Daheim im Keller hütet Taucherin Olive eine Kreatur, die sie in der Tiefsee gefunden hat. Der ‚Gast‘ ist intelligent, lebt von Menschenblut und baut eine telepathische Verbindung zu Olive auf, die daraufhin Muttergefühle entwickelt und neugierige Kellergäste an das Wesen zu verfüttern beginnt … – Was als ehrgeizige Hommage an H. P. Lovecrafts „Cthulhu“-Mythos gedacht war, leidet unter einem Null-Budget, das u. a. kein bedrohliches Monster, sondern nur einen karg bemalten Staubsaugerbeutel präsentieren kann; die Story ist lahm und wiederholt sich, die Darsteller scheinen meist zu improvisieren, die deutsche Synchronisierung ist eine Unverschämtheit.

Das geschieht:

Meeresbiologin Olive Crown geht die wissenschaftliche Arbeit über alles. Da sie außerdem risikofreudig ist, darf sie in Dr. Fletchers revolutionärem Taucheranzug in bisher nie erforschte Bereiche der Tiefsee vordringen. Ihr aktueller Vorstoß wird beinahe ihr letzter, denn ganz tief unten packt sie ein riesiger Krake – und lässt sie wieder frei. Olive kann geborgen werden, aber sie erinnert sich nicht an das Wesen. Da der unersetzliche Taucheranzug zu Bruch gegangen ist, wirft sie der wütende Fletcher hinaus.

Frustriert kehrt Olive in die heimatliche englische Vorstadtsiedlung zurück, wo sie ihr fusseliger Partner Matthew, ein Altenpfleger, schon voller Sehnsucht erwartet. Aber Olive ist abgelenkt: Im Gepäck hat sie ein ‚Andenken‘ an ihre ruhmlos beendete Expedition: ein Ei der Kreatur, dessen Insasse rasch schlüpft. Da die kleine Version des Ungeheuers sich auch an der Luft wohlfühlt, kann ihn Olive im Keller halten.

Sie informiert nur den Ex-Kollegen Dara von ihrem ‚Gast‘, den Olive ohne Fletcher untersuchen will. Nachdem sie herausgefunden hat, dass die Kreatur zum Leben Menschenblut benötigt, ist es hilfreich, dass Fletcher sie be- bzw. heimsucht: Dara hat geplaudert, und Fletcher will das Wesen. Da dieses inzwischen gedanklich mit Olive in Kontakt steht, die daraufhin ‚Muttergefühle‘ entwickelt, bringt sie Fletcher um und verfüttert ihn an das Wesen, das daraufhin mächtig an Kraft und Größe zulegt.

Bald benötigt Olive frisches Blut. Da ist es gut, dass die Umwelt lästige Neugier an ihrem Keller-Treiben entwickelt, denn so kommt Olive zu neuen Opfern. Als Schwester Ellie einzieht, verliebt sich Matthew, den Olive mehr und mehr links liegen lässt, in die lebhafte Frau. Als Olive dahinterkommt, lässt ihr Zorn die Situation eskalieren, während die Kreatur allmählich enthüllt, was sie eigentlich plant …

Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn

„In seinem Haus zu R’lyeh wartet träumend der tote Cthulhu“: So ‚übersetzte‘ der Schriftsteller H. P. Lovecraft (1890-1937) eine angebliche Inschrift, die an eine Vorzeit erinnerte, als die Erde nicht von Menschen, sondern von ‚Göttern‘ bewohnt war – den „Großen Alten“, außerirdische Geistwesen, die in galaxisweite Konflikte verwickelt waren und die Menschen höchstens als Sklaven zur Kenntnis nahmen. Irgendwann konnten ihre Gegner zumindest auf die Erde die ‚Götter‘ überwinden und einsperren, doch hinter ihren Riegeln sind sie weiterhin lebendig und lauern auf jede Gelegenheit zur Befreiung. Da diese Wesen unsterblich sind, bleibt die Gefahr präsent. Besonders rege rührt sich der krakenähnliche „Cthulhu“, der allerdings im Halbschlaf agieren muss und auf keinen Fall geweckt werden sollte!

Regisseur Stewart Sparke, auf den auch die Story zurückgeht, die Paul Butler in (so etwas Ähnliches wie) ein Drehbuch verwandelte, nennt niemals Ross (= Cthulhu) und Reiter (= Lovecraft), was urheberrechtlich bedingt sein mag. Dennoch bildet der Cthulhu-Mythos die Basis für dieses Grusel-Garn: Als Olive ihr Diplom an die Kellerwand hängt, können wir sehen, dass sie an der „Miscatonic University“ studiert hat. Lovecraft hat dieses Institut in der ebenfalls fiktiven Stadt Arkham gegründet; hierher verschlug es viele Forscher, mit denen es ein schlimmes Ende nahm, weil sie den „Großen Alten“ und ihren Schergen allzu nahe kamen.

In diese Schar reiht sich Olive Crown ein. Auch sie gibt ihrer Neugier nach und bietet Cthulhu – denn er ist es, dem sie in der Tiefsee begegnete – einen Weg zum Ausbruch aus der Verbannung. Der Plan ist in diesem Punkt keineswegs komplex: Olive wird von Cthulhu mit Tinte bespritzt und damit ‚infiziert‘. Sein Spross kann mit der Gastgeberin kommunizieren und sie kontrollieren. Nun muss er (oder sie) nur noch groß und stark werden, um Cthulhus Wiederkehr = die Apokalypse vorbereiten zu können.

