Species IV – Das Erwachen

Originaltitel: Species – The Awakening (USA 2007)
Regie: Nick Lyon
Drehbuch: Ben Ripley
Kamera: Jaime Reynoso
Schnitt: Robert Komatsu
Musik: Paul Cristo u. Kevin Haskins
Darsteller: Helena Mattsson (Miranda Hollander), Ben Cross (Tom Hollander), Dominic Keating (Forbes McGuire), Cynthia Francesconi (Collette), Roger Cudney (Leland Fisk), Marlene Favela (Azura) u. a.
Label/Vertrieb: 20th Century Fox Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 23.01.2009 (DVD)
EAN: 4045167006508 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Holländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 94 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Jung, blond und oberweitenstark ist Universitätsdozentin Miranda Hollander der Liebling ihrer männlichen Studenten. Ungemein klug ist sie außerdem, weshalb man im ehrwürdigen Oxford um sie buhlt. Privat lebt Miranda im Haus ihres Onkels Tom, der sie nach dem Tod der Eltern adoptiert hat und ebenfalls an der Universität lehrt.

Diese kleine, feine Welt bricht auseinander, als Miranda eines Morgens nackt und bewusstlos in einem Park gefunden wird. Im Krankenhaus mutiert sie zu einer weiterhin oberweitenstarken aber panzerschuppigen Kreatur, die das gesamte Personal der Unfallabteilung niedermetzelt. Tom erscheint und packt seine Nichte in den Wagen; anschließend beginnt eine rasante Flucht nach Mexiko.

Auf dem Weg dorthin gesteht ‚Onkel‘ Tom Miranda die Wahrheit: Mit seinem verrückten Assistenten Forbes McGuire hat er sich einst als Frankenstein versucht. Als das Duo einige Stränge anonym zugesandter Alien-DNS im Briefkasten fand, machten sie sich begeistert ans Werk, einen Hybriden aus ET und Erdenmensch zu basteln. Nach vielen unerfreulich endenden Versuchen entstand die perfekte Miranda. Tom besann sich auf seine Wissenschaftler-Ehre und verließ McGuire mit seiner ‚Nichte‘ im Schlepptau.

In der nun entschieden mannbar gewordenen Miranda gewinnen die außerirdischen Triebe die Oberhand. Um jeden Preis will sie sich vermehren. Untaugliche Kandidaten werden kurzerhand abgeschlachtet. Toms regelmäßige Injektionen menschlicher DNS schlagen nicht mehr an. Nur McGuire kann womöglich helfen. Er haust in dem finsteren Außenbezirk einer mexikanischen Stadt, wo er weiterhin obskuren Experimenten nachgeht.

Als Hollander ihn endlich findet, ist Mirandas Mutation schon weit fortgeschritten. Weibliche Stammzellen müssen Miranda übertragen werden. Eine entsprechende ‚Spenderin‘ muss Hollander im Rotlichtmilieu der Stadt finden …

Wenn wirklich alles egal ist …

Wie der lebensweise Leser dieser Zeilen bestätigen wird, sind aller guten Dinge nur im Sprichwort tatsächlich drei. Die Realität sieht selbst im Film bestürzend anders aus. Den abschreckend perfekten Beweis lieferte Regisseur Brad Turner bereits mit „Species III“, der ebenso billigen wie dümmlichen, ins College-Milieu verlegten Fortsetzung einer zum Franchise mutierten Serie, die 2004 ausschließlich entstand, um langmütigen „Species“-Fans noch ein paar Cents mehr aus den Geldbörsen zu melken.

Wahre Fans sind hart gesotten und Kummer gewohnt. Außerdem scheinen sie entweder notorisch hoffnungsvoll oder ein wenig naiv zu sein. Auf jeden Fall lernen sie langsam, was es möglich machte, dem erwähnten Machwerk noch eine Monster-Munkelei anzuhängen. „Species IV“ läuft als Film zwar stolz unter dem Gebrüll des klassischen „MGM“-Löwen an, entstand jedoch möglichst kostengünstig irgendwo in Mexiko und outgesourct in der Verantwortlichkeit einer kleinen Firma namens „360 Pictures“, die offensichtlich treiben durfte, was sie wollte, solange das dürftige Budget nicht überschritten wurde.

Zwar wurde die „Species“-Vorgeschichte weitgehend ignoriert, wie noch zu zeigen sein wird, aber in einem Punkt bewies man den Willen zur Konsistenz und heuerte abermals Ben Ripley für das Drehbuch an, der die Chance nutzt zu zeigen, dass er seit „Species III“ nichts dazugelernt hat. Das Ergebnis ist einer jener ‚Filme‘, die der Zuschauer als Trash goutieren sollte, um den Ärger über vergeudete Eintrittsgelder und Lebenszeit möglichst gering zu halten.

