The Ghostmaker

Originaltitel: Box of Shadows/The Ghostmaker (USA 2012)
Regie: Mauro Borrelli
Drehbuch: Mauro Borrelli u. Scott Svatos
Kamera: Eric Gustavo Petersen
Schnitt: Charles Bornstein u. Daniel Capuzzi
Musik: José J. Herring u. Christopher Young
Darsteller: Aaron Dean Eisenberg (Kyle), Liz Fenning (Julie), J. Walter Holland (Sutton), Jared Grey (Platt), Domiziano Arcangeli (Marcus), Jeffrey Damnit (Jerrod), Hans Uder (Armaddan), Karen Teliha (alte Frau), Chandler Maness (Sensenmann) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 21.05.2013
EAN: 4048317344451 (DVD)/4048317444458 (Blu-ray)/4048317544455 (Blu-ray 2D/3D-Multipack)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

In der Studenten-WG der Freunde Kyle, Platt und Sutton hängt der Haussegen schief. Kyle zahlt seinen Mietanteil nicht mehr, seit er sein Geld in Crystal Meth investiert. Der querschnittgelähmte Sutton hat ihn nur deshalb nicht an die frische Luft gesetzt, weil er die Gelegenheit nutzt, einen Keil zwischen Kyle und dessen Freundin Julie zu treiben, die er schon lange heimlich liebt.

Kyle entrümpelt zwischen seinen seltenen Seminarbesuchen Keller. Dieses Mal stößt er auf einen Schatz: einen uralten aber prächtigen und glücklicherweise leeren Sarg, in dessen Inneren seltsamerweise eine Spieluhr eingebaut ist. Auf dem Schlüssel findet sich eingraviert ein Name, der Platt auf die Spur eines historischen Geheimnisses bringt: Im 15. Jahrhundert hatte der deutsche Alchimist und Hexenmeister Wolfgang von Tristen eine sogenannte „Geistermaschine“ gebaut. Sie sollte es ihrem Nutzer ermöglichen, für eine gewisse Zeit den Körper zu verlassen und wie ein Geist umher zu spuken.

Die drei Freunde probieren die Maschine aus. Kyle findet als Phantom heraus, wo sein Dealer den Stoff bunkert, Sutton kann wieder laufen sowie unsichtbar Julie hinterher steigen. Nur Platt ist skeptisch, denn bei seinen Recherchen stößt er auf eine Warnung vor unerfreulichen Nebenwirkungen. Tatsächlich beginnen die Nasen der Geistreisenden zu bluten, und Suttons freundliches Wesen verkehrt sich ins Gegenteil. Er ist der Geistermaschine bald verfallen und wird sie auf keinen Fall aufgeben.

Dummerweise wissen Kyle und Sutton noch nicht, was Platt inzwischen erfahren musste: Die Benutzung der Maschine ruft den „mechanischen Tod“ auf den Plan – möglicherweise eine Inkarnation des Todes selbst, den es in helle Wut versetzt, wenn neugieriges Menschenvolk sich dort tummelt, wo er allein das Sagen hat. Deshalb gedenkt er, den bisher temporär begrenzten Jenseits-Aufenthalt unserer drei Freunde auf unbestimmte Zeit zu verlängern …

Prolog

„Nein, nicht länger
Kann ich’s lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.“

(Johann Wolfgang von Goethe: Der Zauberlehrling; 1797)

Die Nachgeborenen sind auch nicht schlauer

Obwohl er in den jüngeren Generationen aus der Mode gekommen ist, trifft er noch immer oft ins Schwarze. Viele Jahrzehnte vor der Erfindung des Films fasste Goethe eine schon zu seiner Zeit bekannte Geschichte kurz, prägnant und ein wenig ironisch zusammen: Menschliche Neugier, Überheblichkeit und Unwissen können auf gefährliche Weise zusammenfließen und Kräfte heraufbeschwören, die zerstörerisch auf ihren Verursacher zurückschlagen.

Vor allem der Horrorfilm kommt ohne diesen Plot nicht aus. Seit es ihn gibt, geraten ständig Zauberlehrlinge in bittere Nöte. Selbst ein Trübsinn verursachendes Machwerk wie „The Ghostmaker“ kann sich deshalb auf Goethe berufen, den es im Unterschied zu Wolfgang (!) von Tristen tatsächlich gegeben hat.

