The Grudge 3

Originaltitel: The Grudge 3 (USA 2009)
Regie: Toby Wilkins
Drehbuch: Brad Keene
Kamera: Anton Bakarski
Schnitt: John Quinn
Musik: Sean McMahon
Darsteller: Johanna Braddy (Lisa), Beau Mirchoff (Andy), Gil McKinney (Max), Jadie Hobson (Rose), Emi Ikehata (Naoko), Matthew Knight (Jake), Shawnee Smith (Dr. Sullivan), Aiko Horiuchi (Kayako), Shimba Tsuchiya (Toshio), Takatsuma Mukai (Daisuke), Marina Sirtis (Gretchen), Laura Giosh (Renee), Mihaela Nankova (Brenda), Michael McCoy (Praski) u. a.
Vertrieb: Constantin Film

Erscheinungsdatum: 22.10.2009 (Kauf-DVD bzw. (Blu-ray)
EAN: 4011976872382 (DVD) bzw. 4011976314981 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 90 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Nachdem Jake, der letzte Überlebende der Kimble-Familie (s. „The Grudge 2“), wie angekündigt ein grausiges und unerklärliches Ende gefunden hat, beginnt Dr. Sullivan, die den verstörten Jungen psychologisch behandelt hatte, seiner wirren ‚Erklärung‘ nachträglich Glauben zu schenken: In dem alten Mietshaus in Chicago, das seiner Familie ein Heim war, habe sich ein Fluch aus Japan eingenistet, der in Gestalt einer bizarr verrenkten Geisterfrau und eines weißhäutigen Geisterkindes über die Kimbles hergefallen sei.

In Tokyo liest die junge Naoko von der Tragödie in Chicago. Sie erkennt, dass es sich bei den Geistern um ihre Schwester Kayako und ihren Neffen Toshio handelt, die einst vom jähzornigen Schwager Takeo so grausam ermordet wurden, dass daraus ein „Ju-on“ entstand – jener Fluch, der unerbittlich jeden tödlich trifft, der mit ihm in Kontakt kommt. Eine amerikanische Japanreisende schleppte ihn ahnungslos in die USA ein, wo er später die Kimbles fand.

Nun geraten weitere Bewohner des Mietshauses ins Visier des Fluches. Toshio hat es auf die kleine Rose abgesehen. Das an einer Lungenkrankheit leidende Mädchen wird von ihren schon erwachsenen Geschwistern Max und Lisa erzogen. Der Bruder ist Hausmeister, die Schwester gerade dabei, mit ihrem Freund Andy nach New York umzuziehen.

Zunächst können die Geister unbemerkt ihr Unwesen treiben und Mieter metzeln. Doch aus Tokyo trifft Naoko ein, um dem Fluch im Rahmen einer Austreibungs-Zeremonie ein Ende zu bereiten. Auch Dr. Sullivan forscht in dem Haus nach übernatürlichen Spuren. Kayako und Toshio müssen bald getrennt arbeiten, um sämtliche Fluch-Vorgaben erfüllen zu können. Sogar Takeo gesellt sich zu ihnen, sodass Lisa und Naoko sich mächtig ins Zeug legen müssen, um den völligen Overkill zu verhindern …

Der Fluch des Erfolgs

„The Grudge 3“ belegt eindrucksvoll, dass selbst der stärkste asiatische Fluch vor dem modernen Bösen kapitulieren muss. Es nennt sich „Franchise“ und ist berüchtigt für einen unerbittlichen Würgegriff, der nur nachlässt, wenn seine Kraftquelle – das Geld seiner Opfer – dünner durch seine Adern zu rinnen beginnt. Bis es soweit ist, kennt das Franchise keine Gnade mit einer Geschichte, die ihm zwischen die Fäuste geraten ist, sondern presst sie aus, bis der leeren Hülle nur noch lauwarme Luft entweicht, die von seinem ungerührten Meister nichtsdestotrotz als sauerstoffreich belebende Unterhaltung etikettiert und weiterhin möglichst profitabel verkauft wird.

Wer eine Portion jener Luft erwischt, die den Namen „The Grudge 3“ trägt, wird je nach Veranlagung unterschiedlich auf den Konsum ansprechen. Einschlafen oder wütendes Wettern werden aber sicherlich die beiden häufigsten Reaktionen darstellen, denn dieser Film bietet trotz handwerklicher Akkuratesse eine lächerliche Story, die zudem unter vollständiger Abwesenheit von Inspiration weniger erzählt als dem Publikum vorgeworfen wird.

