Zwei Möchtegern-Geisterjäger geraten in einem Hotel an ein Gespenst, das auf die täppischen Kommunikationsversuche ebenso unfreundlich wie handfest reagiert … – Der Versuch einer schnörkellosen Geistergeschichte gerät zur ereignisarmen, zäh in die Länge gezogenen, ideenlos gefilmten und schlecht gespielten Zeitverschwendung: ein in jeder Hinsicht überflüssiger Film.

Das geschieht:

Das Yankee Pedlar Inn steht seit vielen Jahren in einer Kleinstadt des US-Staates Connecticut. Mit dem einst renommierten Haus ist es mit der Zeit immer weiter bergab gegangen. Nun gibt der Besitzer es auf. Für ein letztes Wochenende bleibt das Hotel noch geöffnet. Zwei Angestellte sind im Dienst. Da sie sich nur um zwei Gäste zu kümmern haben, bleibt Claire und Luke Zeit genug für ihr Hobby: Luke arbeitet an einer Website, die sich mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt. Das Yankee Pedlar Inn gilt als Spukhaus. Vor vielen Jahren hat sich die junge Madeline O’Malley umgebracht, weil sie von ihrem Verlobten betrogen wurde; die um den Ruf ihres Hotels besorgten Eigentümer versteckten die Leiche im Keller.

Die von ihrem ereignisarmen Leben gelangweilte und naive Claire unterstützt Luke begeistert bei seinem Vorhaben, den Spuk aufzuspüren und aufzuzeichnen. Unerwartet unterstützt wird das Duo von einem weiteren Gast, der ehemaligen Schauspielerin Leanne Rease-Jones, die sich nun als Medium verdingt und in der Stadt einen Vortrag halten soll. Mit ihrem Pendel ermittelt Leanne, dass Madeline tatsächlich in dem alten Haus umgeht und man ihr lieber aus dem Weg gehen sollte.

Dafür ist es zu spät, denn Claires und Lukes dilettantische Bemühungen um eine Kontaktaufnahme tragen mittlerweile Früchte. Zunächst sind es nur seltsame Geräusche, die bei den Geisterjägern für Begeisterung sorgen. Als Madeleine dann persönlich zu erscheinen beginnt, schlägt die Stimmung um, denn dieser Geist will nicht ‚erlöst‘ werden, sondern sitzt seinen ‚Befreiern‘ buchstäblich im Nacken.

Leider merkt vor allem Claire zu spät, wen sie da heraufbeschworen hat. Flucht ist unmöglich, denn Madeleine bekommt inzwischen Verstärkung aus dem Jenseits. An diesem letzten Wochenende beginnt unbemerkt von der Außenwelt im Inneren des Yankee Pedlar Inn ein Wettlauf zwischen den Toten und den Lebenden, von denen nicht alle die Ziellinie erreichen werden …

Eine (vor allem für Ti West) informative Vorbemerkung

Geisterjagd ist ein mühsames Metier. Das Wild kommt nur in der Nacht aus seinem Versteck, und seine heftigste Regung ist oft höchstens eine Tür, die im Zeitlupentempo zufällt. Begleitet wird dies von Geräuschen, die leider so beliebig sind, dass nicht nur die strenge Wissenschaft ob solcher ‚Beweise‘ für übernatürliches Wirken in hämisches Gelächter ausbricht. Die – rhetorische – Frage lautet: Wen interessiert so etwas? Natürlich niemanden, weshalb Begegnungen zwischen Mensch und Geist in Literatur und Film seit jeher entsprechend aufgebauscht werden. Vor allem im Zeitalter der digitalen Spezialeffekte wird dabei gern übertrieben. Durch Ti West wissen wir aber, dass Realismus einer Geistergeschichte sogar noch abträglicher ist. Dankbar sind wir ihm nicht, denn für diese Erkenntnis mussten wir mehr als anderthalb (ausschließlich unfreiwillig) grausige Film-Stunden ertragen.

Rätselhaft bleiben zumindest diesem Rezensenten die Loblieder, die auf den drögen „Innkeepers“-Hokuspokus gesungen werden. Man könnte an ein Komplott glauben, würden sich Verschwörer in der Regel nicht lohnenderen Zielen verschreiben. Offensichtlich gelingt es den Befürwortern von „The Innkeepers“, viele Jahre einer Genese auszublenden, die auch der Horrorfilm erfahren hat. Darüber hinaus scheinen sie eine ganz bestimmte Interpretation zu einem Trugschluss überhöht zu haben.

