The Haunting of Helena

Originaltitel: Fairytale (Italien 2012)
Regie: Christian Bisceglia u. Ascanio Malgarini
Drehbuch: Christian Bisceglia
Kamera: Antonello Emidi
Schnitt: Alessandro Palazzi
Musik: Michele Josia
Darsteller: Harriet MacMasters-Green (Sophia), Sabrina Jolie Perez (Helena), Jarreth J. Merz (Robert), Matt Patresi (Patrick), Paolo Paoloni (Ferri), Giuliano Montaldo (Dr. Fabiano), Susanna Cornacchia („Zahnfee“), Marco Fattibene (Battista Greco), Lucrezia Tosi (Geisterkind), Massimiliano Carnevale (Patient), Angela Presepi (Miss Cavendish), Marco Basile (Marco) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 22.10.2013
EAN: 4048317344567 (DVD)/4048317444564 (Blu-ray)/4048317544561 (3D-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 16

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei eBook.de (3D-Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (3D-Blu-ray)


Das geschieht:

Die aus den USA stammende Sophia arbeitet als Dozentin an einer Universität in Italien. Seit sich Gatte Robert im Vorjahr von ihr getrennt hat, um ‚sich selbst zu finden‘, zieht sie die gemeinsame Tochter Helena allein auf. Gerade wurde die Scheidung bestätigt, sodass Mutter und Tochter eine neue Wohnung in einem Haus aus den 1930er Jahren beziehen.

Der Vermieter hat Sophia gewisse Aspekte der Vorgeschichte vorsichtshalber verschwiegen: Vor 75 Jahren hat Battista Greco in dieser Wohnung seiner Gattin mit einer Beißzange die Zähne gezogen und sie dann in einen Schrank gesperrt, wo sie elend verschmachtete. Greco landete in der Irrenanstalt, der Skandal wurde vertuscht. Nur der uralte Mieter Ferri weiß Bescheid.

Im Keller des Hauses entdeckt Sophia den alten Schrank, der Helena so gut gefällt, dass sie ihn in ihr Zimmer stellen lässt – eine unkluge Entscheidung, denn in dem Möbel haust weiterhin der Geist der erwähnten Gattin. Nachts steigt sie heraus und verlangt von der entsetzten Helena die Lieferung menschlicher Zähne. Da sich der Geist etwas verschwommen ausdrückt, dauert es, bis Helena begreift, dass die „Zahnfee“, wie sie ihre nächtliche Heimsuchung nennt, ihre eigenen Zähne sucht, die Mordgatte Battista nach seiner Tat sorgfältig versteckt hatte.

Leider hat Helena keine Ahnung, wo sich die Geisterzähne befinden, was von dem Phantom unfreundlich aufgenommen wird. Während die Mutter lange an eine Geisteskrankheit glaubt und ihre Tochter von Arzt zu Arzt schleppt, wird der Spuk schließlich so handfest, dass auch Sophia in sein Schussfeld gerät, zumal Helena ausgerechnet in jener Anstalt behandelt wird, in der Battista einst endete (und wo er nun selbst umgeht). Sophia macht sich auf die Suche nach den Zähnen. Dabei muss sie einerseits darauf achten, vor den Nervenärzten in ihrem Umfeld nicht von den Geistern zu sprechen, die sie andererseits immer drastischer aufs Korn nehmen …

Diesseits wie jenseits: kaputte Familien

Die Ausgangssituation klingt gespenstisch vertraut: Eine alleinerziehende Löwenmutter und ihre psychisch labile Tochter geraten in eine spukheimgesuchte Wohnung. Wie es sich gehört, wohnt nebenan ein unheimlicher Alter, der zum augenblicklichen Verschwinden rät, ohne auf die Idee zu kommen, das eigentliche Problem in verständliche Worte zu fassen. Die Umwelt reagiert mit kollektivem Unglauben; vor allem Vater Robert – der allerdings durch eine Häkelmütze, die er auch innerhalb gut geheizter Räume niemals abnimmt, als Volltrottel markiert ist – schürt Angst und Isolation der ohnehin nervenschwachen Mutter, der er die Tochter nehmen will.

