Skyline

Originaltitel: Skyline (USA 2010)
Regie: Colin Strause/Greg Strause (The Brothers Strause)
Drehbuch: Joshua Cordes/Liam O’Donnell
Kamera: Michael Watson
Schnitt: Nicholas Wayman-Harris
Musik: Matthew Margeson
Darsteller: Eric Balfour (Jarrod), Scottie Thompson (Elaine), Brittany Daniel (Candice), Crystal Reed (Denise), Neil Hopkins (Ray), David Zayas (Oliver), Donald Faison (Terry), Robin Gammell (Walt), Tanya Newbould (Jen), J. Paul Boehmer (Colin) u. a.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 12.05.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 5050582828672 (DVD) bzw. 5050582828696 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (Blu-ray: 93 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Der brotlose Künstler Jarrod wird von seinem Jugendfreund Terry, der es in der Filmstadt Los Angeles zu Ruhm und Reichtum gebracht hat, zu dessen Geburtstagsparty eingeladen. Begleitet wird er von Freundin Elaine, die auf den rechten Moment lauert, Jarrod über seine Vaterschaft zu informieren, bevor sie sich in ihrem Profil abzuzeichnen beginnt.

Die frohe Kunde wird nur mit gemischten Gefühlen aufgenommen, und Terry betrügt seine Lebensgefährtin Candice mit Assistentin Denise, was für zusätzliche Spannungen sorgt. Die entsprechenden Diskussionen werden jedoch vertagt, weil in der Nacht nach der Party gigantische Raumschiffe über der Stadt erscheinen, die monsterhafte Mischwesen aus Maschinen und Aliens sowie ein intensives blaues Licht ausschicken: Wer dort hineinblickt, wird erst magisch angezogen, um dann spurlos zu verschwinden.

So ergeht es den meisten Bürgern von Los Angeles, während sich Jarrod, Elaine, Terry, Candice und Denise erschrocken in Terrys Penthouse verbarrikadieren. Krakenähnliche ‚Sammler‘ suchen nach Menschen, die nicht ins Licht gingen, um sie individuell einzufangen. Durch die Straßen streifen noch gruseligere Kreaturen, wie die Freunde bei einem Ausbruchsversuch feststellen müssen, der diverse Menschenleben kostet.

Erste Gegenattacken des US-Militärs verpuffen, denn die Fremden sind nicht nur in der Überzahl, sondern verfügen über eine überlegende Technik; werden sie beispielsweise in Stücke geschossen, setzen sich diese wieder zusammen. Selbst eine Atombombe kann den Wesen nichts anhaben. Über die Frage, was nun zu tun ist, bricht in der Gruppe, zu der inzwischen Hausverwalter Oliver gestoßen ist, heftiger Streit aus, der noch durch die Entdeckung geschürt wird, dass Jarrod von einer Art Alien-Virus befallen ist und sich in eine der Kreaturen und damit zum Gegner in den eigenen Reihen zu verwandeln droht …

Die Wut der Aliens …

… ist verständlich, nachdem sie, die unsere Erde zwecks Aberntung menschlicher Gehirne überfallen haben, zumindest in Los Angeles feststellen müssen, dass ihre Beute von fragwürdiger Qualität ist; dies ist jedenfalls ein Schluss, den die Zuschauer ziehen, nachdem sie anderthalb Stunden unfassbar blöde Jungmänner und –frauen dabei beobachten mussten, die plan- und sinnlos zwischen dem Keller und dem Dach eines 15-stöckigen Hochhauses hin und her hasten.

Natürlich ist damit zu rechnen, dass eine Attacke der beschriebenen Art kopflose Panik begünstigt. Um dies glaubhaft zu vermitteln, müsste man allerdings Schauspieler engagieren und keine 3D-Platzhalter, deren Hampeleien bestenfalls zu ertragen sind, wenn sie in eine der (glücklicherweise zahlreichen) Action-Szenen verwickelt werden.

Der erfahrene (und damit leidgeprüfte) Zuschauer von Science-Fiction-Filmen der Güteklasse B abwärts weiß, was die Totenglocke geschlagen hat, wenn sich trotz offensiver Ausblendung solcher Mängel, der bedingungslosen Akzeptanz des modernen Kinos als reines Unterhaltungsvehikel sowie – der letzte Ausweg – sichtbegleitenden Alkoholgenusses Frustration und Ärger nicht mehr eindämmen lassen.

