Splinter

Originaltitel: Splinter (USA 2008)
Regie: Toby Wilkins
Drehbuch: Kai Barry, Ian Shorr, Toby Wilkins
Kamera: Nelson Cragg
Schnitt: David Michael Maurer
Musik: Elia Cmiral
Darsteller: Shea Whigham (Dennis Farell), Paulo Costanzo (Seth Belzer), Jill Wagner (Polly Watt), Rachel Kerbs (Lacey Belisle), Charles Baker (Tankwart), Laurel Whitsett (Sheriff Terri Frankel)
Label u. Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment (www.ascot-elite.de)
Erscheinungsdatum: 20.05.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 7613059800823 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 79 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Seth und Polly wollen den Jahrestag ihrer Beziehung mit einem Camping-Ausflug in die Waldwildnis von Oklahoma feiern. Dennis, ein gerade haftentflohener Lkw-Dieb, und seine drogensüchtige Freundin Lacey sind unterwegs ins auslieferungssichere Mexiko, als ihr Wagen mit einem Motorschaden liegenbleibt. Die Wege der beiden Paare kreuzen sich, und flugs werden Seth und Polly von Dennis und Lacey als Geiseln genommen und zu Chauffeuren ernannt.

Als Polly in ihrer Aufregung ein Waldtier überfährt, wird der Wagen beschädigt. Tatsächlich hat es eine urzeitliche Kreatur erwischt, die sich mit Hilfe scharfer Stacheln in tierische oder menschliche Körper bohrt, um diese nach und nach zu ‚übernehmen‘. Das Gehirn übersteht diese Tortur nicht, und der Körper unterliegt einer bizarren Metamorphose, während das intelligenzfreie aber stets hungrige und sehr flinke Wesen neue Opfer jagt.

Den Eigentümer der kleinen Tankstelle, die einsam an der kaum befahrenen Straße liegt, hat der Parasit bereits geschnappt. Als unser Quartett dort mit rauchendem Wagenmotor auftaucht und nach Hilfe fragt, findet Lacey ihn von Splittern durchbohrt in der Toilette. Auch sie kann der Kreatur nicht mehr entkommen, ihr Körper wird assimiliert und belagert die geschockten Überlebenden, die sich im Inneren der Tankstelle verbarrikadieren – ein fragwürdiger Schutz, denn auch abgetrennte Körperteile gehorchen dem Kollektivinstinkt des Wesens, und sie finden bald ihre Schlupflöcher hinein …

Von der Außenwelt abgeschnitten und in akuter Lebensgefahr, tun sich Kidnapper und Geiseln zusammen. Sie suchen nach der Achillesferse ihres Gegners, während sie diesen verzweifelt abwehren, doch einer ist bereits infiziert, wird sich bald verwandeln und an der Jagd beteiligen …

Kammerspiel mit digitalem Monster-Gaststar

Nicht nur der erfahrene Filmfreund wird – höflich ausgedrückt – angesichts der skizzierten Handlung diverse thematische und inhaltliche Parallelen zu bereits gesehenen Filmen feststellen. In der Tat ist der Plot von „Splinter“ ebenso alt wie klassisch: Eine kleine Schar durch Herkunft und Charakter eigentlich unvereinbarer Personen wird von einem übermächtigen Feind belagert. Man muss sich um des Überlebens willen zusammentun, was meist nur bedingt klappt und dem Geschehen eine weitere Spannungsebene beschert: Wird die Verteidigung hinter der Barrikade halten, oder kippt einer um und löst jenen Dominoeffekt aus, der dem Gegner die Möglichkeit verschafft, die Linie zu durchbrechen, was den großen Finalkampf auslöst?

Wie so oft liegt der Reiz in der Variation des bekannten Prinzips. Regisseur Toby Wilkins, der auch am Drehbuch mitschrieb, war gut beraten, für „Splinter“, einen unabhängig von den großen Hollywood-Studios produzierten Film, auf Bewährtes zurückzugreifen. Geld war knapp und Wilkins ehrgeizig; im Interview betont er, dass er „Splinter“ den Look eines wesentlich budgetstärkeren Films geben wollte. Das ist ihm gelungen, was er einerseits der modernen und digital gewordenen Filmtechnik verdankt, die beachtliche Möglichkeiten einer effektreichen Nachbearbeitung bietet, während er andererseits den Dreh sehr präzise und unter Berücksichtigung ökonomischer Beschränkungen plante.

