devils-tombThe Devil’s Tomb – Welcome to Hell!

Originaltitel: The Devil’s Tomb (USA 2009)
Regie: Jason Connery
Drehbuch: Keith Kjornes
Kamera: Thomas L. Callaway
Schnitt: Chris Conlee
Musik: Bill Brown
Darsteller: Cuba Gooding Jr. (Mack), Taryn Manning (Doc), Valerie Cruz (Dr. Elissa Cardell), Franky G (Hammer), Zack Ward (Nickels), Henry Rollins (Fulton), Jason London (Hicks), Stephanie Jacobsen (Yoshi), Brandon Fobbs (Click), Weston Blakesley (Vater Jacoby), Bill Moseley (Prof. Duncan), Ray Winstone (Blakeley), Ron Perlman (Wesley), Sarah Ann Morris (Sharon) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Erscheinungsdatum: 25.09.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray) bzw. 30.04.2010 (Steelbook)
EAN: 4013549873932 (Kauf-DVD) bzw. 4013549273930 (Kauf-Blu-ray) bzw. 4013549973939 (Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Irgendwo in der Wüste des Nahen Ostens haben US-amerikanische Inspektionsteams immer noch keine Massenvernichtungswaffen, sondern stattdessen noch Schlimmeres gefunden: einen Nephilim, Nachkomme einer Menschenfrau und eines Engels aus dem Kreis um Luzifer – ein Mischwesen von großer Macht und Bosheit, das Gott vorsichtshalber in einem unterirdischen Grab gefangen setzte. Das will der Nephilim, nach Jahrtausenden quicklebendig, verständlicherweise verlassen, um endlich wieder Böses über die Welt zu bringen.

Professor Wesley und einige vom Vatikan geschickte Wissenschaftler sollten dies verhindern. Dass bei dieser selbstverständlich streng geheimen Mission etwas schiefgelaufen ist, weiß der Geheimdienst CIA, als der Kontakt zur unterirdischen Bunkeranlage, die um das Grab herum errichtet wurde, plötzlich abreißt. Agentin Elissa Cardell soll nach dem Rechten sehen. Weil dabei mit unschönen Zwischenfällen zu rechnen ist, werden ihr einige Söldner zur Seite gestellt.

Zusammen mit Anführer Mack und seiner gemischtgeschlechtlichen Truppe große Worte & Feuer spuckender Troubleshooter geht es per Helikopter zum Einsatzort, wo man die nächsten sechs Stunden auf sich gestellt sein wird. Im Bunkerinneren finden die Besucher überall Spuren heftiger Kämpfe, dann die ersten blutigen Leichen und schließlich einen von Eiterblasen übersäten Priester, der Unverständliches brabbelt und die Neuankömmlinge unauffällig mit grünem Schleim zu bespucken versucht.

Während die Truppe sich zur Bunkersohle durchkämpft, wird sie von Visionen vergangener Fehlentscheidungen sowie zombiehaft entstellten Geistlichen und Wissenschaftlern heimgesucht, die auch heftigem Beschuss standhalten. Am Ziel angekommen, rückt Agentin Cardell endlich mit der ganzen Wahrheit heraus über  den Einsatz. Ein Überleben des Teams ist nicht vorgesehen, doch sowohl Mack und seine Leute als auch der Nephilim haben andere Pläne …

Der Teufel holt wieder den Zuschauer

Keine Idee und kaum Geld zu haben ist für entschlossene Filmemacher noch nie ein Hindernis gewesen. Diejenigen unter ihnen, die ihrer Liebe zum Medium trotz aller damit einhergehenden Einschränkungen und Schwierigkeiten zumindest Ausdruck verleihen können, dürfen unserer Vergebung gewiss sein: Dies ist der „Ed-Wood-Effekt“.

Alle anderen, deren Blick eher auf das Einspielergebnis gerichtet ist, müssen wir ertragen. Manchmal riskieren wir einen Blick und werden verdienterweise mit dem Verlust von anderthalb Stunden kostbarer Lebenszeit bestraft. Selten haben wir halbwegs Glück; dann geraten wir an ein zwar verkorkstes aber immerhin mit dem ehrlichen (und einzigen) Willen zur Unterhaltung entstandenes Werk wie „The Devil’s Tomb“.