Doppelt verbockt hält besser

Dabei sollte man meinen, dass hinter der Kamera genug Talent und handwerkliches Geschick versammelt waren, treten Regisseur und Drehbuchautor doch jeweils im Doppelpack auf. Freilich erregen die drei Worte „The Brothers Strause“ Misstrauen und ungute Erinnerungen, haben uns diese beiden eher begeisterten als begabten Bilderstürmer doch 2007 mit ihrer ganz speziellen Fortsetzung des „Alien“/„Predator“-Doppel-Franchises beglückt (und diesem damit offenbar ein Ende bereitet).

Liam O’Donnell und vor allem Joshua Cordes kommen wie die Strause-Brüder aus dem Filmtrick-Geschäft. Für „Skyline“ lieferten sie ihr Debüt-Drehbuch; eine Tat, die viele Jahre später hoffentlich in ihrem Lebenslauf untergehen wird. Vermutlich hätten richtige Autoren aufgrund der eigentümlichen Entstehungsgeschichte dieses Films von vornherein die Waffen gestreckt. Nach eigener Auskunft haben die Strauses die Szenen mit ihren Darstellern für 500.000 Dollar abgedreht. (Dieser Teil der Geschichte klingt unmittelbar glaubhaft.) Anschließend sind sie mit diesem Torso in ihre digitale Hexenküche umgezogen und haben ihm Trick-Sequenzen im Wert von 10 Mio. Dollar aufgepfropft.

Schon eine leichte Verschiebung der genannten Summen hätte der Geschichte womöglich ein wenig mehr Drive gegeben und unsere Versprengten beispielsweise aus der Wohnung gebracht, in der sie mit angstvollen Mienen aus den Fenstern starren und beobachten, was in der Stadt geschieht. Dann wäre im Publikum wenigstens die Ahnung einer weltweiten Invasion aufgestiegen, deren Realität erst zum Finale durch Bilder angedeutet wird, die unsere Strauses vor allem aus Blockbuster-Vorlagen wie „Independence Day“ (1996) oder „Cloverfield“ (2008) abgekupfert haben.

Ein Königreich für eine Idee!

Ohnehin bekamen die Brüder mächtigen Ärger, weil sie quasi parallel zur Produktion ‚ihres‘ Filmes die Spezialeffekte für das SF-Invasions-Spektakel „Battle Los Angeles“ (2011) übernommen hatten und Auftraggeber Columbia Pictures argwöhnte, die Strauses würden mit ihrem Geld die Tricks für das eigene, inhaltlich ohnehin unerfreulich ähnliche Werk finanzieren. Der Gerichtsstreit wurde beigelegt, weil dies offensichtlich nicht geschehen war und ein möglicher Verdienstausfall an der Kinokasse selbst vor einem US-Gericht nicht geltend gemacht werden konnte.

Faktisch haben wir zwei inhaltshohle Filme, die einander unfreiwillig ergänzen: Während „Battle Los Angeles“ eisenharte Marines im Kampf gegen die Aliens beobachtet, zeigt „Skyline“ die Reaktionen der Zivilisten. Deren hilflose Verwirrung wird durch ein Drehbuch voller Logikbrüche enorm gesteigert. Obwohl es regelmäßig kracht und blitzt, kommt auch der Zuschauer rasch ins Straucheln. Was sind das für ‚Aliens‘, in deren Schädel sich irdische Menschenhirne einpassen lassen? Kommen sie, um Nachschub zu besorgen? Waren sie früher schon einmal da? Wieso geht die Blaulicht-Hypnose ausgerechnet bzw. nur bei Jarrod schief? Liegt es daran, dass er anders als seine halbgaren Freunde ein echter Vollidiot ist? Färben sich erst seine Augen und später sein Gehirn (bzw. das ersatzweise in seinem Hohlkopf stets am Rande seines begrenzten Limits arbeitende Organ) deshalb rot statt blau?

Die Aliens leuchten zwar blendend blau, sind ungeachtet dessen allerdings auch nicht viel heller in ihren Knollenschädeln. Mit ihrem Locklicht haben sie Los Angeles so gut wie leergefischt. Warum also der Aufwand, den die Einzel-Jagd nach den wenigen Flüchtlingen darstellt? Warum fliegen die Außerirdischen nicht einige Kilometer weiter, um z. B. die attackierenden Soldaten in ihren Basen zu enthirnen? (Auch hier mag der IQ-Gehalt der Ernte den Ausschlag geben: Welcher geniale Militärstratege hat beispielsweise den Befehl gegeben, das Alien-Mutterschiff mit einer ‚Atombombe‘ zu beschießen, die außer einem Blitz und ein bisschen Rauch nur ein Druckwellchen sowie keinerlei Todesstrahlung freisetzt?)

