The Graveyard
Renn um dein Leben

Originaltitel: The Graveyard – Fear Is Buried Here (USA 2006)
Regie: Michael Feifer
Drehbuch: Michael Hurst
Kamera: Hank Baumert Jr.
Schnitt: Christopher Roth
Darsteller: Christopher Stewart (Charlie), Lindsay Ballew (Michelle), Trish Coren (Allie), Patrick Scott Lewis (Bobby), Leif Lillehaugen (Jack), Erin Lokitz (Sarah), Eva Derrek (Veronica), Markus Potter (Peter Bishop), Natalie Denise Sperl (Zoe), Mark Salling (Eric), Sam Bologna (Sheriff), Brett Donowho (Camper) James Gallinger (Bailiff)
Anbieter: e-m-s new media
Erscheinungsdatum: 24.04.2008 (DVD)
EAN: 4020974164696
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

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Das geschieht:

Sieben geistig beklagenswert unterentwickelte US-Highschool-Teenies nisten sich in einem Waldcamp ein. Charlie, der Anführer, inszeniert auf dem nahe gelegenen Placid- Pines-Friedhof eine witzfreie Charade, als deren Höhepunkt der tumbe Eric aufgespießt an einem Zaunpfahl endet. Für diesen Unfall fährt Charlie fünf Jahre wegen Totschlags ein. Seine Freunde bleiben frei. Ihr schlechtes Gewissen führt sie jedoch wieder zusammen, als Charlie aus der Haft entlassen wird. Kompaniemutter Michelle organisiert ein Treffen in genau dem Camp, in dem damals das Verhängnis seinen Lauf nahm – nur so könne man sich gruppentherapeutisch von dem Grauen ‚befreien‘.

Charlie hat seinen Freunden keineswegs vergeben, dass sie ihn die Suppe allein auslöffeln ließen. Deshalb wird er zum Hauptverdächtigen, als in der Nacht ein maskierter Munkelmann im Kapuzenmantel durch das Camp geistert und ein großes Messer schwingt. Es dauert einige Morde, bis unsere Freunde merken, dass sie einem metzelwütigen Irren ausgeliefert sind. Ihre Autos sind lahmgelegt, die Handys ohne Empfang. Campverwalter Peter Bishop rät zur Besonnenheit, doch voller Panik stolpern die Überlebenden durch den dunklen Wald, auf dass sie der Killer gut in die Enge treiben kann, wo er sich ihnen mit besagtem Messer oder – variatio delectat – anderen Mordwerkzeugen widmet.

Michelle und Sarah verirren sich auf den Friedhof und bemerken entsetzt, dass Erics Grab nur noch eine leere Grube ist. Treibt etwa ein Rache-Spuk sein Unwesen? Charlie bricht aus dem Camp aus und macht sich Hilfe suchend zu Fuß auf in die 10 Meilen entfernte Stadt. Wird er sie erreichen? Seine Freunde verbarrikadieren sich in den wackligen Hütten des Camps. Wird das den Mörder abhalten? Diese und andere Fragen werden im Finale viel zu erschöpfend geklärt …

Horror-Mumpitz aus der Mottenkiste

„Hier gibt es keinen Jason“: Die einzige Bemerkung, die zumindest ansatzweise Selbstironie andeutet, wird ausgerechnet vom waffelhirnigen Jack geäußert. Bis dieser Satz fällt, wird freilich der letzte Zuschauer begriffen haben, was er sich da gerade ansieht (oder ansehen muss). „Freitag, der 13te“ wurde zur Vorlage einer ganzen Metzelfilm-Industrie. Selten fallen die Abzüge jedoch so blass aus wie in diesem Fall.

