The 8th Plague – Das Böse lauert überall

Originaltitel: The 8th Plague (USA 2006)
Regie: Franklin Guerrero Jr.
Drehbuch: Eric Williford
Kamera: Franklin Guerrero Jr./J. Michael Whalen
Schnitt: N. N.
Musik: Paul E. Jessen
Darsteller: DJ [Richard Jeffrey] Perry (Mason), Leslie Anne Valenza (Launa), Terry Jernigan (Buck), Charles Edwin Powell (Curtis), Nitin Adsul (Kadulva), Hollis Zemany (Crystal), Jonathan Rockett (Gavin), Laura Chaves (Nikki), Paul Bugelski (Stiver), Syn DeVil (Deanne) u. a.
Label: MIG Film
Vertrieb: Eurovideo
Erscheinungsdatum: 19.06.2008 (Kauf-DVD)
EAN: 4009750238349 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Seit sich die Schwestern Launa und Nikki verkracht haben, ist der Kontakt unterbrochen. Als die Jüngere sich gar nicht mehr meldet, reagiert Launa dennoch besorgt. Sie bringt in Erfahrung, dass Nikki mit einem befreundeten Paar für ein Camping-Wochenende in den Bergwald des Städtchens Halcyon Springs gefahren ist. So macht sich Launa mit ihrer Mitbewohnerin Crystal und deren strohdummen aber hilfsbereiten Freund Gavin auf, um die Schwester zu suchen.

Der faule Sheriff von Halcyon Springs gedenkt nicht aktiv zu werden. Als Deputy Buck den Verdacht äußert, die drei verschwundenen Camper könnten sich in die Ruinen des aufgelassenen Halcyon Ridge Correctional Facility verirrt haben, schickt ihn sein Vorgesetzter immerhin aus, um dort nach dem Rechte zu sehen. Launa, Crystal und Gavin fahren mit, und Buck überredet noch Mason, einen ehemaligen Gefängniswärter, sie zu begleiten.

Halcyon Ridge wurde nach einem Aufstand aufgegeben, der zahlreiche Opfer gefordert hatte. In der Gegend munkelt man, dass Dämonen in die Gefangenen gefahren seien, die noch jetzt untot auf dem Gelände umgehen. Natürlich glauben unsere Sucher nicht an dieses Ammenmärchen. Sie trennen sich und machen sich daran, die riesige Anlage zu untersuchen.

Sie behalten alle Recht: Launa, die ihre Schwester in dem Gefängnis vermutete, und die Anrainer, die an Teufelsspuk glauben. Immer wieder haben sich Neugierige nach Halcyon Ridge verirrt, wo sie von Dämonen besessen wurden, sich in Kannibalen verwandelten und auf neue Opfer lauern. Deputy Buck und seine Begleiter werden ihnen buchstäblich zum gefundenen Fressen. Allerdings zeigt Launa in der Krise Kampfkraft, die sie mit einer gefundenen Langaxt eindrucksvoll unter Beweis stellt …

Die Stunde der Dilettanten

Längst überfällig ist ein Gesetz, das die Verwendung von Geld, dessen Eigentümer es für einen Filmdreh verwenden wollen, erst möglich macht, nachdem diese ihre Befähigung unter Beweis gestellt haben, diese Tätigkeit nicht nur zu imitieren, sondern mit dem Ergebnis auch ein Publikum zu unterhalten, ohne dieses mit schweren Ketten an die Kinositze fesseln zu müssen. Wer meint, der Rezensent urteile hier zu hart, hat „The 8th Plague“ definitiv nicht gesehen.

Dieser Text ist deshalb auch als ernste Warnung zu verstehen: Während besagter Rezensent nicht mehr zu retten ist, kann er seine Stimme wenigstens noch zum Wohle bisher nicht geschädigter Zuschauer erheben. Selten ist die Niederschrift einer Rezension eine so ernste und sogar feierliche Pflicht wie in diesem Fall!

