Scouts vs Zombies

Drei Pfadfinder-Freunde geraten in eine Zombie-Apokalypse und müssen ihr Nerd-Wissen modifizieren, um sich und einige schöne Frauen vor den allgegenwärtigen & hungrigen Untoten zu retten … – Keineswegs das lautstark angepriesene Trash-Gag-Feuerwerk, sondern eine altmodische Horror-Komödie, die zwischen manchmal zündenden Witzen mit Leerlauf und – schlimmer – die Beschwörung klassischer ‚Werte‘ ärgert: je nach Standpunkt des Betrachter besser oder schlimmer als gedacht.

Das geschieht:

Ben, Carter und Augie sind Freunde seit Kindestagen und beinahe ebenso lange Mitglieder der örtlichen Pfadfinder-Gruppe. Was früher für großes Vergnügen sorgte, hat für Ben und vor allem für Carter an Reiz verloren, denn Pfadfinder gelten nicht nur wegen ihrer kurzen Hosen in angesagten Teenie-Kreisen als Witzfiguren. Diesem Urteil schließen sich die meisten Mädchen an, was den triebstaugeschädigten Freunde den Rest gibt: Ben und Carter wollen die Pfadfinderei aufgeben.

Davon soll der naive Augie, der weiterhin in den Ritualen der Gruppe aufgeht, nichts merken. Deshalb schweigen Ben und Carter, als sie unverhofft von Highschool-Hengst Jeff auf eine coole Party eingeladen werden. Ein geplantes Camping zu Augies Ehren dient ihnen als Vorwand: In der Nacht wollen sie sich davonschleichen. Doch Augie ertappt sie und bricht mit den Freunden, die sich schlechten Gewissens doch weiterhin geil auf den Weg zur Party machen.

Unbemerkt hat sich ein experimenteller Virus aus einem nahen Geheimlabor befreit. Er verwandelt seine Opfer in menschenfressende Untote, deren Biss für eine Verbreitung der Seuche sorgt. Die kleine Heimatstadt der Freunde wurde inzwischen so gut wie möglich vom Militär umstellt, und die Bürger werden evakuiert.

Von der Party haben die Verantwortlichen jedoch keine Ahnung. Da die liebliche Kendall – Carters Schwester und Bens heimlicher Schwarm – ebenfalls dort feiert, will das Pfadfinder-Trio – Augie ist umständehalber wieder mit dabei – sie retten. Eile ist nötig, denn in zwei Stunden soll die zombieverseuchte Stadt bombardiert werden. Zu den chaotischen Freunden stößt die taffe Stripperin Denise, die mit ihrer Schrotflinte die Untoten auf Abstand hält. Allmählich lernen unsere Scouts dazu. Ein Besuch im Baumarkt rüstet sie auf für die finale Schlacht gegen die Zombies, die ebenfalls Wind von der Party bekommen haben …

Humor ist …?

Es ist gar nicht so einfach, Menschen in großen Gruppen zum Lachen zu bringen. Im Einzelfall fällt es leichter, weil Komik auf das Individuum zugeschnitten werden kann. Ansonsten amüsieren sich Menschen aus unterschiedlichen Anlässen. Worüber sich der eine vor Lachen krümmt, lässt den anderen angewidert die Lippen kräuseln. Für Filmproduzenten resultiert daraus ein Problem: Ihre Ware soll ein möglichst großes Publikum finden, denn nur das sorgt für den gewünschten Profit. Risikofreude ist keine Eigenschaft, die besagte Produzenten auszeichnet. Sie sind deshalb seit jeher auf der Suche nach dem größten gemeinsamen Nenner und damit nach Witzen, die hoffentlich jede/r komisch findet.

„Subtil“ ist zumindest im Mainstream-Kino ein Prädikat, das dabei quasi automatisch unter den Tisch fällt. Favorisiert wird Brou-har-har-Klamauk, der anspruchsarm und derb zugleich sein Publikum auf keinen Fall überfordern soll. In der Stummfilm-Ära bedeutete dies, dass auf der Leinwand jemand die Hose verlor oder eine Torte ins Gesicht geworfen bekam. Viele Jahrzehnte später hat diese ‚Qualität‘ nur bezüglich der Schärfe des ulkbedingten Regelverstoßes eine Steigerung erfahren: Deshalb kann sich beispielsweise Pfadfinder Ben vor dem Sturz aus einem Fenster nur bewahren, indem er den Penis eines Zombies erst ergreift und ihn anschließend wie ein Gummiband dehnt, weil die Schwerkraft dennoch an ihm zerrt.