Ob es daran liegt, dass „The Graveyard“ gar kein ‚richtiger‘ Film ist, sondern eine „Direct-to-DVD“-Produktion, die von der Weltfirma „Schnell, Billig & Jämmerlich“ realisiert wurde? Auch solche Streifen müssen nicht zwangsläufig schlecht sein, wenn hinter der Kamera Leute stehen, die mit Talent oder wenigstens handwerklichem Ethos gesegnet sind. Doch „The Graveyard“ macht weder dem Drehbuchautor noch dem Regisseur Ehre. Ersterer klaubte wahllos tausend zu Tode gerittene Horror-Klischees aus der Filmgeschichte zusammen und klitterte daraus eine Abfolge von Szenen, die wir nicht nur schon viel zu oft, sondern vor allem viel besser gesehen haben. Letzterer trug – weidlich unterstützt durch Kameramann und Cutter – durch völligen Verzicht auf inszenatorische Raffinesse, Atmosphäre und Schauspielerführung mehr als seinen Teil dazu bei, aus „The Graveyard“ eine runde, elende Sache zu machen.

Da war wohl auch im Schnittraum nichts mehr zu retten. Oder hat man irgendwann das Handtuch geworfen? In seiner planvoll wirkenden Ignoranz sämtlicher filmischer Mittel ist „The Graveyard“ deshalb ein sicherer Anwärter für einen „Golden Turkey Award“, mit dem im ewigen Gedanken an Edward D. Woods „Plan 9 from Outer Space“ (1958) nur wirklich unverbesserliche Filmwerke ‚ausgezeichnet‘ werden.

Es folgen einige typische Highlights:

– Aufgehoben sind die Gesetze von Zeit & Raum, Tag und Nacht wechseln völlig unabhängig vom aktuellen Geschehen. Da kann es vorkommen, dass Charlie im hellen Tageslicht mit dem Motorrad gen Waldcamp startet, das nur zehn Meilen von der nächsten Stadt entfernt ist, und trotzdem erst in tiefer Nacht sein Ziel erreicht.

– Das Erstaunen steigt, weil er auf dieser Fahrt vom Sheriff verfolgt wird, was eigentlich für Beschleunigung sorgen sollte. Ist ohnehin gleichgültig, denn irgendwo auf diesen zehn Meilen geht der Sheriff verloren und erreicht erst viel, viel später das Camp, von dem er weiß, dass es Charlies Ziel ist.

– Das Loch im Friedhofszaun: Dort fand Eric sein blutiges Ende. Fünf Jahre später blicken wir auf genau dieses Loch, in das weiterhin die abgebrochenen, scharfen Gitterstäbe ragen, die zu entfernen die Friedhofsverwaltung offenbar keinen Anlass sah.

– Aber wieso sollte sie sich um solche Kleinigkeiten kümmern, wenn sie das Grab des exhumierten Eric einfach offen klaffen lässt? (Immerhin haben die Grabräuber sehr sauber gearbeitet und ein präzise rechteckiges Loch im Boden hinterlassen.)

– Ohnehin geht die Obrigkeit in dieser Gegend die Dinge eher lax an; als Charlie den Sheriff ins Camp ruft, weil dort ein Massenmörder sein Unwesen treibe, wird er von diesem vertröstet, der erst einmal an anderer Stelle einen Einbruch aufnehmen müsse.

– Dem Zufall eine Chance: Seit Stunden rennt Charlie durch den dichten Wald; als ihm die Puste ausgeht, geschieht dies exakt unter jenem Baum, in dessen Geäst der Killer eines seiner Opfer festgebunden hat, damit sein Blut dem entsetzten Charlie ins Antlitz tropfen kann.

– Ach ja: Findet dieses Trauerspiel im Umfeld von „Placid Pines“ statt, wie die Aufschrift des Friedhofsportals andeutet, oder heißt die Stadt „Pleasant Pines“, wie Charlie sie nennt?

Diese Liste könnte ich mit Besorgnis erregender Leichtigkeit verlängern, möchte aber die Lebenszeit meiner Leser (sowie meiner Wenigkeit) nicht unnötig verkürzen. Es bleibt abschließend die Frage, ob wenigstens die Mordszenen für Unterhaltung (bzw. das zuschauerliche Erwachen aus dem Koma) sorgen können. Muss das beantwortet werden?

„The Graveyard“ ist trotzdem ein Film ohne Jugendfreigabe. Das können wir in diesem Fall nicht auf die Brutal-Szenen zurückführen, die sich in ihrer amateurhaften Darbietung kongenial in den Reigen akuter Unfähigkeit einfügen. Dem zollt auch die Synchronisation Tribut, die ebenso leblos wie der Film ausfällt. Die Zensur – von welcher Institution sie hier auch ausgeübt wurde – wird sich eher um die geistige Gesundheit der Zuschauer sorgen, die tatsächlich dankbar sein sollten, dass sie wenigstens unter 18 Jahren von solchem Bockmist bewahrt bleiben!

