Drei Freunde wecken durch den Titel gebenden Tanz auf gewissen Gräbern drei ausgesprochen bösartige Gespenster, die ihnen nun einen Monat im Nacken sitzen werden und in ihren zunehmend brutaleren Attacken auch vor hilfsbereiten Geisterjägern nicht Halt machen … – Erstaunlich stilvoller, im positiven Sinn altmodischer, absolut teenyfreier, mit geschickt aufgebauter und gehaltener Spannung, echten Schauspielern und hübsch-hässlichen Effekten ausgestatteter Grusel-Thriller, der im Finale allerdings unnötig übertreibt: trotzdem ein Film, der Spaß macht.

Das geschieht:

Natürlich konnte nur Sid, der nie erwachsen wurde, anregen, auf dem nächtlichen Friedhof vom früh verstorbenen Jugendfreund Devin Abschied zu nehmen. Harris und Kira schließen sich um der alten Zeiten willen an. Als Sid neben dem Grabstein einen Briefumschlag mit einem Gedicht findet, das einer Beschwörung gleicht, deklamieren sie es lauthals im Chor und tanzen sogar auf einigen Gräbern.

Nach einigen Tagen und wieder nüchtern hat Harris, ein erfolgreicher Anwalt und privat glücklich verheiratet, die nächtliche Eskapade fast schon vergessen, als Allison, seine Gattin, im gemeinsam bewohnten Haus Klopfgeräusche, Flüstern und Klavierklänge vernimmt. Als eine Frauengestalt sie fast zu Tode erschreckt, verdächtigt Allison Kira, die einst heftig in Harris verliebt war und mit üblem Psychoterror auf dessen Heirat reagiert hatte. Doch Kira liegt verletzt und von unsichtbaren Zähnen zerbissen in ihrer Wohnung. Auch Sid ist in Nöten: Ein Geist verfolgt ihn und legt ständig Brände! In seiner Not hat er bereits die Hilfe der Parapsychologen Vincent und Culpepper gesucht, die bald herausfinden, was geschehen ist: Harris, Sid und Kira haben geweckt, wer unter ihren tanzenden Füßen ruhte!

Unser Trio hat sich ausgerechnet in jener Ecke des Friedhofs vergnügt, in der man Mörder, Irre und andere unerfreuliche Zeitgenosse verscharrte. Sid wird vom pyromanischen Geisterkind Dennis Faberly verfolgt, der 1956 sich und seine Familie abfackelte, Harris und Allison von Emma Westbrook geplagt, die 1923 ihren Liebhaber und dessen Frau mit der Axt zerlegte. Kira peinigt der Geist des Richters William Langer, in dessen Keller man 1890 ein Folterverlies samt Frauenleichen entdeckte.

Die drei Leichen müssen ausgegraben und neu bestattet werden, um den Fluch zu brechen, verkünden Vincent und Culpepper, doch leider geht dieser Schuss gewaltig nach hinten los …

Kleine Ursache – große (Grusel-) Wirkung

Das Phantastik-Filmfest „8 Films To Die For“ (auch „Horrorfest“ genannt) erfreut sich in den USA unter den Fans der etwas härteren Gruselkost großer Beliebtheit. Es ist an keinen Ort gebunden, stattdessen zeigen ca. 350 US-Kinos an drei Tagen (bzw. in drei Nächten) mindestens acht aktuelle Horrorfilme, die später mit dem Gütesiegel „8 Films To Die For“ vermarktet werden.

„The Gravedancers“ gehört zur 2006er Edition dieser Reihe, die in Deutschland nur das Kunstlicht der Videotheken erblickt. Das ist in diesem Fall schade, denn der Zuschauer fragt sich, wie dieser Streifen wohl auf der großen Leinwand wirken würde. Das Potenzial zum ‚großen‘ Kino hat er, obwohl „Gravedancers“ trotz zahlreicher Spezialeffekte zu den kostengünstig produzierten Filmen gehört.

Allerdings hat der Verzicht auf die Mainstream-Schiene den erfreulichen Nebeneffekt, dass sich „Gravedancers“ nicht pflegeleicht geben muss, sondern in Kenntnis der Tatsache, dass ohnehin primär Genrefreunde zugreifen werden, dem Grusel-Affen ordentlich Zucker geben kann. „Poltergeist“ meets „Tanz der Teufel“ – so lässt sich das Ergebnis charakterisieren. Geister werden versehendlich gerufen. Sie präsentieren sich klassisch, nämlich bitterböse, gemein und hässlich, und lassen sich partout nicht mehr loswerden. Welche Konsequenzen das für ihre entsetzten Opfer hat, wird ebenso spannend wie drastisch in Szene gesetzt.

