shutter-brcShutter – Sie sehen dich (Extended Version)

Originaltitel: Shutter (USA 2008)
Regie: Masayuki Ochiai
Drehbuch: Luke Dawson
Kamera: Katsumi Yanagishima
Schnitt: Tim Alverson, Michael N. Knue
Musik: Nathan Barr
Darsteller: Joshua Jackson (Benjamin Shaw), Rachael Taylor (Jane Shaw), Megumi Okina (Megumi Tanaka), David Denman (Bruno), John Hensley (Adam), Maya Hazen (Seiko), James Kyson Lee (Ritsuo), Yoshiko Miyazaki (Akiko), Kei Yamamoto (Murase), Daisy Betts (Natasha), Adrienne Pickering (Megan), Eri Otoguro (Yoko), Pascal Morineau (Hochzeitsfotograf), Masaki Ota, Heideru Tatsuo (Polizisten) uva.
Label u. Vertrieb: 20th Century Fox Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 31.10.2008 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4010232043528 (Kauf-DVD) bzw. 4010232043542 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 89 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Zwar konnten Benjamin und Jane Shaw ihre Hochzeit in New York feiern, doch schon die Flitterwochen verwandeln sich in einen Arbeitsurlaub: Gatte Ben, ein berühmter Mode-Fotograf, wird in Tokio erwartet, wo er schon früher gearbeitet hat. Jane begleitet ihn, aber sie hat wenig Freude in dem fremden Land. Meist ist allein und irrt ratlos durch die gewaltige Stadt, denn die japanische Sprache beherrscht sie nicht.

Außerdem nagt ein mysteriöser Vorfall an Janes Nerven: Während einer Nachtfahrt über Land war sie unaufmerksam und überrollte eine junge Frau. Die Polizei konnte trotz ausgiebiger Suche kein Opfer finden, der Fall bleibt ungelöst. Schlimmer noch: Jane beginnt die seltsame Frau, die offensichtlich ein Geist ist, nun überall zu sehen. Auch auf den Fotos, die von dem jungen Paar reichlich geschossen werden, ist ihr Schatten sichtbar.

Ben sträubt sich gegen die Erkenntnis, von einem Geist verfolgt zu werden. Dabei weiß er gut, was Jane erst mühsam ermitteln muss: Die junge Frau hieß Megumi Tanaka und war eine Übersetzerin, mit der Ben bei einem früheren Tokio-Aufenthalt eine Beziehung einging. Doch während er darin nur den Zeitvertreib sah, begann Megumi zu ‚klammern‘, bis Ben sie mit Hilfe seiner Kollegen und Freunde Bruno und Adam in die Flucht schlagen konnte.

Warum treibt Megumi nunmehr als Geist ihr Unwesen, und wieso ist sie so hartnäckig? Jane bemüht einen Fachmann für Geisterfotografien sowie einen Exorzisten. Alles bleibt vergeblich, und Megumis Attacken werden heftiger; kein Wunder, gibt es da doch einen Aspekt, von dem zumindest Jane nichts ahnt …

Das Licht gefangen und Geister gebannt

„Shutter“ nennt der englischsprachige Fotograf den Kameraverschluss, der sich kurz öffnet, um das vom abzubildenden Objekt ausgehende Licht auf jene empfindliche Schicht zu lenken, die später zum Medium der Filmentwicklung wird (was heute in der Regel nicht mehr chemisch, sondern digital geschieht). Diese Benennung eignet sich vorzüglich, die Story des gleichnamigen Kinofilms recht akkurat in ein Wort zu fassen, denn der Geist, um den es sich hier dreht, lässt sich zunächst nur mit technischer Hilfe eines Fotoapparates sichtbar machen.

Dies ist im angelsächsisch-europäischen Raum meist unmöglich; wie Vampire lassen sich ‚unsere‘ Geister ungern im Bild festhalten. Im technisch hochgerüsteten Asien des 21. Jahrhunderts haben sie sich womöglich der Realität angeglichen, was ganz eigene Momente der Spannungsförderung ermöglicht; zu den wenigen spannenden „Shutter“-Szenen gehört die Geisterjagd per Polaroid-Kamera: Bis sich das einzelne Bild entwickelt hat, ist der Geist dem Fotografen womöglich schon sehr nahe gerückt …

Neue Besen kehren gut, bis alle Spannung ist dahin

Das Potenzial einer „ghost story“ im Milieu der Fotografie ist in der Filmgeschichte nicht neu. In unserem speziellen Fall entsprang sie den Hirnen der thailändischen Regisseure und Drehbuchautoren Banjong Pisanthanakun und Parkpoom Wongpoom, die 2004 mit ihrem „Shutter“-Film (dt. „Shutter – Sie sind unter uns“) debütierten. Nicht nur in Asien konnten sie großes Kritikerlob einheimsen. Auch in den USA und in Europa erregte „Shutter“ ob seiner simplen aber geradlinig entwickelten und in packende Bilder präsentierten Handlung großes Lob.

Während die europäische Zuschauerschaft sich problemlos mit dem Original anfreundete, plante Hollywood die übliche Nivellierung für ein US-Publikum, das Filme, die in der Fremde spielen und in denen nicht die eigene Sprache gesprochen wird, zu ignorieren pflegt. „Shutter“ wurde 2008 neu und nach bekanntem Muster verfilmt: Das Budget stieg, während Logik und Atmosphäre auf der Strecke blieben.