Schon „The Grudge 2“ hatte (wieder einmal) bewiesen, dass manche Geschichte keine Fortsetzung hat. Zwar handelte diese erneut von einem schier sich unendlich fortsetzenden Fluch, doch der ist recht monoton: Wer Kayako und Toshio über den Weg läuft, muss sterben – Pech für diejenigen, die er trifft, aber ebenso leiden müssen die Zuschauer, die höchstens durch Variationen der vom Fluch initiierten Tode bei Laune gehalten werden können.

Faule Tricks für faulen Zauber

Aber auch in dieser Hinsicht gibt der ursprüngliche „Ju-on“ kaum Spielraum. Kayako windet sich kalkweiß mit gebrochenen Knochen auf ihre Opfer zu, während Geister-Söhnchen Toshio – mindestens ebenso bleich – munter dazu kreischt. Anschließend wird der aktuelle Unglücksrabe tüchtig durchgewalkt, gegen die Wände geworfen oder seiner Augen beraubt. Was ihm oder ihr möglicherweise sonst angetan wird, bleibt offen, da die Kamera gern abblendet, bevor unsere Geister richtig ans Werk gehen; das soll die Vorstellungskraft der Zuschauer in Gang bringen und schont außerdem die Börse des Produzenten, der Geld für teure Spezialeffekte spart.

Um den wie auf Schienen in bekannte Richtung laufenden Fluch attraktiver zu gestalten, erweiterte Drehbuchautor Brad Keene den Mythos. Dies ist legitim, funktioniert aber selten. Auch in unserem Fall führten die neuen Einfälle nur zur Verwässerung des Konzeptes. Der böse Takeo, der den „Ju-on“ in einem Anfall wahnwitziger Wut geschaffen hatte, war durch Selbstmord und vor allem spurlos geendet. Nun taucht er plötzlich ebenfalls aus dem Geisterreich auf, schließt sich seiner Familie an und ergreift Besitz von Hausmeister Max: unlogischer Blödsinn, der durch weitere trübe Geistesblitze verschlimmbessert wird.

Plötzlich taucht eine Schwester der untoten Kayako auf. Siehe da, sie, die plötzlich zu einer Art Hexe mutiert, bringt das übliche Lösungsmittel ratloser Drehbuchautoren mit in die USA: Es gibt ein (albernes) Ritual, mit dem sich die Geister austreiben lassen. Weil sie zu den Darstellern gehört, niedlich und kindlich ahnungslos ist, muss neben Lisa auch Rose an der Zeremonie teilnehmen. Warum kann Naoko ersatzlos auf Max verzichten, der ebenfalls von den Geistern gepiesackt wird?

Nicht nur langweilig, sondern auch farblos

An „The Grudge 3“ fällt nicht nur der unausgegorene Fortsetzungs-Plot, sondern auch dessen inspirationslose Umsetzung unschön auf. Regisseur Toby Wilkins hat mit „Splinter“ (2008) bereits bewiesen, dass er seinen Job besser kann. Hier war er wohl selbst ratlos in der Frage, wie er dem ausgebrannten Mythos wenigstens in Bild und Ton auf die Sprünge helfen könnte. „Schrecken“ wird deshalb gleichgesetzt mit dem bewährten „Buh!“-Ruf, was hier u. a. so aussieht, dass jedes jenseitige Wirken durch lautstarke Musik und das ruckhafte Schwenken der Kamera auf verzerrte Geisterfratzen angekündigt wird bzw. verstärkt werden soll; muss ausgeführt werden, dass und wieso dies nicht klappt?

Leid tun einem die Darsteller. Zwar gehören sie nicht zu den begabten Größen ihrer Zunft, doch etwaiges Talent könnten sie in diesem Film ohnehin nicht unter Beweis stellen. Klischees dominieren, immer wieder fallen Figuren wie Naoko für lange Zeit aus der Geschichte heraus. Johanna Braddy, Gil McKinney oder Beau Mirchoff sind einfach nur ansehnlich präsent. Jadie Hobson gibt das Hollywood-Kind, ist also einerseits altklug und verhält sich andererseits dämlich dort, wo jeder normale Kind Übles ahnen und sich fernhalten würde: Wie kann sie den schneeweißen Toshio auch nur eine Sekunde für etwas anderes als einen Geist halten?

Während Shawnee Smith den Film mit einem für das Geschehen nutzfreien Kurzauftritt immerhin durch ihre „Saw“-Prominenz adelt, stimmt der Anblick von Marina Sirtis nur traurig. Nachdem ihre „Star-Trek“-Zeit als Deanna Troi endgültig vorbei ist, muss sie sich offenbar mit Nebenrollen über Wasser halten, wie sie jeder namenlose Kleindarsteller ausfüllen könnte.

