Sieben Angestellte eines Waffenkonzerns sollen in einer osteuropäischen Waldhütte ihren Teamgeist stärken. Ein Navigationsproblem lässt sie in einem Winkel stranden, den sich psychopathische Söldner aus dem Balkankrieg als Schlupfwinkel ausgesucht haben, die nunmehr Jagd auf die Eindringlinge machen … – Nicht immer trittsichere Mischung aus hartem Horror und schwarzhumoriger Komödie, die sich selbst indes nie bierernst nimmt, rasant erzählt wird und sehr gut besetzt ist.

Das geschieht:

Der globalisierte Rüstungskonzern „Palisade Defence“ macht gute Geschäfte und ‚belohnt‘ deshalb sieben seiner fleißigsten Waffentüftler mit einem „Motivationswochenende“. In einer Waldhütte irgendwo in Ungarn sollen sie ihren Chef Richard treffen und sich als Paintball-Krieger versuchen. Die Hütte liegt äußerst abgelegen, und niemand von unseren Reisenden ist der ungarischen Sprache mächtig. Als ein umgestürzter Baum den Bus aufhält und der übereifrige George eine alternative Route entdeckt, reagiert der einheimische Busfahrer erst ablehnend und dann wütend; er wirft seine Passagiere hinaus und fährt davon.

Erzürnt aber unverdrossen machen sich diese zu Fuß auf den Weg zur Hütte, die sich, endlich erreicht, als üble Bruchbude entpuppt. Man richtet sich ein, wartet auf Richard und versucht sich lustlos in diversen Rollenspielen. In der Nacht wird Jill von einer maskierten Gestalt erschreckt, die sich vor ihrem Zimmerfenster aufbaut. Eine Überprüfung der Umgebung lässt die Reisenden auf merkwürdige Gestelle in den Bäumen stoßen, über die man sich unbemerkt durch bzw. über den Wald schleichen kann.

Sie sind im falschen Haus gelandet! Dies war einst ein Sanatorium für Söldner, die zur Zeit des Sowjet-Regimes zu Killermaschinen ausgebildet wurden und ihre Mord- und Folterdienste später während des Balkankriegs feilgeboten hatten. Später galten sie als Kriegsverbrecher, die interniert und „deprogrammiert“ werden sollten – ein Prozess, dem sich viele Söldner entzogen, die nun in den Wäldern hausen und Jagd auf ungebetene Besucher machen.

Die Hatz auf die „Palisade-Defence“-Gruppe ist eröffnet. Diese kämpft sich durch Minenfelder, Fallgruben und andere Fallen, doch orientierungslos gerät man vom Regen in die Traufe: ins ehemalige Internierungslager Szeveranz, wo die Verfolger ihr Hauptquartier aufgeschlagen haben …

Humor ist, wenn man gerade lacht

Horror und Humor sind zwei Emotionen, die erstaunlich gut nebeneinander existieren können. Was man fürchtet, lässt sich leichter ertragen, wenn man es lächerlich macht. Das mindert nicht die Gefahr, mit der sich so jedoch leichter leben lässt. Schwarzer Humor setzt dem noch eines drauf, indem er die lustige Aspekte hervorhebt, die auch im blutigen Ende unglückseliger Mitmenschen durchaus erkennbar werden; sie wirken übrigens umso deutlicher, wenn man selbst nicht zu den Betroffenen gehört. So ist es quasi ‚natürlich‘ zu lachen, obwohl wir auf dem Bildschirm verfolgen, wie dem armen Trottel Gordon durch eine Bärenfalle ein Bein abgeschlagen wird; seine angeblichen Retter stellen sich freilich zu dämlich an und führen erst durch ihre dilettantischen Bergungsversuche zu Ende, was die Fallensteller höchstens geplant hatten.

Grundsätzlich haben sich unsere Reisenden ihr Unglück ohnehin selbst eingebrockt. Mit der üblichen Herrenmenschen-Attitüde erfolgreicher „global player“ sind sie ins ‚rückständige‘ Osteuropa eingefallen, deren Bewohner sie insgeheim verachten und fürchten. Sie sind aufdringlich, notorisch unzufrieden, und sie wollen nicht dort sein, wo sie sich gerade aufhalten: Nur die Furcht vor dem Vorgesetzten, der sich ein schwachsinniges ‚Teambildungs-Seminar‘ hat einfallen lassen, konnte sie aus der Sicherheit ihrer Büros in die Wildnis bringen.

