The New Daughter

Originaltitel: The New Daughter (USA 2009)
Regie: Luis Berdejo
Drehbuch: John Travis (nach einer Story von John Connolly)
Kamera: Checco Varese
Schnitt: Tom Elkins u. Robb Sullivan
Musik: Javier Navarrete
Darsteller: Kevin Costner (John James), Ivana Baquero (Louisa James), Gattlin Griffith (Sam James), Samantha Mathis (Cassandra Parker), Sandra Ellis Lafferty (Mrs. Amworth), Noah Taylor (Professor Evan White), Margaret Anne Florence (Alexis Danella), James Gammon (Roger Wayne), Erik Palladino (Officer Lowry), Guy Perry (Kreatur) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 07.01.2011
EAN: 0886973832998 (DVD)/0886978048899 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 104 min. (Blu-ray: 108 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Schriftsteller John James wurde von seiner Gattin verlassen, die bei dieser Gelegenheit auch Tochter Louisa und Sohn Sam abschob. In South Carolina versucht die Restfamilie den Neuanfang. Während Sam sich mit der neuen Situation anzufreunden beginnt, fremdelt die heftig pubertierende Louisa, die dem Vater zudem vorwirft, nicht für den Fortbestand seiner Ehe gekämpft zu haben.

Wegen der familiären Querelen bleibt zunächst verborgen, dass es in dem zwar schönen aber recht abgelegenen Haus nicht recht geheuer ist. Der Makler verschwieg tunlichst, dass sich hier eine Tragödie abgespielt hatte: Die Vormieterin ist spurlos verschwunden, ihre Tochter fand die Polizei eingesperrt und seltsam verändert in ihrem Zimmer; der eigene Großvater hat sie später umgebracht, weil sie „besessen“ gewesen sei.

In der Tat geht es auf dem Grundstück kräftig um. Bald findet John die zerfetzten Reste der Familienkatze, und durch die Nacht huschen Schatten, die ihn u. a. mit Steinen bewerfen. Zentrum der Belästigungen ist ein Grabhügel, der laut örtlicher Überlieferung indianischer Herkunft, tatsächlich aber sehr viel älter ist: Hier haben sich „Grabhügel-Gänger“ niedergelassen, intelligente und zivilisationsfeindliche Kreaturen, die unter akutem Frauenmangel leiden. Zur Vermehrung bedienen sie sich deshalb menschlicher Jungfrauen, die sie ihrer geistigen Kontrolle unterwerfen und körperlich allmählich in Ihresgleichen transformieren.

So ergeht es nunmehr Louisa. Sie wohnt quasi auf dem Grabhügel und zeigt sich gegenüber Vater und Bruder stetig feindseliger. Als aufgeklärter Mann verweist John selbstverständlich sämtliche Indizien, die auf übernatürliches Wirken deuten, ins Reich der Märchen und zieht psychologische Ursachen ins Kalkül. Als die Kreaturen schließlich des Nachts das Haus belagern und durch die Fenster springen, geht er reumütig in sich bzw. greift zur Schrotflinte, um seine Kinder zu verteidigen …

Alte Nachbarn aber niemals Freunde

Bis ins hohe Mittelalter war diese Welt ein oft fremder und feindlicher Planet. Große Teile harrten noch der Entdeckung, während die dabei zu Tage geförderten Erkenntnisse jenseits einer noch nicht existierenden Wissenschaft obskur aber zeitgenössisch durchaus logisch interpretiert wurden.

Einen Lebensalltag ohne Licht, Kommunikation oder Verkehrsnetz können wir uns heutzutage kaum vorstellen. Die Welt der Vergangenheit war für ihre Bewohner ein oft unheimlicher Ort. Nicht verstandene Phänomene ‚erklärte‘ man sich oft mit dem Wirken übernatürlicher Kräfte. In einem solcherart beschränkten Kosmos schien es nicht nur wahrscheinlich, dass dort, wo man vor allem in der Nacht nichts sehen konnte, Nachbarn hausten und lauerten, um die man besser einen Bogen schlug.

Das „kleine Volk“ findet sich unter zahlreichen Namen in der europäischen Mythologie. Mit den Siedlern gelangte es auch in die nordamerikanischen Kolonien, ein denkbar unbekanntes und deshalb für die Projektion entsprechenden Aberglaubens besonders taugliches Neuland. Es war zudem nicht unbewohnt. Die Einheimischen waren ebenfalls fremd und deshalb verdächtig, und selbstverständlich kannten sie eigene Dämonen.

Das „kleine Volk“ wurde zwar von Bigfoot u. a. kryptozoologischen Mysterien abgehängt, aber es konnte sich als Volksglaube halten. Schon die Zeitgenossen versuchten sich zu beruhigen, indem sie es beispielsweise als „Feen“ verniedlichten und verharmlosten. Doch dahinter wartete die Furcht vor uralten, mächtigen und keineswegs freundlichen Wesen, die es den vermehrungsfreudigen Menschen sehr übel nahmen, dass diese ‚ihre‘ Welt in Besitz nahmen und die älteren Mitbewohner verdrängten.