Spuk ohne Esprit

Kann Heimweh auch Gespenstern zu schaffen machen? Die Vermutung liegt nahe, wenn man Kayako und Toshio beim Spuken und Morden beobachtet; sie wirken abgelenkt. Liegt es daran, dass wir ihre Faxen zur Genüge kennen? Kommen ihre Übeltaten in einem US-Hausblock nicht so zum Tragen wie in einem japanischen Einfamilienhaus? Wirkt die in der Kayako-Rolle neubesetzte Aiko Horiuchi nicht so erschreckend wie Takako Fuji, die nicht nur in „The Grudge“ und „The Grudge 2“, sondern auch in den originaljapanischen „Ju-on“-Filmen eine wahrlich eindrucksvolle Geister-Furie gab? Oder liegt es an einer Kamera, die allzu ausgiebig auf einem Spuk verharrt, dem Schatten besser zu Gesicht stehen?

Ein Indiz für Fortsetzungen, die eigentlich überflüssig sind, bietet im Horrorfilm jener ‚Härtegrad“, der sich u. a. in der Literzahl verspritzten Kunstblutes messen lässt. Je sinnfreier der Film, desto plakativer wird das Grauen. „The Grudge 3“ belegt es – schön für oben zitierte Hypothese, schlecht für die Zuschauer, denn zufrieden können beide nicht sein: die Gruselfreunde, die einen subtilen, atmosphärischen Schrecken lieben, und die „gorehounds“, für die Blut und andere Körperflüssigkeiten gar nicht hoch genug spritzen können.

Wenigstens sind die zahlenarmen Tricks sorgfältig inszeniert, denn Regisseur Wilkins begann seine Filmlaufbahn als Spezialist für „visual effects“. Auch sonst sieht „The Grudge 3“ sehr gut aus für einen Film, dessen Budget nur 5 Mio. Dollar betrug. Für „The Grudge 2“ hatte Takashi Shimizu noch die vierfache Summe verdrehen dürfen (damit aber auch kein wesentlich überzeugenderes Ergebnis erzielt). Für Teil 3 wich die Produktion deshalb ins Billigparadies Osteuropa aus.

„The Grudge 3“ wird als Ende der Serie angekündigt. Da der kostengünstig entstandene Film, der nicht mehr ins Kino kam, sondern direkt auf DVD bzw. Blu-ray gepresst wurde, knapp 37 Mio. Dollar einspielte, darf dieser Verlautbarung nur unter großem Vorbehalt Glauben geschenkt werden. Angesichts des ausgeglichenen Null-Niveaus des dritten Teils erzeugt bereits der Gedanke an „The Grudge 4“ endlich jenen Schrecken, die der Film längst nicht mehr entfachen kann.

DVD-Features

Obwohl in „The Grudge 3“ weder viele Ideen noch Geld investiert wurden, gibt es zum Hauptfilm doch einige Zusatz-Infos, die helfen sollen, das Franchise am Leben zu erhalten. Faktisch handelt es sich dabei um das übliche „Making-of“, das jedoch in minutenkurze Featurettes zerhäckselt wurde, um dem Zuschauer = Käufer mehr Extras vorzugaukeln.

Unter dem Titel „Tokyagoaria” finden wir Impressionen eines Film-Alltags, der finanzschwache US-Produktionen wie „The Grudge 3“ heute wie selbstverständlich ins osteuropäische Exil zwingt. Sowie die Kulissen ‚Tokyo‘ als auch ‚Chicago‘ entstanden am tatsächlichen Drehort: in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens. Dort arbeiten ausgewiesene Filmhandwerker für Billiglöhne und realisieren dabei Kulissen, die auch einen Streifen wie „The Grudge 3“ ansehnlich wirken lassen. U. a. wurde in Sofia die nach den Dreharbeiten von „The Grudge 2“ niedergerissene Mietshaus-Kulisse nach den Originalplänen neu, in Windeseile und perfekt nachgebaut; in „Tokyagoaria” sehen wir Matthew Knight, einziger Darsteller, der den zweiten Teil überlebte, fasziniert durch die Kulisse streifen und sie mit den Bauten von 2006 vergleichen.

In „The Curse Continues“ bemüht sich vor allem Regisseur Wilkins intensiv darum, den Zuschauern weiszumachen, sie würden mit einerseits mit den bewährten und beliebten „Grudge“-Elementen bedient, während sie andererseits auf fesselnd neue Seiten des „Ju-on“-Fluches gespannt sein dürfen – reiner Dummfug, der alte Publikumsschichten beschwichtigen und neue erschließen soll.

Die Extras werden durch einige geschnittene Szenen abgerundet, die dem endgültigen Werk in der Tat überhaupt nicht abgehen; man wünscht sich, der Mann mit der Schere wäre noch beherzter zu Werke gegangen. Stattdessen stehen die Zeichen auf Sturm bzw. „The Grudge 4“.

[md]

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