Freund Dane im fernen New Mexico ein neues Leben zu beginnen. Die Reise wird Zoe mit dem Automobil antreten, denn sie möchte das Land sehen. Damit Dane sich nicht sorgt, schickt sie ihm per Handy ständig Fotos von unterwegs.

Vor allem die Wüste des südwestlichen US-Staates hat es Zoe angetan. Dort wird ihr in gesetzesferner Einsamkeit ein Zwischenstopp zur Verhängnis. Irre Rednecks setzen den Krieg gegen die Indianer fort, den ein berüchtigter Vorfahre einst begonnen hat. Zoe wird Zeugin, wie die Halunken zwei Apachen jagen und niedermetzeln. Als unerwünschte aber – s. o. – hübsche Zeugin wird sie entführt und in den Unterschlupf des Lumpenpacks verschleppt, wo man sie foltert und schändet. Zu schlechter Letzt wird Zoe von Ober-Strolch West erstochen und in der Wüste verscharrt.

Dort findet sie der Schamane Grauer Wolf. Er setzt seine Magie ein, um die junge Frau wiederzubeleben. Darauf hat der Geist eines Kriegerhäuptlings, der vor einem Jahrhundert vom Redneck-Opa umgebracht wurde, nur gewartet, und fährt in Zoes Körper. Dieser gewinnt dabei zwar übermenschliche Kräfte und sogar das Gehör zurück, beginnt aber rasch zu zerfallen.

Inzwischen hat Dane aufgrund der Handy-Fotos Zoes letzten bekannten Aufenthaltsort recherchiert und sich auf den Weg dorthin gemacht. Inzwischen ist der Rachefeldzug der besessenen Zoe mächtig angelaufen. Möglichst blutig versucht der Häuptling seine und ihre Mörder zur Strecke bringen. Obwohl rednecktypisch von geringer Intelligenz, bleibt den Schurken nicht lange verborgen, wer oder was ihnen ans Leben will. Da Zoe tot und damit kugelfest ist, schnappen sie sich Dane. Er wird als Köder im Inneren einer sorgfältig präparierten Falle präsentiert. Weitere Hinterwäldler-Unholde stoßen als Verstärkung zur Mörder-Truppe, die nicht lange warten müssen: Zoe kommt – und lässt es richtig schmerzhaft krachen …

Blutige Selbstjustiz als Unterhaltung

Seit es den Film gibt, existieren Genres, die nicht Kritiker oder gar Moralisten, sondern primär bis ausschließlich ein Bauch-Publikum bedienen, das nach möglichst drastischen Schauwerten giert. Wie man sich denken kann, spielt sich dieses „Exploitation“-Kino zwischen den Eckpfeilern Gewalt und Sex ab. Wenn letzterer die Oberhand behält, spricht der Fachmann auch von „Sexploitation“, wobei die Gewalt keineswegs in den Hintergrund tritt.

Diese Form der Unterhaltung muss wenigstens notdürftig bemäntelt werden, um dem erwähnten Publikum das schlechte Gewissen zu nehmen: Wer gibt schon gern zu, von Folter & (nacktem) Fleisch angetörnt zu werden? Also gibt es die Faustregel, dass Filme wie „Savaged“ in ihrem ersten Drittel mindestens eine hübsche Frau zeigen, die von vertierten Strolchen gepackt und geschunden wird, was entsprechend drastisch bebildert ist. Irgendwann gelingt dem Opfer die Flucht. Statt die Flucht zu ergreifen, dreht es den Spieß um und wird zum Jäger. Die verbleibenden zwei Filmdrittel sieht man die zur Jägerin mutierte Heldin, die ihre Peiniger mindestens ebenso brutal zu Tode bringt, wie es bei ihr versucht wurde.

„Rape’n’Revenge“ nennt sich dieses Genre, das keine besonderen Abweichungen vom beschriebenen Mini-Plot kennt oder benötigt, denn die Fans wissen, was sie erwartet, und sie wollen es sehen. In den 1970er und 1980er Jahren entstanden einige wirklich hässliche Streifen, bevor die Zensur dem für einige Zeit vor allem hierzulande einen Riegel vorschob. Wirklich verschwunden ist „Rape’n’Revenge“ natürlich niemals, da entsprechende Schaugelüste weiterhin präsent geblieben sind.