Invasion oder Infektion?

Der Verzicht auf jene Plotline, die allein die schon kruden ersten beiden „Species“-Teile von 1995 und 1998 aufwerteten, ist nicht dem Entschluss geschuldet, Ballast abzuwerfen, um sich auf den Kern der Saga konzentrieren zu können. Dafür sind die ungelenken Bemühungen, an die Vorgeschichte anzuknüpfen, ohne damit den Vergleich mit den ungleich üppiger budgetierten ersten beiden Teile zu provozieren, allzu deutlich spürbar. Reiner Geldmangel machte es erforderlich, eine Art Neustart zu entwerfen, ohne sämtliche „Species“-Reminiszenzen zu eliminieren.

Das Ergebnis ist übel, weil im Versuch auf halber Strecke steckengeblieben. Natürlich muss und kann vereinfacht und gerafft werden, wo die Mittel knapp sind. Man darf es aber nicht übertreiben. Schon in „Species III“ wurde das Jonglieren mit Genen, das in den Teilen 1 und 2 noch gewaltige Laboreinrichtungen erfordert hatte, in einer Art Heimwerker-Keller erledigt. Teil 4 schließt nahtlos an; Forbes McGuire wohnt sogar in seinem ‚Labor‘, dessen Hightech-Faktor primär durch vielfarbige Lichter definiert wird. Man sollte meinen, dass ein kluger Mann wie Tom Hollander ähnliche ‚Ergebnisse‘ daheim in den USA und unter Zuhilfenahme eines Chemie-Baukastens erzielen könnte.

Aber Tom und Miranda müssen nach Mexiko, weil a) wie schon erwähnt dort gedreht wird und b) solche genetischen Schweinereien zur Beruhigung der US-Zuschauerschaft nur außerhalb der heimischen Grenzen möglich sind. Schließlich weiß jede/r, dass in Mexiko Gesetzlosigkeit und Korruption regieren. „Species IV“ liefert gern und oft entsprechende ‚Beweise‘. So ist es in diesem Land u. a. möglich, fehlgeschlagene aber funktionstüchtige Hybriden aus dem Labor zu werfen, damit sie auf den Straßen ihr Unwesen treiben. Ein paar Morde mehr fallen dort wohl nicht ins Gewicht, zumal jener Mutant, der zwischenzeitlich Tom Hollander ans Leder will, tagsüber als Taxifahrer arbeitet …

Handlung heißt, dass es sich bewegt …

Selbstverständlich verdient ein B-Movie wie „Species IV“ mildernde Umstände. Die Logik ist nicht der Realität verpflichtet, weshalb es Tom Hollander möglich ist, ein US-Krankenhaus, in dem sich die Leichen türmen, mit der Hauptverdächtigen unbemerkt durch einen Nebeneingang zu verlassen. Auch McGuires Do-It-Yourself-Hybriden finden in dieser Trash-Welt ihren Platz; die großbusige Alura – man bedenke, dass US-amerikanische Männer für das Layout der weiblichen Labormäuse verantwortlich sind – kann also problemlos als Nonne verkleidet am helllichten Tag von Dach zu Dach springen.

Doch innerhalb des erzählten Wahnsinns sollte ein roter Faden erkennbar werden. In „Species IV“ stolpern wir ständig über Knoten. So bleibt jener Handlungsstrang, der Tom Holländer an einen leutseligen aber lumpigen Texaner geraten lässt, unverständlich: Wer ist dieser Leland Fisk? Gehört er zu McGuires Schergen? Wieso lockt er Hollander in eine Todesfalle? Zwar prügeln Onkel und Nichte die Wahrheit später aus ihm heraus. Dies geschieht jedoch hinter verschlossener Hotelzimmertür, und wir Zuschauer werden nicht ins Vertrauen gezogen.

Die Figurenzeichnung ist das eigentlich Außerirdische an diesem Film. Erst hetzt Alura Hollander durch die Stadt, später hilft sie ihm und Miranda, schließlich will sie beide umbringen. Über ihre Intention muss man rätseln; hilfreich ist höchstens die Annahme, McGuire habe abermals Labor-Murks fabriziert. Das ist wahrscheinlich, da dieser angeblich so geniale Gen-Pfuscher nicht einmal einen Pudel sauber klonen kann. (Das soll als breitgewalzter Gag übrigens für einen Lacher sorgen.) Mal stirbt Miranda, dann mutiert sie zum Alien; mal ist dieser Prozess irreversibel, im nächsten Moment gibt es doch eine Therapie. Dafür muss Onkel Tom eine Stammzellen-Spenderin auftreiben, die McGuires Rosskur nicht überleben wird. Tom windet sich in moralischen Qualen, wird aber um der geliebten ‚Nichte‘ willen weich, was uns einen vor Latino-Klischees wimmelnden Ausflug in die mexikanische Kneipenwelt beschert, durch die Tom als aus jeder Entfernung verdächtiger Gringo auf Frauenfang irrt.