Um die Grobschlächtigkeit solcher Gags zu verschleiern, werden sie marketingtechnisch als „Trash“ verkauft. Dies atmet zudem den Geist einer Anarchie, die sich nicht an Sitten oder gar Gesetze hält und deshalb vor allem für jüngere Generationen attraktiv wirkt: Was den Eltern und anderen, erst recht nicht geliebten Respektspersonen missfällt, muss automatisch gut sein. Dass ihnen zynische Geschäftemacher das Geld aus der Tasche ziehen wollen, müssen diese Zuschauer erst auf die harte Tour erfahren.

Angst vor der Courage

„Scouts vs. Zombies“ ist ein Paradebeispiel für solche Machenschaften. Der Titel suggeriert eine absurde Ausgangssituation, die bereits für Aufmerksamkeit sorgen und die Hoffnung auf besonders bizarren Spaß schüren soll. „Sharknado“, „Zombiber“ oder „Piranha 3D“ haben den Boden für derartigen Nonsens-Trash bereitet, der sich nun in immer neuen bzw. leicht variierten Kopien über ein entsprechend gepoltes Publikum ergießt.

Dahinter stecken jedoch uralte Klischees und billige Vorurteile, deren Verursacher jedoch – auch hier ist „Scouts vs. Zombies“ traurig exemplarisch – nie den Mumm aufzubringen, einen Gag bis zum versprochenen Exzess durchzuziehen, sondern feige abbrechen, um ja niemanden zu verärgern. In unserem Fall bedeutet dies, dass sich die anfänglich als Nerds und Loser verhohnepiepelten Pfadfinder im Laufe des Geschehens zu Helden und Vorbildern mausern.

Diese Wendung verrät bereits, dass „Scouts vs. Zombies“ keineswegs ungezügelten Spaß zu bieten hat, der bekanntlich auch kritisch und böse sein kann. Manchmal lassen sich entsprechende Vorstöße erkennen, doch umgehend fällt die Handlung in infantile Harmlosigkeit zurück. „Bissigkeit“ bedeutet hier, dass ein weiblicher Rentner-Zombie erst die falschen Zähne verliert und anschließend versucht, Scout Carter in den nackten Hintern zu beißen – eine denkwürdige (oder bedenkliche) Gastrolle für die 1926 geborene Cloris Leachman (u. a. „Oscar“ 1972, „Golden Globe“ 1976, 9 „Emmys“ zwischen 1973 und 2006).

Wasch mir den Pelz …

Das typische Problem einer Filmkomödie ist gleichzeitig der Versuch, eine humorvolle Stimmung über anderthalb Stunden aufrechtzuerhalten. Die Herausforderung ist enorm, weshalb immer wieder experimentiert wurde, inwieweit man dieses Konzept verwässern kann. Besonders gern werden Komödien mit Liebesgeschichten verschnitten, doch möglich sind auch andere Genrezugaben. In „Scouts vs. Zombies“ geht es weniger um Liebe (oder pubertären US-Als-ob-Sex) als um Freundschaft. Immer wieder setzt die Horror-Handlung aus und wird durch entsprechende Gespräche ersetzt, die man besser als schablonenhaftes Hollywood-Geschwätz bezeichnen sollte. Natürlich bricht jede Ausgelassenheit, die sich womöglich eingestellt hat, in solchen Momenten völlig zusammen; süßlich-rührselige Musik unterstreicht ein Grauen, das kein realer Zombie hervorrufen könnte.

Die Figurenzeichnungen sind reine und ärgerliche Routinen. Womöglich sollen wir das als ironischen Subtext goutieren. Andererseits ist diesem Film jeglicher Hintersinn so fremd, dass dieser Pluspunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit unrechtmäßig vergeben wäre. Also haben wir im Zentrum den langweiligen Normalo Ben, den geilen Dummschwätzer Carter und den dicken Kindskopf Augie; damit letzterer besonders lächerlich wirkt, verpasste man ihm – probate Hollywood-Methoden – eine Idiotenfrisur und lässt ihn auf einer Toilette Pestilenz-Gestank verbreiten.

Hinzu kommen zwei reiche = widerwärtige Highschool-Schnösel (darunter Patrick Schwarzenegger, der sich wie einst Vater Arnold mühsam seinen Platz unter Hollywoods Film-Sonne erspielen muss), eine Schlampe und ein hübsches aber gutes Mädchen, das Pfadfinder Ben schließlich für sich erwärmen kann. Leicht jenseits der Klischee-Spur agiert Sarah Dumont als kampfstarke Denise, doch selbstverständlich ist auch sie eine patente Frau (und schenkt Cocktails an der Bar aus, statt barbusig zu tanzen), die für den schüchternen Ben immer einen Rat in Liebesdingen parat hält, während die Zombies freundlicherweise pausieren. Als unzerstörbarer Zombie-Scout-Leader – ein Running Gag – stolpert David Koechner – er trägt ein Toupet, das er dauernd verliert = urkomisch! – durch diverse Szenen.

