Spirit Trap – Die Geisterfalle

Originaltitel: Spirit Trap (GB 2005)
Regie: David Smith
Drehbuch: Phil O’Shea, Rohan Candappa u. Paul Finch
Kamera: Nick Sawyer
Schnitt: Simon Cozens
Musik: Guy Fletcher
Darsteller: Billie Piper (Jenny), Luke Mably (Tom), Sam Troughton (Nick), Emma Catherwood (Adele), Alsou [d. i. Alsou Ralifovna Abramova] (Tina), Chiké Okonkwo (Edmund Joseph), Ovidiu Matesan (Zack), Colin Dent (Taxifahrer) u. a.
Label/Vertrieb: Galileo Medien AG
Erscheinungsdatum: 05.10.2006 (DVD)
EAN: 4260090985038 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 Surround (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min.
FSK: 16

Titel bei Libri.de
Titel bei Amazon.de

Das geschieht:

Die Suche nach einer kostengünstigen Unterkunft führt fünf sehr unterschiedliche Studenten zusammen: Tom und seine Freundin Adele sind im Drogenhandel aktiv; nach einem Skandal, der einen ‚Kunden‘ das Leben kostete, wollen sie erst einmal untertauchen. Die sensible Jenny hat lange ihre kranke Mutter gepflegt und möchte nach deren Tod zur Ruhe kommen. Der proletarische Nick sucht einfach eine billige Bleibe, während die exotische Tina sich über ihre Vergangenheit ausschweigt.

Von der studentischen Wohnungsvermittlung wurden sie in der alten Villa „Fortune Green“ untergebracht, deren ehemaliger Glanz sich in schäbige Baufälligkeit verwandelt hat. Aber die Miete ist niedrig und das Platzangebot sensationell. Die fünf jungen Leute wollen es miteinander versuchen, obwohl vor allem der arrogante Tom und die zynische Adele schwierige WG-Genossen sind.

Vom ursprünglichen Mobiliar ist eine schöne russische Uhr geblieben, die Nick in Gang setzen kann. Auf diese Weise weckt er buchstäblich die Geister des Hauses. Vor genau 100 Jahren hat sich hier ein Drama mit tödlichem Ausgang abgespielt. Der gewaltsame Tod zweier Liebender hat ihren endgültigen Gang ins Jenseits verhindert. Nun sehen die Geister eine Chance, denn sollte es gelingen, die neuen Mieter so gegeneinander aufzuhetzen, dass bis Mitternacht einer von ihnen zu Tode kommt, sind die Verdammten erlöst.

Schon ein erster Versuch sorgt wie geisterhaft erhofft für Spannungen: Als Tom merkt, dass sein Drogenkoffer verschwunden ist, brennt ihm die erste Sicherung durch. Auch später erweist er sich als idealer Kandidat für unsere Geister, die inzwischen „Fortune Green“ nach außen fest abgeriegelt haben. Bis Mitternacht muss eine Entscheidung fallen. Im Innereren kommt es zum Kampf auf Leben und Tod, der dadurch erschwert wird, dass nicht mehr alle Teilnehmer lebendig sind …

Geistlose Geistergeschichte

Wer kennt sie nicht, diese Nächte, in denen Schlaflosigkeit im bösen Bund mit Konzentrationsmangel dazu verführt, zu Ablenkungen zu greifen, die man wacheren Geistes aus guten Gründen (die in unserem Fall weiter unten zur Sprache kommen werden) unbeachtet lässt? Sei immer vorsichtig, lautet das Motto vor allem des Horrorfilm-Freundes, der in der Ausübung seines Hobbys auf manchen Schrecken stößt, der so von seinen Urhebern ganz sicher nicht gemeint ist.

Auch „Spirit Trap“ sollte ursprünglich gewiss seinem Publikum unterhaltsamen Grusel bescheren. Regisseur Smith verschaffte sich einen sicheren Ankerpunkt und wählte eine Geisterhaus-Geschichte als Grundlage für seinen Spielfilm-Erstling (der bisher – und der Rezensent weiß, warum! – sein einziger Spielfilm blieb). Arglose Tröpfe geraten in ein Haus, in dem es spukt: Das funktioniert unter Berücksichtigung gewisser und gar nicht einmal zahlreicher Regeln in der Regel gut. Missachtet man Regeln, hat man erst ein Problem und schließlich einen Film wie „Spirit Trap“.

