The Last Days on Mars

Originaltitel: The Last Days on Mars (USA 2013)
Regie: Ruairi Robinson
Drehbuch: Clive Dawson (nach einer Kurzgeschichte von Sydney J. Bounds)
Kamera: Robbie Ryan
Schnitt: Peter Lambert
Musik: Max Richter
Darsteller: Liev Schreiber (Vincent Campbell), Elias Koteas (Charles Brunel), Romola Garai (Rebecca Lane), Olivia Williams (Kim Aldrich), Johnny Harris (Robert Irwin), Goran Kostic (Marko Petrovic), Tom Cullen (Richard Harrington), Yusra Warsama (Lauren Dalby), Patrick Joseph Byrnes (Flight Commander Ellis)
Label/Vertrieb: Universum Film Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 15.08.2014
EAN: 888837996297 (DVD)/888837996396 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 94 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

In den 2040er Jahren sucht ein Team von der Erde auf dem Mars nach Leben. Nach sechs Monaten beginnt die siebenköpfige Crew um Expeditionsleiter Charles Brunel enttäuscht zusammenzupacken: Nicht einmal eine Mikrobe, geschweige denn ein grünes Männchen hat sich entdecken lassen! Nur Teammitglied Marko Petrovic schweigt, denn er meint in einer der letzten von ihm entnommenen Proben seltsame Sporen entdeckt zu haben, was er vor Ort überprüfen will.

Doch an der Fundstätte öffnet sich unglücklicherweise eine Erdspalte unter ihm. Petrovic stürzt ab, sein Begleiter funkt SOS. Brunel kommt mit einem Rettungstrupp, aber statt sich als Leiche bergen zu lassen, hat Petrovic den Heimweg zu Fuß angetreten: Mars-Bakterien sind in seinen Körper eingedrungen und haben ihn in einen Zombie verwandelt, der nach Menschenfleisch giert!

In der Basisstation „Tantalus“ bricht Panik aus, als der mutierte Petrovic mit untoter Verstärkung auftaucht. Noch einige (bald wiederbelebte) Leichen später verbarrikadieren sich Ingenieur Campbell und die Wissenschaftler Lane, Aldrich und Irwin im Gewächshaus: Die Zombies haben die Basis übernommen und suchen nach den Überlebenden! Auch Brunel segnet (vorläufig) das Zeitliche, nachdem er in seinen letzten Zügen noch düstere Prophezeiungen bezüglich der nahen Zukunft der Erdlinge ausgestoßen hat.

Rettung kann nur vom Raumschiff „Aurora“ kommen, das bereits im Marsorbit kreist. Am nächsten Morgen wird man eine Bergungsfähre schicken. Bis dahin gilt es die Attacken der Zombies abzuwehren. Außerdem bleibt Zeit zur Klärung der spannenden Frage, ob sich von den Überlebenden bereits jemand infiziert hat aber zusammenreißt, um nicht als Giftpilz auf dem Mars zurückgelassen zu werden. Hektisch sucht man nach Waffen und Gegenmitteln, aber viel zu rasch ist es soweit: Die Zombies stehen vor der Pforte – und sie wollen hinein …!

Neuer Planet für alte Geschichte

Irgendwann wird es der Mensch sicher schaffen, selbst einen Fuß auf den Mars zu setzen, statt nur immer neue Roboter dorthin zu schicken. Er ist einfallsreich und findet in der Regel technische Mittel und Wege, schier unmögliche Reisen zu realisieren. Bis es soweit ist, müssen wir uns u. a. mit Filmen wie „The Last Days on Mars“ begnügen, die vor allem eines bestätigen: Wohin der Mensch auch strebt, er hat dieselben alten, viel zu wohlbekannten Geschichten im Gepäck.

Damit könnte man dank intelligenter Abwandlung gut unterhalten leben, gäbe es nicht Frechlinge wie Ruairi Robinson (Regie) und Clive Dawson (Drehbuch), die ausgerechnet auf eine Kurzgeschichte des Pulp-Routiniers Sydney James Bounds (1920-2006) zurückgriffen („The Animators“ von 1975), um diese großzügig mit Elementen des ersten „Alien“-Films (von 1979) zu verschneiden und das Ergebnis mit Fragmenten aus „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) abzurunden. Aus rätselhaften Gründen gelang es ausgerechnet dem Duo, sich ein Budget von umgerechnet immerhin mehr als 8,5 Mio. Euro zu verschaffen, mit dem sie sich ihren Traum erfüllten. Dieser bestand seltsamerweise daraus, einen Film ohne Ideen oder gar Überraschungen zu drehen.

