The Mine – Halloween in der Hölle

Originaltitel: Abandoned Mine (USA 2013)
Regie: Jeff Chamberlain
Drehbuch: Jeff Chamberlain (nach einer Story von Scott Woldman)
Kamera: Brian Sullivan
Schnitt: Michael R. Fox u. Steve Haugen
Musik: Russ Howard III
Darsteller: Alexa Vega (Sharon), Reiley McClendon (Brad), Saige Thompson (Laurie), Charan Prabhakar (Ethan), Adam Hendershott (Jim), Joseph Batzel (William Jarvis) u. a.
Label/Vertrieb: Rough Trade Distribution
Erscheinungsdatum: 14.11.2014
EAN: 4260264432603 (DVD)/4260264432610 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (Blu-ray: 95 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Vier Freunde aus einem Nest irgendwo im Südwesten der USA verbringen ein letztes Halloweenfest miteinander, bevor sich ihre Wege trennen werden. Zumindest Laurie wird das „Happy Valley“ verlassen, um ein Medizinstudium zu beginnen. Brad, ihr Ex-Freund, der jetzt mit Sharon zusammen ist, legt sich mächtig ins Zeug, um dieses Halloween zu einem unvergesslichen Ereignis zu gestalten. Mit dabei ist natürlich Brads dicker Football-Kumpel Jim sowie der indische Austauschstudent Ethan, der mit Laurie gekommen ist.

Brad bringt die Freunde zur alten Jarvis-Mine. Sie gilt als verflucht, nachdem der gleichnamige Eigentümer, seine Gattin und ihre beiden kleinen Töchter in einer Oktobernacht vor einhundert Jahren ermordet und irgendwo unter Tage verscharrt wurden; die Leichen konnten nie geborgen werden.

Um dem Trip ein wenig Grusel-Pfeffer einzuhauchen, hat Brad diverse ‚Überraschungen‘ vorbereitet, die den Schauplatz in eine Art Geisterbahn verwandeln sollen. Doch der Spaß ist vorbei, als jemand der Gruppe das Seil kappt, an dem sie neugierig in eine Kaverne hinabgestiegen sind. Nun gilt es einen anderen Ausgang zu finden.

Da der dicke Jim unter Platzangst leidet, bleibt er zurück, um auf Rettung zu warten, während die Gefährten sich durch enge, fledermausverseuchte Gänge zwängen, um endlich im Labyrinth der alten Mine zu stranden: Unzählige Gänge führen in die Tiefe, während der Weg nach oben überall versperrt ist.

Zudem scheint man nicht allein in der Finsternis zu sein. Seltsame Funde deuten an, dass jemand – oder irgendetwas – in der Mine sein Lager aufgeschlagen hat. Wenig später erklingt geisterhaftes Kinderlachen. Die Nerven der Freunde liegen schnell blank, eine wilde Flucht beginnt, die ohne Ziel genau dort endet, wo es erst recht umgeht …

Die Schrecken der Tiefe (und der Dummheit)

Wer sich als besorgter Europäer Gedanken und Sorgen über das US-amerikanische Wesen und die daraus resultierende (Welt-) Politik macht, kann viel lernen, wenn er die Populär-Kultur analysiert: Wie kann eine Nation NICHT vor allem Bockmist bauen, wenn zu ihren repräsentativen Bürgern Zeitgenossen wie Sharon, Laurie, Jim und vor allem Brad gehören? Ihr gemeinsamer Intelligenzquotient dürfte ein entsprechendes Messgerät höchstens unter dem Nullwert ausschlagen lassen.

Oder ist „Total-Film-Maker“ Jeff Chamberlain (Regie, Buch, Produktion) der Übeltäter? Was ihm mit „Mine“ vorschwebte, wird durchaus manchmal deutlich. Das ist erstaunlich angesichts des Durcheinanders, zu dem dieser Film tatsächlich missraten ist. So hätte jemand Chamberlain unbedingt informieren müssen, dass selbst eine schon oft erzählte Geschichte eine Struktur und vor allem Timing benötigt. Stattdessen lässt unser Regisseur die Handlung bis zur Film-Halbzeit vor sich hinplätschern: Fünf Hauptfiguren spielen einander dumme Streiche, deren Aufwand in keinem Verhältnis zum Unterhaltungswert stehen. Stattdessen erleidet Sharon bereits in den ersten Minuten beinahe einen Herzinfarkt, weil ‚Freundin‘ Laurie sie als Triebtäter verkleidet mit einem Gummimesser aus dem Hinterhalt anspringt.