Der US-Film erfahrene Zuschauer weiß genau, was folgt, als Ben vorschlägt, die Rettungsaktion kurz zu unterbrechen: Das Trio hält an einem Baumarkt, wo in Windeseile (und unter Einspielung bärenstarker Rockmusik) Häcksler, Nagelpistolen oder PVC-Rohre zu Mordwaffen umgebaut werden, die wenig später zum Einsatz kommen – und kurz darauf versagen, um finale Dramatik zu erzwingen.

Schädel platzen überzeugend

Angesichts der endlosen Klagen, die bisher über „Scouts vs. Zombies“ laut wurden, dürfte es den Leser überraschen, dass dieser Rezensent den Film keineswegs für gänzlich missraten hält. Ungeachtet ihrer Papierhülsen-Rollen leisten die Darsteller gute Arbeit. Erstaunlich gelungen sind außerdem die Effekte. 15 Mio. Dollar konnten ausgegeben werden – kein Blockbuster-Budget aber deutlich mehr, als die meisten unabhängigen Produktionsfirmen aufbringen können: „Scouts vs. Zombies“ entstand für das Studio Paramount.

Da keine Starprominenz zu entlohnen war – auch Porno-Prinzessin Missy Martinez dürfte für ihre Mainstream-Stippvisite als aus der Bluse platzende Cop-Amazone eine überschaubare Rechnung gestellt haben -, floss viel Geld in die Spezialeffekte. Die Zombies sehen überzeugend untot aus. Noch beachtlicher werden sie endgültig in die ewigen Jagdgründe befördert: Halsbisse, Enthauptungen oder Kopfschüsse aus Schrotflinten oder ähnliche Beschädigungen finden vor der Kamera statt und lassen an überzeugungsstarker Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig. Das große Gemetzel im Partysaal wird durch bunte Stroboskopblitze aufgewertet. Gelungen pseudo-dilettantisch sind gar nicht mehr possierliche Zombie-Katzen.

„Scouts vs. Zombies“ gehört zu den Drehbüchern, die viele Jahre durch Hollywood kursieren. Bis sich endlich jemand ihrer erbarmt, haben sich in der Regel viele Autoren an ihnen versucht. Oft trieben sie der ursprünglichen Idee jegliche Originalität aus. Hier war es offensichtlich der Erfolg des Horror-Blockbusters „World War Z“ (2013), entstanden nach dem gleichnamigen Roman von Max Brooks (2006; dt. „Operation Zombie“) bzw. inspiriert von dessen „Zombie Survival Guide“ (2003), der „Scouts vs. Zombies“ der „Development Hell“ entkommen ließ. Es wäre interessant, das ursprüngliche Script kennenzulernen. Womöglich bot es jene Gag-Schärfe, die diese allzu brav vorgestanzten Mustern folgende ‚Komödie‘ vermissen lässt.

DVD-Features

„Scout vs. Zombies“ wurde nicht direkt für den Videomarkt produziert, sondern kam in die Kinos. Der Erfolg blieb bescheiden, da sich das Zielpublikum nicht so kopfstark wie vom Studio erhofft in die Irre bzw. an die Kinokassen führen ließ. Bild- und Tonqualität sind ausgezeichnet. Darüber hinaus entstand einiges Beiwerk, das seinen Weg auf die DVD bzw. Blu-ray fand:

– Das Zombie-Make-Up-Handbuch
– Wie man sich als Zombie bewegt: Choreographie
– Die Uniform und Du: Kostümdesign
– Entfernte Szenen

Im Internet gibt es diese Website; sie bietet u. a. das flachwitzige Gag-Spielchen „Zombify Your Cat“.

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Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse
Originaltitel: Scouts Guide to the Zombie Apocalypse (USA 2015)
Regie: Christopher B. Landon
Drehbuch: Carrie Evans, Emi Mochizuki u. Christopher B. Landon
Kamera: Brandon Trost
Schnitt: Jim Page
Musik: Matthew Margeson
Darsteller: Tye Sheridan (Ben Goudy), Logan Miller (Carter Grant), Joey Morgan (Augie Foster), Sarah Dumont (Denise Russo), David Koechner (Scout Leader Rogers), Halston Sage (Kendall Grant), Cloris Leachman (Ms. Fielder), Niki Koss (Chloe), Hiram A. Murray (Corporal Reeves), Lukas Gage (Travis), Drew Droege (Säufer), Patrick Schwarzenegger (Jeff), Blake Anderson (Ron), Elle Evans (Amber) u. a.
Label: Paramount Home Entertainment
Vertrieb: Universal Pictures Germany
Erscheinungsdatum: 23.03.2016
EAN: 4010884504903 (DVD)/4010884254907 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (Blu-ray: 93 min.)
FSK: 16

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