Silent Hill Revelation

Originaltitel: Silent Hill Revelation (USA 2012)
Regie u. Drehbuch: Michael J. Bassett
Kamera: Maxime Alexandre
Schnitt: Michele Conroy
Musik: Jeff Danna u. Akira Yamaoka
Darsteller: Adelaide Clemens (Sharon/Heather/Alessa), Kit Harington (Vincent), Carrie-Anne Moss (Claudia Wolf), Sean Bean (Christopher/Harry), Radha Mitchell (Rose Da Silva), Malcolm McDowell (Leonard), Martin Donovan (Douglas), Deborah Kara Unger (Dahlia), Erin Pitt (Sharon/Alessa als Kind) u. a.
Label/Vertrieb: Concorde Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 18.04.2013
EAN: 4010324030115 (DVD)/4010324038593 (Blu-ray)/4010324039040 (3D-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (Blu-ray: 94 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Seit Jahren sind „Harry“ und seine Pflegetochter „Heather“ auf der Flucht. Harry hat in Notwehr einen Mann getötet, was ihm angeblich die Polizei nicht glauben würde. Tatsächlich fürchtet er die Schergen der Schattenstadt Silent Hill: Hier hat vor vielen Jahren eine Sekte die junge Alessa als Menschenopfer dargebracht. Doch Alessa starb nicht, sondern entwickelte dämonische Kräfte. Sie stürzte Silent Hill aus Rache in eine Parallelwelt, wo ihre ehemaligen Peiniger seither von modrigen und mordgierigen Monstern aller Art gepeinigt werden.

Was von der ‚guten‘ Alessa geblieben war, reinkarnierte im Körper eines neugeborenen Mädchens, das von Christopher – jetzt Harry – und Rose Da Silva adoptiert und Sharon genannt wurde. Sollte es dem Kult gelingen, Sharon – jetzt Heather – nach Silent Hill zu locken, müsste sie mit Alessa verschmelzen, die dadurch verwundbar würde. Nach ihrem Tod wären die Sektenmitglieder frei.

Sharon hat die Erinnerung an ihre Jugend verloren. Albträume plagen sie, in denen sie aufgefordert wird, nach Silent Hill zurückzukehren. Da diese Heimsuchungen nicht fruchteten, wird der Kult übernatürlich aktiv. Eine Dämonin entführt Christopher nach Silent Hill und lässt Sharon wissen, dass sie ‚heimkommen‘ muss, um ihn zu retten.

Obwohl ihr der Vater genau das stets ausdrücklich verboten hat, macht sich Sharon als gute Tochter umgehend auf den Weg. Glücklicherweise (?) ist sie nicht allein: Der schmucke Vincent hat ein gefühlvolles Gesicht, trägt eine Lederjacke und hat ein Auto; drei Eigenschaften, die es Sharon – in deren Busen gewisse Begierden aufwallen – unmöglich machen, ihn als Chauffeur und Begleiter abzulehnen.

Gemeinsam macht man sich auf den Weg nach Silent Hill. Dort frohlockt Claudia Wolf, die Anführerin der Sekte, und wetzt schon das Richtschwert. Doch Sharon ist nicht so machtlos, wie es scheint, zumal sie auf unerwartete Unterstützung bauen kann …

Game Over für „Silent Hill“?

Einen Punkt muss man Regisseur und Drehbuchautor Michael J. Bassett zugestehen: „Silent Hill: Revelation“ ist tatsächlich eine Steigerung zum „Silent-Hill“-Film von 2006. Bot jener nur Mittelmaß, ist dieser vollständig misslungen.„Silent Hill“, das Videospiel, mag erzählerisch kein Meisterwerk sein. Keinesfalls ist es jedoch das plumpe Hit-and-Run-Game, das Bassett in seinem Film daraus gemacht hat.

Der Plot ist frustrierend flau und bietet höchstens jenem Publikum Unterhaltung, das seine Filme überraschungsfrei schätzt. Dies ist hier gewährleistet, da man wirklich in jeder Sekunde weiß, welche Wendung die Handlung nehmen wird. „Wendung“ ist ohnehin das falsche Wort, denn der Handlungsbogen stellt sich als Gerade dar, die recht kurz geraten ist.

„SH Revelation“ basiert lose auf dem 2003 veröffentlichten dritten Teil des „Silent-Hill“-Spiels, das an die Ereignisse des ursprünglichen Games von 1999 anschließt. Dies wurde für den Film übernommen und mit erstaunlicher Konsequenz durchgehalten. Obwohl Sean Bean, Radha Mitchell und Deborah Kara Unger manchmal nur wenige Sekunden zu sehen sind, nehmen sie ihre Rollen aus dem ersten Film auf. Auch für das Problem, dass Sharon eigentlich mit ihrer Mutter in der Silent-Hill-Parallelweit zurückblieb, wurde eine ‚Lösung‘ gefunden: Sharon wurde von Rose quasi durch einen Spiegel geworfen und ist nun wieder mit Christopher zusammen.

