The Burrowers
Das Böse unter der Erde

Originaltitel: The Burrowers (USA 2008)
Regie u. Drehbuch: J. T. Petty
Kamera: Phil Parmet
Schnitt: Andy Grieve u. Robb Sullivan
Musik: Joseph LoDuca
Darsteller: Clancy Brown (John Clay), William Mapother (William Parcher), Jocelin Donahue (Maryanne Stewart), Alexandra Edmo (Faith), Karl Geary (Fergus Coffey), Doug Hutchison (Henry Victor), Galen Hutchison (Dobie Spacks), Laura Leighton (Gertrude Spacks), Harley Coriz (Short Ute), Bonnie Morgan, Chris Grabher, Stephanie Delgado (Wühler) uva.
Label/Vertrieb: Schröder Media
Erscheinungsdatum: 22.04.2010 (Kauf-DVD u. Kauf-Blu-ray)
EAN: 9120027344817 (Kauf-DVD) bzw. 9120027344800 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch) u. Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Im Spätfrühling des Jahres 1879 markiert das Dakota-Territorium die Westgrenze der ‚zivilisierten‘ USA. Die großen, gewaltreichen Konflikte mit den hier heimischen Indianerstämmen liegen kaum zwei Jahrzehnte zurück, und noch immer kommt es dort, wo sich Siedler allzu nahe beim Reservat niederlassen, zu Überfällen. Als die Familie Stewart grausam abgeschlachtet auf ihrer Farm entdeckt wird, gehen die Nachbarn deshalb von einer Attacke der Ute oder Sioux aus.

Da einige Stewart-Töchter nicht unter den Leichen gefunden werden, haben die Indianer sie offensichtlich entführt. Unter der Leitung von Captain Henry Victor macht sich eine Rettungs- und Straf-Expedition auf den Weg ins Reservat. Die ehemaligen Indianerkämpfer John Clay und William Parcher schließen sich ihr ebenso an wie der Einwanderer Fergus Coffee – dessen Braut unter den Entführten ist –, der noch minderjährige Dobie Spacks und der schwarze Koch „Walnut“ Callaghan.

Victor ist ein Sadist, der sein Mütchen gern an hilflosen Indianern kühlt. Angewidert trennen sich die genannten Männer von den Soldaten. Sie finden die Indianerfrau Faith, die ihnen von den „Wühlern“ erzählt, Kreaturen, die wie riesige Maulwürfe unter der Erde hausen. Nachdem die weißen Siedler die Büffelherden ausgerottet haben, sind die Wühler auf Menschenfleisch umgestiegen. Zwischen Indianern und Weißen machen sie keinen Unterschied. Sie lähmen ihre Opfer mit einem Gift, begraben sie lebendig und warten, bis Fleisch und Organe sich zu verflüssigen beginnen, bevor sie zur Mahlzeit zurückkehren.

Die Männer schenken Faith zunächst keinen Glauben, werden aber schnell eines Besseren belehrt. Nachts attackieren die Wühler ihr Lager, tagsüber lauern Sioux auf sie. Verletzt und verwirrt ahnen die Männer, dass sie sich selbst in eine Falle geritten haben, der sie im Glücksfall höchstens tot entrinnen können …

Das Grauen ist überall zu Haus

Western und Horror sind zwei Genres, die man selten in einen Filmtopf geworfen sieht. Dabei ist die Geschichte des US-Mittelwestens weder mythenfrei noch sakrosankt, und es gibt keine Vorschrift, dass sich nur Cowboys, Indianer, Revolvermänner und Siedler, aber keine Geister oder wie in unserem Fall Ungetüme auf der Prärie tummeln dürfen. Tatsächlich ist der Mix besonders schmackhaft, da beide Genres sehr spezielle Eigenschaften bzw. Eigenheiten besitzen. Werden sie behutsam und gekonnt miteinander kombiniert, ergibt sich etwas Neues, zuvor (so) nicht Gesehenes.

J. T. Petty beherrschte das Kunststück. Er hatte freilich die Möglichkeit, das Beste aus einer Geschichte, die er selbst ersonnen hatte, zu destillieren: „The Burrowers“, der Film von 2008, basiert auf einer siebenteiligen TV-Mini-Serie, die Petty im Vorjahr inszeniert hatte. Sie erzählte dieselbe Geschichte, und in den Rollen sah man dieselben Schauspieler.

