Static – Bewegungslos

Originaltitel: Static (USA 2012)
Regie: Todd Levin
Drehbuch: Gabriel Cowan, Todd Levin, Andrew Orci u. John Suits
Kamera: Johnny Ching
Schnitt: John Suits u. Jon D. Wagner
Musik: Tim Ziesmer
Darsteller: Milo Ventimiglia (Jonathan Dade), Sarah Shahi (Addie Dade), Sara Paxton (Rachel), William Mapother (Greg Wagner), Oz Kalvan (Thomas Dade), Dominic Bogart (Chef-Maskenmann), Luke Barnett, Brett Mann, John Hermann, Ahmad Russ, Brody Gusar, Joshua Stone, Preston Peterson, Carl McGrier (Maskenmänner) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 03.04.2014
EAN: 4041658227681 (DVD)/4041658297684 (Blu-ray)/4041658277686 (3D-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min. (Blu-ray: 83 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Noch vor kurzem waren Jonathan und Addie Dade glücklich. Er hatte als Schriftsteller seinen Durchbruch geschafft. Der neue Reichtum ermöglichte den Kauf eines riesigen Anwesens weit außerhalb der Stadt sowie die Gründung einer Familie. Doch Sohn Thomas fiel kurz nach seinem dritten Geburtstag in einen See und ertrank. Seitdem ist Addie depressiv und trinkt, während Jonathan sich in seiner Arbeit vergräbt.

In einer der langen Nächte klopft es an der Haustür. Davor steht die junge Rachel, nach eigener Auskunft eine Nachbarin, die mit ihrem Wagen eine Panne hat. Außerdem seien ihr gruselig maskierte Männer auf den Fersen, die ihr zum Anwesen der Dades gefolgt seien. Zumindest diese Information stellt sich zum Leidwesen der unfreiwilligen Gastgeber als völlig korrekt heraus.

Bald stehen die Maskenmänner auch vor ihrer Tür, die nicht lange standhält. Rachel erwischt es zuerst; sie wird gepackt und in den Wald verschleppt. Jonathan und Addie können zunächst flüchten und sich in den Tiefen ihres zimmerreichen Hauses verbergen. Doch die Männer wissen von und suchen nach ihnen. Das Telefon funktioniert nicht, auf Hilfe von außen ist nicht zu hoffen. Jonathan und Addie können nur versuchen, ihren Wagen oder sein Büro zu erreichen, wo im Safe eine Pistole liegt.

Der Ausbruch beginnt, aber die Maskenmänner scheinen überall auf dem Grundstück zu lauern. Zusammenstöße sind nicht zu vermeiden. Dabei stellen die Dades fest, dass sie schon lange auf Schritt und Tritt beobachtet wurden. Wer sind diese Männer, und was führen sie im Schilde? Die Lösung dieses Rätsels könnten sie mit dem Ende ihrer Leben bezahlen. Dennoch gehen Jonathan und Addie notgedrungen zum Gegenangriff über …

Mein Heim ist meine Burg …

„Home Invasion“: Mit zwei Wörtern wird in englischer Sprache eine uralte Menschenangst präzise auf den Punkt gebracht. Tagsüber muss ich mich ‚draußen‘ dem Leben stellen, seine Herausforderungen und Gefahren meistern. Dabei kann und will ich mich darauf verlassen, einen Ort zu haben, an den ich mich abends erschöpft zurückziehen kann, um meine Rüstung abzulegen und in Ruhe und vor allem Sicherheit neue Kräfte zu schöpfen. Seit unsere Vorfahren ihre schützenden Höhlen verlassen haben, hat sich daran prinzipiell nichts geändert.

„Mein Heim ist meine Burg“: Dieses Sprichwort dürfte es daher in jeder Menschensprache geben. Es wird entsprechend umgesetzt, obwohl hohe Mauern, Gräben und Zugbrücken durch Alarmanlagen ersetzt wurden. Nichtsdestotrotz ziehen wir nicht nur Zäune um unsere Häuser, sondern in der Nacht auch die Vorhänge zu: Wir schließen die Außenwelt aus, von der wir eine Pause nehmen wollen.