Angesichts solcher Herzlichkeiten wundert es nicht, dass primär Holzköpfigkeit die minenbesuchende Gruppe eint. Wenn nicht gerade kindischer Unfug getrieben wird, spielt Chamberlain Pop-Rock aus der Tube ein, um die Parallelveröffentlichung des Soundtracks zu fördern. Allerdings scheint er ‚Komponisten‘ und ‚Sänger‘ angeheuert zu haben, die selbst in einer örtlichen Castingshow – vielleicht „Utah sucht den Superstar“ – nur einen der hinteren Plätze erreichen konnten.

Die Mine des Schreckens

Denn in diesem US-Staat entstanden zumindest jene Szenen, die tatsächlich unter der Erde und in einer echten Mine gedreht wurden. Cedar City liegt im Südwesten Utahs. Die Landschaft wird von zum Teil schroffen Hügeln geprägt, in denen im 19. und frühen 20. Jahrhundert ausgiebig nach wertvollen Metallen (und Kohle) geschürft wurde. Cedar City entstand 1851 als Fort Cedar. Die vom Bergbau dominierte Frühgeschichte wird für Touristen am Leben gehalten; so wurden einige Schächte für die Besichtigung zugänglich gemacht.

Die dafür Verantwortlichen haben gute Arbeit geleistet. Wir, die wir unseren Halloween-Freunden durch die „Mine“ folgen, können dies viel zu genau feststellen: Die angebliche Jarvis-Mine soll vor einem Jahrhundert stillgelegt worden sein. Trotzdem wirkt die Anlage, als hätten die Arbeiter sie gerade verlassen. Gruppen-Neuling Ethan findet sogar einen Generator, der nach einigen Zügen am Starterkabel anspringt. Noch besser: Selbst die Glühbirnenbeleuchtung der Mine funktioniert ausgezeichnet!

Nichtsdestotrotz geben unsere Darsteller verzweifelt vor, NICHT durch eine Museums-Mine zu tappen. Die Ablenkungsmethode besteht darin, eine Geschichte zu erzählen, die geeignet ist, das Hirn des Zuschauers so stark aufzuweichen, dass er die Besenreinheit der Kulissen oder die großzügige Beleuchtung nicht zur Kenntnis nimmt.

Twisten, bis die Storyline bricht

Halloween-Scherze in einer Geister-Mine! Wie mag sich die Handlung unter dieser Prämisse entwickeln? Chamberlain geht auf Nummer Sicher. Er lässt den Grusel nicht nur faken, sondern irgendwann ‚echte‘ Geister spuken. Vor allem letztere Entscheidung versetzt seinem Film jenen Tritt, der ihn endgültig in den Abgrund befördert.

Der Auftritt von Jarvis und seinen Töchtern soll überraschen, nachdem Chamberlain schon zuvor versucht hatte, sein Publikum durch eine völlige Kehrtwendung des Geschehens zu verblüffen. Die dabei umgesetzte Idee soll hier nicht verraten werden. Sie ist freilich alles andere als neu und wird so hanebüchen entwickelt, dass nicht einmal das Überschlagen der Ereignisse verhindern kann, dass ihre Fadenscheinigkeit sich offenbart.

Sollte wirklich Brad hinter dem Minen-Spuk stecken, muss man ihn beinahe bewundern. Außerdem erklärt sich, wieso er es in seinem Leben zu nichts gebracht hat: Er muss den gesamten Sommer damit verbracht haben, die Jarvis-Mine zu präparieren. Auf andere Weise lässt sich nicht erklären, wie er den erforderlichen Aufwand stemmen könnte. Kein Wunder, dass er nicht lockerlässt, bis er die Freunde unter Tage gelockt hat!

Aber Jarvis geht wirklich um. Unglücklicherweise achtet Chamberlain nicht darauf, ihn nur jenem Mitglied der Gruppe erscheinen zu lassen, dass ohnehin gerade den Verstand verliert. Als Vision würde Jarvis ins Geschehen passen. Als Geist ist er überflüssig und kontraproduktiv, da es den Freunden viel besser gelingt, einander in den Wahnsinn zu treiben.

Den traurigen Höhepunkt der Unlogik erreichen die Gefährten buchstäblich, als sie im Inneren der Mine über Jarvis‘ Schlupfwinkel stoßen, der mit schweren Holzmöbeln, Vorhängen und Kinderspielzeug recht behaglich ausgestattet ist. Wozu benötigen Geister eine Wohnung, Betten und Licht? (Oder wie wäre es mit einer SMS von Sharon an eine ihrer Freundinnen und Arbeitskolleginnen: „Steige gleich mit Brad & den Kumpels in die alte Jarvis-Mine“?)