Sind sie immer noch unter uns?

Mit der Aufklärung schwand ab dem späten 18. Jahrhundert der Glaube an eine Geisterwelt in der Nachbarschaft der Realität. Die Wissenschaft machte auch dem „kleine Volk“ den Garaus. Es überlebte dennoch – als dankbarer Bösewicht in einer rational gewordenen Moderne, die sich der einst gefürchteten Schreckgespenster gedruckt und später verfilmt gern erinnerte.

Die Resultate fielen naturgemäß nicht immer überzeugend oder auch nur unterhaltend aus. Ein Film wie „The New Daughter“ sorgt für Misstrauen: Dies ist Hollywood-Mainstream reinsten Wassers, handwerklich perfekt aber inhaltlich im Bemühen um eine möglichst laut klingelnde Kasse auf den größten gemeinsamen Publikumsnenner herunter gebrochen. Raffinesse oder Überraschungen wird der anspruchsvollere Zuschauer deshalb vergeblich suchen. Zumindest die Kritik hat dies umgehend bemerkt und recht ungnädig reagiert. Dabei schwang das Pendel nach Ansicht dieses Rezensenten ein wenig zu weit ins Negative. Mit einigem zeitlichen Abstand kann „The New Daughter“ durchaus punkten.

Die Frage nach der (möglichen) Fortexistenz uralter Konkurrenz-Intelligenzwesen war und ist spannend. In seiner ersten US-amerikanischen Produktion blieb der Spanier Luis Berdejo zudem Europäer genug, um das Thema mit den Augen des Ortsfremden zu betrachten. Obwohl Berdejo sich den Hollywood-Standards generell unterwerfen musste, bleiben diverse Widerhaken, die einen bequemen Konsum als Horrorfilm verhindern.

Die Kunst der Andeutung

Das Drehbuch geht erfrischend ruppig mit der Figur der Tochter Louisa James um. Zwar muss sich Berdejo visuell auf Andeutungen beschränken. Es gelingt ihm dennoch zu verdeutlichen, dass die „Grabhügel-Gänger“ ihre minderjährige „Königin“ körperlich missbrauchen. Auch das Happy-End fällt aus bzw. wird durch ein mehrdeutiges Ende ersetzt, das sich der Zuschauer je nach Veranlagung hoffnungsvoll schönmalen oder als endgültigen Untergang der James-Familie begreifen kann.

Hollywood sorgt für Geld und filmischen Fachwissen. Die Kulissen sind großzügig gestaltet und jederzeit überzeugend ins Bild gesetzt, die Spezialeffekte gelungen, Licht und Musik wurden von Leuten gesetzt bzw. komponiert, die ihre Jobs verstehen. Die Story-Vorlage stammt von John Connolly, einem Meister des modernen Horrors, der sich nicht auf Ekel-Effekte stützt, sondern dem Schrecken eine gewisse Ambivalenz lässt und ihn darüber hinaus auch dort wurzeln lässt, wo er in den meisten Fällen entsteht: im Menschenhirn.

Berdejo hat zumindest sein Talent als Drehbuchautor mit Filmen wie „[Rec]“ (2007) oder „Painless“ (2012) unter Beweis gestellt. Er ist allerdings auch für das Desaster „[Rec3] Genesis“ (2012) verantwortlich. Für „The New Daughter“ verfasste John Travis das Buch, ein Neuling, der zuvor nur den bedingt gelungenen Thriller „The Haunting of Molly Hartley“ (2008, „Molly Hartley – Der Pakt mit dem Bösen“) geschrieben hatte. Die Kombination Berdejo/Travis sorgt für einen Film, der ungeachtet seiner konventionellen Machart sowie einschlägiger Klischees grundsolide Unterhaltungsqualitäten besitzt.

Ein Costner kann nie schaden

Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob ein Film wie dieser einen Kevin Costner in der Hauptrolle benötigt. Die Karriere des Schauspielers, der mit Filmen wie „The Untouchables“ (1987, „Die Unbestechlichen“), „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) oder „Bodyguard“ (1992) zu den Stars von Tinseltown gehörte, ist zweifellos in eine Tiefdruckzone geraten. An seinen schauspielerischen Fähigkeiten ändert dies allerdings nichts. Deshalb ist Costner ein Gewinn für „The New Daughter“, weil glaubhaft als verletzter Ex-Gatte, liebevoller aber überforderter Vater und schließlich – obwohl sehr herkömmlich – Retter & Rächer.