Die Logik kommt unter die Räder

Bassett verliert so wenig Zeit wie möglich, um das Geschehen dorthin zu bringen, wo es das Publikum sehen will: nach Silent Hill! Bis es soweit ist, lässt er Sharon von Flashbacks und Visionen heimsuchen, die sie jedoch ignoriert, denn Bassett hat eine weitere Idee, wie er die jüngeren Zuschauer locken kann: Sharon, angeblich süße 17, benötigt ein Love Interest!

Auftritt Kit Harington, der als wuschelhaariger Rebell mit Schlafzimmeraugen in diese Bresche springt, die Finger jedoch keusch bei sich behält, da ihm offensichtlich die Rolle eines „Edward“ übertragen wurde. So heißt der genitalfreie aber nicht nur deshalb tragische Vampir, den Stephenie Meyer ab 2005 mehrbändig auf eine „Twilight“-Welt jungfräulicher Kindfrauen losließ, die sich in der Figur der moralinsauer-unbefleckten „Bella“ wiederentdecken konnten.

Allerdings lässt sich Adelaide Clemens nur bedingt in dieses Klischee pressen. Ohnedies vermeidet sie es sorgfältig, schauspielerisches Profil zu beweisen. In der Regel ist dies sowieso unnötig: Zumindest in Silent Hill irrt Heather/Sharon meist durch Korridore und Hinterhöfe und legt sich dabei mit der örtlichen Dämonenbrut an. Gerade deshalb ist der Versuch, die Generation 16+ abzufischen, so durchsichtig, dass es ärgert, zumal das Techtelmechtel der Handlung grob aufgesattelt wurde: So wie Bassett diese Geschichte erzählt, benötigt sie keinen Vincent.

Laufen & Raufen in Silent Hill

Wer nicht gerade ein Faible für klobige Monster, Rost und Schimmel hat, dürfte sich in Silent Hill mächtig langweilen. Wie Bassett den Stadtalltag darstellt, beschränkt sich die Mehrheit der verfluchten Bürger darauf, Neuankömmlingen unheimlich aus den Fenstern ihrer Wohnung hinterher zu starren. Irgendwo im Hinter- und Untergrund tückt die Sekte. In regelmäßigen Abständen heult eine Sirene, dann verstecken sich alle, denn ein riesengroßer Henker schlurft in Schlaghosen durch die Stadt und schleift sein Arbeitsinstrument dabei lautstark hinter sich her.

Mehr los ist in einer heruntergekommenen Irrenanstalt. Hier treiben allerlei Insassen wahnsinnige Possen nach Hollywood-Art, d. h. sie schreien, fuchteln mit den Armen und vernachlässigen ihre Körperhygiene. In einem Operationssaal treffen wir die Lieblings-Furien der „Silent-Hill“-Fans: die „Krankenschwestern“, die ihre üblichen Veitstänze aufführen und unsere Heldin mit spitzen und scharfen OP-Besteck malträtieren. Da „SH: Revelation“ in (echtem) 3D gedreht wurde, sorgt das für die bekannten Schreckmomente, wenn dem bebrillten Zuschauer die Brocken scheinbar um die Ohren fliegen.

In einer der verließähnlichen Zellen hockt ein unter Latex und Lumpen kaum erkennbarer Malcolm McDowell, der am Ende eines Monats offenbar wieder knapp mit der Rente war. In seinem Gummiwanst hütet er die Hälfte eines Amuletts, das Sharon unbedingt an sich bringen muss, um es mit ihrer ererbten Hälfte zu vereinen: Bassett erinnert sein Publikum gern und nie subtil daran, dass wir der Verfilmung eines Videospiels beiwohnen.

Aufgepasst, der Höhepunkt naht!

Zwischenzeitlich blendet Bassett immer wieder auf das Hauptquartier der Sekte um. Dort liegt Sean Bean in Ketten und kann sich – wenn auch etwas unbequem – zurücklehnen, denn die Ereignisse beobachtet er als reiner Zuschauer. Ungeduldig wartet die Oberpriesterin Claudia Wolf darauf, dass Sharon sich endlich zu ihr durchschlägt. Man verfolgt ihre Possen träge, bis irgendwann der Schock der Erkenntnis weckt: Unter der weißen Schminke und der lächerlichen Perücke steckt Carrie-Anne Moss, die sich auf diese Weise möglicherweise tarnen will. Um ihre Karriere steht es wohl schlecht, wenn sie sich für eine bessere Statistenrolle hergeben muss.

