The Devil’s Rock

Originaltitel: The Devil’s Rock (Neuseeland 2011)
Regie: Paul Campion
Drehbuch: Paul Finch, Paul Campion u. Brett Ihaka
Kamera: Rob Marsh
Schnitt: Jeff Hurrell
Musik: Andrea Possee
Darsteller: Craig Hall (Ben Grogan), Matthew Sunderland (Klaus Meyer), Gina Varela (‚Helena‘), Karlos Drinkwater (Joe Tane), Luke Hawker (Gefreiter Müller), Jessica Grace Smith (Nicole), Geraldine Brophy (Stimme des Dämons) u. a.
Label/Vertrieb: dtp Entertainment
Erscheinungsdatum: 22.03.2012
EAN: 4051238007633 (DVD) bzw. 4051238007640 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min. (Blu-ray: 83 min.) – ungekürzte Fassung: 83 min. (Blu-ray: 85 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Im Juni des Jahres 1944 steht die alliierte Invasion der französischen Atlantikküste unmittelbar bevor. Zwar haben nazideutsche Truppen das britische Festland nie erreicht, aber sie vermochten sich auf diversen Inseln im Ärmelkanal festzusetzen und Kanonen zu installieren, die der Invasionsflotte schwere Verluste zufügen könnten. Deshalb werden kleine Sabotagetrupps ausgeschickt, die diese Insel-Geschütze sprengen sollen.

Captain Ben Grogan und Sergeant Joseph Tane landen auf einer der kleineren Inseln. Unbemerkt stoßen sie zur deutschen Bunker-Anlage vor. Aus dem Inneren hört man schaurige Schreie. Grogan vermutet, dass die Deutschen Gefangene foltern. Er will eingreifen und dringt mit dem widerstrebenden Tane in den Bunker ein. Statt wachsamer Soldaten stoßen sie auf übel zugerichtete Leichen.

Doch nicht alle Deutschen sind tot. SS-Oberst Klaus Meyer erschießt Tane und setzt Grogan gefangen. Dieser kann sich befreien, aber Meyer entkommt ihm. In einer mit okkultistischen Zeichen ausgemalten Zelle findet Grogan eine gefangene Frau, die zu seinem Entsetzen das Ebenbild seiner Gattin Helena ist, die vor Jahren bei einem deutschen Bombenangriff zu Tode kam.

Der wiederaufgetauchte Meyer erklärt Grogan, dass ‚Helena‘ ein Dämon ist, der jede Gestalt annehmen kann und auf diese Weise seine Opfer anlockt: Die Kreatur ernährt sich von Menschenfleisch. Sie brachte die deutschen Soldaten um, nachdem sie Meyer, ein Hexenmeister in Hitlers Diensten, aus der Hölle beschworen hatte. Angesichts der drohenden Niederlage greifen die Nazis nach jedem Strohhalm und sehen selbst den Teufel als Verbündeten. Der Dämon sollte nur die Vorhut einer höllischen Heerschar sein, die man gegen die Alliierten senden wollte, doch diese Wesen sind zu tückisch. Meyer will den Dämon in die Hölle zurückschicken. Dabei müsste Grogan ihm helfen, aber können die beiden einander trauen …?

Ein bizarres Trio als Notgemeinschaft

Diese Frage ist selbstverständlich rhetorisch, denn wie langweilig wäre ein Film, der zwischen zwei verfeindete Parteien eine scharf definierte Grenze legte? Also belügen und betrügen sich nicht nur Grogan und Meyer. Auch der Dämon mischt kräftig mit, zumal er in seiner irdischen Inkarnation keineswegs unbesiegbar ist. Das Verhältnis der Kräfte verändert sich ständig, woraus „The Devil’s Rock“ den Großteil seiner Spannung zieht.

Dagegen ist dieser Film ganz sicher weder „Saw im Dritten Reich“ noch „Eine wahre Freude für Splatter-Fans“, wie dummdreiste Werbe-Schreihälse auf dem Cover der deutschen DVD/Blu-ray behaupten. Zwar gibt es Blut & Eingeweide im Überfluss, doch dies vor allem als ‚Dekoration‘: Als Grogan und Tane durch den Bunker schleichen, hat der Dämon längst seine Metzeleien beendet. Zudem stellt sich die Frage, wie viel Gore- Freude man den angerufenen Splatter-Fans mit einem Film bescheren kann, in dem es gerade drei Hauptrollen gibt, von denen eine auch noch an den Dämonen fällt …

Stattdessen ist „The Devil’s Rock“ ein Kammerspiel mit bizarrem Thema vor kuriosem Hintergrund. Im Horrorfilm feiern die Nazis gerade ein seltsames Revival. Gern schlüpfen sie in die Rolle politisch unkorrekter und deshalb besonders wirkungskräftiger Bösewichte, wobei sie diese Wirkung in schwarzhumorigen Komödien noch steigern können; Nazis darf man tüchtig in die Mangel nehmen und kann sogar hierzulande mit der Nachsicht einer Zensur rechnen, die ähnliche Splatter-Auswüchse sonst höchstens gegen Zombies oder Außerirdische durchgehen lässt.

