Monster OutsideFamilie Bear mietet in der Wildnis ein Haus, das dummerweise im Revier eines Bigfoot-Affenmonsters liegt. Nachdem die Kreatur immer dreister auf die Familie losgeht, tut sich Vater Dave mit dem einbeinigen Waldschrat Ned zusammen, um die Bestie auszuschalten … – Absolut spannungs- und witzlose „Horror-Komödie“, die vor und hinter der Kamera Maßstäbe in Sachen Unfähigkeit setzt: echter Trash aber nie unterhaltsam.

Das geschieht:

Vor bereits längerer Zeit ist Charles Bear ein kleiner Bestseller gelungen. Danach nannte er sich „Autor“ und konnte einen lukrativen Anschlussvertrag an Land ziehen. Leider ist Charles ganz sicher kein Schriftsteller und auch sonst ein Trottel. Ihm fällt partout nichts ein, das er zu Papier bringen bzw. abspeichern könnte. Agent und Verlag sitzen ihm bereits misstrauisch im Nacken, die Deadline droht.

Charles beschließt, dass ihm die große Stadt Chicago, in der mit Gattin Linda und Söhnchen Lonnie lebt, allzu viele Ablenkungen bietet. Deshalb kauft er kurzentschlossen ein (nicht grundlos kostengünstiges) Haus in Beaver Pelt Falls irgendwo im Hinterland der US-Provinz Idaho: Wo sich Fuchs & Hase gute Nacht sagen, wird ihm sicher ein weiteres Buch gelingen, sagt sich Charles, während seine Familie wenig begeistert registriert, in welche Einöde es sie verschlagen hat.

Ahnungslos hat Charles ein Mordhaus erworben; hier fand vor einigen Jahrzehnten ein Massaker statt, dessen Opfer in Stücke gerissen wurden, während ein Täter nie gefasst werden konnte. Nachbar Ned Perkins weiß mehr, denn seine Familie fiel ebenfalls dem „Field Freak“ zum Opfer, der tief im Wald haust und jeden attackiert, der sich seinem Schlupfwinkel zu nähern wagt. Leider ist Ned a) verrückt und gilt b) immer noch Verdächtiger im Mordfall Perkins, weshalb vor allem Linda die aufkeimende Freundschaft mit Misstrauen beobachtet.

Ohnehin behagt es ihr im neuen Heim nicht mehr, seit dort eine gigantische Affen-Kreatur durch das Küchenfenster lugte. Gatte Charles ruft den Kammerjäger Jerry Johnson, der sachkundig tollwütige Biber als Verursacher der Belästigung identifiziert. Erst als ihn später im Wald eine gigantische Faust ins dumme Gesicht trifft, ändert Jerry seine Meinung. Da ist es zu spät: Der „Field Freak“ ist los und belagert die Bears und Gast Ned Perkins in ihrem Haus …

Schuss-Trommelfeuer in den Ofen

Stephen Folker: Wir sollten, nein, müssen uns diesen Namen merken, da dieser Mann ebenso fleißig wie unfähig ist. Aus einem Grund, den nur er kennt, fühlt er sich berufen sowie in der Lage, Filme zu drehen. Dass er statt der erhofften Unterhaltung Erstaunen, Verdruss und Mordlust provoziert, scheint Folker nicht begreifen zu können. In dieser Hinsicht gleicht er den klassischen Trash-Filmern à la Ed Wood jr., die psychisch in der Lage (bzw. verdreht genug) sind, einen völlig anderen Film zu sehen als den, welchen sie tatsächlich gedreht und ihrem Publikum vorgesetzt haben. Vor ihrem (geistigen) Auge ist gelungen, was jeder geistig normalbelichtete Mensch als vollständiges Scheitern erkennt. Fehler und Nulltalent blendet das Hirn solcher ‚Filmemacher‘ einfach aus. Sie lieben das Kino und treten es doch mit Füßen – durchaus tragisch, wenn nicht die Zuschauer unter den Konsequenzen leiden müssten.

„Trash“ nennt man die Ergebnisse solchen Größenwahns. Was ursprünglich wortwörtlich „Müll“ bezeichnete, kam in den 1970er Jahren zu unerwarteten Ehren: Der Murks der Väter wurde zunächst in Studentenkreisen zum beliebten Zeitvertreib der Söhne, die sich unter dem Einfluss ungesetzlicher aber stimmungsförderlicher Substanzen köstlich darüber amüsierten, was ernsthaft gewollt aber unfreiwillig in den Sand gesetzt wurde. Wenig später gerann „Trash“ zu einem Markenzeichen, das auch und dann vor allem Filmen aufgeprägt wurde, die absichtlich billig und schundig produziert wurden. Heute fahren Studios wie „The Asylum“ auf dieser Schiene, doch was sie fabrizieren, ist kein Trash, sondern Mist, was ein gewaltiger Unterschied ist.