Seit es in der Literatur übernatürlich zugeht, gibt es jene Kritiker-Fraktion, die dem offen auftretenden Spuk jeden ‚Wert‘ jenseits der profanen Unterhaltung abspricht. Gerühmt wird stattdessen die Kunst der Andeutung und Spuk ‚wertvoll‘, wenn er psychologisch geerdet bzw. im Menschenhirn verortet werden kann. Diese Haltung kehrte zeitverschoben im Film wieder. Jenseits elitärer Borniertheit ist sie nicht grundsätzlich falsch; es gibt grandiose Spukgeschichten, in denen es womöglich gar nicht spukt. Die Kunst liegt darin, die Grenze zwischen realer und Geisterwelt zu verwischen, woraus unterhaltsame Unsicherheit entsteht: Geht es wirklich um, oder beginne ich den Verstand zu verlieren?

Die Entdeckung der Lahmarschigkeit

Ti West ist in dieser Frage kompromisslos: Im Yankee Pedlar Inn spukt es – Punkt. Daran besteht nie ein Zweifel. Unter dieser Voraussetzung ist es kontraproduktiv, diesen Spuk trotzdem einzuführen, als gäbe es die Möglichkeit der Einbildung. Alle wissen von Anfang an Bescheid, nur Claire und Luke nicht, die zu allem Überfluss denkbar begriffsstutzig sind.

So vergehen viele, sich unendlich dehnende Filmminuten, in denen wir unseren beiden Hauptfiguren durch verschiedene Hotelräume folgen, bis wir uns auch ohne Licht im Yankee Pedlar Inn zurechtfänden. Zwischendurch treffen sich Claire und Luke an der Rezeption und tauschen langweilige Nichtigkeiten aus, denen vielleicht ein Kevin Smith Leben einhauchen könnte, während West – auch Drehbuchautor – scheitert. Luke gibt den weltweisen Zyniker, Gäste kommen oder checken aus, Claire geht Kaffee holen. Wenn etwas ‚Erschreckendes‘ geschieht, steckt eine verirrte Taube oder Witzbold Luke dahinter, der seiner dösigen Kollegin einen Streich spielen will.

Man kann Madeleine O’Malley verstehen: Wieso sollte sie das Jenseits verlassen, um ausgerechnet solche Trottel zu bespuken? Ohnehin scheint sie als Geist gern eine ruhige Kugel zu schieben. Die Schließung des Yankee Pedlar Inn geht jedenfalls nicht auf ihre Kappe; sie hat sich zuvor schon ewig nicht mehr gezeigt. Jetzt könnte sie ohne Sorge vor Entdeckung mit Kilometern rostiger Ketten rasseln: Geisterjäger-Genie Luke hat gerade seine (einzige!) Kamera kaputtgemacht. Als ‚Ersatz‘ halten er und Claire ein altersschwaches Mikrofon in die Luft.

Pandämonium auf Valium

Quälend ist das ‚Tempo‘, mit dem Kameramann Eliott Rocket – der Name reizt in diesem Zusammenhang zum Wortspiel – nach dem Willen seines Regisseurs durch Hotelgänge und -räume schleichen muss. Schon Wests „The House of the Devil“ war 2009 eine schleppende Angelegenheit; man darf also voraussetzen, dass ihm Bedächtigkeit als Stilmittel gilt. Dabei vergisst er, dass auch einer langsamen Exposition eine Auflösung folgen sollte. Hier verpuffen die ohnehin rudimentären Handlungen oft irgendwo in der Luft.

Irgendwann manifestiert sich der Spuk natürlich. Wo bisher ein leichter Ton favorisiert wurde, wird es nun bitterernst. Das dauert ca. 45 Sekunden, dann ist der Film vorbei. Verdattert sitzt der Zuschauer vor dem Bildschirm und versucht zusammenzureimen, was in den letzten anderthalb Stunden geschehen ist. Da muss es doch einen verborgenen Hintersinn geben! Wird auf dem Cover nicht Eli Roth mit der Aussage zitiert, dies sei „einer der besten, klügsten und gruseligsten Horrorfilme“? Doch so sehr man sich den Kopf zerbricht: „The Innkeepers“ beschränkt sich in der Tat auf eindimensionalen Schmalspur-Grusel.

Auch von Geisterhaus-Atmosphäre hat West keine Ahnung. Gedreht hat er sein Werk im echten „Yankee Pedlar Inn“, das seit 1891 in der kleinen Stadt Torrington im Osten Connecticuts steht. Dieses Haus steht ganz sicher nicht vor dem Abbruch, was man ihm deutlich ansieht: von Verfall keine Spur, die Räume sind angenehm altmodisch möbliert aber hell und sauber, höchstens der Keller wirkt ein wenig verrümpelt. Möglicherweise hat man West hier kostenfrei wirken lassen, um den Werbe-Effekt zu nutzen; im Gegenzug durfte er das Haus nur von seinen besten Seiten zeigen.