Nicht altmodisch, sondern zeitlos: eine echte Geschichte!

Doch „Gravedancers“ ist mehr als eine splattrige Effektorgie. Der Film erzählt eine richtige Geschichte mit Einleitung, sorgfältig aufgebautem und gut getimten Hauptteil und fulminantem Finale. Der Plot ist sicher nicht originell, aber er wird umgesetzt, wie es ihm gebührt: einfach bzw. geradlinig. „Gravedancers“ will nicht mehr als Unterhaltung bieten und kennt künstlerisch wie handwerklich und finanziell seine Grenzen.

Zu den Pluspunkten dieses Films zählt dabei die Entscheidung, das Übernatürliche nicht ausschließlich digital in Szene zu setzen. Viele moderne Horrorfilme setzen auf die Macht der Pixel, die indes als solche immer noch zu erkennen sind, selbst wenn richtig viel Geld in ihre Erzeugung fließt. Dabei verleugnet das Genre seine eigene Geschichte, die viele Jahrzehnte durch den Einsatz stetig perfektionierter Masken und Modelle lebendig wurde.

Die Macher von „Gravedancers“ greifen auf ehrwürdige Traditionen zurück und kombinieren sie mit der Technik des 21. Jahrhunderts. Das Ergebnis belegt, dass „Animatronics“, d. h. mechanisch oder hydraulisch angetriebene Modelle im Maßstab 1 : 1 immer noch ihren Zweck erfüllen. Vor allem die auf solche Weise ‚belebte‘ Leiche des psychopathischen Richters Langer beeindruckt durch ihre überzeugende Bedrohlichkeit, aber auch der liebe, kleine Dennis verströmt aasigen Ekel. Bewährtes muss halt nicht zwangsläufig altmodisch wirken! Tatsächlich übertreffen die klassisch realisierten Tricks die CGI-Effekte vor allem im Finale bei weitem.

„Ach, wenn’s mich nur gruselte“: So wird’s gemacht!

Bis ihrerseits die Geister tanzen, vergeht einige Filmzeit. Auch hier ist die Stilsicherheit von Regisseur und Drehbuchautoren positiv zu vermerken. Einem erst nachträglich sich erschließenden Prolog von erschreckender Intensität folgt ein ruhiger erster Teil, in dem wir die Hauptdarsteller kennenlernen. Dann mischen sich erste übernatürliche Manifestationen ins Geschehen, die sich jedoch auf akustische Effekte und den Einsatz der subjektiven Kamera beschränken. Behutsam wird die Schraube weiter angezogen. Die Geister offenbaren sich auf eine Weise, die verrät, dass sich die Schöpfer von „Gravedancers“ die Horrorklassiker gut angeschaut haben; der Schreck spiegelt sich in den Gesichtern der Darsteller, bevor den Zuschauern offenbart wird, was diese sehen, und wird auf diese Weise gedoppelt. Erst im letzten Drittel geht es zur Sache. Das Subtile des Films wird zugunsten des Action-Spektakels aufgegeben; ein bekanntes Manko nicht nur des Horrorfilms. Freilich wird vor und hinter der Kamera auch jetzt fabelhafte Arbeit geleistet, gibt es immer noch Überraschungen, bleibt der Charme des richtig gut gemachten B-Movies gewahrt.

Hochachtung verdient auch die Besetzung von „Gravedancers“ mit Schauspielern, die zur angenehmen Abwechslung definitiv keine heißlufthirnigen Teenies, sondern ihren Dreißigern deutlich nahe gekommen sind oder sie bereits überschritten haben. Harris ist ein beruflich gestandener Anwalt, er und Allison wollen eine Familie gründen: Hier sehen wir zwei Menschen, die ihre Eierschalen längst abgestreift haben. Der unkonventionelle Sid wirkt nicht ‚cool‘, sondern leidet offensichtlich unter dem Peter-Pan-Syndrom und diversen Süchten, was ihn zum schwachen Glied in der Kette unserer Geisteropfer werden lässt.

