The Child’s Eye

Originaltitel: Tong Yan (Hong Kong 2010)
Regie: Oxide Pang Chun u. Danny Pang
Drehbuch: Oxide Pang Chun, Danny Pang u. Thomas Pang
Kamera: Decha Srimantra
Schnitt: Curran Pang
Musik: Origin Kampanee
Darsteller: Rainie Yang (Rainie), Elanne Kwong (Ling), Ciwi Lam (Ciwi), Izz Xu (Hei), Rex Ho (Rex) Shawn Yue (Lok), Lam Ka-tung (Chuen), Jo Koo (Chuens Ehefrau)  u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 06.12.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4048317344048 (DVD) bzw. 4048317444045 (Blu-ray) bzw. 4048317544042 (Blu-ray 3D-Version)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Mandarin-Chinesisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Zwei junge Paare sowie die Geschwister Ling und Rex sind aus Hong Kong ins thailändische Bangkok gereist. Die Stimmung ist gereizt, Rainie und ihre Partner Lok stehen kurz vor der Trennung. So wird die Gruppe überrascht, als ein Aufstand ausbricht, der Flughafen geschlossen wird und eine Abreise unmöglich ist.

Auch das Nobelhotel, in dem das Sextett bisher residierte, schließt seine Pforten. Die Urlauber können froh sein, Zimmer im heruntergekommenen Chung Tai Hotel zu bekommen. In dem riesigen, uralten Gebäude stehen ganze Stockwerke leer, durch die Chuen, der verbitterte Eigentümer, den man hinter nur notdürftig vorgehaltener Hand des Mordes an seiner vor einem Jahr plötzlich verschwundenen Gattin verdächtigt, des Nachts heimlich schleicht.

Rainie und ihre Gefährten fühlen sich denkbar unwohl in dem Haus, da es zu allem Überfluss zu spuken scheint. Immer wieder zeigt sich die Gestalt einer entstellten Frau, und durch die Gänge geistert eine seltsame Kreatur, halb Mensch, halb Hund. Lok, Rex und Hei benehmen sich erst sonderbar, dann verschwinden sie spurlos. Niemand will sie gesehen haben, das Hotel haben sie offenbar nicht verlassen.

Verzweifelt machen sich Rainie, Ling und Ciwi auf die Suche. Sie treffen ein Waisenmädchen, das sie über die Geschichte des Hotels in Kenntnis setzt. Außerdem besitzt es einen Hund, der unsichtbaren Spuk wittern und vor ihm warnen kann. Es beginnt eine gefährliche Expedition durch das Chung Tai Hotel, in dem nicht nur Geister und Monster umgehen, sondern das auch Portale existieren, durch welche die drei Freundinnen immer wieder in bizarre jenseitige Welten stolpern, wo sie das Grauen direkt attackiert. Sie müssen herausfinden, was hinter dem Höllenspuk steckt, denn nur so können sie ihm entfliehen sowie die verschwundenen Männer retten, die ein schreckliches Schicksal erwartet …

Das Grauen kommt gar nicht mehr zu sich

„The Eye“ (2002. „Ging kwai“), „Ab-Normal Beauty“ (2004, „Sei mong se jun“) und „Bangkok Dangerous“ (1999 und 2008): Dies sind drei der Filme, mit denen die Brüder Oxide Pang Chun u. Danny Pang nicht nur ihr Publikum überraschten, sondern auch die Kritiker erfreuten. Die Erwartungen an ein Werk der „Pang-Brothers“ sind also hoch. Dabei verdrängt das so gestimmte Publikum offensichtlich die Erinnerungen an weniger gelungene Streiche, die naturgemäß nicht ausbleiben können, weil die fleißigen Brüder durchschnittlich zwei Filme pro Jahr schreiben und drehen.

2007 sorgten sie beispielsweise mit „The Messengers“ für eine Enttäuschung, die freilich keinen Vergleich mit jener Verwirrung und jenem Zorn aushält, den die Pangs mit „The Child’s Eye“ auslösen. Seit jeher war ihr Talent für die bildmächtige Umsetzung von Gefühlen und Gefahren ausgeprägter als ihr erzählerisches Geschick. Das Drehbuch von „The Child’s Eye“ ist nunmehr so wirr missraten, dass auch manches überraschende und gelungene optische Intermezzo das Fiasko keineswegs ausgleichen kann.

Bereits die Exposition wirft Fragen auf. Wieso müssen unsere Helden in einen Aufstand geraten? Er hat für das Geschehen keinerlei Bedeutung, sondern bringt die sechs jungen Leute nur in das Chung Tai Hotel, was sich auch weniger umständlich hätte realisieren lassen. Doch da die Pang Brothers den Aufruhr auf den Straßen mit großem Aufwand inszenieren, wartet man natürlich auf eine entsprechende Integration dieser Ereignisse in die Spukgeschichte.

Hinter dem Auge kommt noch das Hirn

Da wartet man allerdings vergeblich. Um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, wieso trotzdem viel Geld für diese Szenen ausgegeben wurde, muss man ein wenig ausholen. „The Child’s Eye“ ist der erste in Hong Kong entstandene Film, der mit der gerade aktuellen 3-D-Technik realisiert wurde. Auf sie bzw. die damit möglichen Effekte und die daraus resultierenden Schwierigkeiten konzentrierten sich die Brüder wesentlich intensiver als auf das Drehbuch; ein Manko, das den dreidimensionalen Film schon in den 1950er und 1980er Jahren prägte, als er in Mode kam – und schnell wieder vergessen wurde, weil dem Zuschauer stumpf vors Gesicht gehaltene Messer, Fäuste oder Klauen doch nicht so unterhaltsam sind, wie schmalhirnige Produzenten dachten.