In diesen Büros arbeiten sie an modernen Waffentechnologien. Ihre Arbeit für „Palisade Defence“ betrachten unsere Reisenden als normalen Job. Was mit den Waffen angerichtet wird, die sie erfinden, interessiert sie nicht, zumal sie nie mit den Folgen ihrer Arbeit in Berührung kommen. Das ändert sich jetzt; in einer der (vielen) gelungenen Szenen von „Severance“ gerät Jasager George in ein Minenfeld, dessen Sprengkörper er sofort erkennt: Sie stammen aus eigener Produktion …

Selbst verschuldet & deshalb verdient

Das Mitleid mit den sieben Unglücksraben hält sich folgerichtig in Grenzen. Sie bekommen, was sie verdienen: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“ (Hosea 8,7). Der Zuschauer darf seiner Schadenfreude deshalb freien Lauf lassen. Regisseur und Drehbuchautor Christopher Smith unterstützt dies durch ein Feuerwerk galliger Gags, die fast vollständig zünden. Horrorfilm-Klischee scheint sich an Horrorfilm-Klischee zu reihen, doch ständig findet Smith einen Dreh, der uns überrascht und begeistert. Dabei ist „Severance“ ein moderner Horrorfilm der harten Sorte. Die Tode der Figuren werden regelrecht zelebriert, wenn uns auch die ganz grausigen Momente erspart bleiben; wir vermissen sie nicht, denn was bleibt, ist heftig genug. (Wieso trägt wohl einer der Mord-Söldner den netten Rollennamen „Knife in butt Killer“? Wir werden in Kenntnis gesetzt!)

Genau hier setzt aber einer der wenigen negativen Kritikpunkte an: Die Übergänge zwischen „komisch“ und „brutal“ sind oft zu abrupt. Das Lachen soll den Zuschauern im Halse steckenbleiben, aber der Effekt will sich nicht immer einstellen. Einige Gags werden zudem nicht in den Erzählfluss eingeflochten, sondern ihm aufgepfropft; der Regisseur zielt hier allzu offensichtlich auf billige Lacher. (Obschon Richards Vorführung einer aktuellen „Anti-Terror-Waffe“, die im Abschuss eines Verkehrsflugzeugs mündet, sehr gut in Szene gesetzt und politisch angenehm unkorrekt ist.)

Richtig surreal wird es, wenn Smith die Spekulationen unserer Touristen über die Vergangenheit der Jagdhütte in Filmbilder verwandelt; z. B. werden diverse Ereignisse aus der Zeit des I. Weltkriegs stilecht als Stummfilm schwarzweiß und mit Untertiteln gezeigt. Das lenkt vom eigentlichen Geschehen ab, ist aber gleichzeitig eine neue Finte, denn diese Einspielfilme enthalten Informationen, die man von der Form der Darstellung trennen muss – sie werden später wichtig.

Kleiner Film mit großer Wirkung

„Severance“ ist ein kostengünstig produzierter Film. Große Namen wird man unter den Darstellern nicht finden, die Kulissen beschränken sich auf die Hütte und den Wald. Der eingeschränkte Aufwand wirkt sich nie auf den Film-Spaß aus, denn er passt zu der erzählten Geschichte (die genau so bizarr und überdreht ist, dass sie wie eine moderne Großstadtsage wirkt). Selten hat man so eine verranzte Bruchbude gesehen, die in jedem Winkel den Anti-Charme des versunkenen Ostblocks atmet. Der Wald wird, obwohl sommerlich und grün, als verlassener, lebensfeindlicher Ort inszeniert, wie er sich den ‚Eindringlingen‘ präsentiert. (Gedreht wurde übrigens wirklich in Ungarn sowie – man lese und staune – auf der britischen Kanalinsel Man.)

Nicht gespart wurde an den Spezialeffekten, die sich daher sehen lassen können. Sie beschränken sich nicht darauf, den Tod möglichst drastisch zu illustrieren, sondern werden in die Geschichte integriert. Richtig glücklich wirkt beispielsweise Harris, als sich ihm die Möglichkeit bietet, seine Theorie vom zeitweiligen Weiterleben eines vom Hals getrennten Kopfes zu überprüfen …

„Severance“ heißt ja übersetzt „Trennung“, und dieser Wortsinn wird eifrig in Bilder umgesetzt; Köpfe und Gliedmaßen verlieren ihre Verbindung mit dem Körper. Darüber hinaus treibt Smith auch hier seine Scherze: Wieder haben die englischen Touristen etwas falsch verstanden. “Szeveranz” heißt das Lager, in dem ihre Peiniger einst als Kriegsverbrecher interniert waren. Der Regisseur sorgt dafür, dass sie dies begreifen – jedenfalls diejenigen, die zu diesem Zeitpunkt noch unter den Lebenden weilen.

Personal für Schadenfreude

In Horrorfilmen, die nach dem Prinzip der „Zehn kleinen Negerlein“ funktionieren, wird (nur zu) oft kein Wert auf Schauspieler gelegt. Darsteller genügen dort, wo möglichst rasch und spektakulär gestorben werden soll. „Severance“ ist ein Ensemble-Film, dessen Wirkung zu einem guten Teil nicht nur auf den Spezialeffekten, sondern auch auf den Schauspielern beruht, die hier diese Bezeichnung verdienen.