Aufgepasst: Dies ist die wohlwollende Beurteilung eines Films, der in jeder Sekunde zeigt, was er ist – ein nicht für die große Leinwand, sondern für den Bildschirm produziertes Produkt, das mit möglichst wenig Aufwand möglichst hohen Gewinn einspielen soll. Dass dabei ein gewisser Unterhaltungsfaktor gewahrt bleibt, verdankt das Publikum einer zwar unterforderten aber mit ihrem Job vertrauten Darstellerschar sowie einem Regisseur, der geschickt jede der wenigen ihm zur Verfügung stellenden Dollarmünzen dort einsetzte, wo er am besten zur Geltung kam, wobei das Drehbuch freilich ausdrücklich ausgespart blieb.

Mit ernster Miene den Blödsinn blühen lassen

Der B-Film ist die Brutstätte handfesten Schwachsinns. Zeit und Geld sind knapp, und das lässt – manchmal durchaus vorteilhaft – die Skrupel schwinden. Eine Geschichte wird auf ihre blanken Knochen reduziert, dem eine bunte Flickendecke in Gestalt bewährter Handlungselemente und gerade aktueller Reizthemen übergeworfen wird. In unserem Fall haben wir einerseits die uralte Story vom zufällig geweckten Wüstenteufel (siehe „Der Exorzist“), die andererseits mit den Verschwörungstheorien eines Dan Brown gekreuzt wurde. Ohne Hemmungen wird die ‚Anwesenheit‘ der USA im Nahen Osten genutzt. Im 21. Jahrhundert wirkt die versprengte und von jeder Hilfe isolierte Gruppe – unverzichtbares Element in jedem zweiten Drehbuch der Filmgeschichte – zeitlos. Dass sich dahinter ausschließlich klassische (oder verbrauchte) Strukturen erkennen lassen, stört zunächst nur den älteren bzw. damit vertrauten Zuschauer.

Nachdem unsere Geschichte auf kargem Wüstenboden ihren Anfang nahm, geht sie unter die Erde bzw. in einen Bunker, der höchstens als digitaler 3-D-Plan eindrucksvoll wirkt. Tatsächlich sehen wir nur düstere Kammern oder enge, mit Kisten, Fässern und anderem Gerümpel vollgestellte Gänge, die sich unvermittelt zu mehrstöckigen Hallen voller Maschinen weiten, mit denen sich eine Kleinstadt versorgen ließe. Solche seltsamen Anlagen wird man in der Realität mit gutem Grund nicht finden; sie sind nur sinnvoll, wenn es darum geht, eine Darstellergruppe in hinterlistige Fallen zu locken und auf diese Weise auszudünnen.

Blut ist gut, Action noch besser

Da sich die Story vom geheimen Menschenkrieg gegen Gottes gefallene Engel nicht einmal logisch trinken lässt und die dramaturgisch eingeschnittenen Sündenqualen diverser Figuren höchstens den Tatbestand der Publikumsverdummung erfüllen, vergisst man beides besser und konzentriert sich auf den mit viel Geschrei und noch mehr Ballereien begleiteten Vorstoß von Mack & Co. in die Eingeweide des teuflischen Bunkers.

„Alien“ und Agatha Christie („Zehn kleine Negerlein“) lassen grüßen, wenn sich die Schergen des Nephilims nach und nach unsere Helden greifen. Jeder stirbt anders; der gemeinsame Faktor ist die Scheußlichkeit des Endes. Blut und Eingeweide werden verspritzt, und es ist schön, dass Regisseur Connery – ja, es ist Seans Sohn, der sich hinter der Kamera ein zweites Standbein in der Filmindustrie schaffen möchte – begriffen hat, dass er seine Zuschauer wenigstens in dieser Hinsicht nicht enttäuschen darf. Zum Blut kommen Schleim, Eiter und Speichel, und auch hieran wird keineswegs gespart. (Was auf die CGI-Effekte leider nicht zutrifft.)

Da verzeiht man dem Drehbuchautor Keith Kjornes beinahe die Penetranz, mit der er darauf besteht, dass tausendfach bewährte Söldnerprofis sich plötzlich wie Idioten benehmen und ständig ihre Posten verlassen, um mysteriösen Geräuschen hinterherzulaufen. In unguter Erinnerung bleiben jedoch das schwächliche Finale, die lieblose Auflösung der Story sowie eine letzte Szene, die „The Devil’s Tomb“ wie den Pilotfilm zu einer geplanten TV-Serie wirken lassen, deren Zustandekommen in der Tat den Beweis für teuflische Präsenz böte!