Dazugelernt hat die Branche definitiv nicht. „The Child’s Eye“ ist ein Kompendium sattsam bekannter ‚Überraschungen‘. Chuen droht mit seinem Schlachtbeil, eine abgetrennte Hand springt aus der Leinwand, das hundeköpfige Mini-Monster von der Decke. Auch der Aufstand ergibt plötzlich ‚Sinn‘: Es sorgt für 3-D-mächtige Bilder, wenn Fäuste gereckt, Steine geworfen und Tränengas-Granaten abgefeuert werden.

Zumindest die 2-D-Version von „The Child’s Eye“ verrät, dass plastische Bilder keinen Ersatz für eine schlüssige und konzentriert erzählte Geschichte liefern. Die Pang-Brüder, die sie – verstärkt durch ein weiteres Familienmitglied (ein vierter Pang leistete den Schnitt) – ersannen, verwirbeln eine schmerzlich simple Story zu einem Durcheinander vermeintlich bedeutungsvoller Sub-Plots, die sich als Sackgassen und Effekthaschereien entpuppen.

Unterhaltung sollte kein Kopfweh erzeugen

Die wenigen gelungenen Szenen lassen die Misslichkeiten umso schmerzlicher hervortreten. Wenn es um Bilder geht, verstehen die Pangs ihr Handwerk. Die düstere Enge des alten Hotels verwandelt sich an einer Stelle in die groteske Weite einer die Realität genial verzerrenden Geisterwelt. Freilich hat auch diese Pracht erneut allzu erkennbar die Absicht, den 3-D-Effekt zu tragen. Für die Handlung ist sie unerheblich sowie kontraproduktiv.

Vor allem westliche Kritiker schelten die angeblich „unbegabten“ Darsteller. Ich denke, hier muss man relativieren. „The Child’s Eye“ ist ein asiatischer Film, der folglich die Kinokultur einer aus westlicher Sicht fremd strukturierten Region widerspiegelt. Die Kritik richtet sich deshalb eher gegen die übertrieben wirkende Darstellung von Gefühlen. Sie zeichnen sich nicht in den Gesichtern der Schauspieler ab, sondern werden zusätzlich in einer Weise ausgedrückt, die im West-Kino seit der Stummfilmzeit ausgestorben ist.

Wenn sich also jemand erschreckt, dann wird das durch eine Art „Slowburn“-Effekt unterstrichen: Der Darsteller zuckt zusammen, verzieht das Gesicht, reißt die Augen auf. Große Furcht wird zusätzlich durch Greinen, Weinen, Zittern und Flehen betont. Ähnlich aufdringlich wird Trauer dargeboten, die dadurch zur Sentimentalität gerinnt. Für westliche Zuschauer ist dies peinliches Chargieren, das zudem die eigentlich erwünschten Reaktionen konterkariert: Man kann nicht mit Figuren bangen, die Teilnehmer eines Kasperletheaters zu sein scheinen.

Mit der Nase drauf- und hineingestoßen

Diese künstlich-theatralische Übertriebenheit ruiniert auch das Finale. Dabei bietet die Auflösung durchaus eine interessante Variation der üblichen Schlacht gegen das Böse, das hier ausschließlich von Menschen aber nicht in böser Absicht in die Welt gebracht wurde. Doch die Pangs setzen schaurige und spannende Szenen wie einen Bohrer ein, der wieder und wieder in einen kranken Zahn gedrückt wird: Wiederum wünscht sich der westlichen Betrachter Andeutungen, während die Pangs den erwünschten Effekt zu Tode reiten. Dabei hilft eine Musik, wie man sie u. a. in den Horrorfilmen der englischen „Hammer“-Studios in den 1960er Jahren gehört hat: Angst soll geschürt werden, aber im Geiste sieht der Zuschauer = Hörer nur die Studiomusiker, die ihre Instrumente aus Leibeskräften bearbeiten.

Der schon erwähnte Simpel-Faktor des Plots erschwert die Annahme einer Auflösung, die keine echten Geheimnisse aufzudecken vermag. Eine einzige Rückblende sorgt endlich für Aufklärung – und Enttäuschung, weil diese so banal ausfällt. Wenn der Zuschauer das Trauerspiel endlich überstanden zu haben glaubt, versetzen ihm die Pang-Brüder in letzter Sekunde noch einen Nackenschlag: Selbstverständlich ist der Spuk nicht tot, sondern rührt sich urplötzlich erneut und deutet eine Fortsetzung an, die glücklicherweise unwahrscheinlich ist, da „The Child’s Eye“ nicht einmal das asiatische Publikum in Begeisterung versetzen konnte.

DVD-Features

Außer einem Trailer gibt es keine Features, was angesichts der ‚Qualitäten‘ des Hauptfilms als unerwartete Gunst zu werten ist. Eine gewisse Ausnahme stellt die Blu-ray-Fassung dar, die über Cast und Crew informiert und mit einer Bildershow aufwartet; was soll solcher Unfug aus der Feature-Steinzeit im 21. Jahrhundert?

„The Child’s Eye“ erscheint als 2-D- und 3-D-Fassung, wobei letztere den Blu-ray-Käufern vorbehalten bleibt. Wie die dreidimensionalen Effekte dem Film bekommen, kann dieser Rezensent nicht beschreiben. Sie müssten angesichts des nicht gerade konturstarken oder klaren Bildes sowie der allgegenwärtigen Düsternis allerdings großartig sein, um den unerfreulichen Gesamteindruck zu mildern, den eine die Übertriebenheit der Darstellung ungut aufgreifende Synchronisierung komplettiert.

[md]

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