Großes Drama war nicht gefordert, obwohl auch hier die Glaubwürdigkeit der Darstellung Gefühle wie Angst, Verdruss oder Zorn überzeugend wirken lässt. Christopher Smith hat jedoch die Figuren sämtlich ein wenig überzeichnet: Möchtegern-Anführer George, Arschkriecher Billy, Altjungfer Jill, Tollpatsch Gordon, Eisfee Maggie, Kotzbrocken Harris, Träghirn Steve und Proll-Boss Richard sind gleichzeitig lachhaft und liebenswert. Wir ‚kennen‘ Typen wie sie aus dem eigenen Arbeitsumfeld und können ihre Sprüche und ihr Handeln problemlos als hohles Geschwafel und Imponiergehabe einschätzen.

Von den Nebenfiguren bleiben Sándor Boros als streitbarer Busfahrer (der hinter Georges Fassade sofort den Großsprecher und Feigling erkennt) und vor allem die Prostituierten Olga und Nadja im Gedächtnis: Sie kommen aus diesem Land und kennen seine weiterhin archaischen Regeln. Deshalb verfallen sie nicht in Panik, sondern krempeln die Ärmel hoch (was hier das Ablegen von Pelzjäckchen und BH einschließt – eine weitere gelungene Parodie auf ein Horrorfilm-Klischee) und machen sich (erfolgreich) daran zu überleben.

Die Masken fallen

Keine Kompromisse ging Smith bei der Darstellung der Söldner ein. Er gestaltete sie – erneut unter boshaftem Verzicht auf politische Korrektheit – als schon optisch furchterregende, vertierte Unholde mit stoppeligen Quadratschädeln, Galgenvogelvisagen, fauligen Zähnen, die in klobigen Stiefeln und schmuddeligen Kampfanzügen stecken – Ostblock-Buhmänner wie aus dem CIA-Bilderbuch, vor denen sich der gebildete Europäer auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zwar heimlich aber weiterhin fürchtet: der „Hostel“-Effekt. Solches Pack sieht man gern sterben, obwohl wie so oft die Frage auftaucht, wie es angehen kann, dass sich ihre Gegner – ausgewiesene Büro-Weicheier – plötzlich in Kampfmaschinen verwandeln.

Logik ist freilich der Feind solcher Filme, die wie „Severance“ der puren Unterhaltung dienen. Christopher Smith hat sich von allzu komplexen Arthouse-Marotten getrennt, die das Vergnügen an seinem Debüt „Creep“ schmälerten. „Severance“ ist eingleisig erzählter aber nie eindimensionaler Horror, der etwas besitzt, das den oft (inflationär) geforderten Anspruch durch etwas ersetzt, das ebenso wertvoll ist: Konsequenz in der Darstellung. Die Verbindung zwischen diesen beiden Polen wird durch das Drehbuch geschaffen. Es ist gut, und das ist bei jedem Film der halbe Erfolg!

DVD-Features

Dieser Filmbesprechung liegt die Leihversion der „Severance“-DVD zugrunde, die bis auf einen Audiokommentar keinerlei Hintergrundmaterial enthält. Es bleibt der „Special Edition“ vorbehalten, wo die üblichen Features (Making-Of, Outtakes, Deleted Scenes, alternatives Ende, Interviews, Blick in die SF/X-Hexenküche usw.) geboten werden.

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Severance – Ein blutiger Betriebsausflug
Originaltitel: Severance (Großbritannien 2006)
Regie: Christopher Smith
Drehbuch: James Moran u. Christopher Smith
Kamera: Ed Wild
Schnitt: Stuart Gazzard
Musik: Christian Henson
Darsteller: David Gilliam (George) Danny Dyer (Steve), Laura Harris (Maggie), Tim McInnerny (Richard), Toby Stephens (Harris), Claudie Blakley (Jill), Andy Nyman (Gordon), Babou Ceesay (Billy), Sándor Boros (Busfahrer), Juli Drajkó (Olga), Judit Viktor (Nadja) Matthew Baker (Nose-feratu), Levente Törköly (Killer) u. a.
Label/Vertrieb: Splendid Entertainment
Erscheinungsdatum: 26.10.2007 (DVD)/27.06.2008 (Blu-ray)
EAN: 4013549872201 (DVD)/4013549572200 (DVD/Special Edition)/4013549272209 (Blu-ray)
Bildformat: Widescreen (1.78:1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (deutsch, englisch)
Untertitel: deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 96 min.)
FSK: 18

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The Undead – Strigoi

Die Verlassenen – The Abandoned

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