Der Pakt mit dem (launischen) Teufel

Schauspieler für einen Film wie diesem anzuheuern, um sie in Söldner-Rollen zu pressen, könnte man als kritischen Kommentar betrachten. Bloß: Wer könnte im Zusammenhang mit „The Devil’s Tomb“ in den Verdacht solcher Feinsinnigkeit geraten? Der Zusammenhang ist also keine Absicht und wird höchstens von diesem gar schlauen Rezensenten bemerkt (oder konstruiert.)

Dem zynischen Betrachter bleibt das Vergnügen, die Darstellerriegen von B-Movies auf bekannte Namen zu sichten. Dass Cuba Gooding Jr., in dessen Arbeitsliste sich Filme wie “Jerry Maguire – Spiel des Lebens” (1996), „Instinkt“ (1999) oder „Sie nennen ihn Radio“ (2003) finden und der einen „Oscar“ gewann (für „Jerry Maguire“), 2009 als Hollywood-Action-Söldner Mack in „The Devil’s Tomb“ auftritt, sagt durchaus etwas über den aktuellen Status seiner Karriere aus. Dem Zuschauer, der Wert darauf legen sollte, erwartet ein Rollenspiel, das zwar reine, in einschlägigen Klischees erstickte Routine, aber nicht das erwartete Knattermimen ist, mit dem B-Movie-Helden ansonsten gern aufwarten.

Das holen Goodings Kollegen nach. Auch sie haben in ihrer Mehrheit in respektablen Kino- und TV-Produktionen gearbeitet, finden aber hier keinen Ausweg aus dem Prokrustes-Bett, in das sie Kjornes und Connery zwingen. Also ergeben sie sich in ihre Schicksale und geben den buchstäblich hammerharten Quoten-Hispano (nur echt mit Kopftuch!), den dummen aber fröhlichen Kumpel oder den (zudem schwarzen) Computer-Nerd.

Für die zunächst im Kampfanzug steckenden Darstellerinnen findet sich zuverlässig ein Bunker-Plätzchen, um diesen abzulegen und ein wenig Haut zu zeigen. Den obligatorischen B-Movie-Busen serviert dieses Mal Ex-Model Holly Weber, die auf diese Weise schon zahlreichen Filmdurchschnitt veredelte; sie hat sich an den strategischen Stellen so ausgiebig mit Silikon stopfen lassen, dass sie in einem Horrorfilm wie „The Devil’s Tomb“ perfekt besetzt wirkt.

Auch Ron Perlman, der ‚Gaststar‘, verdient sich seine Gage – viel kann es nicht gewesen sein – im Halbschlaf. Wir sehen ihn anfangs in einer Videoaufzeichnung wirres Zeug reden und im Finale – ebenfalls Unfug verbreitend – vom Teufel besessen. Ausgerechnet ihn, der durch seine einprägsame Physiognomie bekannt ist, für die Winz-Rolle des Dr. Wesley zu engagieren, ergibt keinen Sinn und ist als reines Namedropping zu werten. Auf dem Cover wird Perlmans Teilnahme denn auch prominent herausgestellt.

Blieb noch ein Aspekt ohne Berücksichtigung? Ach ja: Über die Musik von Bill Brown lässt sich lobend erwähnen, dass sich der Zuschauer schon während des Films an keine einzige Note erinnern kann. So etwas wünscht man sich öfter!

DVD-Features

In ihrem Audiokommentar tauschen Regisseur Connery und Hauptdarsteller Gooding Anekdoten von den Dreharbeiten aus. Dies lässt sich den Kommentaren derer entnehmen, die hineingehört haben, wozu dieser Rezensent, der schon den Hauptfilm bis zum Ende durchgehalten hatte, ehrlich gesagt keine Lust mehr verspürte.

Das Anschauen sind diverse Outtakes und alternativen Szene bis auf eine Ausnahme definitiv nicht wert: Stellte man sich bisher die Frage, wieso Mack während eines früheren Einsatzes seinen Vorgesetzten erschoss, wird durch die erweiterte Szene deutlich, dass Mack so handelte, um einen mörderischen Fehler zu vertuschen. Diese schmutzige Falte im Charakter der Hauptfigur macht ihn interessant aber nicht heldenhaft, weshalb sie geändert und verharmlost wurde.

[md]

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