The Colony – Hell Freezes Over

Originaltitel: The Colony (Kanada 2013)
Regie: Jeff Renfroe
Drehbuch: Jeff Renfroe, Patrick Tarr, Pascal Trottier u. Svet Rouskov
Kamera: Pierre Gill
Schnitt: Aaron Marshall
Musik: Jeff Danna
Darsteller: Laurence Fishburne (Briggs), Kevin Zegers (Sam), Bill Paxton (Mason), Charlotte Sullivan (Kai), John Tench (Viktor), Atticus Dean Mitchell (Graydon), Dru Viergever (Kannibalenführer), Romano Orzari (Reynolds), Michael Mando (Cooper), Julian Richings (Leland) uva.
Label: Splendid Entertainment
Erscheinungsdatum: 25.10.2013
EAN: 4013549052191 (DVD)/4013549039345 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 95 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Dreißig Jahre in der Zukunft: Die Erde hat sich in einen tiefgefrorenen, weitgehend toten Planeten verwandelt. Beinahe die gesamte Menschheit ist der gesamtglobalen Eiszeit zum Opfer gefallen. Nur wenige kleine Kolonien haben sich retten können. Sie bevölkern unterirdische Militäranlagen, wo sie tief unter der Erde versuchen, durch Tierzucht und improvisierten Ackerbau dem Hungertod zu entkommen.

Kolonie 7 wird vom ehemaligen Offizier Briggs geleitet. Die Situation ist angespannt, denn zu den üblichen Schwierigkeiten kommen interne Spannungen. Gern würde sich Mason zum Diktator aufschwingen. Außerdem sucht eine Seuche die Kolonie heim.

Zu allem Überfluss schweigt Kolonie 5 seit einigen Tagen. Man hatte mit den Menschen dort ein Bündnis geschlossen, weshalb Briggs beschließt, vor Ort nach dem Rechten zu sehen. Begleitet wird er vom besonnenen Sam und vom jungen Graydon, der sich als erwachsenes Mitglied der Gruppe etablieren will. Die Expedition führt durch verlassene, tief verschneite Zivilisationsruinen. Am Ziel finden die Wanderer keine Menschen, sondern riesige Blutlachen. In einem fest verschlossenen Raum finden sie unter Tage schließlich einen Überlebenden: Leyland hat allerdings den Verstand verloren.

Zuvor war es Kolonie 5 gelungen, Kontakt zu einer weiteren Gruppe herzustellen, der es gelungen ist, eine Wärmequelle für ihre Siedlung zu installieren. Ein Treffen hat die Aufmerksamkeit einer Horde erregt, die zu Kannibalen degeneriert sind. Die Menschenfresser haben Kolonie 5 entdeckt, überfallen und buchstäblich ausgeschlachtet.

Nur Briggs und Sam können flüchten, doch nun wissen die Kannibalen, dass neue Beute lockt. Sie folgen den Flüchtigen zu Kolonie 7, wo inzwischen Mason die Herrschaft an sich gerissen hat …

Dieses Drama lässt kalt

Der Blick auf jene Personenschar, die vor und hinter der Kamera zur Realisierung eines Filmes beiträgt, verrät dem kundigen Zuschauer viel. In unserem Fall dürfte er Verdacht schöpfen, weil gleich vier Autoren an einem Drehbuch schrieben – oder sich daran versuchten, wie man es zutreffender bezeichnen wird, sobald „The Colony“ gesichtet bzw. überstanden ist. So muss man seine Gefühle umschreiben, möchte man nicht in wüstes Schimpfen ausbrechen.

Dabei hat es Jeff Renfroe grundsätzlich richtig gemacht – im Rahmen seiner Möglichkeiten jedenfalls, die man am besten durch den Verweis auf ein früheres Filmwerk definiert: 2009 realisierte Renfroe „Sand Serpents“, der hierzulande den ellenlangen Dumm-Titel „Einsatz in Afghanistan – Angriff der Wüstenschlangen“ erhielt. Jene TV-Privatsender, die der Zuschauer numerisch ganz hinten auf seiner Fernbedienung gespeichert hat, weil sie nur Fernsehserien vor 1980 und Film-Müll abnudeln, lieben das Wüstenschlangen-Epos, das zudem sehr deutlich zeigt, woran auch „The Colony“ krankt.