Natürlich ist es verständlich, dass eine solche Geschichte zugespitzt wird. Wer will schon Raumfahrer dabei beobachten, wie sie kümmerliche Mars-Bazillen aus dem Boden bohren und dies als Sternstunde der Forschung feiern? Es muss folglich ein wenig lebhafter zugehen. Wie man so etwas würdig in Szene setzt, sah man beispielhaft 2013 in „Europa Report“. Dort speiste sich die Dramatik aus einer Bedrohung, die ihren Ursprung auf dem untersuchten Jupitermond hatte.

Für „The Last Days …“ wird die Bedrohung von der Erde importiert. Vermutlich muss man froh sein, dass Dawson und Robinson keine Vampire auf dem Mars umgehen lassen. Zombies stellen die zweitübelste Alternative dar – und Zombies sind es, die wir bei ihrem Wüten beobachten. Wieso sich die Infektion durch außerirdische Erreger – ohnehin ein fragwürdiger Auslöser – auf diese Weise auswirkt, bleibt eine Frage, die der Zuschauer nie aus seinem Hinterkopf verdrängen kann, während er zunehmend fassungsloser beobachtet, wie die Story zu kippen beginnt.

Dumme Story – aber nicht dumm genug

Womöglich würde sie funktionieren, wäre „The Last Days …“ als Trash-Film angelegt. Doch dies ist keine Billig-Produktion. Die Kulissen sind weitläufig – die Wüste Jordaniens doubelte den Mars -, und die Bauten können sich ebenso sehen lassen wie die Spezialeffekte. Sie berücksichtigen das aktuelle Wissen über unseren roten Nachbarplaneten, der zumindest an seiner Oberfläche weitläufig dokumentiert wurde.

Auch in der Frage nach möglichem Leben üben Dawson und Robinson Zurückhaltung. Anders als beispielsweise Brian de Palma in „Mission to Mars“ (2000) gibt es weder eine aufdringliche Mars-Fauna noch Relikte einer versunkenen Mars-Zivilisation. Dieser Mars ist kalt und kahl, und an der Spitze seiner Ökosphäre scheinen jene Bakterien zu stehen, die Menschen in Zombies verwandeln.

Buch und Regie mühen sich durchaus, dieser Mutation einen Sinn zu geben: Das Bakterium will um jeden Preis überleben und nutzt dabei den Menschen als Trägerkörper, mit dessen Unterstützung es seinen Versorgungsradius erweitern kann. Die Speiseplantauglichkeit der übrigen Raumfahrer wird durch Anzapfen des zombiefizierten Hirns festgestellt, das ansonsten seine Tätigkeit einstellt.

Was hilft solche ‚Logik‘, wenn sie im weiteren Verlauf der Handlung mit Füßen getreten wird? Menschenleben und Mars-Atmosphäre dürften selbst untot nicht miteinander korrespondieren. Im Finale sehen wir einen der Zombies sogar die Leiche eines „Aurora“-Retters fressen. Der einzige Sinn der Szene liegt in dem Schrecken, den dieser Anblick dem entsetzten Campbell versetzt.

Spannung, wo bist du?

Eine Geschichte wie diese fände ihr rasches Ende durch den Faktor Kommunikation. Könnten sich die Mars-Menschen untereinander und mit der „Aurora“ austauschen, wäre den Untoten der Überraschungseffekt genommen, der sie gefährlich werden lässt. Also muss dauernd dramatisch der Funk ausfallen, damit die Flüchtlinge auf sich allein gestellt bleiben.

Zwar sind die Untoten hart im Nehmen, aber irgendwann kommt Campbell auf den Einfall, einen Zombie-Schädel mit einem Mars-Stein zu spalten: Auch auf fremden Planeten kann die älteste Waffe der Menschheit sehr tauglich sein. Zuvor wird vor allem geflüchtet oder mit leichtem Mobiliar nach den Untoten geworfen, die sich daraufhin selbstverständlich ständig wieder aufrappeln.

Nicht ausgelassen wird das Spiel mit Licht und Dunkelheit: Irgendwo in der Basis lauern Untote. Die Lampen flackern, überall tun sich Schatten auf, und die Sicht des Zuschauers ist mit der Sicht des Helden identisch, damit sich hinter ihm die Zombies aufbauen und „Buh!“ brüllen können, bevor sie sich auf ihn stürzen.