Geister benötigen eine bestimmte Atmosphäre sowie eine gewisse Anlaufzeit, bevor sie in Fahrt kommen. Dies war Smith immerhin klar, weshalb er im kostengünstigen Rumänien eine gewaltige Kulisse schreinern ließ, die das Innere des Geisterhauses quasi 1 : 1 nachbildete, was den Anschein modriger Realität verstärkte sowie ausgedehnte Kamerafahrten mit der Steadicam ermöglichte, die auszusuchen sich Smith offensichtlich wesentlich größere Mühe gab als bei der Wahl der Drehbuch-Autoren. Drei von ihnen hat er verschlissen; fest steht, dass sie dem angemaßten Titel allesamt keine Ehre erwiesen. (Aber das Schicksal ist manchmal gerecht: Chef-Autor Phil O’Shea schreibt inzwischen für die Serie „Chuggington“: Drei digitale Lokomotiven erleben Abenteuer, aus denen Kinder unter 3 Jahren fürs Leben lernen sollen.)

Fünf schräge Vögel haben keine Zeit für Spuk

In unserem Geisterhaus kommt nach dem Willen des Regisseurs eine möglichst buntgemischte Schar zusammen, die primär ihr gutes Aussehen eint, denn schließlich wird in manchen Szenen die Kleidung knapp und verschwindet einmal sogar vollständig. Außerdem scheint die gesamte Gruppe mit partieller Blindheit geschlagen zu sein: Zwar regt man sich auf, dass es in einem seit 100 Jahren leer stehenden Haus recht schmutzig zugeht, lässt sich dann aber putzlappenfrei auf morschen Möbeln und staubigen Laken nieder.

Nur für die Reparatur der Geister-Uhr nimmt man sich Zeit. Aus dramaturgischen Gründen muss sie laufen, obwohl der Spuk bereits ohne sie begonnen hat. Andererseits ermöglicht ihre Existenz den wiederholten Blick auf knarrende Zahnräder und rotierende Mondsymbole, denen zuverlässig eine Spuk-Attacke folgt. Der Zuschauer lernt schnell und unterbricht seinen halbkomatösen Schlaf, sobald die Kamera genannte Uhr ins Bild rückt. Es könnte ja dieses Mal etwas Interessantes geschehen!

Meist balgen sich jedoch nur unsere Studenten. Tom und Adele geben sich dekadent verworfen und führen andeutungsweise SM/Fessel-Sex vor. Tina hockt meist in ihrem Zimmer und bläst Trübsal. Nick tölpelt der friedlichen Jenny hinterher. Man tauscht düstere Kindheitserlebnisse aus und sucht nach ‚logischen‘ Erklärungen für allerlei seltsame (und finanziell günstig zu realisierende) Phänomene.

Wird das noch was?

Da unsere Studenten den Ereignissen mindestens ebenso ratlos wie das Filmpublikum gegenüberstehen, versteckt unser Drehbuch-Trio hilfreich ein altes Tagebuch in der Geister-Uhr. Nick hat es schon bei der Reparatur gefunden aber umgehend vergessen, denn sein Inhalt soll erst im letzten Drittel der Handlung verkündet werden. Bisher tobte hin und wieder ein altertümlich gekleideter Geister-Mob (mit Fackeln!) durch die Gänge und meuchelte den schwarzen Hausdiener Edmund Joseph. Ausgerechnet er, der den besten Grund zum Umgehen hätte, bleibt ein passiver Schatten aus der Vergangenheit. Jennys tote Mutter ist da wesentlich aktiver; sie ruft aus dem Bilderrahmen, meldet sich per Handy und mischt sich handfest in des Töchterleins Träume ein.

Das Tagebuch enthüllt endlich die Vorgeschichte, drückt sich aber um die Frage, wie ein Lynchmord im London des Jahres 1905 stattfinden und ungesühnt bleiben konnte. Und warum müssen genau und ausgerechnet 100 Jahre verstreichen, bis die Weichen in Richtung Erlösung gestellt werden können? Wieso ist der Preis dafür ein neuerlicher Tod, der auch noch einen an der damaligen Tragödie völlig Unschuldigen treffen muss? (Und wenn wir schon dabei sind, Fragen zu stellen: Warum fällt in der Anfangssequenz dem neugierigen Tramp ein Ziegel spaltend auf den Schädel? Er hat keinen Schritt in das Haus gesetzt.)