Wir warten (eben nicht) aufs Drehbuch

Ab jetzt wird’s vage, denn weder Cthulhu noch Regisseur Sparke setzen uns jemals in Kenntnis, was faktisch vorgeht. Wenn Schwester Ellie im Finale am Nordseestrand steht, liegen dort unzählige Monster-Eier. Wieso musste Olive ‚ihr‘ Exemplar mühsam im Keller hüten, wenn Cthulhu sie selbst verbreiten kann? Was sollen die Eier überhaupt noch, wo sich am Horizont Cthulhu persönlich aus dem Meereswasser hebt und triumphierend röhrt: Er ist offenkundig frei und bereit, über die Welt zu kommen.

Immerhin erfährt die Handlung endlich eine Entwicklung. Bisher erschöpfte sie sich darin, Olive zu zeigen, die immer neue Pechvögel in den Keller und damit den Monsterschlund lockt, die blutigen Reste aufwischt und ausgesaugte Körperteile in der nahen Nordsee entsorgt. Das könnte durchaus interessant sein, säße hinter dem Plastikvorhang, den Olive durch den Keller gespannt hat, ein halbwegs glaubhaftes Ungetüm.

Klug beschränkt sich Sparke im Bund mit Kameramann Cal O’Connell auf sekundenkurze Blicke, denn leider war für ein ‚richtiges‘ Monster kein Geld da. Wenn man den Angaben auf imdb.com Glauben schenkt, konnte Sparke gerade einmal 12000 Pfund in seinen Film investieren. Das ist kein Budget, sondern ein Almosen, was Sparke & Co. durch ein Kapital auszugleichen gedachten, über das sie freilich ebenfalls nicht verfügten: Ideen.

Vorstellungskraft ist kein Universalheilmittel

Was die Beteiligten in die Waagschale werfen konnten, beschränkte sich auf die bloße Freude am Film sowie ein Selbstbewusstsein, das hart am Größenwahn schrammt. Schon der Auftakt geriet mehr als eine Nummer zu groß: Wenn Olive in die Tiefsee taucht, wird vor allem offenbar, dass nur Geld für schlechte Analog-Effekte und ganz schlechte Digital-Tricks vorhanden war. Selbst das Forschungsschiff, mit dem Fletcher und seine Crew über künstliche Wogen gleiten, existierte nur als Bits und nicht einmal als Bytes.

Wenn Cthulhu junior im Keller rumort, muss Darstellerin Anna Dawson eine Vogelscheuche aus schlappem, autoreifenfarbigen Gummi in Bewegung setzen, um monströses Leben und Bewegung zu simulieren; dazu werden Quiekgeräusche eingespielt. Je größer das Kellerkind wird, desto lächerlicher sieht es aus. Da hilft nicht der reichliche Einsatz von Kunstblut, das offenbar im Sonderangebot war. Wohlmeinende Kritiker, die es durchaus gibt, können sich nicht darauf einigen, ob „The Dark Below“ eine vor allem stimmungsvolle Lovecraft-Hommage oder die Wiederkehr jenes ‚handgemachten‘ Trash-Grusels ist, mit dem die Fans vor allem in den 1980er Jahren heimgesucht wurden. Andere bringen den Mut auf, die Sache klar anzusprechen: Hier hat Stewart Sparke mehr abgebissen, als er kauen kann!

Kaum eine Stütze bieten ihm die Darsteller. Anna Dawson soll als besessene Olive zwar lethargisch und merkwürdig wirken, doch man ahnt, dass dies nicht unbedingt nur gespielt ist. Zacharee Lee erinnert als Dr. Fletcher eher an den Türsteher eines Strip-Schuppens und benimmt sich entsprechend. Daniel S. Thrace mimt einen Matthew, den man für die vom Drehbuch geforderte Permanent-Ahnungslosigkeit bedauern muss. Auch sonst agieren primär Sparke-Freunde (oder durch einen Bann an ihn gefesselte Unglücksraben), die wir im nächsten Film des Regisseurs („Book of Monsters“) wiedersehen werden – oder würden, denn dies dürfte eine Prüfung sein, der sich jede/r entziehen wird, der oder die anderthalb lähmend langweilige anderthalb Stunden „The Dark Below“ überstanden hat!

DVD-Features

Im Umfeld der Dreharbeiten sind offensichtlich keine Extras entstanden; wir vermissen sie weniger als eine Antwort auf die Frage, wieso der O-Titel „The Creature Below“ als „The Dark Below“ ‚eingedeutscht‘ wurde.

Copyright © 2017 by Michael Drewniok, all rights reserved

The Dark Below
Originaltitel: The Creature Below (GB 2016)
Regie: Stewart Sparke
Drehbuch: Paul Butler (nach einer Story von Stewart Sparke)
Kamera: Cal O’Connell
Schnitt: Stewart Sparke
Musik: Dave S. Walker
Darsteller: Anna Dawson (Olive Crown), Michaela Longden (Ellie Crown), Daniel S. Thrace (Matthew Gardiner), Johnny Vivash (Dara), Zacharee Lee (Dr. Fletcher), Libby Wattis (Mrs. Jones), David Shackleton (Herbert) u. a.
Label: Mad Dimensions
Vertrieb: Alive AG
Erscheinungsdatum: 02.06.2017
EAN: 4260336461203 (DVD)/4260336461210 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 86 min.)
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Banshee Chapter

Slither – Voll auf den Schleim gegangen

The Hallow

Nymph – Mysteriös. Verführerisch. Tödlich