„The Monster Outside“ ist echter Trash. Witzig ist Stephen Folkers Scheitern freilich nicht. Anderthalb Stunden quält er sein Publikum mit einer Anti-Story, die jederzeit miserabel umgesetzt wurde – dies mit UND ohne Absicht, was trashbedingte Heiterkeit nicht nur ausschaltet, sondern sie tötet und ihre Asche immer wieder mit pechschwarzer Galle tränkt. Als Ausrede dient Folker die Klassifizierung seines Machwerks als ‚Komödie‘ oder gar ‚Parodie‘; eine Dreistigkeit, die den Zuschauerzorn kollektiv in ungeahnte Höhen treibt.

Keinerlei Ahnung – aber davon im Überfluss

Wenn man der Angabe auf imdb.com Glauben schenkt, hat „The Monster Outside“ 9000 Dollar gekostet. Als ‚Budget‘ darf man eine solche Summe nicht bezeichnen. Das Ergebnis bestätigt die genannte Website auf ganzer Linie. Offen bleibt dennoch die Frage, wohin dieses Geld geflossen sein mag. Kosten dürften Folker eigentlich nicht entstanden sein. Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann war er in Personalunion. Wer sonst an diesem Desaster beteiligt war, müsste sich schämen, nur einen Cent genommen zu haben. Ohnehin vermutet dieser Rezensent, dass Folker seine Mitstreiter entweder durch einen Blutschwur oder Voodoo-Zauber an sich binden konnte. Menschen mit mehr als einer Gehirnzelle müssten rasch gemerkt haben, in welche Katastrophe sie Folker verwickelte.

Oder sind es sämtlich Verwandte, die immer wieder vor Folkers Kamera umhertollen? Man konnte ihre Namen schon früher dort wiederfinden, wo dieser die Filmwelt heimsuchte. Wer von ihnen des Schreibens mächtig ist, scheint eifrig damit beschäftigt zu sein, Folkers Filme zu rezensieren, bevor dies jemand übernimmt, der tatsächlich etwas von der Materie versteht; nur so sind beispielsweise die absurde hohen Bewertungen von Folker-Werken auf imdb.com zu erklären.

Da ist nichts, das eine Sichtung dieses Films rechtfertigen könnte. Die ‚Story‘ kennen wir bis ins letzte Detail. Überraschungen bleiben ebenso aus wie gelungene Gags. Entweder liegt die Kamera wie Blei irgendwo am Bildrand, oder Folker kippt und rüttelt sie wie eine verstopfte Campingtoilette. Letzteres geschieht immer dann, wenn ‚Action‘ simuliert werden soll. Weil die Darsteller zu dick (Trena Penson) oder dämlich (Dave Juehring) sind, um laufend einen Fuß vor den anderen zu setzen, muss die Kamera das ausgleichen. In seiner Eigenschaft als Herr über dieses Instrument muss man Folker zugestehen, dass er auch sonst eine Menge Arbeit zu absolvieren hatte. So war es u. a. wichtig, die Linse sofort beiseite zu reißen, sobald der „Family Freak“ ins Bild zu geraten drohte. Da Folker nicht gut genug aufpasste bzw. das Ungeheuer im finalen Showdown ein wenig deutlicher gezeigt werden musste, bleibt nicht geheim, dass der „Field Freak“ primär aus einer alten Fleecedecke besteht, die womöglich Oma Folker für ihren geliebten (wenn schon nicht begabten) Enkel umgenäht hat.

Wer in seiner Schulzeit auf der Bühne einen Baum oder einen Stein gemimt hatte, wurde von Folker mit offenen Armen willkommen geheißen. „Schauspiel“ ist in seiner Definition offensichtlich ein Talent, das sich automatisch manifestiert, sobald sich Zuschaueraugen auf Darsteller richten. Der Irrtum könnte nicht größer sein, denn vor der Kamera tummeln sich ausschließlich Darsteller, denen man bereits Sekunden nach erster Sichtung die Hälse persönlich umdrehen möchte!

Invasion der geistig Armen

Die Bears sind möglicherweise als komische Zerrbilder der ‚typischen‘ US-Durchschnittsfamilie gedacht. Stattdessen erkennt man die Darsteller sofort als erbarmungswürdig begabungsfreie Nulpen, denen nur eines auf Anhieb fehlerfrei gelingt: Man hasst sie mit jeder Faser der Zuschauerseele! Dass Dave Juehring stets nur knielange Hosen in schreienden Farben und dazu gern Fransen-Slipper und bis zu den Knien hochgezogene Socken trägt, ist wohl nicht seine Schuld, steigert jedoch den Eindruck, einer Vorstellung des „Mutantenstadls“ beizuwohnen. Trena Penson ist mit einem mürrischen Pfannkuchen-Gesicht geschlagen, das von unten nach oben spitz zuläuft. ‚Sohn‘ Tristan Coppola ist hoffentlich nicht verwandt mit dem Film-Clan gleichen Namens, der ansonsten vor den Trümmern seiner Hollywood-Regentschaft stünde.