Solche abgegriffenen Horroreffekte häufen sich, aber sie funktionieren wenigstens, während die Figurenzeichnung den Zuschauer in blanke Wut versetzt: Um die Jagd zu würzen, mischen Dawson und Robinson der Gruppe erst einen (immerhin weiblichen) Widerling sowie einen Verräter bei. Letzterer soll tragisch wirken, weil ihn die Liebe zum auf der Erde geborenen Töchterlein beseelt. Tatsächlich ist er ein phrasengestopfter Klischee-Popanz, wie man ihn sich schlimmer nicht vorstellen kann! Aber halt: Schlimmer geht in diesem Film immer – der feige Lump wird in einer „Alien“-Gedächtnis-Vorstellung per Luftschleusen-Entleerung ins All geblasen. (Bei dieser Gelegenheit wird übrigens Last-Man-Standing Campbell von seinem Dummfilm-Trauma geheilt: Er leidet unter Platzangst und wird immer wieder von der Vision gelähmt, dass über ihm eine Raumschifftür aufspringt. Das geschieht vor allem, wenn es gerade ohnehin brenzlig zugeht.)

Auch ein Star braucht das Geld

Manchmal fragt sich der Filmfreund, was Schauspieler mit ‚Star‘-Appeal eigentlich zwischen ihren Blockbustern treiben. Die Antwort lautet: Sie spielen in Routine-Produktionen wie dieser. Darstellern wie Liev Schreiber oder Elias Koteas wird ein Gutteil des Budget-Geldes als Honorar überwiesen, während ihre weniger prominenten Kollegen es gewöhnt sind, mit Mindestlöhnen abgespeist zu werden. Freilich wäre es unfair, beispielsweise Schreiber für die „Last-Days“-Misere verantwortlich zu machen: Vor allem er ist sein Geld wert. Immer wieder sieht man ihn (allerdings mienenspielarm) deutlich mit seiner flach gezeichneten Rolle ringen, um Vincent Campbell trotzdem ein Profil zu geben. Oft gelingt es ihm, wie auch Olivia Williams als verbitterte, selbstsüchtige Forscherfrau überzeugt.

Blass bleibt Romola Garai als nur scheinbar taffe weibliche Heldin, die dort aktionistisch Wirrsinn verbreitet, wo Schreiber als Campbell zumindest vorgibt, einen Plan zu haben. Den Rest der Crew kann man getrost als gesichtsloses Zombie-Futter abhaken. Auch Elias Koteas spielt wieder einmal in einem Film, der keine echte Verwendung für sein unbestreitbares Schauspielertalent hat.

Das Finale wird entweder durch Geld- oder durch Ideenmangel geprägt: Es erhebt sich ein weiterer Sandsturm, in dem Campbell und die Zombies umherirren, wobei sich ihre Wege hin und wieder kreuzen. Dann kommt noch ein Epilog, der ebenfalls nicht neu ist aber besser funktioniert, als die Mehrheit der (offensichtlich arg vergrätzten) Kritiker dem Film zugestehen will. Die Geschichte wird dadurch nicht sinnvoller, aber sie kommt zu einem angemessenen Schluss. Diesem Beispiel möchte sich dieser Rezensent nunmehr anschließen.

DVD-Features

Die Features (Interviews, B-Roll, Featurette zu den Spezialeffekten) bilden den bekannten Brei notdürftig getarnter Werbesprüche, die von den meisten ‚Befragten‘ entsprechend lustlos geäußert werden. Hauptverantwortliche wie Ruairi Robinson sprechen entweder von einem ganz anderen Film oder haben dem eigenen Werk gegenüber einen beachtlichen Tunnelblick entwickelt.

Kurzinfo für Ungeduldige: Mars-Bakterien infizieren eine irdische Forscher-Crew, deren Mitglieder sich daraufhin in Zombies verwandeln, gegen die sich ihre Gefährten zur Wehr setzen müssen … – Das ist tatsächlich die ‚Story‘, die zu allem Überfluss Ideenarm und überraschungsfrei abgespult wird: Schade um die dezenten aber guten Spezialeffekte und die erfahrenen Schauspieler, denen weder die Zombies noch der Drehbuchautor eine Chance lassen.

[md]

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