Sie wissen (hoffentlich) nicht, was sie tun

Der kluge Filmproduzent spart Geld mit Szenen, die sich darauf beschränken, die Darsteller im Gespräch zu zeigen. Das funktioniert gut, wenn das Publikum Gefühle für diese Figuren empfindet, die Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler zuvor gemeinsam entstehen ließen. Geschieht dies nicht oder misslingt es, haben wir geschmacksleer durchgekauten TV-Mainstream wie „Falling Skies“ oder eben einen Film wie „Skyline“: Die Schicksale der Figuren sind uns völlig schnuppe, und bald betrachten wir ihre Faxen als unwillkommene Intermezzos zwischen knalligen Action-Szenen.

Es ist den Strauses und ihren Autoren gelungen, ausschließlich unsympathische Figuren zu ungutem Leben zu erwecken. Während Donald Faison feixt & zahnig grinst, wie er es in „Clueless“ gelernt und in „Scrubs“ perfektioniert hat, entwickelt sich Eric Balfour zum echten Ärgernis. Mit seinem Schafsgesicht wurde er geboren; das kann man ihm nicht zum Vorwurf machen. Leider passt es furchtbar gut zu seiner lahmarschigen Rolle. Jarrod ist eine leere Hülle (mit modischen Tattoos). Dies trifft auf die anderen Figuren ebenfalls zu, doch er spielt die Hauptrolle. Ob er über die Nachricht seiner Vaterschaft erschrickt oder wie besessen mit einem Schlackenstein Alien-Schädel einschlägt: Sein Gesichtsausdruck ändert sich kaum; er erinnert stets an einen magenkranken Marabu.

Die weiblichen Rollen sind austauschbar. Scottie Thompson mutiert dank Baby im Bauch zur kampflustigen Heroine, weshalb sie nicht wie Candice oder Denise irgendwann (und zur Freude des Zuschauers) aus der Handlung genommen wird – schade, sie bleibt uns auch in der bereits angekündigten Fortsetzung erhalten. (Dass es die Strauses auf einen zweiten Teil angelegt haben, ist eindeutig, denn „Skyline“ bricht dreist mitten in der Handlung mit einem Cliffhanger ab.)

Das Hirn endet hinter den Augen

Zumindest in einem Punkt können die Strauses mit sich zufrieden sein: „Skyline“ wirkt deutlich ‚teurer‘ als die 10 oder 11 Mio. Dollar, die in diesen Film investiert wurden. Am Himmel über Los Angeles ist mehrfach buchstäblich die Hölle los. Die volle Breite des Bildes wird mit detailscharfen Motiven gefüllt. Da lässt sich verschmerzen, dass die Aliens ein Konglomerat aus anderen Filmen oder Games bekannter Formen und Fähigkeiten sind; sie langen tüchtig hin und lassen dabei ihre digitale Herkunft meist vergessen.

Wer sich mit Effekten zufriedengibt, dazu über die Langmut verfügt, die Klischees und schauspielerähnlichen Bemühungen der Darsteller auszublenden, sowie die durch Trailer und Werbegetöse geschürten Erwartungen verdrängt, fährt sicherlich am besten. „Skyline“ will mehr als trashige Unterhaltung bieten, doch trotz oder gerade wegen der manchmal erstaunlichen Bilder (und eines pseudo-bombastischen Scores, dessen kümmerlich kurzes Leitmotiv sich bis zum Erbrechen des Publikums wiederholt) wird erst recht deutlich, dass es zu mehr nicht gereicht hat.

DVD-Features

Die Strauses sind Film-Enthusiasten, die sich gern mitteilen. Zu der im Umfang zufriedenstellenden Sonderausstattung – sie wird dem DVD- wie dem Blu-ray-Kunden geboten, was heutzutage keineswegs selbstverständlich ist – gehört deshalb ein Audiokommentar der Brüder. Zu Wort melden sich außerdem die Autoren Liam O’Donnell & Joshua Cordes. (Die trauen sich was!)

Interessant ist natürlich, was im Hauptfilm nicht gezeigt wird. Dies schließt die immer gern gesehenen entfallenen sowie einige alternative Szenen ein. Unter dem Menüpunkt „Pre-Visualisierung“ wird deutlich gemacht, wie die Realszenen schon mit dem Blick auf die erst später integrierten Effekte gedreht wurden.

[md]

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