Vorsichtig wagt das Genre sich seit einiger Zeit wieder aus seiner Nische. Von puristischen Fans, die den Schritt in den Mainstream fürchten, argwöhnisch betrachtet, wurden einige ‚Klassiker‘ neu und durchaus erfolgreich verfilmt. Sie tragen Titel wie „The Last House on the Left“ oder „I Spit on Your Grave“ und werden von Pädagogen, Tugendbolden und Zensoren erneut allzu ernstgenommen und intensiv gehasst: Gewalt als unterhaltsamer Selbstzweck gilt als böse weil verrohend; sie übt außerdem eine Sogwirkung auf ihre triebstarke aber intellektschwache Zuschauerschaft aus, die umgehend in Scharen darangeht, das auf der Leinwand oder dem Bildschirm Gezeigte lustvoll in grausige Taten umzusetzen. (Dass es auch einen gänzlich anderen Ansatz gibt, belegt Julia Reifenberger in ihrem Buch „Girls with Guns“. Dort beschäftigt sie sich u. a. mit der Frage, ob das „Rape’n’Revenge“-Genre womöglich „radikalfeministische Ermächtigungsfantasien“ erfüllt. Darauf einzugehen wäre sicher interessant, doch es würde den Rahmen dieses Textes sprengen.)

Neuer Ansatz für ein altes Genre?

Michael Ojeda schrieb nach eigener Auskunft mehrere Jahre an seinem Spielfilm-Debüt. In dieser Zeit verdiente er seinen Lebensunterhalt als Kameramann, Cutter und Regisseur zahlreicher TV-‚Dokumentationen‘ (darunter 2012: „The Man with the 200lb Tumor“). Die dabei erworbene Fähigkeit, Stroh (bzw. Mist) wie Gold aussehen zu lassen, kam ihm zugute, als er mit einem bescheidenen Budget daran gehen konnte, „Savaged“ zu drehen. Ojeda wurde zum „total film maker“, der seinen Kino-Erstling schrieb, inszenierte, hinter der Kamera stand sowie das Ergebnis schnitt.

„Savaged“ bekräftigt das alte Sprichwort, nach dem getretener Quark vor allem breit aber nicht stark wird. Der Ehrgeiz seines Schöpfers ist sichtbar und drängt sich allzu oft in den Vordergrund: Ojeda schwebte nichts Geringeres als ein „Rape’n’Revenge“-Movie vor, das die üblichen Inhalte bietet, ohne in die schlüpfrigen Untiefen des „Torture Porns“ abzurutschen. Diese Herausforderung hätte selbst einen besseren Filmemacher überfordert; womöglich ist sie der Quadratur des Kreises vergleichbar: Wie sollte ein Film funktionieren, der die integralen Elemente seines Genres ignoriert?

Zwar nimmt man erleichtert zur Kenntnis, dass Ojeda die übliche Erniedrigung der Heldin nur andeutet. Stattdessen konzentriert er sich auf die Verfolgung der Übeltäter, die unter Würdigung des „Revenge“-Aspektes hübsch hässlich sowie bildkräftig aufgespießt, ausgeweidet oder geköpft werden. Andererseits entfällt mit dem „Rape“ die Möglichkeit, den Zorn der Rächerin unmittelbar nachzuvollziehen. Außerdem fällt es schwer, Bösewichte zu hassen, die über ihre sexuellen Schandtaten vor allem lauthals prahlen (und dabei wenig überzeugend wirken).

Vieles gewollt aber nichts wirklich erreicht

So beschränkt sich „Savaged“ auf eine Nummernrevue exotischer Morde, denen ein dramaturgischer Unterbau fehlt. Dabei hat sich Ojeda in dieser Hinsicht besonders stark ins Zeug gelegt: „Savaged“ soll auch die tragische Liebesgeschichte von Zoe und Dane sein. Er sucht sie, die sich in einen Zombie verwandelt, weshalb ein Happy-End ausgeschlossen ist.

Dabei lieben sich die beiden doch so sehr! Damit uns Zuschauern das keinesfalls verborgen bleibt, lässt Ojeda grausige Schmalzmusik dudeln, wenn seine beiden Hauptdarsteller sich mühen, besagte Tragik umzusetzen. Dabei lässt Ojeda keinerlei Gespür für diesen Aspekt der Handlung erkennen. Zwar hat er einen interessanten Ansatz: In „Savaged“ ist bald nicht mehr Zoe das hilflose Opfer. Stattdessen muss Dane gerettet werden. Der Zuschauer wünscht sich allerdings sehnlich, dass Zottelbart West auch ihm sein Riesenmesser in den Leib stößt: Dane ist ein weinerlicher Gutmensch, dessen einziges Talent das Nervensägen darstellt.

Lächerlich gerät auch Ojedas Flirt mit der ‚indianischen‘ Mythologie. Er hat diesbezüglich offenbar ausschließlich in uralten TV-Western recherchiert. Die Indianer sind nur Katalysatoren für zuschauerliche Empörung; Ojeda besetzt einfach eine in die Region passende ethnische Minderheit als kollektives Verfolgungsobjekt. Genauso wirken seine ‚Apachen‘ auch, und es wird garantiert nicht dadurch besser, dass Ojeda Joseph Runningfox als „Grauer Wolf“ unter stampfender Trommelbegleitung ungelenke ‚Zaubertänze“ zelebrieren lässt.