Ihre Herkunft kann die Story vor allem im Mittelteil des Films nicht verleugnen: Der lange Ritt über die Prärie findet meist ohne die (tricktechnisch komplizierten und teuren) „Wühler“ statt. Im Vordergrund stehen gruppeninterne Auseinandersetzungen, Schießereien und ähnliche Elemente, mit denen jede Serie routiniert auf Länge gebracht wird. Im Film konnte Petty hier raffen, was die Wühler wieder stärker in den Mittelpunkt rücken ließ.

Behalten, was man sich genommen hat

Der US-amerikanische Westen war nicht nur wild, sondern auch riesig. Siedler begaben sich auf ein gefährliches Terrain. Heiße Sommer, eisige Winter, Missernten, Krankheiten: Wer in diese Gefahren geriet, konnte schnell darin umkommen. Hilfe war aufgrund der gewaltigen Entfernungen nur langsam und oft zu spät zur Stelle. Darüber hinaus befand sich das Land in einem totgeschwiegenen Bürgerkrieg. Noch leisteten die von den Siedlern überall in die Defensive gedrängten Indianerstämme Widerstand. Dem Militär mit seiner modernen Bewaffnung hatten sie wenig entgegenzusetzen, aber für die Siedler blieb es gefährlich, wenn sie ihre Gier auf Land zu weit dorthin trug, wo die einheimischen Amerikaner unter sich bleiben wollten.

Wie diese bedrohliche Situation die Menschen prägte, lässt Petty immer wieder in die Handlung einfließen. Helden gibt es nicht, und nur Henry Victor ist ein echter Bösewicht. Jede Figur ist fähig, in dem einen Moment sympathisch zu sein und im nächsten Schreckliches zu tun. Als Gertrude Spacks in den ersten Filmminuten zum lauschigen Picknick einlädt, erzählt William Parcher, der um sie wirbt, ihrem Sohn Dobie aufgeräumt, wie er an einigen Ästen des Baumes, in dessen Schatten sie speisen, einst vier Indianer aufgehängt habe. Als die Gastgeberin sich indigniert zeigt, schließt Parcher völlig ernsthaft an, dass dieser Vorfall Teil der Geschichte seines Landes sei, die der Junge kennen sollte. (Ihren Platz unter dem Baum will die ansonsten sehr empfindliche und auf gute Manieren bedachte Gertrude übrigens nicht räumen …)

Wenig später schickt Gertrude ihren einzigen Sohn mit auf die Suchexpedition: Er soll ein Mann werden. Die damit für Dobie verbundenen Gefahren nimmt sie völlig selbstverständlich in Kauf; sie sind Teil eines Lebens an der Grenze. Dazu gehört auch das beiläufige Töten und Foltern von Indianern, der allgegenwärtige Rassismus, der sich hier gegen den irischen Einwanderer Coffey und den schwarzen Ex-Sklaven Callaghan richtet, und vor allem die ‚Betriebsblindheit‘ oder Gleichgültigkeit dem Land gegenüber, das man in Besitz genommen hat.

Der erste Fehler wird der letzte sein

Hartnäckig geben die Männer viel zu lange den Indianern die Schuld an dem Überfall auf die Stewart-Farm. Sie registrieren die Spuren, die eine ganz andere Geschichte erzählen, weigern sich aber, sie korrekt zu interpretieren. Sie sehen nur, was sie sehen wollen. Die Indianer kennen dagegen die Prärie und ihre Bewohner. Eine der zahlreichen ironischen Wendungen, mit denen Petty die Handlung auflädt, besteht in der Tatsache, dass die Wühler bisher harmlos waren: Sie ernährten sich vom Fleisch der Büffel, die einst in Millionenzahl über die Prärie zogen. Die weißen Eindringlinge haben sie getötet, und die Wühler weichen in ihrem Hunger auf die Verursacher desselben aus.

Das gewaltsame Ende ist ständig präsent und wird nüchtern einkalkuliert. Leben ist Kampf, und Petty weiß auch dies eindrucksvoll in Szene zu setzen. Nachdem er uns die Figuren vorgestellt hat und sie uns vertraut wurden, hebelt Petty alte Zuschauergewohnheiten aus, indem er sie sterben lässt, ohne dabei scheinbare Hierarchien zu berücksichtigen. Als ausgerechnet der eisenharte John Clay stirbt, geschieht dies beiläufig, zufällig und völlig unerwartet. Generell bleibt völlig offen, wen es als nächsten trifft.