In dieser Phase unseres Films werden die bisher peinlichen Dialoge schmerzhaft. Eine Flut grausiger Plattitüden ergießt sich über uns, wenn sich Claudia und Sharon endlich gegenüberstehen und sich mit Vorwürfen, Drohungen und Ankündigungen schauerlich anstehender Taten überhäufen. Dann springt plötzlich der schon erwähnte Henker auf die Bühne. Es folgt ein kurzer Kampf, bevor der Schädel der Bösen über das Parkett kullert. Damit ist das ‚große Finale‘ bereits beendet. Es folgt noch der Abzug der überlebenden Hauptfiguren. Papa Christopher bleibt in Silent Hill, um nach seiner Gattin zu fahnden, und bringt sich schon für Teil 3 in Stellung. Selbstverständlich sorgt auch ein ‚überraschender‘ Last-Minute-Gag für die entsprechende Vorfreude, die sich freilich in Grenzen hält: „SH: Revelation“ konnte das Publikum nicht begeistern.

Dieses Spiel kann nicht verloren werden

Vor einer weiteren Fortsetzung kann uns das nicht unbedingt retten. „SH: Revelation“ ist kein kostspieliger Film. Während für den ersten Teil 50 Mio. Dollar ausgegeben werden konnten, musste Bassett mit weniger als der Hälfte dieser Summe auskommen. Wenigstens dieses Problem hat er lösen können: „SH: Revelation“ mag günstig produziert sein, wirkt aber niemals billig und wird sich auf jeden Fall amortisieren. Dass die meisten Monster nicht digital erschaffen, sondern altmodisch von maskierten und kostümierten Schauspielern dargestellt wurden, sorgt für eine Körperlichkeit, die ihre Bedrohlichkeit unterstützt.

Das eindrucksvollste Ungeheuer musste freilich trotzdem durch Computertechnik belebt werden. Die aus Puppenglieder und -köpfen zusammengesetzte ‚Spinne‘ ist zwar auch nur eine beliebige Episode der mechanisch auf zwischenzeitliche Höhepunkte zugespitzten Handlung, doch sie gibt immerhin einen Eindruck davon, welcher Film „SH: Relevation“ hätte werden können.

Hier manifestiert sich flüchtig sogar, was diesem ansonsten völlig abgeht: die albtraumhafte „Silent-Hill“-Atmosphäre. Immerhin ist dies ein Ort zwischen den Dimensionen. Die fremde, unkalkulierbar ‚kippende‘ Gegenwart von Silent Hill wurde im ersten Film deutlich thematisiert. Hier wird sie durch Routine-Gruseleffekte ersetzt. Dazu gehört auch Blut-und-Metzel-Szenen, die manchmal so drastisch ausfallen, dass man sich fragt, wieso die sonst so empfindliche FSK „SH: Revelation“ schon ab 16 Jahren freigab. Wurden sie als Ausgleich akzeptiert, weil sie einer ansonsten farblosen Handlung und entsprechend (eben nicht) aufspielenden Darstellern ein wenig Farbe verleihen? Dann müssten aber mehr Köpfe rollen; der Zuschauer ringt jedenfalls nicht wegen der in Silent Hill ständig vom Himmel rieselnden Asche, sondern vor Verdruss und Langeweile nach Luft. Geistig tot ist er nach anderthalb Stunden trotzdem. 3D kann ihn nicht am Leben halten.

DVD-Features

Nicht nur wer den Hauptfilm überstanden hat, kann auf die Extra verzichten. Völlig vergessen darf man die „Featurettes“: Verlogen übertriebene ‚Interview‘-Gesprächsfetzen werden mit megakurzen Ausschnitten aus dem Film verschnitten, der so manipuliert wie ein Action-Feuerwerk wirkt.

11 Minuten kann man verlängerte, veränderte oder gestrichene Szenen betrachten, die es so oder gar nicht in den Film geschafft haben; wieder einmal steht die Frage im Raum, wieso es nur diese Szenen erwischt hat, während so viele ähnlich missratenen Szenen den Schnitt überstanden haben.

Schließlich gibt es noch den deutschen und den Original-Trailer zu bewundern.

Im Internet darf man sich hier und hier zusätzlich mit verkappter Werbung berieseln lassen.

Kurzinfo für Ungeduldige: Um ihren dorthin entführten Vater zu retten, kehrt Heather in die Schattenstadt Silent Hill zurück, wo eine irre Sekte sowie ihre böse ‚Schwester‘ mordlüstern auf sie warten … – Der optischen Opulenz steht eine erschütternd schlichte Story gegenüber, die von der Eindimensionalität der Figuren noch in den Schatten gestellt wird: Verstand aus, Augen auf, sonst löst der Ärger zuschauerliches Hirn-Sodbrennen aus.

[md]

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