Wir sind vor allem einfach da

Es müssen recht dämliche Zeitgenossen sein, die sich von einem planlos spukenden Geist wie Madeleine ins Bockshorn jagen lassen. Oder liegt es daran, dass West auch von Figurenzeichnung keine Ahnung hat? Dabei gibt er sich Mühe. Zumindest Luke und Claire werden dem Zuschauer mit einer Inbrunst vorgestellt, die kaum Widerhall findet: Diese beiden Weichbrothirne sind beim besten Willen weder sympathisch noch interessant. Ihr Verhalten ist irrational bzw. von sträflicher Dämlichkeit. Eigentlich sind sie auch ohne Geisterspuk zumindest intellektuell mausetot.

Pat Healey mimt seine Rolle mit der Ergebenheit eines Schauspieler-Veteranen, der in seinem Job schon viel Staub schlucken musste, um die Miete zu bezahlen. Er kann gelassen sein; die Liste seiner Film- und Fernsehauftritte ist so lang, dass Peinlichkeiten wie „The Innkeepers“ darin verschwinden. Weniger eindeutig liegt der Fall Sara Paxton. Sie ist deutlich jünger als Healey, stand aber schon auf Kindesbeinen vor der Kamera und kann auf mehr als 50 Rollen zurückblicken. Das fällt schwer zu glauben, wenn man sie als Claire grimassieren sieht. Bereits in „The House of the Devil“ wollte West seine Hauptdarstellerin Jocelin Donahue vor allem niedlich sehen. In diesem Punkt muss man Paxton bewundern: Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war sie 22; im Film wirkt sie wie eine 16-Jährige, und man muss noch einmal mindestens fünf Jahre abziehen, wenn sie den Mund aufmacht. (‚Unterstützt‘ wird dies in der deutschen Fassung durch ein modulationsarmes Pieps-Stimmchen.)

Traurig stimmt der Anwesenheit von Kelly McGillis. Sie verdrehte in „Top Gun“ 1986 einer ganzen Flugzeugträger-Mannschaft tumber Kampfpiloten die Köpfe. Jetzt ist sie gerade Mitte 50, sieht aber fünfzehn Jahre älter aus. Über ihr darstellerisches Talent können keine Aussagen getroffen werden, da sie es in „The Innkeepers“ nie unter Beweis stellen muss. Faktisch ist ihre Rolle sogar überflüssig, da sich Leanne Rease-Jones auf Pendelschwünge und düstere Andeutungen beschränkt, aber nie anwesend ist, wenn ausnahmsweise etwas Geisterhaftes geschieht.

Go West?

Ein weiteres Rätsel um „The Innkeepers“ lässt sich immerhin lösen: Wieso wurde ein Film, der nicht nur langweilt, sondern auch tricktechnisch lediglich Magerquark bietet, hierzulande erst „ab 18“ freigegeben? Die raren Augenblicke plakativen Schreckens dürften selbst den chronisch dünnhäutigen Gutmenschen der FSK nur ein Grinsen entlockt haben.

In der Tat wurde „The Innkeepers“ problemlos „FSK 16“ eingestuft, was freilich nicht im Sinn des Labels war: Ein in den Medien und von der Werbung als Grusel-Highlight eingestufter Horrorfilm lockt die Kunden erst richtig, wenn ihn nur ‚Erwachsene‘ sehen dürfen. Also trickste man: Dem Hauptfilm wurden einige Trailer aufgespielt, die für „FSK-18“-Filme werben. Schon war diese Klippe nicht elegant aber erfolgreich umschifft. Das Nachsehen hat buchstäblich das Publikum.

Den Namen „Ti West“ sollte man sich gut merken. Dass er nicht nur langweilen, sondern auch ärgern kann, bewies er in „Cabin Fever 2: Spring Fever“, dem womöglich dümmsten und peinlichsten Horrorfilm, den das Genre nach 2000 ertragen musste. Wohl am besten aufgehoben ist West als Co-Regisseur in der Horror-Anthologie „The ABCs of Death“ (2012): Deren Rahmenhandlung erzählt jemand, die den Rollenname „Frau Scheisse“ trägt.

DVD-Features

Extras wurden der DVD nicht aufgespielt, was der Zuschauer kommentarlos aber erleichtert zur Kenntnis nimmt.

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The Innkeepers – Hotel des Schreckens
Originaltitel: The Innkeepers (USA 2011)
Regie/Drehbuch/Schnitt: Ti West
Kamera: Eliott Rocket
Musik: Jeff Grace
Darsteller: Sara Paxton (Claire), Pat Healy (Luke), Kelly McGillis (Leanne Rease-Jones), Alison Bartlett (Gayle), Jake Schlueter (Junge), George Riddle (alter Mann), Brenda Cooney (Madeline O’Malley), Lena Dunham (Coffee-Shop-Bedienung), John Speredakos (Officer Mitchell) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 17.01.2013
EAN: 4041658226219 (DVD)/4041658296212 (Blu-ray)/4041658276214 (Blu-ray 3D)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min. (Blu-ray: 101 min.)
FSK: 18

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