Monster-Wrestling & CGI-Schlampereien

Filme wie „Species IV“ bringt jeder Schauspieler irgendwie hinter sich. Mimisches Talent wird – falls vorhanden – für lohnendere Aufgaben aufgespart. Deshalb chargieren vor allem Ben Cross und Dominic Keating, als solle man ihnen schon aus kilometerweiter Entfernung anmerken, dass sie rollengemäß ‚wütend‘ oder ‚verzweifelt‘ oder ‚böse‘ sind. Frau Mattssen berücksichtigt, was man sie in Model-Tagen gelehrt hat, und legt die hohe Stirn möglichst selten in Falten.

Als sich „Species IV“ der vertraglich vereinbarten 90-Minuten-Grenze nähert, läutet Regisseur Lyon wie üblich ohne Rücksicht auf die Handlung erbarmungslos das Finale ein. Bisher hat er sich mit den Spezialeffekten zurückgehalten, um Geld zu sparen. Stattdessen werden in den Kulissen – Hinterhöfe, Parkhäuser, Rohbauten – grüne, rote, blaue und gelbe Lampen aufgestellt, die gern stroboskopartig flackern. Auf diese Weise sieht der Zuschauer nicht genau, wie kümmerlich diese Schauplätze sind.

Da wir uns im 21. Jahrhundert befinden, lassen CGI-Alien-Tentakel CGI-Blut spritzen, was in der „Species-IV“-Preisklasse genauso billig aussieht wie es klingt. Im erwähnten Finale gibt es einen ‚grandiosen‘ Zweikampf zwischen Alien-Azura und Alien-Miranda. Die Masken folgen dem „Sil“-Konzept des originalen „Species“-Films, das auf niemand Geringeren als H. R. Giger zurückgeht. Leider sind die auch hier großzügig verteilten Buntleuchten gerade zahlreich genug, um die Plastik- und Gummi-Lastigkeit der Alien-Pellen zu enthüllen. Dem Regisseur sei noch ins Stammbuch geschrieben, dass es nicht lohnt, stützende Seile aus dem Bild tilgen zu lassen, wenn die angeblich sprunggewaltigen Aliens trotzdem bleischwer durch die Lüfte baumeln.

Ist das jetzt das Ende?

Zu einem miesen Film gehört ein mieses Ende. Deshalb genügen je ein doppelter Bauchstich bzw. eine simple Schrotladung, um zwei Kreaturen ins Jenseits zu befördern, die zuvor nicht einmal umzubringen waren, wenn man ein tonnenschweres Kruzifix auf sie stürzte. Sogar MGM hat begriffen, dass nicht nur Azura und Miranda, sondern auch das „Species“-Franchise mausetot ist. (Vergessen wir mal, dass noch diverse McGuire-Hybriden durch die Stadt geistern – wir wollen schließlich keine B-Filmschaffenden auf dumme Gedanken = „Species V“ bringen!) Anders als in den Vorgänger-Filmen gibt es dieses Mal keine ‚Überraschung‘ in letzter Film-Sekunde: Es springt kein Monster-Nachwuchs ins Bild! Das Franchise ruht bis zum Reboot …

Wieso ist die deutsche Fassung dieses Trauerspiels erst ab 18 Jahren freigegeben? Mit Metzel-Mumpitz dieser Minus-Qualität konfrontiert uns das Privat-Fernsehen schon ab 20 Uhr. Nicht einmal die nun schon mehrfach erwähnten Brustweiten gibt es hüllenlos zu bewundern. Was 1995 und 1998 freigelegt wurde, ist aktuell nicht einmal im Billig-Kino möglich. Dabei stammt Hauptdarstellerin Helena Mattsson sogar aus Schweden, ist also eine per Geburt zügellose Europäerin, die sicherlich blankgezogen hätte; vermutlich war auch dafür kein Geld dar. „Species“ ohne Sex mutet allerdings sinnlos an; der unbedingte Fortpflanzungstrieb der Hybriden ist schließlich der Treibriemen der Saga.

Unfreiwillig entlarvend beschreibt der Untertitel die Reaktion auf das hier wortreich Gesagte: Ein abruptes, grausames „Erwachen“ erwartet den Zuschauer, der zu diesem Film greift; vielleicht schärft es die Aufmerksamkeit und fördert den Verzicht, wenn wieder einmal eine beliebte Serie durch eine verdächtig nummernhohe Fortsetzung in die Länge gezogen werden soll …

DVD-Features

„Interviews“ oder ein „Making of“ haben sich die für „Species IV“ Verantwortlichen klug verkniffen; schließlich genügt der Hauptfilm vollauf, um das Publikum in Zorn zu versetzen.

[md]

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