„Gut“ gegen „böse“ und „bitterböse“?

„The Devil’s Rock“ ist keine Komödie. Regisseur und Drehbuch-Mitautor Paul Campion möchte eine einfache Gruselgeschichte erzählen. Das ist ihm trotz oder wegen enormer Schwierigkeiten gelungen: „The Devil’s Rock“ musste quasi ohne Budget entstehen. Wie üblich liest man die werbewirksame Story, dass Campion sogar sein Haus beliehen habe, um das Geld für seinen Spielfilm-Erstling zusammenzukratzen.

Solche Einschränkungen müssen und können durch Ideen ausgeglichen werden. Schon die Wahl des Schauplatzes zielt in diese Richtung. Der Kampf gegen einen Dämonen ist kein origineller Filmstoff. Spielt er sich jedoch in einem Nazi-Bunker auf einer Kanal-Insel ab, weckt dies das Publikumsinteresse.

Das brüchige Gleichgewicht der Kräfte sorgt für zusätzliche Spannung. Wir Zuschauer wissen, dass Grogan, Meyer und der Dämon einander niemals trauen können – und sie wissen es auch! Dies sorgt für eine Atmosphäre ständigen Lauern und Wartens. Keinen Moment dürfen sich die Kontrahenten in Sicherheit wiegen. Jede Handlung ist nicht nur potenziell gefährlich, sondern besitzt versteckte Bedeutungen, die katastrophale Folgen zeitigen können.

Dieses Duell zwischen drei Lügnern wird durch die Enge des Schauplatzes intensiviert. Ein Bunker soll vor Angriffen von außen schützen. Er kann aber auch das perfekte Gefängnis sein. Dieser steht zudem auf einer verlassenen Insel. Hinter dicken Wänden sind Grogan, Meyer und der Dämon einander ausgeliefert. Die Entscheidung wird  hier fallen, eine Flucht ist unmöglich. Als die Konfrontation ansteht, muss sich herausstellen, wer am besten bluffen konnte und nun die Trumpfkarte ziehen kann. Die Verlierer werden sterben.

Das Dreieck des Todes

Die Ungewissheit darüber, wer diesen Kampf überleben wird, resultiert aus einem Drehbuch, das nicht nur eine einfache Geschichte wirkungsvoll erzählt, sondern auch aus der Ambivalenz der Figuren schöpft. Grogan ist nicht der Retter mit der weißen Weste, Meyer kein tumber Nazi-Klotz; selbst der Dämon legt durchaus Raffinesse an den Tag. Zudem kämpfen sie alle fern der Heimat und sind im Grunde fehl am Platze: Grogan ist in Neuseeland geboren, Meyer in Deutschland, der Dämon in der Hölle. Diese Gegner sind einander durchaus gewachsen. Dazu passt ein Finale, das die Erwartungen unterläuft aber eigentlich konsequent aus der Geschichte hervorgeht.

Da nur drei Personen den Großteil der Handlung tragen, müssen die Schauspieler nicht nur körperlich, sondern auch in ihren Rollen ständig präsent sein. Campion hatte Glück und fand drei Angehörige ihrer Zunft, die sowohl gut in ihrem Job sind als auch bereit waren, für wenig Geld zu arbeiten.

Craig Hall ist als Ben Grogan mehr Abenteurer und Ritter als Soldat und deshalb sofort bereit, den Sabotage-Auftrag zu vergessen und in den Bunker zu steigen, aus dem Hilferufe zu hören sind. Aufgrund seines privaten Schicksals hasst er die Nazis und ist deshalb problemlos fähig, sie letztlich in eine wahrhaft teuflische Falle tappen zu lassen.

Meyer ist kein tumber Schurke, sondern ein intelligenter Mann, der sich entschieden hat, lieber ein Nazi-Mörder mit Macht als ein kleines Licht zu sein. Matthew Sunderland spielt ihn mal so eiskalt, dass einem Schauer über den Rücken laufen, und dann wieder als Menschen, den man beinahe sympathisch findet – beinahe, denn Meyer ist manipulativ bis in die Fingerspitzen.

