screamers-2Screamers – The Hunting

Originaltitel: Screamers – The Hunting (USA/Kanada 2009)
Regie: Sheldon Wilson
Drehbuch: Miguel Tejada-Flores
Kamera: John Tarver
Schnitt: Isabelle Levesque
Musik: Benoit Grey
Darsteller: Gina Holden (Lt. Victoria Bronte), Jana Pallaske (Schwartz), Greg Bryk (Commander Andy Sexton), Christopher Redman (Rafe Danielli), Tim Rozon (Madden), Dave La Pommeray (Sgt. Romulo), Jody Richardson (Soderquist), Lance Henriksen (Orsow), Stephen Amell (Guy), Holly O’Brien (Hannah), Darryl Hopkins (Dwight), Steve Lush (Bryce), Stephen Dunn, Justin Madol, Sarah Small (Hybrid-Screamers) u. a.
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 05.03.2009 (Leih-DVD) bzw. 09.04.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4030521715844 (Leih-DVD) bzw. 4030521543690 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1; anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Auf Sirius 6B sollte in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts das wertvolle Metall Berynium abgebaut werden. Aufgrund mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen verweigerten Bergleute und Wissenschaftler ihre Arbeit, woraufhin die Konzernspitze einen Krieg mit den eigenen Angestellten anzettelte. Diese wussten sich nur zu wehren, indem sie unter der Leitung des genialen Ingenieurs Orlow die „Screamers“ erschufen: kleine, sich selbst reproduzierende Kampfmaschinen, die sich dem Feind unterirdisch nähern (wobei sie das Geräusch erzeugen, dem sie den Namen verdanken), um ihn dann mit rotierenden Klingen und anderen Mordwerkzeugen anzufallen.

Allerdings haben die Screamers sich selbstständig gemacht. Sie entwickelten sich weiter, konstruierten immer neue Modelle und führten erbittert Krieg gegen ALLE Menschen auf Sirius 6B. Der nun von Mordrobotern verseuchte Planet soll deshalb jetzt, im Jahre 2091, vorsichtshalber vernichtet werden. Die Bomben dieser Apokalypse sind schon gestartet, als ein Notruf von Sirius 6B aufgefangen wird: Anscheinend gibt dort noch Menschen! Eine siebenköpfige Rettungscrew macht sich auf den Weg; es bleiben ihr sechs Tage, bevor der Planet in Flammen aufgehen wird.

Kaum gelandet, geraten die Retter selbst in die Bredouille. Die angeblich aus Energiemangel deaktivierten Screamer sind quicklebendig und zahlenstark, und die wenigen überlebenden Minenarbeiter scheinen an Hilfe nicht interessiert zu sein; sie nehmen Commander Sexton und seine Leute unter heftiges Feuer. Zu allem Überfluss schleichen sich Screamer ins Raumschiff und legen es lahm. Neuer Treibstoff könnte in den Berynium-Minen zu finden sein, aber dorthin müssen es die nun Gestrandeten erst einmal durch ein ständig anwachsendes Screamer-Heer schaffen …

Spät kopieren sie, aber sie kopieren!

Heutzutage wird offensichtlich alles versucht, um ein lukratives Franchise ins Leben zu rufen. „Screamers“ (dt. „Screamers – Tödliche Schreie“) entstand 1995 als kleines aber feines Science-Fiction-B-Movie, das gut unterhielt und ansonsten längst im Orkus der Filmgeschichte versunken ist, wo es höchstens noch Genre-Nerds der mittleren Stufe (= mindestens acht Stunden ohne Film-Input existenzfähig) sowie das Privatfernsehen zu orten wissen.

Die Geschichte wurde damals erzählt, und mit Peter Weller bekam sie ein Gesicht, das ihr half, sich über klaftertiefe Logiklöcher zu erheben. Ein Schauspieler wie Weller wäre auch dieses Mal nützlich bzw. bitter nötig, aber dazu später. Verharren wir erst einmal bei der Story. Die setzt realchronologisch korrekt 13 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils ein. Wir werden über das traurige Schicksal von Colonel Hendricksson (= Weller) informiert und mit seiner Tochter (= Gina Holden) bekannt gemacht. Sie stellt neben dem Schauplatz Sirius 6B und den Screamers das verbindende Element zum Original dar, was völlig unnötig ist und schon eine grundsätzliche Schwäche des Drehbuchs offenbart: „Screamers – The Hunting“ beginnt kaum verhohlen aber dreist als Rip-off von „Aliens – Die Rückkehr“, um dann die Geschehnisse des „Screamers“-Thrillers von 1995 mehr oder weniger variiert nachzuerzählen. Wer die Vorlagen kennt, wird von den Parallelen förmlich überwältigt.

