The Lazarus Effect

Originaltitel: The Lazarus Effect (USA 2013/15)
Regie: David Gelb
Drehbuch: Luke Dawson u. Jeremy Slater
Kamera: Michael Fimognari
Schnitt: Michael N. Knue
Musik: Sarah Schachner
Darsteller: Mark Duplass (Frank Walton), Olivia Wilde (Zoe McConnell), Sarah Bolger (Eva), Evan Peters (Clay), Donald Glover (Niko), Ray Wise (Mr. Wallace), Amy Aquino (Dalley), Emily Kelavos (Zoe als Kind) u. a.
Label/Vertrieb: Eurovideo
Erscheinungsdatum: 17.09.2015
EAN: 4009750213087 (DVD)/4009750301203 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min. (Blu-ray: 84 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Die Doktoren Frank und Zoe – auch privat ein Paar – arbeiten seit vier Jahren an einem Serum, das Koma-Patienten aus ihrer Bewusstlosigkeit reißen soll. Inzwischen haben die Laborversuche eine andere Richtung genommen: Mit ihren beiden Assistenten – dem nervenzerrend unkonventionellen Clay und dem braven, heimlich in die Chefin verliebten Niko – brauen sie ein Mittel, das sogar dem Tod ein Schnippchen schlagen soll.

Bisher wurde dies erfolglos an Tieren ausprobiert. Als es gelingt, Rocky zurück aus dem Hundehimmel zu holen, ist der Jubel groß. Es folgt Katzenjammer: Der Heimkehrer schwankt zwischen belämmerter Apathie und gefährlicher Aggression. Offensichtlich hat die Wunderkur Nebenwirkungen. Entsprechende Untersuchungen fallen allerdings aus, denn die Laborverwaltung bekommt Wind von den nicht genehmigten Experimenten und setzt das Quartett vor die Tür.

Trotzig bricht man – unterstützt von Kamerafrau Eva – des Nachts ein, um ein letztes Experiment durchzuführen. Dabei fällt Zoe einem Unfall zum Opfer. Der Gedanke liegt nahe, nunmehr ihre Leiche mit dem Serum zu impfen. So kommt es auch, und tatsächlich erwacht Zoe zu neuem Leben.

Abermals verfliegt die Freude bald, denn Zoe zeigt beunruhigende Ausfallerscheinungen. Sie kann zudem Gedanken lesen und Gegenstände durch Geisteskraft bewegen. Darüber hinaus musste sie feststellen, für eine in Kindstagen begangene Übeltat nach ihrem Tod in der Hölle gelandet zu sein – ein Erlebnis, das Zoe erst recht aus dem Gleichgewicht bringt. In ihrem regenerierten Hirn entstehen immer neue Synapsen, was ihre Kräfte wachsen lässt. Gleichzeitig beginnt sich Zoes Geist zu verwirren. Sie fühlt sich verfolgt, was keine Einbildung ist, da ihre reuevollen Freunde beschließen, sie außer Gefecht zu setzen: Zoe darf das Labor keinesfalls verlassen, da die ahnungslose Menschheit nichts Gutes von ihr erwarten darf. Als Zoe diesem Plan auf die Schliche kommt, beginnt eine Jagd auf Leben und Tod …

Lazarus blieb nicht lange allein

Lazarus aus Bethanien, einem Ort nahe Jerusalem, ist ein guter Freund von Jesus Christus. Als er krank wird, ist dieser anderenorts beschäftigt und erreicht Bethanien erst, als Lazarus bereits vier Tage tot und begraben ist. Jesus lässt sich zum Grab führen, den Deckstein fortwälzen und ruft: „Lazarus, komm heraus!“, woraufhin dieser in seinem Totenhemd aber höchst lebendig erscheint

So berichtet der Evangelist Johannes (Kap. 11,41-44) im Neuen Testament. Wunder dieses Kalibers wirkte selbst Jesus selten, weshalb es den Zeitgenossen sowie den Lesern besagten Evangeliums im Gedächtnis blieb. Selbst rudimentär fromme Mitmenschen können heute mit dem Namen „Lazarus“ etwas verbinden; er steht für die Umkehrung eines Zustandes, der normalerweise endgültig ist.

Entsprechende Wiederkünfte finden seit dem Neuen Testament zumindest literarisch und seit dem 20. Jahrhundert auch in Film und Fernsehen statt. Die Umstände der Wiederauferstehung sind in der Regel deutlich trivialer, und die ursprünglich erfreuliche Botschaft – Gott ist stärker als der Tod – wird auf ihren gruseligen Kern eingedampft: Das Jenseits prägt, der Rückkehrer kann es nicht abschütteln, was für unheimliche Konsequenzen sorgt. Damit eignet sich die Lazarus-Legende ausgezeichnet als Plot einer Horrorgeschichte.