Das Klischee ist König

Ein Film wie „Savaged“ steht und fällt mit den Figuren: Die Schurken muss man hassen, der Rächerin zujubeln können. Beides fällt hier schwer. West sieht aus wie ein jüngerer Danny Trejo, den er auch sonst weniger imitiert als (unfreiwillig) parodiert. Die übrigen Rednecks geben sich alle Mühe, degeneriert, gemein und böse zu wirken. Stattdessen wirken sie wie der TV-Serie „Sons of Anarchy“ entsprungen.

Auf Amanda Adrienne trifft eine oft zitierte Binsenweisheit zu: Sie ist einfach zu hübsch und zu zart oder besser: zu fragil, um baumlange Kerls wie Ratten im Genick zu packen und durch die Luft zu wirbeln. Kein Wunder, dass Zoe ihre ramponierten Gliedmaßen mit glücklicherweise bereitliegendem Panzerband reparieren und verstärken muss!

Oder hätte sie Ojeda anfänglich besser nicht verzückt durch die Wüste tanzen lassen sollen? In ihrem pokurzen Sommerkleidchen wirkt Zoe wie ein Schmetterling. Die Evolution zur stahlharten Zombie-Kriegerin wirkt auch wegen des bescheidenen Make-ups wenig überzeugend: Körperlicher Zerfall wird kaum glaubhaft, wenn die Mimin höchstens mit einer Schicht grauen Bröckellehms überzogen wird. Leuchtet dann aus dem schmutz- und blutverschmierten Gesicht ein makelloses und blendendweißes US-Gebiss, löst sich die Illusion erst recht auf.

Da das Budget knapp war, fallen die wenigen digitalen Spezialeffekte schwach aus. Sie lassen sich als solche jederzeit erkennen. Auch sonst war der Produktions-Sparstrumpf eher eine Socke: Ojeda drehte „Savaged“ vollständig mit einer digitalen Kamera. Das gab ihm die Möglichkeit, das Bild nachträglich nach Wunsch zu verändern – leider, denn offenkundig ging der Spieltrieb mit ihm durch. Farben werden verfälscht, Kontraste übertrieben, Schärfen missachtet. Das soll Filmkunst sein, trägt aber nur zu der Schlussfolgerung bei, dass „Savaged“ halbgar zwischen „Rape“ und „Revenge“ hängengeblieben ist.

Anmerkung

Obwohl in Deutschland Klage, Verbot und Beschlagnahmung drohen, beschloss das Label lobenswerterweise, „Savaged“ ungeschnitten in den Verleih sowie in den Handel zu bringen. Dafür existiert die Reihe „Cinema Extreme“.

Sollte diese Fassung auf die schwarze Liste der (nur nominell nicht mehr existierenden) Zensur geraten, hat das Label – dem ein vollständiges Verschwinden des Titels finanzielle Verluste eintrüge – eine „FSK-18“-Version anfertigen lassen, die etwa eine Minute (eigentlich gar nicht extremer) Gewalteffekte entbehrt.

‚Verbotene‘ Filme dürfen zwar verliehen oder verkauft aber nicht beworben oder besprochen werden. Deshalb wird hier auf die beschlagnahmefeste „FSK-18“-Fassung verwiesen und die ungekürzte „SPIO/JK“-Version nur vorsichtig erwähnt. (Als Rezensent lernt man hierzulande, mit der Schere im Kopf zu schreiben.)

DVD-Features

Wieder einmal täuscht der Menüpunkt „Extras“ eine Fülle vor, die sich bei näherer Sichtung verflüchtigt. Zehn Minuten währt ein (nur deutsch untertiteltes) „Making-of“, in dem die Belanglosigkeit der Aussagen deprimiert. Heiter stimmt höchstens die Behauptung, Amanda Adrienne habe „Monate“ in die Vorbereitung auf ihre Rolle investiert, intensiv Kampftechniken studiert sowie gelernt, Taubstummheit zu mimen.

Um sie auf ihr Realisierungspotenzial zu überprüfen, werden vor allem Action-Szenen zeichnerisch auf einem „Storyboad“ vorabinszeniert. Vier Ausschnitte geben Einblick in diese Praxis, wo ein Beispiel völlig ausreichen würde.

Etwas über zehn Minuten laufen drei Szenen, die zwar gedreht wurden, es aber nicht in den fertigen Film schafften. Der Zuschauer kann zu dieser Entscheidung in jedem Fall gratulieren.

Kurzinfo für Ungeduldige: Rednecks entführen, foltern etc. eine hübsche Frau und lassen sie scheinbar tot in der Wüste liegen; ein indianischer Schamane ruft sie ins Leben zurück, weckt dabei jedoch den Geist eines Kriegers, der in den weiblichen Körper schlüpft und das Lumpenpack auszurotten beginnt … – Kuriose, unausgegorene Mischung aus „Rape’n’Revenge“-Splatter und tragischer Liebesgeschichte; fehlbesetzt, finanziell sichtbar schwach auf der Brust und aufgrund pathetischen Bierernstes nicht einmal als Trash gelungen.

[md]

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