Als ‚ulkiger‘ Sidekick reibt sich redlich aber ebenfalls abschreckend Glenn Harston auf. Er verdankt sein Engagement sicherlich der Tatsache, dass er sein eigener Spezialeffekt ist: Ihm fehlt ein Unterschenkel, was ihn als Monster-Opfer prädestiniert. Als darob psychisch über Bord gegangener Wurzelbier-Brauer Ned Perkins darf Harston grimassieren und schreien, wie es zumindest ihm gefällt, während sich das Publikum vor Fremdscham wälzt. Getoppt wird Harston höchstens von ‚Kammerjäger‘ Jerry Johnson alias Thomas Ely Sage, der denselben müden Kalauer vom tollwütigen Biber wiederkäut und – man ist sich als Zuschauer beinahe sicher – den Dorftrottel nicht nur spielt.

Was sonst vom Handlungsort gezeigt wird, nährt überhaupt den Verdacht, dass in Beaver Pelt Falls die Familienstammbäume bedenklich nah beieinander wurzeln. Dort hausen ausschließlich Idioten, die nie einen drei Meter großen Bigfoot (aus bemaltem Plastik und – s. o. – feuerrotem Fleece) entdeckt haben, der sein Lager in einer ‚einsamen‘ Berghöhle aufgeschlagen hat, deren Wände beinahe lückenlos mit den eingravierten Graffiti der dort in Legionsstärke einfallender Wanderer bedeckt sind. Keinen Verdacht erregen weiterhin die dort überall liegenden Kothaufen des Bewohners (Folkers einziger Spezialeffekt – hoffentlich!), an denen ‚Kammerjäger‘ Jerry ausgiebig riecht und leckt, um das Publikum zu neuerlichen Lachstürmen hinzureißen.

Auf diesem Niveau geht es gnadenlos weiter bis zum finalen ‚Höhepunkt‘, der jedem Zuschauer das Wasser in die Augen treiben dürfte – vor Wut oder vor Lachen. Anschließend folgt ein end- und sinnarmer Epilog, bis endlich die Schlusstitel anrollen; eine gute Gelegenheit, endlich die Filmmusik auf Jamba-Klingelton-Niveau wahr- und zur Kenntnis zu nehmen sowie die Liste der Mitwirkenden genau zu mustern: Wer sich zukünftig vor cineastischer Umweltverschmutzung wie „The Monster Outside“ schützen möchte, sollte sich die Namen derer einprägen, die dafür die Verantwortung tragen!

DVD-Features

Außer dem Trailer – der u. a. den einzigen ‚Splattereffekt‘ des Hauptfilms verbrät – hat das deutsche Label vorsichtshalber keine Extras mit auf die Scheibe gebrannt. Wozu mehr Geld als nötig für eine Veröffentlichung ausgeben, die nur solange verkauft werden kann, bis die ersten Zuschauerwarnungen veröffentlicht sind und sich verbreitet haben?

Aus diesem Grund wurde die Synchronisierung wie in solchen Fällen üblich der Firma „Quietsch & Grunz“ übertragen, deren Mitarbeiter peinlich genau darauf achteten, die Dumpfbackigkeit der Vorlage akustisch zu unterstreichen; eine Herausforderung, die ohne Abstriche gemeistert wurde!

Um potenziell kauflustige Zuschauer, die misstrauisch nach US-Quellen zu diesem Film fahnden, in die Irre zu führen, wurde zu schlechter Letzt der Originaltitel „Field Freak“ durch das urdeutsche „The Monster Outside“ ersetzt.

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The Monster Outside – Hüte dich vor der Dunkelheit
Originaltitel: Field Freak (USA 2016)
Regie, Drehbuch, Kamera: Stephen Folker
Schnitt: Bjorn T. Myrholt
Musik: David E. Tedeschi
Darsteller: Dave Juehring (Charles Bear), Trena Penson (Linda Bear), Tristan Coppola (Lonnie Bear), Glenn Harston (Ned Perkins), Thomas Ely Sage (Jerry Johnson), Ric James (Field Freak), Jim Nieciecki (Nick), Stephen Folker (Kunde) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 04.05.2016
EAN: 4041658120548 (DVD)/4041658190541 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 16

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