Da wäre beispielsweise eine Story, der offenbar jeder der beteiligten Autoren eine eigene Richtung geben wollte. Was wird in „The Colony“ erzählt? Geht es um den Überlebenskampf einer isolierten, auf sich gestellten Gruppe in einer apokalyptisch verheerten Welt? Soll dieses Umfeld vor allem exotischer Hintergrund für ein Sozialdrama sein, in dem sich kalte Krieger, die nichts aus der gescheiterten Vergangenheit gelernt haben, und auf den echten Neuanfang gepolte Kolonisten, die ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden möchten, gegenüberstehen? Ist „The Colony“ ein Horrorfilm, der darum kreist, was in Kolonie 5 umgeht? Ein Science-Fiction-Backwood-Slasher, der die Eis-Vampire aus „30 Days of Night“ durch Kannibalen ersetzt?

Von allem nur ein bisschen

„The Colony“ will auf Nummer Sicher gehen und gerät dabei in eine bekannte Sackgasse: Wer nichts riskiert (oder wessen Talent enge Grenzen aufweist), wird in der Beliebigkeit landen oder besser: steckenbleiben. Die unterschiedlichen Handlungsstränge finden nie wirklich zueinander. Dazu kommt eine Umsetzung, die sich vor allem inhaltlich von Klischee zu Klischee hangelt. Es gibt keine Wendung, keinen Dialog, der überraschen könnte. Renfroe & Co. variieren nicht einmal, sondern kopieren einfach.

Die Schwächen dürfte bereits das Drehbuch verraten haben. Dennoch konnte Renfroe neue und ältere Schauspieler oberhalb des Dutzendgesicht-Durchschnitts gewinnen, der sich üblicherweise in solchen Routine-Filmen tummelt. Dies gilt vor allem für Lawrence Fishburne, der sich anscheinend langweilt, sobald er einen Tag außerhalb eines Studios verbringen muss. Die Liste seiner Filme weist deshalb nicht nur Blockbuster oder wirklich gute Streifen auf, sondern auch krude Machwerke, zu denen „The Colony“ gezählt werden darf. Dennoch war Fishburne wohl recht teuer, weshalb er schon in der Filmmitte einen belanglos eingefädelten Heldentod sterben muss.

Auch Bill Paxton ist in der Rollenwahl nicht so wählerisch, wie er es manchmal sein sollte. Hier trägt er schmieriges Zottelhaar, einen wüsten Bart und eine Jagdmütze, sodass man sein Gesicht kaum sieht, wenn er eine inspirationsarme Interpretation des machtgierigen aber feigen Bösewichts abliefert.

Eigentliche Hauptfigur ist Nachwuchs-Mime Kevin Zegers. Falls man sich seinen Namen für die Zukunft merken sollte, muss er dies durch einen Film beweisen, dessen Drehbuch ihn nicht in die Rolle des teflonglatten Saubermanns zwingt, der reflexartig gegen jedes Unrecht aufsteht, dafür kräftig aufs Maul bekommt, sich aber sogleich für die kopflos umherirrenden Bewohner von Kolonie 7 in den Kampf zurückstürzt. Charlotte Sullivan darf nur eine rudimentäre Rasta-Frisur und weibliches Gerechtigkeitsgefühl (sowie ein perfektes Gesichts-Make-up) zur Schau stellen; ansonsten ist sie Sams „Love Interest“ sowie für das Geschehen überflüssig.

Leise rieselt der künstliche Schnee

16 Mio. (kanadische) Dollar soll „The Colony“ gekostet haben. Wohin ist dieses Geld verschwunden? Hat Stargast Fishburne den Löwenanteil abgegriffen? Die Erde der Zukunft ist jedenfalls nicht nur öde, sie sieht auch so aus. Selbst im Fernsehen lassen sich CGI-Effekte heutzutage kaum mehr als solche erkennen. Hier ist das grundsätzlich anders. Halb im Schnee versunkene Städte, die Kolonie 5 und 7 sowie eine morsche Stahlbrücke, die vorgeblich spektakulär eine bodenlose Schlucht überspannt, wirken so ‚realistisch‘ wie die guten, alten, in das Filmbild eingespiegelten Matte-Paintings der 1950er Jahre. Die grausame Deutlichkeit dieser Kunst-Bilder wird durch den ständig wirbelnden Digital-Schnee nicht gemildert.

Mickrig sind auch die Real-Kulissen. Dabei durfte Renfroe auf dem Gelände der „Canadian Forces Base North Bay“, einer Air Force Base in der kanadischen Provinz Ontario, drehen. Diese ist nicht nur noch aktiv, sondern auch ein Steinchen im Mosaik des „North American Aerospace Defense Command“ (NORAD). Nichtsdestotrotz wirken diese Szenen, als habe Renfroe sie in einer x-beliebigen Studiohalle gedreht und dafür das Gerümpel aus mindestens einem Dutzend „Post-Doomsday“-Filmen aus dem Archiv geklaubt.