Die Dunkelheit ist ein weiterer alter Feind. Sie beherbergt ihre eigenen Schrecken, die anders als der Mensch nicht auf das Tageslicht angewiesen sind. Wirklich übel wird es, wenn es der Mensch selbst ist, der da draußen lauert oder gar versucht, in dein Heim einzudringen.

… kann aber auch zu meinem Grab werden

Das Anwesen der Dades ist ein perfektes Beispiel für ein Heim, das sich in eine Falle verwandelt. An guten und vor allem hellen Tagen zeugt es von Wohlstand und einem platzverschwenderischen Wohnstil. Selbst Jonathans ‚Büro‘ gälte anderswo als eigenes Landhaus. Weitere Nebengebäude sind dem Auto, dem Werkzeug oder den Gartenmöbeln vorbehalten. Das Haupthaus ist dreistöckig, die Zimmer sind miteinander verbunden. Wenn die Dades durch ihr Heim irren, wirken sie meist wie in einem Labyrinth gefangen. Selbst ihre Heimsucher haben Schwierigkeiten, sich in den Raumfluchten zu orientieren. Deshalb wirkt es ausnahmsweise überzeugend, dass sich Jonathan und Addie ihren Verfolgern immer wieder entziehen können.

Weniger gelungen sind die Ereignisse, die sich im Umfeld dieser Flucht abspielen. Selbstverständlich stößt Addie ein Glas vom Tisch, als ein Maskenmann suchend durch den Hausflur streicht, kurz darauf tritt sie in eine Glasscherbe und kann kaum noch laufen, und selbstverständlich will das Auto gerade heute nicht anspringen. Solche Klischees sind schade, weil sich gleich vier Drehbuchautoren ansonsten recht erfolgreich eine spannende, wendungsreiche Story einfallen ließen.

Dazu gehört das Rätsel um das Motiv der Angreifer. Irgendwann verschlägt es die Dades in deren Hauptquartier. Die Wände sind mit heimlich geschossenen Fotos gepflastert, detaillierte Pläne erfassen das gesamte Grundstück, sogar vom toten Thomas gemalte Bilder werden ausgestellt: Hier geht es nicht um Entführung und Erpressung, das wird mit den Dades auch den Zuschauern klar.

Was wirklich geschah

„Static“ gehört zu den Filmen, die sich schwierig besprechen lassen. Der Gesamteindruck hängt stark von einem aufwändig eingefädelten Finaltwist ab, auf den die Ereignisse zielgerichtet inszeniert werden. Die daraus resultierende Überraschung soll den Lesern dieser Zeilen natürlich nicht verdorben werden. So muss der Rezensent sich um den Twist winden, was eine echte Herausforderung ist.

Freilich ist die Auflösung wie so oft weder eine Offenbarung noch – was schlimmer ist – eine Überraschung. Zumindest der wache Zuschauer erkennt bald die zweite Ebene der Geschichte. Der Filmbeginn ist noch in Sichtweise, als uns Regisseur Todd Levin eine kurze Szene zeigt, die im Verlauf der sich anschließenden Handlung keinen Sinn ergibt. Geplant ist, dass wir sie sehen, uns wundern und sie in den Hinterkopf verfrachten, ohne sie jedoch zu vergessen. Wenn mit dem Finale der Augenblick der Aufklärung (und der Flashbacks) gekommen ist, soll uns diese Szene wieder einfallen und den Aha!-Effekt verstärken.

Um seinen Twist zu unterstützen, hätte Levin auf diese Szene besser verzichtet. Offensichtlich traut er seinem Publikum nicht, dem er im Laufe der Handlung weitere irritierende Momente beschert. Stattdessen nimmt er jene, die nicht zu den Leuchten auf Gottes Kronleuchter gehören, vorsichtshalber an die Hand bzw. stupst sie mit den Nasen auf die Lösung.