Wo schlägt sich menschliche Dummheit im 21. Jahrhundert schichtstärker nieder als im US-amerikanischen High-School- und Universitäts-Milieu? Dies beantwortet wenigstens eine der vielen anderen Fragen, die den Zuschauer zu plagen beginnen, während die Handlung ihren leicht vorauszusagenden Verlauf nimmt: Warum geriet ein Mitte des 15. Jahrhunderts in Deutschland gefertigter Zauber-Sarg ausgerechnet nach Los Angeles? Der Teufel kennt halt seine Pappenheimer: Optimalere Opfer als Sutton, Platt & Kyle könnte er beim besten Willen nicht finden. Sie sind Noob, Nerd & Hero und als solche im Reden und Handeln ebenso durchschaubar wie die Geschichte, in die zwei mäßig begabte Drehbuchautoren sie stoßen.

Kleine Hirne sorgen für kleine Geister

Wessen Geistes Kind sie sind, beweisen unsere drei Zauberlehrlinge, indem sie testweise einen Goldfisch der Kraft der Geistermaschine aussetzen. Nachdem dieser zwar erst mit dem Bauch nach oben durch seine Glaskugel treibt, dann aber wieder zu sich kommt, schließen sie daraus sehr richtig auf die Ungefährlichkeit des Apparates, ist die Hirnstruktur eines Goldfisches doch wesentlich komplexer als die unserer Protagonisten. Es beunruhigt deshalb zumindest Kyle und Sutton nicht, dass unschöne Nebenwirkungen sogar schriftlich fixiert wurden: In der beachtlich bestückten Universitätsbibliothek zieht Platt flugs ein Buch aus dem Regal, in dem von Tristen, seine Maschine und sogar der „mechanische Tod“ beschrieben werden! Dass ihnen das Uhrwerk der Geistermaschine u. a. einen Stahlstift ins Hirn bohrt, um Körper und Geist für die anstehende Astralreise lahmzulegen, wird selbstverständlich ebenfalls ignoriert.

Und was macht ein Mensch, der die Grenze zwischen Leben und Tod überschreiten kann? Im Alltagsleben geerdete US-Studenten bringen jedenfalls Tresor-Codes in Erfahrung, um später problemlos einzubrechen, oder geiern brustfreien Kickboxerinnen unter der Gemeinschaftsdusche hinterher. Selbst die ähnlich LED-hirnigen „Flatliners“ hatten sich 1990 höhere Ziele gesteckt! Der arme von Tristen, der die Geheimnisse des Lebens & der Todes enthüllen wollte, würde vermutlich im Grab rotieren. Kein Wunder, dass der „mechanische Tod“ lange auf sich warten lässt; es dauerte angesichts der beschriebenen Kindereien wohl, bis ihm auffiel, dass jemand wieder verbotenerweise den Geist spielte.

Und die Moral von der Geschicht‘ …

Grundsätzlich geschieht eine Menge: Kyle & Co. experimentieren mit der Maschine, Sutton mutiert zum Bösewicht, der „mechanische Tod“ setzt zur Verfolgung an. Dennoch ergänzt Regisseur und Drehbuch-Mitautor Mauro Borrelli dieses Geschehen vorsichtshalber durch eine Liebesgeschichte sowie einen krimiähnlichen Erzählstrang, der davon handelt, wie Kyle unter die Crystal-Meth-Strolche Marcus und Jerrod fällt.

Da weibliche Zuschauer sich ebenfalls für „The Ghostmaker“ begeistern (oder sich wenigstens in diesen Streifen verirren) sollen, wirft ihnen Borrelli eine Identifikationsfigur hin. Man kann es nur so ausdrücken sowie hoffen, dass sich keine Frau tatsächlich in dieser Lisa wiederfindet. Sie ist keine Figur, sondern nur Projektionsfächel für diverse Klischees, für die der (B-) Film seit jeher das Fach „Frau in Gefahr“ bereithält. Lisa ist hübsch – Borrelli zeigt sie gern in knapp geschnittenen Nachthemdchen oder Sportleibchen – und sehr verliebt in ihren Kyle, der sie zum Dank bestiehlt und belügt. Außerdem ist sie eine weibliche Version von Jiminy Cricket, jener Grille, die Pinocchio – ebenfalls ein Holzkopf wie Kyle – als Gewissen diente.

Im Finale wird Lisa vom übergeschnappten Sutton verschleppt und an einem Butterfly-Trainer festgebunden. Dort droht er lüstern, ihr das Höschen vom Hinterteil zu streifen, wobei ihm natürlich Kyles Fäuste und die US-Zensur rechtzeitig Einhalt gebieten. Letztlich trägt Kyle alles davon: den Sieg über Sutton und die schöne Lisa. Seinen Stoff hat er schon vorher reuevoll (und ohne Entzugserscheinungen) durchs Klo gespült, und selbst der „mechanische Tod“ lässt ihn leben; vermutlich will er einen heuchlerischen Langweiler wie Kyle nicht früher als nötig am Hals haben.