Auf ca. 70.000 Dollar wird auf der üblicherweise gut informierten Website „IMDB.com“ das Budget dieses ‚Films‘ geschätzt. (Man müsste dieses Wort im folgenden Text stets in Anführungsstriche setzen, wenn es im Zusammenhang mit „The 8th Plague“ fällt; die Leser mögen dies berücksichtigen.) Dies kann nicht sein, denn wo sind sonst 99,9% des Geldes geblieben? Auf Leinwand oder Bildschirm sieht man jedenfalls nur den Gegenwert jener Münzsumme, die – begleitet von fettigem Popcorn – durchschnittlich unter das Sitzkissen eines Kinosessels rutscht.

Wo ist der Knopf zum Abschalten?

Die wahren Dämonen von Halcyon Ridge heißen Franklin Guerrero und Eric Williford. Der eine maßte sich den Regiestuhl an, und gemeinsam mit dem anderen stümperte er zusammen, was eigentlich ein Drehbuch hätte sein müssen. Mit viel schwarzer Magie gelang es diesem diabolischen Duo, eine Reihe unglücklicher Männer und Frauen erst in ihren Bann und dann in ihren Film zu zwingen. Diese rächten sich auf die einzige Weise, die ihnen blieb: durch permanente Leistungsverweigerung.

Auch als Kameramann zeichnet Guerrero verantwortlich. Was dabei zustande kam, mutet freilich an, als habe er die Kamera einem Esel an den Schwanz gebunden und ihn anschließend durch die Wälder um die Kleinstadt Lorton im US-Staat Virginia gejagt; hier entstand „The 8th Plague“ übrigens. Die meiste Filmzeit sieht man nur Darsteller, die erst durch besagte Wälder, dann durch das verfallene Gefängnis und schließlich wieder durch den Wald stolpern. Sie tun nichts, es geschieht nichts, das Ganze ähnelt einem qualvoll aus den Fugen geratenen Heimvideo-Abend: Dass man einen Film nicht nur schneiden kann, sondern auch muss, um seine Handlung zu gestalten, ist Guerrero eindeutig unbekannt.

Klugerweise aus dem Hintergrund steuerte DJ Perry dieses Filmschiff auf seinem Todeskurs durch die scharfen Klippen der Unterhaltung. Er mimt nicht nur den Hillbilly-Helden Mason, sondern fungierte auch als Produzent. Als solcher hielt er das Budget fest im Blick; deshalb musste genannter Esel (s. o.) eine Kamera tragen, welche ausschließlich verschwommene und verwaschene Bilder lieferte, die das Kopfweh, den diese filmische Plage ohnehin verursacht, um ein nicht geringes Maß anschwellen lässt.

Was sonst noch geschah

Trash-Movies wohnt ein gerütteltes Maß unfreiwilliger Komik inne. „The 8th Plague“ macht da keine Ausnahme. Wo sonst könnte man folgende Handlungslogik bestaunen: Crystal und Gavin stöbern durch einen alten Zellentrakt. Gavin stutzt und bemerkt ein blutverschmiertes Handy auf dem Boden. Sogar er, der alles andere als eine Leuchte ist, erkennt die Bedeutung des Fundes: Die Gesuchten waren oder sind tatsächlich hier! Allerdings wählt Crystal, die durch die stimulierende Umgebung in sexuelle Wallung gerät (wie das zumindest im B-Movie-Horror für Frauen üblich ist), genau diesen Moment, um Gavin in eine der dreckigen Zellen zu zerren. Sofort ist das Handy vergessen, es verschwindet spurlos aus der Handlung, die nun in die obligatorische Busen-Entblößung einer Nebendarstellerin mündet, die ihren Vertrag nicht genau genug gelesen hat.