„Splinter“ beschränkt sich auf einen zentralen Schauplatz – die Tankstelle -, und es treten überhaupt nur sechs Schauspieler auf. Gedreht wurde nicht im Studio, sondern vor Ort, d. h. tatsächlich in einem (nicht wirklich abgelegenen) Winkel des US-Staats Oklahoma. Sogar die Tankstelle gab es bereits als Rohbau, der unter der Leitung von Set-Gestalter E. J. Holland für den Film umgebaut wurde.

Ein Großteil des zur Verfügung stehenden Geldes floss in die Konzeption, Gestaltung und Umsetzung der „Splinter“-Kreatur, eine Entscheidung, die nicht verwundert, da Wilkins seine Filmlaufbahn als Schöpfer möglichst eindrucksvoller Spezialeffekte begann, und die in diesem Fall die definitiv richtige war: „Splinter“ ist kein Film der echten Überraschungen, weshalb ein Furcht einflößendes Monster große Bedeutung gewinnt. Klassische Modelltechnik mischt sich mit modernem Digitalhandwerk – eine Symbiose, die funktioniert, zumal Wilkins klug beschloss, das Wesen meist in dunkler Nacht durch das Bild huschen zu lassen bzw. es nur in Ausschnitten zu zeigen, was der Illusion sehr zugutekommt.

Richtig gedacht heißt nicht richtig gemacht

Die Voraussetzungen für ein gutes weil unterhaltsames B-Movie waren also gegeben. Weitere Pluspunkte lassen sich fixieren: „Splinter“ ist weder verdruckster Teenie-Horror noch „torture porn“, sondern erzählt eine altmodische Geschichte, die an Ekeleffekten nicht spart, sie aber in die Handlung integriert. Wilkins macht Tempo und bringt seinen Film in knappen 80 Minuten zum Ende. Leerlauf gibt es nicht. Kameramann Nelson Cragg versteht seinen Job. Er fasst das Geschehen geschickt in Bilder und weiß den Kontrast zwischen Licht (Tankstelle) und Dunkelheit (Nacht) effektvoll zu nutzen.

So bleibt der Schwarze Peter (heutzutage gern auch „Arschkarte“ genannt) dem Drehbuch-Trio Barry, Shorr und – Wilkins. Sie leisten in den ersten beiden Dritteln solide Arbeit, um dann einige Entscheidungen zu treffen, die der Zuschauer nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen kann.

Viele Minuten vergehen mit Seths Versuch, aus der Tankstelle zu einem Fluchtwagen zu gelangen, ohne von der Kreatur gepackt zu werden. Da diese sich nach der Körpertemperatur ihrer Opfer orientiert, lässt Seth sich vor seiner Tat zwischen dicke Eisbeutel packen, um sich auf 32° abkühlen zu lassen. Das ist – hier liegen die Drehbuchautoren richtig – eine höchst gefährliche Rosskur. Entsprechend lahmfüßig stolpert Seth dem rettenden Automobil entgegen. Das soll spannend wirken, während wir uns stattdessen fragen, wieso der Trottel sich die Eisbeutel nicht in oder an der Kleidung befestigt hat … (So scharfsichtig scheint unser Splitter-Monster ja nicht zu sein, da es sich durch abbrennende Feuerwerkskörper foppen lässt.)

Einen wahren Dolchstich in den Rücken verpassen die Drehbuchautoren ihrem Werk, als sie Dennis in einen Heiligen umkrempeln möchten: Er ist aus dem Knast ausgebrochen. Mit blanker Waffengewalt hat er Seth und Polly in seine Gewalt gezwungen, ihnen den Revolver mehr als einmal an den Kopf gesetzt sowie zugeschlagen. Vom Saulus zum Paulus gewandelt, versucht er uns, den Zuschauern, allen Ernstes weiszumachen, er habe auf der Flucht über die Grenze kurz an einem alten Beuteversteck haltmachen wollen, um der Witwe eines früheren Opfers das Geld als Sühne zu schicken! Von diesem Schwachsinn erholt sich der Film nicht mehr.