Gut gekühlter Film-Mist aus dem Giftschrank

Heutzutage fällt Jesus als wiederbelebender Faktor aus. Die moderne Dramaturgie setzt lieber auf Naturwissenschaft oder schwarze Magie. Angesichts der Fortschritte, die der Medizin inzwischen gelangen, scheint die Annahme nicht allzu utopisch, dass man den Zeitpunkt des endgültigen Todes noch deutlich weiter nach hinten verschieben kann, als dies ohnehin bereits möglich ist. Hinzu kommt die weiterhin unbeantwortete Frage, ob es ein ‚Leben‘ nach dem Tod gibt, wie es aussieht oder ob es – siehe Frankenstein – gefährlich ist, jene, die diesen Weg gegangen sind, in das Diesseits zurückzubringen.

Wer nunmehr fürchtet, von Regisseur David Gelb und seinen Drehbuchautoren Luke Dawson und Jeremy Slater mit philosophischen Fragen gequält zu werden, sei bereits an dieser frühen Stelle beruhigt: Qual entsteht allein aus der inhaltlichen und formalen Nicht-Qualität dieses Films, der ansonsten die Thematik nicht nur trivial, sondern auch eindimensional aufgreift.

Mehr als ein Jahr lag „Lazarus“ – so der ursprüngliche Titel – im Giftschrank der verantwortlichen Produzenten, bevor der Film unter neuem (aber nicht besserem) Titel Anfang 2015 veröffentlicht wurde. Dieses Vorgehen deutet bereits Probleme an. Auch die betont kurze Laufzeit weckt Argwohn: Hat man voller Verzweiflung versucht, einem aus dem Ruder gelaufenen Filmprojekt nachträglich mit der Schere ein wenig Schwung zu verleihen? Dummerweise musste man den Schnitt stoppen, nachdem man die übliche Spielfilmlänge erreicht hatte. Ratsam wäre eine Kürzung auf ca. 30 Minuten gewesen, denn mehr Substanz gibt das Drehbuch nicht her.

Gelungene Flucht vor der guten Idee

„The Lazarus Project“ ist in jeder Hinsicht ein Rohrkrepierer. Da ist nirgendwo der Hauch einer Idee oder gar Originalität. An sich ist dies kein Todesurteil; selbst einer bekannten Geschichte folgt man gern, wenn sie gut erzählt wird. Das Trio Gelb, Dawson & Slater ist an dieser Herausforderung grandios = kläglich gescheitert.

Selbst die eventuelle Kurzfassung weist erhebliche Längen auf. Beispielsweise geht es darum, dass Frank, Zoe & Co. aus ihrem Labor komplimentiert und ihre Forschungsdaten von einem bösen Pharma-Multi übernommen werden. Den repräsentiert in einem Ein-Minuten-Auftritt „Mr. Wallace“ alias Ray Wise, der sein typisches Haifischgrinsen präsentiert, um anschließend mit dem Pharma-Subplot spurlos aus der Handlung zu verschwinden.

Assistent Niko himmelt heimlich Zoe an, die darauf wartet, dass Frank endlich die arbeitsbedingt verschobene Hochzeit zur Sprache bringt. Assistent Clay soll mit Pudel-Frisur und großer Klappe jugendliche Genialität versprühen, Eva das Forschungstreiben im Labor mit der Kamera dokumentieren (was angesichts der Illegalität ein seltsamer Einfall ist). Darüber hinaus wird ausgiebig geredet, gebarmt und diskutiert, womit sich weitere Filmminuten totschlagen lassen.

Ärgerlich wird es, wenn nach unzähligen Testdurchläufen Zoe ausgerechnet in jener Nacht dahingerafft wird, in der sich das Team heimlich im Labor aufhält – durch einen banal-unverschämten Stromschlag, der Zoe von jenem gewaltigen Kippschalter versetzt wird, der bereits Dr. Frankensteins Hexenküche in den „Universal“-Filmen der 1930er Jahre dominierte. Dazu passen auch die scheinheiligen (aber erst nach begangener Auferweckung verbreiteten) Tiraden, man habe sich gegen jede Moral (= Gott) vergangen; eine Tat, auf die zumindest in Hollywood seit jeher die farbenfroh zelebrierte Todesstrafe steht.

Der Zuschauer wird für dumm verkauft

Folgenschwerer sind die Nackenschläge, die Dawson & Slater dem eigenen Plot versetzen. Nie wird geklärt, wieso erst Rocky und dann Zoe sich in Furien verwandeln. Hat Rocky als Welpe etwa auch das Nachbarhaus abgefackelt? Dies ist die Hölle, in der Zoe nach ihrem Tod aufwacht. Inwiefern ist das der Auslöser für eine diesseitige Wut, die eher Irrsinn ist? Man muss annehmen, dass Zoe sich auch ohne ihr Trauma in eine Mordmutantin verwandeln würde. Dann ist die gesamte, aufwändig breitgetretene Vorgeschichte freilich ebenso überflüssig wie Kamerafrau Eva, deren Existenzberechtigung allzu augenfällig darin liegt, die Zahl der Pechvögel zu verstärken, denen Zoe (halbwegs) unterhaltsam die Lebensfäden kappt.