Als Glücksfall erweist sich die Wahl der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten tatsächlich noch sehr jungen Ivana Baquero, die als Louisa James darstellerisch mit Costner mithalten kann. Gattlin Griffith hält als Sohn bzw. Bruder Sam wacker mit, der Zuschauer ist ihm dankbar für ein Spiel jenseits jener altklugen Nervensägen, für die das Hollywood-Kino seit jeher berüchtigt ist. Selbst die eingestreuten Bekenntnisse zu den US-typischen „family values“ lassen sich ertragen, weil sie ohne Pathos dargeboten werden.

Weniger Glück haben die Nebendarsteller. Dies liegt nicht an ihrem Unvermögen, sondern an einem schlecht ausgewogenen Drehbuch. So werden Figuren wie Professor Evan White und seine Assistentin ausführlich eingeführt, obwohl sie für das Geschehen keine Bedeutung besitzen und irgendwann einfach verschwinden. Auch auf Cassandra Parker als mögliche neue Liebe von John James könnten wir problemlos verzichten. Immerhin findet Berdejo für sie einen ‚europäischen‘ Abgang, der gut ins düstere Finale passt.

Unter der Kruste

Die „Grabhügel-Gänger“ hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Es mag vor allem daran liegen, dass sie in Gestalt und Verhalten sehr an die ungleich berühmteren „Aliens“ aus den gleichnamigen Filmen erinnern. Travis kreiert ihnen nach dem Vorbild der Connolly-Story eine detaillierte Herkunftsgeschichte, die indes ideenarm bleibt.

Wie es sich für einen Film gehört, der nicht auf Horror, sondern auf stilvollen Schrecken setzt, bleiben die Gänger lange buchstäblich im Dunkeln. Man hört ihre seltsamen Schreie und registriert die unschönen Folgen ihres nächtlichen Tuns (s. o. unter „Katze“). Wenn sie sich endlich zeigen, bleiben sie im Schatten. Man sieht nur ihre Umrisse und ist froh darüber, denn wenn sie letztlich doch ins Licht geraten, erkennt man nur die üblichen Stuntmen in mehr oder weniger gelungenen Monster-Kostümen, die durch digitale Effekte aufgepeppt werden.

„The New Daughter“ stellt in gewisser Weise den Gegenpol zum Trash-Kino dar: Wo dort das formale und darstellerische Unvermögen für unfreiwillige Unterhaltung sorgt, wird hier möglichst gründlich gearbeitet, um den Schein real wirken zu lassen. Auch darin liegt die Gefahr des Scheiterns, denn der Grat zwischen Überzeugung und Übertreibung ist denkbar schmal und rutschig. Berdejo gerät mehrfach ins Trudeln, wenn er beispielsweise das Finale dramatisch aufzuwerten versucht und einen Kontakt- und Kommunikationsversuch zwischen dem Vater und dem Anführer der Hügel-Gänger andeutet, die nicht aus Gier oder Bosheit handeln, sondern einfach überleben wollen. Doch es endet wie üblich, was sich bereits ankündigte, als Vater John die Schrotflinte lud und Dieselöl in die Gänge des Hügelgrabes fließen ließ.

Bis zum Unhappy End hat sich der Zuschauer nicht königlich aber durchschnittlich unterhalten. Da dies sehr vielen mit Vorschusslorbeeren bedachten Filmen drastisch misslingt, ist man zur angenehmen Abwechslung nicht enttäuscht, sondern sogar ein bisschen überrascht – angenehm überrascht. Man sollte das altmodische, gierige, hochprofessionelle Hollywood eben nicht unterschätzen!

DVD-Features

– Audiokommentar mit Regisseur Luis Berdejo: Er spricht vor allem über Ideen und Szenen, die er verwirklichen wollte, verschweigt aber tunlichst, dass und wieso ihm dies selten so gelang, wie er es uns schildert.

– Hinter den Kulissen (ca. 11 min.): Zu denen, die vor und hinter der Kamera befragt wurden und dort werbewirksam nur Gutes über den Film aber nichts Interessantes sagen, gesellt sich John Connolly, der Autor der Story-Vorlage, die deutlich besser gelungen ist als der Film. (Zu finden ist die Geschichte in der Kollektion „Nocturnes“, die unter diesem Titel auch in Deutschland erschien.)

– Entfernte Szenen (ca. 25 min.): Gezeigt werden Szenen, die in der Tat überflüssig waren oder noch verändert wurden.

Kurzinfo für Ungeduldige: Das neu bezogene Haus wird für den Schriftsteller John James und seine beiden Kinder zum Albtraum, weil unter der Erde vorzeitliche Kreaturen hausen, die Tochter Louisa als Königin ihrer hässlichen Rasse auserkoren haben … – Konventionelle aber durchaus stilvolle Gruselgeschichte, die sich in unnötigen Nebenhandlungen verheddert, jedoch unterhaltsamer über die Runden kommt, als die meisten Kritiker ihr zubilligen mochten.

[md]

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