Wer rettet die Retter (und warum)?

Trotzdem könnte man die schnöde Imitation verzeihen, denn der B-Film ist per se die Domäne des Drehbuch-Recyclings. Freilich darf der Faktor Logik auch im Rahmen der puren Unterhaltung nie gänzlich über Bord geworfen werden. Es lässt sich beim besten Willen nicht ignorieren, dass sich die ‚Retter‘ auf Sirius 6B notorisch dämlich verhalten. Selbst der nachsichtigste Zuschauer wünscht ihnen schnell Schlimmeres als die Screamers auf den Hals. Wie blöd …

… ist eine Erdregierung, die den wahrscheinlich energieerzreichsten Planeten des Alls nicht von Screamern räumen oder den Abbau wenigstens in stark befestigten Minen-Festungen fortsetzen lässt, sondern Sirius 6B einfach in die Luft jagt?

… ist ein Commander, der sein auf einem von bösartigen Maschinen wimmelnden Planeten gelandetes Raumschiff von einem einzigen (!) Mechaniker (!!) ‚bewachen‘ lässt, der sich wiederum auf eine Ein- und Ausstiegsluke verlässt, die durch einen antiken Drehverschluss ‚gesichert‘ wird?

… sind Retter, die sich unter die Screamers wagen, ohne von demjenigen Gerät, das sie vor deren Ortung schützt, mindestens ein Ersatzexemplar mitzunehmen?

… sind Retter, die ihr Schiff, d. h. ihre Basis, irgendwo in der Planeten-Pampa stehenlassen, um dann tagelang orientierungsfrei zu Fuß durch die Landschaft zu stolpern, während gleichzeitig der Countdown zur Zerstörung von Sirius 6B läuft?

… oder Retter, die gerade gesehen haben, wie ein Kamerad in Stücke gerissen wurde, um diesem im nächsten Moment um den Hals zu fallen, als er wieder auftaucht und ganz offensichtlich ein maskierter Screamer ist?

Das ist nur eine kleine aber repräsentative Auswahl der Böcke, die Drehbuchautor Tejada-Flores schießt, ohne dass der Regisseur dies irgendwie auszugleichen weiß. (Spielt es da eine Rolle, dass die größtenteils neu gestylten Screamers gar nicht mehr schreien, aber immer noch „Screamers“ heißen?)

Günstig muss nicht billig sein!

Sheldon Wilson ist ein typischer TV- und B-Movie-Regisseur. Er arbeitet schnell und effektiv und wird einen Film pünktlich und im Rahmen des Budgets abdrehen. Das ist im Hollywood der „Screamers“-Kategorie wesentlich wichtiger als die Entfaltung kreativer Kräfte. Trotzdem weist dieser Film, der nicht für das Kino, sondern als „direct-to-dvd“-Produktion realisiert wurde, in seinem engen Rahmen beachtliche Schauwerte auf. Das Budget dürfte im unteren achtstelligen Dollar-Bereich gelegen haben. Das sieht man dem Film selten an. Mit wackligen Pappkulissen und notdürftig als ‚Bunker‘ oder ‚Raumschiff: innen“ getarnten Studio-Provisorien wird das Publikum weitgehend verschont (obwohl zumindest in einer Szene wieder einmal der gute, alte Eierkarton seine Filmtauglichkeit unter Beweis stellen darf).

„Screamers – The Hunting“ prunkt mit zahlreichen Außenaufnahmen. Sie entstanden zwar in Kanada, aber nicht in jenen Hemlocktannen-Schonungen um Vancouver, die als „Exoten-Planet X“ in 1000 „Stargate“-Folgen herhalten mussten, sondern in Naturschutzgebieten der Provinzen Alberta, Neufundland und Labrador. Die gewaltigen Kavernen von ‚Sirius 6B‘ wurden von echten Minenanlagen ‚gedoubelt‘, was für ein Gefühl der Weite sorgt, das reinen Kulissenbauten abgeht.

Auch die Spezialeffekte sind bemerkenswert. In den 13 Jahren seit „Screamers“ hat die Filmtechnik gewaltige Fortschritte gemacht. Selbst eine finanziell nicht üppig ausgestattete Produktion wie „The Hunting“ übertrifft das Original in dieser Hinsicht um Längen. Die Weltraum-Effekte sowie die meisten Screamers sind computergeneriert und wirken überzeugend, weil sie handwerklich makellos umgesetzt wurden. Auch auf Sirius 6B kommt entsprechende SFX-Technik sparsam aber aufwendig zum Einsatz. Das lässt sich auch deshalb genießen, weil die „Hunting“-DVD durch ein sogar in den dunklen Szenen sehr klares Bild und einen sorgfältig abgemischten Ton gefällt.