Thriller als Kammerspiel

Obwohl das Haus groß und das Grundstück riesig ist und beide ausgiebig von den Dades und ihren Verfolgern durch- und überquert werden, stellt sich „Static“ als Kammerspiel dar. Die meisten Szenen gehören Milo Ventimiglia und Sarah Shahi als Jonathan und Addie Dade. In der Regel überzeugen sie sowohl als leidende Ex-Eltern als auch als verängstigte Normalbürger, die sich in einer lebensbedrohlichen Situation gefangen sehen. Nur manchmal lässt sie das Drehbuch im Stich; so sprechen sich Jonathan und Addie endlich aber ausgerechnet auf dem Höhepunkt ihrer Flucht in einer von Maskenmännern umschwärmten Scheune aus; rücksichtsvollerweise warten diese, bis sich die Dades verzeihend in die Arme gesunken sind.

Ein Problem stellen zahlreiche Logiklöcher bzw. -brüche dar. Diese betreffen nicht nur die Doppelbödigkeit der Handlung, deren Sub-Ebene in der Rückschau so einfach nicht funktionieren kann. Auch sonst fällt auf, was sich womöglich besser hätte verwirklichen lassen. Die Isolation des Anwesens in der Nacht wirkt wenig überzeugend, wenn es nie wirklich dunkel ist. Nicht gerade subtil hat Levin gewaltige Scheinwerfer in die Landschaft gestellt, die zwar versteckt aber in der Wirkung allzu deutlich die Außenszenen ausleuchten. Mit funzeligen Taschenlampen stolpern die Dades und die Maskenmänner durch das Halb- oder Helldunkel und bemühen sich, Sichtprobleme vorzugeben. In der weiter oben erwähnten Scheune steht – wieso auch immer – eine eingeschaltete Lampe genau dort, wo die Aussprache stattfinden wird.

Solche ‚Fehler‘ mögen auch dem niedrigen Budget geschuldet sein. Nur 1 Mio. Dollar standen Todd Levin für seinen ersten Spielfilm zur Verfügung. Die daraus erwachsenden Beschränkungen sieht man „Static“ anders als beispielsweise den Billig-Trash-Machwerken à la „The Asylum“ oder „Syfy“ selten an: Levin und seine Crew wussten sehr genau, was innerhalb des finanziellen Rahmen möglich war, und verzichteten auf Griffe nach den Sternen, die tatsächlich im Klo geendet hätten. Folgerichtig gibt es keine großen oder großartigen Spezialeffekte, die man in dieser Geschichte aber nicht vermisst. Dies gilt ebenso für Momente plakativen Terrors oder gar Splatters. „Static“ ist – der Titel deutet es schon an – ein eher ruhiger, der Suspense-Stimmung den Vorzug gebender Film. Als solcher wirkt er keine Wunder, kann aber unterhalten und lässt sein Publikum nicht verärgert zurück.

DVD-Features

Bis auf den Trailer wurden „Static“ keine Extras aufgespielt. Dies gilt auf für die beiden Blu-ray-Ausgaben. Aus unerfindlichen Gründen wurde „Static“ als 3D-Film realisiert. Die zweidimensionale Version gibt zu keinen Klagen aber stattdessen zu der Frage Anlass, wieso dieser Aufwand getrieben wurde, den die Story und ihre Umsetzung nicht benötigen.

Kurzinfo für Ungeduldige: Schriftsteller Jonathan und Gattin Addie werden in ihrem einsamen Landhaus des Nachts erst von einer hysterischen jungen Frau erschreckt und dann von einer Horde maskierter Männer überfallen … – Was als „Home-Invasion“-Thriller beginnt, driftet ins Übernatürliche ab; die bekannte Story wird durchaus spannend erzählt, ohne dabei Neues zu bieten: Durchschnitts-Unterhaltung.

[md]

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