Für Verdruss sorgen weiterhin die ständigen Andeutungen, die Regisseur Gelb bedeutungsschwanger in vorgeblich aufregende Bilder verwandelt, ohne sie in der Mehrzahl sinnvoll aufzulösen. Warum steht Rocky in der Nacht bewegungslos über der schlafenden Zoe in ihrem Bett? Was macht Zoe eigentlich mit Rocky, den wir im Off nur kurz & unheilverkündend jaulen hören? Wieso lässt sie im Labor telekinetisch die Türen zu den Kühlfächern aufspringen, hinter denen – ebenfalls warum? – menschliche Leichen liegen, mit denen das Team gar nicht arbeitet? Aus welchem Grund mutiert Zoe manchmal zum teeräugigen Dämonenweib, um dann wieder ihre Normalgestalt anzunehmen?

Nicht einmal vor der Todsünde, die eigene Geschichte wegen eines ‚überraschenden‘ Finaltwists zu verraten, schreckt das „Lazarus“-Trio zurück: Es gelingt, Zoes Trauma zu ‚entschärfen‘, was nach Dawson & Slater Vorgabe diese erlösen sowie (dieses Mal endgültig) töten und ihre Seele in den ‚Himmel‘ wandern lassen müsste. Stattdessen kehrt Zoe abermals zurück und setzt ihren Amoklauf nunmehr völlig ohne Motiv fort. Soll dies etwa eine Fortsetzung andeuten? Beim Kassensturz überstieg der „Lazarus“-Erlös das Budget um ein Vielfaches: DAS ist echter Horror, denn es setzt ein Publikum voraus, dessen synapsenarme Hirne eine Serum-Injektion viel dringlicher benötigten!

Weder tot noch lebendig

Leid können einem wieder einmal die Darsteller tun. Da Dawson & Slater Figurenprofile unbedingt mit Wachsmalstiften in gehärteten Stahl prägen wollten, blieben nur Umrisszeichnungen, die selbst für Klischees nicht deutlich genug gerieten. Formal ist David Gelb ein Regisseur ohne Einfälle. Jedes Bild, jede Wendung, jeder ‚Gruseleffekt‘ ist nur die Kopie oft viel zu bekannter Vorbilder. Die Spezialeffekte sind handwerklich solide aber ebenso ausgelaugt, weshalb sich ihr plumper Buh!-Schrecken in Grenzen hält.

Gelb engagierte TV-Schauspieler, die hart, schnell und damit kostengünstig arbeiten. Vor allem Olivia Wilde hat ihr Talent mehrfach – so als „13“ in der Serie „House M. D.“ – unter Beweis gestellt. Hier bedauert man sie in ihrer Dumm-Rolle wenigstens, während man die anderen Darsteller schlicht nicht leiden kann, was sich zu keinem Zeitpunkt ändert.

„The Lazarus Effect“ landet letztlich selbst in der (Film-) Hölle. Hier rösten jene Werke, die einfach nur missglückt sind, ohne Trash-Schadenfreude generieren zu können. Im Umfeld ähnlich überflüssigen aber mirakulös erfolgreichen (und fortgesetzten) Anti-Horror-Unfugs wie „Insidious“, „Annabelle“ oder „The Conjuring“ suchen sie aktuell die Leinwände und Bildschirme heim. Man sieht sie, erkennt selbst angetrunken oder im Halbschlaf die Logiklöcher, Fehler und Trostlosigkeiten, ärgert sich über die Verschwendung von Zeit sowie Geld und vergisst das Ganze endlich. Dank dieses Textes kann man sich diesen Aufwand sparen und „The Lazarus Effect“ ungesehen ignorieren. Der Rezensent nimmt Dankesworte (oder Geldgeschenke) gern entgegen …

DVD-Features

Die ohnehin nicht gerade üppigen ‚Extras‘, bestehend aus den Featurettes „Playing God“ und „ What is the Lazarus Effect?“, bleiben den Blu-ray-Käufern vorbehalten; ein Privileg, auf das die DVD-Zuschauer mehrheitlich nicht neidisch sein dürften oder sollten.

Kurzinfo für Ungeduldige: Wissenschaftler entdecken ein Serum, das Tote wiederauferstehen lässt; ein glücklicher Vorteil, als prompt ein Teammitglied ins Gras beißt. Die Rückkehr ist jedoch unerfreulich, da das Jenseits seine Spuren hinterlassen hat … – Ideenfrei inszenierter Allerweltgrusel, in dem höchstens die Null-Figuren dank wirren, logiklosen Handelns und ebensolchen Gefasels für Schrecken sorgen: Schlapp-Horror à la „Insidious“.

[md]

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