Wacker geschlagen, unverdient gescheitert

Dabei war es gar nicht schlecht gestartet. „Mine“ kann mit einem Pfund wuchern, das dem Horrorfilm der kostengünstigen Art oft abgeht: Hier treten richtige Schauspieler vor die Kamera! Zwar zwingt sie das Drehbuch, sich blöd und nervensägend zu verhalten. Trotzdem eignen sich die Darsteller ihre Rollen so gut an, dass sie ihnen hin und wieder echtes Leben einhauchen können.

In dieser Hinsicht am besten schlägt sich Charan Prabhakar. Seine US-‚Gastgeber‘ können seinen Namen nicht aussprechen, weshalb er sich „Ethan“ nennen lässt. Für die Party hat er sich als „India Jones“ verkleidet. Brad und Jim machen sich tüchtig über ihn lustig. Chamberlain erleichtert ihnen diesen Job, indem er Ethan zum Stereotyp des Nerds macht, der schon in seiner Wiege auf einer Müllkippe seiner indischen Heimatstadt mathematische Gleichungen gelöst hat. (In der deutschen Fassung wird dies intensiviert durch einen ‚Synchronsprecher‘, der seine zusammengerollte Zunge mit einem Gummiband fixiert hat, um einen ‚indischen‘ Akzent zu imitieren.)

Doch Prabhakar unterläuft dieses und andere Klischees, lässt sich nicht zum Kasper herabwürdigen und legt einen trockenen Witz an den Tag, der in diesem unterirdischen Film überrascht. Ebenfalls überraschend hintergründig spielt ausgerechnet Adam Hendershott die Paraderolle des hirnamputierten Footballspielers, dessen großmäulige Maske mehrfach Sprünge bekommt. Alexa Vega ist ein Vollprofi; sie ist quasi im Filmstudio aufgewachsen – eine ihrer Kinderrollen spielte sie beispielsweise in „Twister“ (1996) – und gibt die dauerpanische Angsthäsin im Halbschlaf. Ein wenig überfordert wirkt Saige Thompson mit der Herausforderung, einen nur vordergründig starken Charakter allmählich zerbrechen zu lassen.

Pech hat Reiley McClendon. Selbst der reumütige Brad ist ein Vollidiot, dem zumindest im Zuschauerraum niemand eine Träne hinterherweinen dürfte. McClendon spielt ihn viel zu bzw. verdächtig überzeugend, während seine Bemühungen, krisenbedingt in Windeseile vom Kindskopf zu Erwachsenen zu reifen, peinlich wirken.

Halbgar & halloweenuntauglich

Nachdem das Minen-Drama ein mattes aber immerhin sinnvolles Ende gefunden hat, glaubt Chamberlain, seinem Publikum noch einen Finaltwist schuldig zu sein. Auch der bleibt hier unbeschrieben bzw. wird mit dem berühmt-berüchtigten Mantel der Verschwiegenheit bedeckt. Zurück bleibt ohne Ratlosigkeit: Was ist „Mine“ denn nun? Eine schwarze Halloween-Komödie oder -Parodie? Ein Psychothriller? Eine Geistergeschichte? „Found-Footage“-Horror? (Dass alle Mitglieder der Gruppe Kamerahelme tragen, gerät irgendwie in Vergessenheit, weshalb die dabei entstehenden Aufnahmen für die Handlung bedeutungslos bleiben.)

Wahrscheinlich schwebte Chamberlain eine Mischung vor. Leider wollen sich die Bestandteile nie zu einer homogenen Handlung mischen. Selbst die üblichen Geschmacksverstärker in Gestalt blutiger Splatter-Szenen fehlen. Das entstandene Gebräu schmeckt nicht und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, den nur rasches Vergessen tilgen kann (und – im Falle dieses Rezensenten – wird).

DVD-Features

Echte Hintergrundinformationen zum Film gibt es nicht. Vermissen wir sie? NEIN!

Kurzinfo für Ungeduldige: Hohlkopf Brad lädt vier alte Freunde in eine angebliche Spuk-Mine ein, wo er einige Geisterbahn-Schrecken vorbereitet hat; aus Spaß wird Ernst, als sich offenbar echte und übellaunige Geister in das Spiel einschalten … – Missratene Mischung aus Thriller, Horror und Teeny-Komödie, für die primär die negativen Elemente dieser Genres heraufbeschworen werden: trotz einiger Komik ab der zweiten Hälfte eine Zumutung.

[md]

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