Von der Darsteller-Mühle in die Geistermaschine

„The Ghostmaker“ leidet nicht nur unter einer lahmen, im Mittelteil durchhängenden Handlung, einem Trommelfeuer nie gebrochener Klischees oder den unfreiwillig schaurigen Spezialeffekten, sondern auch unter kollektivem schauspielerischen Unvermögen. Es könnte mit der Erkenntnis zusammenhängen, für welchen Film man unterzeichnet hatte. Dies wäre die freundliche Interpretation eines Laientheaters, das man als Zuschauer nur mit einem gewissen Galgenhumor durchsteht.

Aaron Dean Eisenberg ist mit dem leeren, dummen Gesicht eines Boygroup-Sängers geschlagen. Er soll offensichtlich als Tunichtgut eingeführt werden, unter dessen trotz Meth-Konsums sonnengebräunter Haut ein goldenes Herz schlägt, weshalb er irgendwann die Notbremse zieht und wieder zu jenem „süßen Kerl“ schrumpft, in den sich Zimper-Lisa einst verliebt hatte.

Jared Grey könnte als Sohn des ‚intellektuellen‘ Ghostbusters Peter Venkman durchgehen. Seltsamerweise erwischt es ihn, der sich einmal und nie wieder ins Jenseits traut, zuerst. Platt taucht ohnehin nur sporadisch in der Handlung auf, wo er aufgeregt Fakten offenlegt, an denen seine Kumpane keinerlei Interesse zeigen. (Standardreaktion von Kyle: „Ich verstehe kein einziges Wort.“)

J. Walter Holland ist als Sutton in jeder Beziehung ein Pechvogel. Weil er im Rollstuhl sitzt, wird er als Sympathiefigur eingeführt, wodurch seine spätere Böswerdung umso schockierender wirken soll. Dies scheitert auch bzw. ganz besonders durch ein Erscheinungsbild, das Suttons Außenseiterstellung unterstreichen soll, ihn stattdessen jedoch in eine Witzfigur verwandelt. Mit seiner idiotischen Nachttopf-Frisur, die ihm wie ein Ölfilm über den Quadratschädel gegossen wurde, hat Sutton beim Zuschauer sofort verspielt. Später muss er ausgiebig mit freiem Oberkörper agieren und wirkt wie einem Schwulen-Porno der frühen 1980er Jahre entsprungen.

Geistarmes Ambiente

Besonders dollarscheindick war Mauro Borrellis Portefeuille nicht. Da er seit 1987 als Szenenbildner und Requisiteur für zahlreiche Filmproduktionen gearbeitet hat, versuchte er dies durch entsprechendes Fachwissen auszugleichen. So ist die tatsächlich eindrucksvolle Geistermaschine, die in einen Sarg eingebaut wurde, eine Borrelli-Schöpfung.

Wunder waren dennoch nicht möglich. Wenn unsere Studenten in die Geisterwelt überwechseln, umwabern sie bläuliche Schleier, und ihre Augen bekommen – wer weiß, wieso? – geschlitzte Pupillen. (Wenn Sutton später lernt, als Geist in die Realwelt einzudringen, erkennt man dies u. a. auch daran, dass Darsteller Holland kostensparend mit dunkelblauer Farbe eingesprüht wurde.)

Der grundsätzlich eindrucksvolle „mechanische Tod“ verliert durch seine Unbeweglichkeit. Er hängt in der Regel irgendwo in der Luft, in der Nahaufnahme zeigt die Kamera offensichtlich stets dieselbe Trickaufnahme. Deshalb ist es besser, dass der „Tod“ in dieser Geschichte nur sporadisch auftritt. Das ist übrigens ein Beispiel, dem das potenzielle „Ghostmaker“-Publikum weltweit folgen sollte!

DVD-Features

Obwohl sich im Internet durchaus einige Features finden lassen (in denen die vor und hinter der Kamera beteiligten Männer & Frauen freilich nur die üblichen Pseudo-Werbesprüche verzapfen), wurden nicht einmal dem deutschen Multipack Extras aufgespielt.

Im Internet gibt es diese Website.

Kurzinfo für Ungeduldige: Drei Studenten-Freunde stoßen auf eine magische Maschine, die sie auf Zeit in Geister verwandeln kann. Dies ermöglicht allerlei Schabernack, bis sich erstens unerfreuliche Nebenerscheinungen und zweitens der erzürnte Tod persönlich einstellen … – Die an sich interessante Geschichte wird lahm erzählt und hangelt sich von Klischee zu Klischee, was dank farbloser Darsteller umso deutlicher auffällt: auf einer 5-Punkte-Skala höchstens eine 1,5.

[md]

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