Also bleibt es an Sophia hängen, dem Geist die hübsch gewölbte Stirn zu bieten. Glücklicherweise ist sie mütterlicherseits mit dem Zweiten Gesicht begabt, was sich auf Helena vererbte. Deshalb bleiben die Bemühungen des Geistes, sich des Kindes zu bemächtigen, nicht unbemerkt. Freilich gibt sich das Phantom keine besondere Mühe, subtil durch das Haus zu spuken, sondern lässt es gern blutige Zähne regnen – dies auch deshalb, weil „The Haunting of Helena“ ein 3D-Film ist, in dem derartige Effekte gut zur Geltung kommen.

Die Logik hinkt der turbulenten Handlung immer wieder erschöpft hinterher. Da trifft es sich gut, dass Drehbuchautor und Mit-Regisseur Christian Bisceglia das Grusel-Rad nicht neu erfinden möchte. „The Haunting …“ ist ein sehr klassisches Spuk-Garn, in dem – welche Erleichterung! – weder geile US-Teenager noch Witzbolde umgehen. Bisceglia nimmt seine Geschichte sehr ernst und bleibt dabei konsequent, was dem Film trotz zahlreicher Klischees bekommt.

Der „Duce“ ist an allem schuld!

Für den Spuk hat sich Bisceglia eine interessante Vorgeschichte ausgedacht. Trotz des Originaltitels „Fairytale“ (und erst recht trotz des dämlichen ‚deutschen‘ Titels) spielt „The Haunting …) in Italien. Südöstlich von Rom erstreckt sich die Pontische Ebene. Die weite Landschaft begann in der Antike zu versumpfen. Da das Klima hier auch im Winter relativ mild ist, wanderte die Anopheles-Mücke ein, deren Stich die vor der Entdeckung wirksamer Gegenmittel oft tödliche Malaria verbreitete.

Die Pontischen Sümpfe wurden zu den „badlands“ Mittelitaliens. Kriminelle und Außenseiter siedelten sich hier an, wo eine staatliche Kontrolle nie greifen konnte. Schon Julius Caesar wollte das Land entwässern und besiedeln lassen, doch alle Versuche schlugen fehl. Die Sümpfe stellten viele Jahrhunderte eine lebensfeindliche Zone dar, um die sich viele düstere Legenden rankten. Erst dem faschistischen Diktator Benito Mussolini gelang es, die Sümpfe zwischen 1930 und 1940 in einem gewaltigen, auch propagandistisch ausgeschlachteten Kraftakt trockenzulegen.

Was mag er dabei aus seinen Schlupfwinkeln gescheucht haben? Diese Frage setzte Bisceglias Fantasie in Gang. Ein nicht unbedingt logischer aber gelungener Einfall ist die Annahme, dass die später zum Gespenst mutierte Kreatur tatsächlich eine Fee ist – eine Fee allerdings, die nichts mit den süßlichen Schwirrflüglern Disneyscher Prägung zu tun hat, sondern einem älteren, düsterem Volksglauben entstammt. Diese Feen sind böse und sollten in Ruhe gelassen werden. Zahlreiche Sagen handeln davon, wie dieser gute Rat mit schaurigen Folgen missachtet wird. „The Haunting …“ reiht sich hier modern aber wirkungsvoll ein.

Im Netz der Spuk-Spinne

Der italienische Faschismus ist wie in Deutschland ein den Bürgern unangenehmes Kapitel. Einerseits wurde er lange Zeit (und wird weiterhin) gern verdrängt, andererseits ist er im Alltagsbild jederzeit sichtbar. Fünf Städte ließ Mussolini beispielsweise in der Pontischen Ebene gründen; im 1932 entstandenen Latina drehten Bisceglia und Ascanio Malgarini ihren Film. Sie nutzten dabei eindrucksvoll die monumentalen Bauten, die der Diktator aus dem gerade gewonnenen Boden stampfen ließ. Der Mensch wirkt vor und in ihnen klein und unbedeutend. Sehr schön verdeutlicht dies der grotesk überdimensionierte Vorbau, der das Spukhaus verunziert. Die zweite Filmhälfte spielt in einer gewaltigen Klinik, der eher einer Trutzburg oder einem Gefängnis als einem Krankenhaus gleicht.