Wen es erwischen wird, weiß nicht nur der fleißige Filmbetrachter, sobald unsere fünf Studenten erstmals in einem Raum stehen. Die Rollen des Kanonen- bzw. Geisterfutters sind schnell verteilt, die blonde Jenny und der blöde Nick werden leider überleben. Dies ist kein Spoiler, sondern fügt sich in das brüchige Gewebe einer Handlung, deren Verursacher tatsächlich der Meinung zu sein scheinen, sie könnten uns über die wahre Identität des Hauptgeistes täuschen!

Nachwuchs hat’s schwer …

Zur seltenen Abwechslung behalten die Darsteller dieses filmischen Trauerspiels sämtlich weiße Westen. Smith hat zwar noch junge (und damit rollenkonforme) aber erfahrene Schauspieler engagiert. Da diese meist für das Fernsehen arbeiten, sind sie enge Drehpläne und Budgetgrenzen gewöhnt und stimmen ihre Arbeit darauf ab.

Mit Billy Piper und Alsou treten gleich zwei Darstellerinnen vor die Kamera, die auch als Sängerinnen aktiv sind. Piper gibt die verhuschte Tochter mit dem zweiten Gesicht so gut bzw. überzeugend, wie das Drehbuch es ihr gestattet. Luke Mably und Emma Catherford haben es besser: Als Lumpen-Pärchen können sie dem Zirkus-Affen richtig Zucker geben. Vor allem Mably mimt den dauersaufenden, koksnasigen und irren Tom voller Inbrunst. Dem armen Sam Troughton bleibt die undankbare Rolle des ‚besten Freundes‘, und Alsou muss aus offensichtlichen Gründen vor allem geheimnisvoll bleiben.

Gute Geister kosten Geld

Der Spuk musste aus kleiner Börse gezaubert werden. Also besann sich Smith auf die Tricks des 20. Jahrhunderts. Einfache Überblendungen, dazu Kamerafilter und ‚geisterhaft‘ verzerrte, überbelichtete oder farblich veränderte Szenen: Was in einem wirklich guten Geisterfilm funktionieren könnte, wird hier als ausrangierter Hokuspokus peinlich offenbar.

Ohnehin lässt Smith seine Schauspieler lieber ausgiebig durch die teure Kulisse laufen. Treppauf, treppab geht es immer wieder in und durch spärlich dekorierte Räume, ohne dass dieser Hast ein nachvollziehbares Motiv zugrundeläge. Die nur rudimentäre Gruselstimmung wird endgültig in den staubigen Holzboden getreten.

Alles wird natürlich irgendwie gut, denn schließlich winken allerlei befreite Geister in die Kamera. Allerdings fällt einem der Jungs aus dem Team, das nun „Fortune Green“ niederreißen soll, schon wieder (beinahe) ein Ziegel auf den Kopf: Deutet sich hier womöglich eine Fortsetzung an? Sie wurde aufgrund des enttäuschenden Abschneidens von „Spirit Trap“ an den Kinokassen allerdings nie realisiert, sodass sich letztlich auch die Zuschauer erlöst fühlen können: Zumindest diese Geister werden sie nicht mehr mit ihrem Schmalspur-Spuk heimsuchen.

DVD-Features

Kaum zu glauben, aber das inzwischen verblichene Label, das „Ghost Trap“ als DVD nach & über Deutschland brachte, hat derselben echtes Zusatzmaterial aufgebrannt. (Wünschenswerter wäre allerdings größere Sorgfalt in Sachen Bild- und Tonqualität gewesen.) So gibt es unter dem Titel „The Ghost Story“ eine 22-minütige ‚Dokumentation‘ über ‚echten‘ Geisterspuk, die im denkfähigen Zuschauer große Heiterkeit aufkommen lässt.

Die Interviews mit den Darstellern kann man sich sparen. Sie haben selbstverständlich im besten Film aller Zeiten gespielt und vor & hinter der Kamera mit reinen Engeln zusammengearbeitet. In einem separaten Interview schwärmt David Smith von seinem Spielzeug, der Steadicam.

[md]

Titel bei Libri.de
Titel bei Amazon.de