Dilettieren im Filetieren

Hart ist für junge Schauspiel-Eleven der Weg zum Ruhm. Bis es (hoffentlich) soweit ist, müssen sie die Engagements nehmen, wie sie kommen. Sie können nur froh sein, wenn nicht gar zu viele Rohrkrepierer darunter sind. Die meisten dieser Darsteller sind in der Tat neu im Geschäft; ihre FIlmografien sind ebenso kurz wie reich an kruden Titeln. Was sie zu leisten vermögen, müssen sie noch zeigen, denn „The Graveyard“ ist kein Maßstab, an dem man ihre Arbeit messen darf. Das Drehbuch zwingt sie zum Dilettieren und Chargieren; ohnehin plump gestreute Verdachtsmomente – ist der Täter einer aus der Gruppe? – verpuffen, weil Charakterzeichnungen von einem Moment zum nächsten verworfen und ins Gegenteil verkehrt werden. Kein Schauspieler meistert ‚Herausforderungen‘ wie diese:

– Veronica ist zwar eine Schlampe, aber eine saubere, sodass sie nach dem Sex mit Jack die Campdusche aufsucht. Bei der Aufnahme dieser Szenen war offenbar der Kameraständer defekt, der sich einfach nicht über den Bereich zwischen Oberschenkel und Hals hinaus schwenken ließ. Eva Derrek ist solche Aufmerksamkeit gewöhnt; in „The Slaugher“ (2006), einem Film, der – kaum vorstellbar – noch schlechter als „The Graveyard“ ist, agierte sie als Hexe sogar ausschließlich busenfrei; eine Erfahrung, die sie darstellerisch in ein weiteres Meisterwerk des Horrorfilms einbringen durfte: „Werewolf in a Women’s Prison“ (2006).

– Sie befindet sich damit in guter Gesellschaft mit Natalie Denise Sperl, die hier urplötzlich und unmotiviert als Zoe, lesbische Geliebte Sarahs, aus dem Gebüsch springt, diverse antörnende Schweinereien in die Runde wirft und wieder verschwindet, um umgehend vom Camp-Killer abgemurkst zu werden: Ihre ‚Karriere‘ begann 1995 mit „Cellblock Sisters: Banished Behind Bars“.

– Sexprotz Jack wird als Idiot sogar von seinen Freunden geächtet. Seine rechtschaffene Ex-Freundin Allie ist besonders angeekelt. Sobald Jacks Gespielin Veronica im Wald verschollen ist, springt sie allerdings umgehend zurück in Jacks Kiste.

– Als die meisten ihrer Freunde bereits in Stücke gesäbelt wurden, entdeckt Michelle die Liebe zu Waldmeister Peter und vergisst ihr Entsetzen bei einer Kussorgie, die bis zum Einbruch der Nacht (zu den klimatischen Besonderheiten von „The Graveyard“ s. weiter oben) dauert.

Lassen wir es damit genug sein. So unterhaltsam ist permanente Unfähigkeit auch nicht. Knapp 90 Minuten können sehr lang sein, wie „The Graveyard“ eindrucksvoll belegt. Wünschen wir an dieser Stelle den Darstellern mehr Glück für ihre berufliche Zukunft. (Obwohl die aktuellen Projekte von Trish Coren – „Headless Horseman“, 2007 –, Erin Lokitz – „Buried Alive“, 2007 – oder Natalie Denise Sperl – „Succubus: Hell Bent“ – von keinem Fortschritt künden.) Wir Zuschauer sollten uns die Namen Feifer und Hurst merken und ihre zukünftigen ‚Werke‘ meiden.

DVD-Features

Die Ärmlichkeit des Films spiegelt sich in den Features wider, die der DVD aufgespielt wurden: Sie beschränken sich auf den originalen US- und den deutschen Trailer. Mehr will man garantiert nicht sehen.

[md]

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