‚Helena‘ ist ein Dämon, dessen Eindruckskraft durch eine nur bedingt gelungene Maske eingeschränkt ist. Im dank Peter Jackson weltberühmt gewordenen „Weta Workshop“ entwarf man für Gina Varela eine leidlich dämonische Maske; ansonsten reichte das Budget nur, um den nackten Körper der leidensfähigen Darstellerin mit teuflisch knallroter Farbe zu besprühen. Als ‚Helena‘ ist Varela wesentlich überzeugender denn in ihrer Dämonen-Gestalt.

Neuseeland wird zur Kanalinsel

Obwohl „The Devil’s Rock“ auf einer Kanalinsel spielt, wurde der Film in Neuseeland gedreht. Campion war bei einem Besuch auf Guernsey auf die Idee gekommen, seinen ersten Spielfilm auf einer von Nazis besetzten Insel spielen zu lassen. Ein Bunker bot sich als Schauplatz an; teure Außenkulissen konnten entfallen. Zwar sieht ein Bunker nicht wie der andere aus, aber gewisse Ähnlichkeiten bedingt der Zweck natürlich. Quasi vor seiner Haustür – Campion lebt und arbeitet in Neuseelands Hauptstadt Wellington – fand der Regisseur die Wrights Hill Fortress. Diese Bunkeranlage sowie zwei gewaltige Geschütze wurden 1942 im Zuge des Pazifikkrieges zum Schutz vor einer japanischen Invasion Neuseelands errichtet. Inzwischen ist die Festung sorgfältig restauriert und eine viel besuchte Sehenswürdigkeit. (Ein ‚Rundgang‘ ist dank dieser Website möglich.)

Die Anlage wurde durch altmodische aber immer noch wirkungsvolle Matte-Paintings aufgewertet. Campion, der seine Laufbahn als Illustrator begann und u. a. für die „Herr-der-Ringe“-Trilogie Hintergründe zeichnete, konnte hier selbst Hand bzw. Pinsel & Sprühpistole anlegen. Diese Zeichnungen gelangen deutlich besser als die ‚deutschsprachigen‘ Hinweise im Inneren des Bunkers, die durch ihre dämonische Rechtschreibung die geisterhafte Stimmung eher unfreiwillig verstärken („Bei Gasgefahr alle rote Knopfe andrehen“).

Obwohl grundsätzlich alle Signale gegen ihn und sein Projekt standen, ist Paul Campion mit „The Devil’s Rock“ ein Film gelungen, der sich sehen lassen kann. Die Einschränkungen wurden nicht vertuscht, sondern klug für eine den kargen Kulissen angepasste Story genutzt. Für Campion hat sich das Risiko gelohnt; „The Devil’s Rock“ hat ihm viele Tore geöffnet. (Selbstverständlich arbeitet er u. a. an „The Devil’s Rock 2“ …) Der Zuschauer fühlt sich unterhalten genug, den Namen „Paul Campion“ unter der Hirnrubrik „vielversprechend“ abzulegen.

Anmerkung

Die deutsche Veröffentlichung von „The Devil’s Rock“ bildet ein düsteres Kapitel in der an finsteren Episoden ohnehin nicht armen deutschen Verleih-Geschichte. Um vor möglichen Attacken tugendwächterseits alarmierter Gerichte sicher zu sein, kürzte das Label den Film in vorauseilendem Gehorsam um zweieinhalb Minuten. Dabei schnippelte man so gründlich, dass dem Ergebnis plötzlich eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren gewährt wurde. Statt noch einmal mit dem kompletten Film vorstellig zu werden, spielte das Label einfach einige Filmtrailer auf, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Auf diese Weise konnte man dem Cover das verkaufsförderliche „FSK-18“-Siegel aufprägen.

Die für diese Besprechung gesichtete ungekürzte Fassung weist übrigens – natürlich, muss man angesichts des gerade skizzierten Trauerspiels wohl sagen – keinerlei Gräuel-Effekte auf, die den erwachsenen Zuschauer in einen schäumenden Amokläufer verwandeln könnten. Campion hätte sie sich ohnehin finanziell gar nicht leisten können. Eigentlich sollte man solches Schnippel-Machwerk ignorieren, was zwei Unschuldige – Paul Campion und seinen Film – allerdings doppelt schädigen würde.

DVD-Features

Es gibt einen Trailer und eine mickrige ‚Fotogalerie‘ zum Film. Das in der Label-Werbung angekündigte „Making of“, das Musik-Video oder ein der englischsprachigen Version aufgespielte Kommentar des Regisseurs fehlen.

Zumindest das Musik-Video lässt sich auf der Website zum Film finden. Weitere Hintergrundinformation gibt Paul Campion auf seiner eigenen Website preis. Hier präsentiert er auch seine beiden Kurzfilme, die vor „The Devil’s Rock“ entstanden. Der Rezensent empfiehlt „Night of the Hell Hamsters“ von 2006 – der Titel ist Programm …

Website des Regisseurs

[md]

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