Routinierte Profis ohne Illusionen

Worunter vor allem Shea Whigham leidet, der als Dennis diesen Unfug von sich geben muss. Allerdings ist er Kummer gewöhnt, denn er gehört in die Schar fast namenloser Schauspieler, die sich ihr Geld hart verdienen müssen und auf Starruhm nicht (mehr) hoffen dürfen. TV-Darsteller werden gern für Billigproduktionen angeheuert, weil es ihr Job ist, schnell und gut zu arbeiten. Große Schauspielkunst wird von ihnen weder geboten noch erwartet. Auch Paulo Costanzo hat sich bisher als Nebendarsteller in diversen Fernseh-Comedys verdingt. Jill Wagner verdankt ihren bescheidenen Bekanntheitsgrad einer Werbekampagne, die sie als „Mercury-Chick“ im Dienste der Automobilmarke Lincoln-Mercury herausstellte. Ihr größter schauspielerischer ‚Erfolg‘ war bisher eine Hauptrolle in der grottig gescheiterten TV-Serie „Blade“.

Alle Darsteller sind in ihren (frühen) dreißiger Jahren; Whigham ist deutlich älter. Teenies können und sollen sie glücklicherweise nicht mimen, sondern erwachsene Menschen mit entsprechenden Geistesgaben. Soweit das Drehbuch es vorsieht, schlüpfen die Schauspieler erfolgreich in ihre Rollen. Vor allem Costanzo darf sich glücklich schätzen; ihm gönnt man die Verwandlung vom nerdigen Tropf zum schrotflintigen Überlebenskämpfer, ohne dass er dabei zur Witzfigur mutiert.

„Splinter“ ist letztlich ein Film, der nach stabilem Auftakt vor allem im letzten Drittel dramaturgisch zersplittert. (Dieser Kalauer war längst fällig …) Der schöne Gestaltungsschein und die Reduktion auf das Wesentliche können die Drehbuchschwächen nicht ausgleichen. Dass es sehr viel schlechtere Filme als „Splinter“ gibt, sollte dafür keine Entschuldigung sein. Es wäre leicht gewesen, einige offensichtliche Fehler zu vermeiden. Dies wurde versäumt, und dadurch die Chance verspielt, „Splinter“ zumindest zu einem B-Movie-Klassikerstatus zu verhelfen.

DVD-Features

Die Extras zum Hauptfilm beschränken sich im Grunde auf das obligatorische „Making of”, das hier wie oft heutzutage üblich in mehrere „Featurettes“ zergliedert wurde, die im Menü eine Info-Fülle vortäuschen, die sich bei näherer Betrachtung relativiert. Trotzdem lassen sich den Schnipseln verschiedene Informationen entnehmen, die interessante Einblicke in eine moderne Low-Budget-Produktion gestatten, die nicht nur durch beschränkte Mittel, sondern auch durch das von extremer Hitze, Stürmen und Wolkenbrüchen geprägte Sommerklima Oklahomas geprägt wurde.

Gleich zwei Audiokommentare (von Regisseur und Schauspielern bzw. von Kameramann und Cutter) wurden aufgespielt, die freilich übersetzt und untertitelt sicherlich einfacher zu verfolgen wären. Der Originaltrailer darf natürlich nicht fehlen, und eine Bildergalerie zur Genese der „Splinter“-Kreatur gibt es ebenfalls.

Witzig ist ein gefakter Werbespot: Darstellerin Jill Wagner führt vor, wie sich im heimischen Bastelstudio „Splinter“-Halloween-Kürbisse herstellen lassen.

Auch im Internet ist „Splinter“ vertreten:
www.splinterfilm.com

Angeblich Toby Wilkins persönlich führt einen (verdächtig mit Werbung aufgeplusterten) „Splinter“-Blog:
http://splinter.tumblr.com

[md]

Titel bei Amazon.de:
Splinter
Splinter [Blu-ray]

PREISRÄTSEL 3 x 1 DVD FSK 16
Um einen Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Frage beantwortet werden: Wie heißt die weibliche Hauptdarstellerin?
Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” eintragen. Danke.

Sobald zwanzig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost.

Die drei Gewinner lauten: Jessica Langer, Birgit Schöpf, Christoph Will-Mendelson, herzlichen Glückwunsch!