Das trifft auch auf Kira zu, über deren Leben wir wenig erfahren. Sie leidet unter ihrer nie erfüllten Liebe zu Harris, die dieser allerdings zumindest ansatzweise erwidert. (Oder war da mehr? Der Film deutet es mehrfach an.) Psychisch ist Kira labil, was nachvollziehbar macht, dass Allison zunächst sie hinter dem Spuk vermutet. Bis sich herausstellt, dass sie ebenso Opfer ist wie ihre Leidensgenossen, vergeht einige, für sie leidensreiche Zeit. (Hübsches Detail am Rand: Als sich Allison und Kira endlich aussprechen, bricht nicht der erwartete Streit aus, der die Gruppe schwächt und den Geistern ein Einfalltor bietet. Das Drehbuch spielt mit diesem Klischee und lässt den Konflikt an gänzlich unerwarteter Stelle zünden.)

Lichtpunkte in grabdunklem Geschehen

„Gravedancers“ dürfte durch die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch junge Prominenz seines männlichen Hauptdarstellers Dominic Purcell profitieren, der kurz nach den Dreharbeiten in die Rolle des Lincoln Burrows in der TV-Erfolgsserie „Prison Break“ schlüpfte. Auch sonst griff Regisseur Mike Mendez gern auf gestandene Mimen zurück und besetzte die Rolle des unsicheren Geisterjägers Vincent mit dem Franzosen Tchéky Karyo, der schon in zahlreichen guten („Crying Freeman“, 1995), genießbaren („Dobermann“, 1997) und grottenschlechten („Wing Commander“, 1999) Genreproduktionen auftrat, aber auch in französischer Filmkunst wie „Le Roi danse“ (2000; dt. „Der König tanzt“) zu bewundern war. Dass nicht Vincent, sondern Culpepper (Megahn Perry) als Katalysator für den brachialen Endkampf zwischen Mensch und Monster fungiert, gehört ebenfalls zu den gelungenen, weil unerwarteten Drehbucheinfällen.

Ein Film wie „Gravedancers“ steht und fällt mit den geisterhaften Gegnern, die auf die menschlichen Darsteller treffen. Wiederum haben Brad Keene und Chris Skinner ihre Hausaufgaben gemacht: Sie informieren uns über die Vorgeschichte des Brandstifters, der Axtmörderin und des Frauenschinders und stellen klar, wieso diese Kreaturen so brutal über Menschen herfallen, die ihnen objektiv nie etwas zuleide getan haben. Nach weichgespülten Spukseelchen à la „Ghost Whisperers“, mit denen der leidgeprüfte Gruselfan gepiesackt wird, ist es schön, endlich wieder fiesen Gespenstern bei der Arbeit zuzuschauen.

Nicht einmal der finale Twist wird versaut, denn selbstverständlich gibt es einen Schlussgag, der die Niederlage des Bösen in Zweifel zieht. Der passt hier zur Handlung und setzt quasi den Schlusspunkt hinter das seltene Vergnügen eines Horrorfilms, der keines Brain-Dimmings durch den ausgiebigen Genuss von Bier oder anderen Rauschmitteln bedarf.

DVD-Features

Die zusätzlich aufgespielten Features halten sich im Rahmen des Üblichen. Das „Making of – A Grave Undertaking“ konzentriert sich naturgemäß auf die feinen mechanischen Monster-Effekte, hinzu kommt eine Featurette mit dem Titel „Making the Ghosts“. Den Interviews wäre ein Audiokommentar vorzuziehen. Die elf „Deleted Scenes“ sind natürlich interessant; sie lassen erkennen, dass der Film so, wie er uns nun präsentiert wird, besser geworden ist.

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The Gravedancers – Ruhe nicht in Frieden!
Originaltitel: The Gravedancers (USA 2005)
Regie: Mike Mendez
Drehbuch: Brad Keene u. Chris Skinner
Kamera: David A. Armstrong
Schnitt: Mike Mendez
Musik: Joseph Bishara
Darsteller: Dominic Purcell (Harris McKay), Clare Kramer (Allison McKay), Josie Maran (Kira Hastings),Marcus Thomas (Sid Vance), Tchéky Karyo (Vincent) Megahn Perry (Culpepper), Martha Holland (Emma), Oakley Stevenson (Spukfrau), Samantha MacIvor (Schwester Jenny), Geneva E. Avarett-Short (Schwester Brolin), Bob McHone (Priester) u. a.
Label: Universum Film
Vertrieb: Falcom Media Group
EAN: 886970400190 (DVD)
Erscheinungsdatum: 15.10.2007 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1 anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 95 min.
FSK: 16

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