Es geht sogar noch absurder weiter: Als es gerade richtig – d. h. nackt – zur Sache gehen soll, erzwingt die US-Zensur den Abbruch, welchen ‚Regisseur’ Guerrero geschickt durch einen gespenstischen Heulton tarnt: Zombies ante portas! Gavin springt in seine Hose, trägt Crystal auf, in der Zelle auf ihn zu warten – und verschwindet. Brav tut sie, wie ihr geheißen, was wichtig ist, da dies der Dämonin, die sich an Crystal anschleichen will, die notwendige Zeit lässt, den langen Weg zur Zelle zurückzulegen, den Guerrero abermals schnittfrei dokumentiert.

Blood, Sweat & Tears

Solche Sternsekunden des Schwachsinns sind leider zu selten, um wenigstens auf diese Weise für Unterhaltung zu sorgen. Aber dann endlich, in der zweiten Filmhälfte und nunmehr kontinuierlich, spitzt der Gorehound die Ohren: Irgendwo in den Weiten des alten Gefängnisses hat Mason eine nagelneue Axt gefunden! Dämonen, die fürderhin seinen Weg kreuzen, haben schlechte Karten. Zum Glück reagieren sie etwa so lebhaft wie das Holz, das Mason normalerweise daheim für seinen Kamin spaltet: Sie bleiben grunzend in einer Entfernung stehen, die zufällig dem Radius entspricht, in dem die Axt gezwungen wird.

Nun wird gehackt und zerstückelt, Knochen knacken, Därme fallen zu Boden, das Blut fließt in Strömen, die Darsteller waten und wälzen sich darin. Mason reißt sich die Augen aus und gibt die Axt an Launa weiter. Was den Schlachthof-Aficionado normalerweise entzückt, bleibt jedoch erneut auf einem Niveau, das den Feierabend-Filmemacher verrät. Hier wird die Dunkelheit zum Freund des Kameramanns, denn sie verhüllt gnädig die übelsten Lächerlichkeiten.

Das Finale zieht sich qualvoll

Dann ist der Film eigentlich zu Ende, aber leider ist digitaler Speicherplatz billiger als klassischer Rohfilm, weshalb Guerrero zu einer endlosen Coda ansetzt, die sogar noch langweiliger ist als die Primärhandlung. Zur Hochform laufen zu schlechter Letzt die minderbegabten aber experimentierfreudigen Sychronsprecher auf; derjenige, der den Sheriff spricht, versuchte beispielsweise, seinen Text durch eine Wolldecke im Mund zu pressen. Das Ergebnis ist interessant und lenkt vom Gebaren eines ‚Schauspielers‘ ab, für das der Begriff „Fremdschämen“ erfunden werden müsste, wenn es ihn nicht bereits gäbe.

Selbstverständlich fehlt nicht das ‚schockierende Ende‘, das diese Bezeichnung insofern verdient, als es eine Fortsetzung ankündigt. Von dieser neu(nt)en Plage blieben wir Zuschauer bisher verschont, nicht aber von Guerreros nächstem Machwerk: „Carver“ verband 2007 die bekannten Untugenden mit Splatter-Effekten, die hierzulande durch Zensur-Kürzungen entschärft und dabei ihrer stümperhaften Effekte beraubt wurden und „Carver“ dadurch zu einem Film adelten, der scheinbar das ungeschnittene Anschauen lohnt – ein schreckliches Erwachen erwartet den, der Kosten & Mühen auf sich nimmt, an eine Komplett-Fassung zu gelangen!

DVD-Features

Sogar das Trauerspiel „The 8th Plague“ lässt sich steigern: Ohne Zusammenhänge gezeigte Film-Fetzen werden als „Making Of“ bezeichnet; ein Elend, das immerhin nur Minuten währt. Hinzu kommen einige „Deleted Scenes”, die für Ratlosigkeit sorgen: Wieso haben sie es nicht in den Film geschafft, der doch tausend noch dümmere Szenen enthält?

[md]

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