Der alltägliche Lebenskampf ist nicht auf die Suchgruppe beschränkt. Auch Pettys Blick auf die Indianer bleibt ohne politisch korrekte Sentimentalitäten. Die Ureinwohner sind untereinander zerstritten und durchaus bereit, die nach der Besiedlung neu gemischten Karten zur Begleichung alter Rechnungen auszutragen. So hat der im Sold der Armee stehende Fährtenleser kein Problem damit, einen gefangenen Indianer zu foltern: Er gehört zu einem ‚feindlichen‘ Stamm.

Reise ins Herz der Finsternis

Die bisher skizzierten Elemente verraten, wie intensiv Petty seine Geschichte mit Kontext aufgeladen hat. Gleichzeitig hat er sie so sorgfältig konstruiert, dass er uns diesen selten mit erhobenem Zeigefinger markieren muss. Nur manchmal gleitet er in bekannte Klischees ab. Schwerer und wertvoller wiegen die ostentativen Verstöße gegen eingefahrene Erwartungen. Darin erweist sich Petty als Meister. Seiner Linie bleibt er bis zuletzt treu und inszeniert ein Finale, das nicht nur Fergus Coffey, sondern auch den Zuschauer sprachlos zurücklässt.

Natürlich sind die „Wühler“ nicht nur die genretypischen Monster, sondern auch ein Symbol. Wie den Indianern wurde auch ihnen von den Weißen übel mitgespielt, doch aufgrund ihrer Lebensweise können sie sich wehren. Dabei führen sie nicht einmal Krieg. Sie haben Hunger. Wenn die weißen Männer über die Prärie reiten, müssen die Wühler nur warten. Die Nacht, die Unaufmerksamkeit und vor allem ständiger Streit sorgen dafür, dass sie ihre Opfer finden. Die meisten Leichen hinterlassen denn auch nicht die Wühler, sondern die Menschen selbst. Sie benötigen keine Ungeheuer, um sich das Leben sauer – und kurz – zu machen.

Lakonie und bleiche Farben

Für seine Handlung findet Petty eine Filmsprache, die das Geschehene subtil und wirkungsvoll verstärkt. Die Prärie erscheint den Suchern lebensfeindlich, heiß, trocken und staubig. Petty unterstreicht dies durch ausgeblichene Bildern, aus denen die Farben ausgebrannt scheinen. Nicht einmal die wenigen Bäume wirken grün, sondern kränklich braun. In der Weite der Prärie verlieren sich die Retter, was Petty durch den Einsatz des klassischen Kino-Breitbildformats verstärkt. Das allgegenwärtige Gras bietet den anschleichenden Wühlern die ideale Deckung, aus der Petty geschickt nur die heuschreckenartigen Hinterbeine aufragen lässt: So sehen zumindest die Zuschauer das Verderben nahen, bevor es über die nachtblinden Sucher kommt.

Obwohl in der weiten Prärie handelnd, ist „The Burrowers“ ein Kammerspiel, das von seinen Darstellern getragen wird. Auch in diesem Punkt blieb Petty das Glück des Tüchtigen treu. Schauspieler wie Karl Geary, William Mapother oder Clancy Brown gehören nicht zur A-Kategorie der Hollywood-‚Stars‘, aber sie leisten stets gute Arbeit. Sie sind nicht auf Typen festgelegt, sondern überzeugen in immer neue Rollen, und da sie sowohl im Kino als auch im Fernsehen gut beschäftigt sind, lassen sie sich auch durch Zeit- oder Budgetdruck nicht irritieren.

Lange enthält uns Petty den Anblick der Wühler vor. Er beschränkt sich auf die Spuren, die sie hinterlassen. Auch später bleiben die Wühler nur Schemen und vorbeihuschende Schatten. Erst im Finale kommen sie aus der Deckung – und verlieren ihre Bedrohlichkeit, die aus ihrer Unsichtbarkeit resultierte. Zwar sind sie weiterhin rabiat und gefährlich, aber wir wissen nun, dass ein Wühler ein Gen-Mix aus Maulwurf und Grashüpfer zu sein scheint – und wir sehen, dass die Wühlerhaut eine Maske ist, in der ein Stuntman steckt, oder CGI-Technik den Ungeheuern digitales Scheinleben verleiht.

DVD-Features

Die Extras sind karg. Zum Originaltrailer gibt es zwei kurze, wenig aussagekräftige Featurettes („Digging up the Burrowers”, „Making a Horror Western: The Burrowers”) sowie einen (für diese Besprechung nicht abgehörten) Audiokommentar von J. T. Petty und Karl Geary.

[md]

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