Zum Fremdschämen laden die ‚Kannibalen‘ ein. Seit drei Jahrzehnten herrscht Eiszeit. Natürlich ist es möglich, dass sich Überlebende darauf spezialisiert haben, andere Zeitgenossen zu jagen und in den Kochtopf zu stecken. Womöglich kleiden sie sich sogar in jenem Neo-Barbaren-Schick, an den sie sich verschwommen aus Hollywood-B-Movies erinnern, und feilen sich die Zähne spitz zu. Doch wieso geben sie die menschliche Sprache auf und kommunizieren nur noch durch Knurrlaute? (Dabei können sie durchaus sprechen, wie Renfroe im Finale enthüllt.) Warum ersetzen sie den aufrechten Gang durch einen affenähnlichen Wiegeschritt? Warum fressen sie ihre Opfer roh? Evolution und Degeneration überspringen nicht Jahrhunderttausende in dreißig Jahren.

Was für (oder auf) die Augen

„Dramatische Überspitzung“ ist das Zauberwort: Das Publikum soll im Geist Symbole zur vorgegaukelten Fantasiewelt zusammensetzen. Wenn man weiß, wie es in Gang gesetzt wird, funktioniert es ausgezeichnet. Renfroe hat keine Ahnung. Die schon erwähnte Brücke ist ein gutes Beispiel: Es besteht keinerlei Notwendigkeit für ihre Existenz. Sie wird erschaffen, um einige Filmminuten totzuschlagen. Immerhin sind die dabei herausspringenden Action-Szenen erträglicher als die Reminiszenzen der Hauptfiguren an die Schrecken der Vergangenheit: Weil kein Geld da war, werden diese nicht gezeigt, sondern sollen sich in den Gesichtern der Genannten widerspiegeln. Stattdessen sehen wir Schauspieler, die ins Leere starren und melodramatische Worthülsen dreschen.

Um die Horror-Freunde bei Laune zu halten, wird es hin und wieder blutig. Solche Szenen bleiben meist im Halbdunkel, was nicht nur politisch korrekter ist, sondern auch verbirgt, wie kümmerlich diese Effekte sind. Nicht einmal heftigstes Kunstschnee-Treiben kann verschleiern, dass abgeschlagene Köpfe wie bemalte Bowlingkugeln wirken.

Ein trübsinniges Finale – Kampf zwischen Held und Ober-Kannibale – stellt keinen Höhepunkt dar: Sam wird von seinem Gegner nach Strich und Faden vertrimmt und gegen Wände und Möbel geworfen. Dennoch siegt er wider Erwarten und alle Logik. Dann folgt der wahre Schrecken: Die letzte Szene könnte sowohl in eine Fortsetzung als auch in eine TV-Serie münden. Um das zu verhindern, möge diese Welt notfalls tatsächlich untergehen!

DVD-Features

Die Extras beschränken sich auf einen knapp zehnminütigen Blick „Behind the Scenes“. Er bietet die typische Mischung: Schnell geschnittene Bildsequenzen aus den besten Szenen gaukeln eine Dynamik vor, die der Film selbst vermissen lässt. Zwischendurch dürfen (oder müssen) Darsteller, Regisseur u. a. Filmschaffende einander im ‚Interview‘ über den grünen Klee loben. Wenigstens manchmal wird auf den Dreh eingegangen. Man sieht Schauspieler vor unzähligen grünen Leinwänden agieren, und die Spezialeffekt-Hexer erläutern, wie dies später mit digitalen Landschaften verschmolzen wird.

Gezeigt wird auch die „Canadian Forces Base North Bay“. Anschließend fragt sich der Zuschauer erst recht, wieso Regisseur Renfroe mit einer monumentalen Kulisse wie dieser so wenig anfangen konnte!

Kurzinfo für Ungeduldige: Um das Jahr 2050 ist die Erde ein Eisball, die Menschheit beinahe ausgestorben. Eine der kleinen Kolonien wird von Kannibalen überfallen, weshalb die wenigen Überlebenden erst recht um ihr Leben kämpfen müssen … – Klischeehafter SF/Horror-Thriller, der gute Darsteller in einer unausgegorenen Geschichte verheizt. Die Spezialeffekte sind dürftig, das schwächliche Finale deutet eine Fortsetzung oder gar eine TV-Serie an: Dutzendware.

[md]

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