Handwerklich lässt sich gegen „Shutter – Sie sehen dich“ nichts einwenden. Die Sets sind großzügig, die Kamera ist beweglich, für überzeugende Spezialeffekte war genug Geld da. Noch der finsterste Winkel ist perfekt ausgeleuchtet bzw. im Halbschatten zu erahnen. Nur: Handwerk ist nicht alles, während eine gute Geschichte den Zuschauer klaglos Abstriche in Sachen Filmtechnik machen lässt.

Wieso in die Ferne schweifen …?

Schon die Ausgangssituation ist fragwürdig: Wieso spielt „Shutter“ weiterhin in Asien – jetzt allerdings in Tokio, nicht mehr in Bangkok -, wenn sämtliche Hauptrollen trotzdem von Nicht-Asiaten gespielt werden? Die „Shutter“-Story könnte durchaus in New York funktionieren, wohin sie im Finale zurückkehrt. Auch das bange „US-Bürger-in-der-Fremde“-Szenario ist für das Geschehen nicht wirklich von Bedeutung. Offenbar versucht sich das Filmstudio 20th Century Fox an der Quadratur des Kreises bzw. am US-Remake eines thailändischen Originals, das gleichzeitig in Japan Kasse machen soll.

Was dabei wie üblich perfekt klappt, ist der Export einschlägiger Klischees. Japan besteht aus dem Fudschijama und Tokio, wobei letzteres von geschäftigen kleinen Leuten bevölkert wird, die seltsamen Hobbys wie der (von professionellen Fälschern dominierten) Geisterfotografie frönen.

Das Gute vergessen, das Dumme verstärken

Einmal mehr werden dem Zuschauer Schauspieler der zweiten bis dritten Garnitur zugemutet. Joshua Jackson genießt offenbar unter der weiblichen Zuschauerschaft einen guten Ruf, welcher freilich primär auf sein stattliches Aussehen zurückzuführen sein muss; als Darsteller von Ben Shaw bleibt sein Mimen eindimensional, was sich im eigentlich emotionsgeladenen Finale als weiterer Stolperstein erweist.

Glücklicherweise steht Jackson mit Rachael Taylor kein darstellerisches Schwergewicht zur Seite. Als Jane ist sie entweder irrational oder eifersüchtig. Ihre entschlossene Suche nach der Wahrheit wirkt wenig überzeugend. Da die finale Enthüllung des Geisterrätsels ohnehin auf einem schwer nachzuvollziehenden Zufall basiert – welcher einigermaßen intelligente Schuft hortet den Bild-und-Ton-Beweis seiner Verworfenheit, statt ihn zu vernichten? -, kann auch Janes sprunghaftes Verhalten nicht die quälende Frage verdrängen, wieso sich Geist Megumi manchmal nur per Kamera, später auch mit dem menschlichen Auge und dann erneut nur durch die Linse sichten lässt …

Als Megumi Tanaka gibt die japanische Schauspielerin Megumi Okina keinen besonders schockierenden oder wenigstens tragischen Rachegeist. Sie tritt deckungsgleich in die Reihe weißgesichtiger, wirrschwarzhaariger, spastisch zuckender Gespensterfrauen, wie wir sie schon in Asia-Remakes wie „The Grudge“ oder „The Ring“ kennengelernt (und nicht gefürchtet) haben.

Reiner Dummenfang ist das lockende Prädikat „Extended Version“. „Shutter“ ist kein Splatter und sollte niemals einer werden. Die für die Kinofassung – aus welchen Gründen auch immer – geschnittenen fünf Minuten liefern daher kein Blut-und-Eingeweide-Spritz-Gewitter, sondern bieten ’nur‘ Handlungsergänzungen. Auch der ‚verlängerte‘ „Shutter“-Film ist für sein FSK-16 Siegel erstaunlich harmlos; offene Brutalitäten und Special-Effects-Ekeleien fehlen völlig, Nacktheit selbstverständlich ebenfalls. Man vermisst solche Elemente nicht annähernd so stark wie eine spannende Filmstory.

DVD-Features

„Shutter“ entstand als Low-Budget-Film am oberen Ende dieser Kategorie. 8 Mio. Dollar sind im heutigen Hollywood ein Schnäppchen, was man dem Film nicht ansieht. Auch in Sachen Bonus-Material wurde eher geklotzt als gekleckert. Stets interessant sind „Alternative und entfallene Szenen“, die sich in diesem Fall allerdings als echter Schnittabfall erweisen, der dem fertigen Film niemals fehlt.

Die begleitenden und informierenden Kommentare des Produzenten Alex Sundell, der Schauspielerin Rachael Taylor und des Drehbuchautoren Luke Dawson (der zusätzlich durch ein eigenes Interview präsent ist) wird durch folgende Features ergänzt: „Der Geist in der Linse“, „Eine andere Kultur: Der Dreh in Japan“, „Der Regisseur: Masayuki Ochiai“.

Jenseits des Films gibt es Infos zur „Geschichte der Geisterfotografie“. Eher als Gag zu werten ist der Beitrag „Dem Spuken auf der Spur: Tipps und Tricks für die Geisterjagd“.

[md]

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