Wo die Schädel fröhlich purzeln …

Die Metzel-Szenen wurden in altmodischer aber bewährter Splatter-Manier realisiert. Masken, falsche Körperteile und Köpfe, glitschiger Blut- und Organbrei: Liebevoll wird vor laufender Kamera gematscht und gekleckert. Die Darsteller legen sich ordentlich und ohne Scheu vor undefinierbaren Flüssigkeiten ins Zeug; im Interview loben sie diese heute fast schon ausgestorbene Filmarbeit, weil diese sie davor bewahrt, ausschließlich vor grünen Wänden zu mimen, wo sie sich vorstellen müssen, was später per Trick eingespielt wird.

Wenn im Film das Blut in Fontänen spritzt, wird der deutsche Genre-Fan argwöhnisch; dies nicht ohne Grund, leben wir doch in einem Land, in dem die Zensur nur offiziell abgeschafft wurde, ohne dass ihre Nachfolge-Einrichtungen das Herausschneiden „verrohender“ Filmbilder jemals aufgegeben hätten. Faktisch ist der Zensorenfinger an der Schere besonders nervös, seit primär (aber nicht nur) Politiker herausgefunden haben, dass sie die Verantwortlichkeit für alltägliche Missstände auf den das Böse ausbrütenden (Film-) Horror abwälzen können.

„Screamers – The Hunting“ blieb in Deutschland angeblich ungeschoren. Die für einen Splatter erstaunlich niedrige Altersfreigabe sowie verdächtig holprige Schnitte immer dann, wenn es mit scharfem Screamer-Stahl mächtig zur Sache geht, lassen allerdings gewisse Zweifel aufkommen …

Trash-Detektor Lance Henriksen

Ein wenig zu sparsam zeigten sich die Produzenten, als sie für „The Hunting“ ausschließlich TV-Mimen casteten. Gina Holden ist immerhin so hübsch, dass sich ihr Gesicht (sowie Körper) zumindest dem männlichen Publikum einprägt. Ansonsten fällt es während des Zuschauens schwer, die Darsteller in ihren Rollen mit bestimmten Gesichtern in Einklang zu bringen; sie sind (zumal in ihren Unisex-Kampfanzügen mit den Staubsauger-Rucksäcken) einfach zu austauschbar. Das schließt Jana Pallaske, einen weiblichen Schauspieler-Import aus Deutschland, ausdrücklich ein. Zu Dave La Pommeray fällt dem Rezensenten ein, dass er sich möglicherweise ein Pseudonym zulegen sollte, da man bei seinem Namen garantiert nicht an einen schwarzen 2-Meter-Muskelprotz mit Finstermiene (oder an einen Ving Rhames für Arme) denkt.

Aber halt, ein ‚Star‘ wurde doch angeheuert. Der erfahrene und durch böse Erfahrung klug gewordene Zuschauer reagiert freilich misstrauisch, wenn Lance Henriksen auf einer Besetzungsliste auftaucht. Er ist zwar ein guter Darsteller, der zudem stets sein Bestes gibt, wird aber anscheinend von einem unkontrollierbaren Schauspieltrieb besessen, der ihn zwingt, praktisch jede Rolle anzunehmen. (Es gibt da eine gute Faustregel: Von zehn Filmen, in denen Henriksen mitspielt, ist einer gut,  sind zwei erträglich und erfüllt der Rest den Tatbestand der Publikumsverdummung.) Hier wärmt er als Screamers-Schöpfer seinen „Bishop“-Auftritt aus „Alien 3“ auf. Zudem ist Henriksen wohl so teuer, dass man sich ihn nur für einen wenige Minuten währenden Gastauftritt leisten konnte, der wieder einmal nicht in die Filmhistorie eingehen wird.

DVD-Features

Die Extras zum Hauptfilm fallen sparsam aus. Immerhin gibt ein 24-minütiges Making-of („Screamers: The Hunting – Hinter den Kulissen“). Leider ist dieses fast durchweg nur ein flankierendes Produkt der Werbung zum Film. Darsteller, Regisseur, Effekthexer und andere Beteiligte loben einander in den allerhöchsten Tönen, ohne dabei rot zu werden. Droht es interessant zu werden, weil sich beispielsweise Hintergrundinfos zum Außendrehort ankündigen oder ein Blick in die Werkstätten der Tricktechniker und Maskenbildner ansteht, wird umgehend auf neuerlichen Null-Sprech umgeblendet.

[md]

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