Schon diese Kulissen machen deutlich, dass Sophia und Helena weiterhin in der Falle sitzen, nachdem sie die Wohnung samt Gespenst scheinbar hinter sich gelassen haben. Die „Zahnfee“ ist anpassungsfähig und in ‚ihrer‘ Stadt omnipräsent. Dass Sophia die erkannte Wahrheit nicht mit hilfreichen Mitmenschen teilen kann, wird ihr klar, als sie sich in einem Moment der Schwäche Robert offenbart: In einer Gegenwart ohne wissenschaftlich verankerten Geisterglauben kann die böse Kreatur unbehindert walten.

Lange glaubt Sophia, dass die „Fee“ nach Erlösung sucht: Ohne ihre Zähne kann sie nicht wirklich sterben. So kennt Sophia es aus diversen Gruselfilmen. Zu ihrem Pech hat sie – obwohl Historikerin und Volkskundlerin – nicht richtig aufgepasst: Manche Kreatur der Finsternis ist zufrieden mit ihrer Existenz und heimtückisch darauf bedacht, leckere Menschen in ihre Falle zu locken.

Die Gesichter des Bösen & seiner Opfer

Zwar heißt der Film hierzulande „The Haunting of Helena“, doch tatsächlich ist Sophia die Hauptfigur. Darüber darf man froh sein, denn Sabrina Jolie Perez gehört nicht zu den von Geburt mit Schauspieltalent gesegneten Darstellern. Meist starrt sie somnambul und mit halb geöffnetem Mund ins Leere, wobei sie, die angeblich gerade ihr Milchgebiss verliert, riesige Schneidezähne zur Schau stellt.

Harriet MacMasters-Green reißt sich als allseits unter Druck gesetzte Mutter schier in Stücke. Immerhin verfügt sie über schauspielerische Fähigkeiten sowie über gut entwickelte Beinmuskeln, denn Sophia muss viel rennen und klettern. Dass sie Amerikanerin ist, soll „The Haunting …“ für den Weltmarkt tauglich machen. (MacMasters-Green ist übrigens in England geboren.) Die übrigen Darsteller sind präsent, ohne beim Zuschauer einen tieferen Eindruck zu hinterlassen. Das schließt auch Susanna Cornacchia ein, die als Geister-Fee vor allem bedrohlich näherkommt und böse faucht. Filmexperten erkennen in der kleinen aber wichtigen Rolle des Nachbarn Ferri den Schauspieler Paolo Paoloni, der u. a. 1980 in Ruggero Deodatos berüchtigten, von der Zensoren global mit Fackeln, Mistgabeln & Wutgeheul verfolgten Horror-Trash-Klassiker „Cannibal Holocaust“ (dt. „Nackt und zerfleischt“) auftrat.

Für „The Haunting …“ dürften sich die Saubermenschen kaum interessieren. Gemetzelt wird nur andeutungsweise, wie es Stil und Stimmung des Films entspricht. Zu sehen gibt es dennoch viel, denn es spukt ja wie schon erwähnt dreidimensional. Diese Version bleibt allerdings dem Blu-ray-Käufer vorbehalten, dem aber eine 2D-Fassung angeboten wird – eine weise Entscheidung, denn „The Haunting …“ gehört zu den Filmen, die durch die dritte Dimension keinerlei Mehrwert erfahren. Dazu hätten die Spezialeffekte wohl auch aufwendiger sein müssen. Ihre digitale Herkunft ist allzu offensichtlich.

Langweilig ist „The Haunting …“ nicht, und die erwähnte Unlogik hält sich wie die Klischeelastigkeit in Grenzen. Dies sorgt für einen mittelmäßigen aber unterhaltenden Film, deren Macher man anschließend nicht verflucht, was angesichts des sonst auf den Markt geworfenen Horror-Unfugs durchaus als positive Reaktion zu werten ist.

DVD-Features

Es gibt durchaus Hintergrundmaterial zur Entstehung dieses Films, das jedoch nur über die Facebook-Seite aufgerufen werden kann.

Kurzinfo für Ungeduldige: Der Geist einer grausam ermordeten Frau will zurück, was ihr entrissen wurde, und bedroht dabei ein kleines Mädchen, was deren hellsichtige Mutter zu verhindern sucht … – Die jederzeit bekannte Geschichte von der kindlichen Heimsuchung gewinnt durch die ungewöhnliche italienische Kulisse, die stilvolle Inszenierung und eine Story, der Konsequenz vor Happy-End geht: unterhaltsam trotz vieler Klischees und diverser tricktechnischer Ausfälle.

[md]

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei eBook.de (3D-Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (3D-Blu-ray)